Milka Schokolade – Produktion und Vertrieb in Russland: Einblicke, Kritik und Kontroversen
Die berühmte Milka-Schokolade zählt zu den weltweit bekanntesten Schokoladenmarken und wird vom US-amerikanischen Lebensmittelriesen Mondelez International produziert. Trotz des seit 2022 andauernden Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine bleibt Milka auch in russischen Regalen vertreten. In diesem Artikel werden die Hintergründe zur Produktion und zum Vertrieb von Milka in Russland, wirtschaftliche Kennzahlen, der gesellschaftliche und politische Diskurs sowie die Reaktion von Mondelez umfassend dargestellt.
Geschichte und Herkunft der Milka-Schokolade
Milka ist eine Marke für Schokoladenprodukte des US-amerikanischen Nahrungsmittelkonzerns Mondelez International. Am 17. November 1825 gründete der Schweizer Zuckerbäcker Philippe Suchard eine Confiserie in Neuenburg. Die Schokolade wird unter anderem im baden-württembergischen Lörrach, im vorarlbergischen Bludenz und im bulgarischen Swoge hergestellt.
Im Jahr 1901 wurde der Markenname „Milka“ registriert; das Akronym bildet sich aus den ersten Silben der Wörter „Milch“ und „Kakao“. Seitdem wird die Milka-Schokolade in Lörrach hergestellt und in einem lilafarbenen Umschlag angeboten, versehen mit dem Bild einer Kuh im Alpenpanorama. In den 1960er- und 70er-Jahren gestaltete die in Bludenz lebende Grafikerin und Kinderbuch-Illustratorin Susi Weigel für jene Milka-Schokolade-Tafeln, die zu Ostern und Weihnachten in den Handel kamen, saisonale Schmuckhüllen.
Der russische Markt: Produktion und lokale Verflechtungen
Mondelez ist seit 20 Jahren auf dem russischen Markt tätig und führend in den Kategorien Schokolade, Pralinen und Kekse sowie in der Kategorie Kaugummi und Lutscher. Die Produktion für den russischen Markt erfolgt ausschließlich lokal: Mondelez betreibt in Russland drei Fabriken und beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter. Der Hauptsitz der russischen Tochter befindet sich in Moskau. In Weliki Nowgorod betreibt das Unternehmen eine Fabrik, die Kaugummiprodukte herstellt, in Pokrow werden Schokolade und in Sobinka Kekse produziert.
| Standort | Produktionsschwerpunkt |
|---|---|
| Pokrow | Schokolade (u.a. Milka) |
| Weliki Nowgorod | Kaugummiprodukte |
| Sobinka | Kekse |
Absatz und Umsatz: Wirtschaftliche Bedeutung des Russland-Geschäfts
Russland bleibt für Mondelez ein Milliardengeschäft. Die Einnahmen in Russland machen gut 3 Prozent oder gut 1 Milliarde Dollar des jährlichen Gesamtumsatzes von 36 Milliarden Dollar aus. Lag der Umsatz im Jahr 2021 noch bei 1,016 Milliarden US-Dollar, stieg er im Jahr 2022 auf 1,463 Milliarden US-Dollar an. Im ersten Drittel von 2024 wurden 69 Millionen Dollar Umsatz und 31,1 Millionen Dollar Gewinn mit Milka-Schokolade erzielt - deutlich mehr als ursprünglich von Mondelez intern prognostiziert. Zolldaten belegen, dass Mondelez die Lieferung von Milka-Schokolade nach Russland von April 2022 bis März 2023 um mehr als 130 Prozent gesteigert hat - von 9,7 Millionen Kilogramm auf 22,4 Millionen Kilogramm.
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Mondelez zahlte im Jahr 2022 Steuern in Höhe von bis zu 61 Millionen US-Dollar an Russland. Die ukrainische Wirtschaftsuniversität „Kyiv School of Economics“ hat berechnet, dass Mondelez im letzten Jahr mehr als 1,46 Milliarden Dollar Umsatz in Russland erwirtschaften konnte und Gewinnsteuer in Höhe von 62 Millionen Dollar an das Land abführte.
Kontroverse um den Vertrieb in Russland: Kritik und Boykottaufrufe
Dass Milka weiterhin in Russland verkauft wird, sorgt international für scharfe Kritik. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine distanzierten sich viele globale Konzerne vom russischen Markt - Mondelez blieb jedoch präsent, was wiederholt Boykottaufrufe hervorrief. Vitsche, eine Vereinigung von Ukrainern in Deutschland, rief zu Demonstrationen gegen den Verkauf von Milka auf und forderte deutsche Händler wie Rewe und Edeka auf, Produkte des US-Konzerns Mondelez aus dem Sortiment zu nehmen.
Bereits im Mai setzte die Nationale Agentur für Korruptionsprävention der Ukraine (NACP) Mondelez auf die Liste der internationalen Sponsoren von Russlands Krieg. Aktivistinnen und Aktivisten kritisieren Mondelez-Chef Dirk Van de Put, wonach er nicht glaube, dass es Anleger moralisch kümmere, ob Firmen weiterhin Geschäfte in Russland machten.
Die Organisation wirft Mondelez vor, das Russland-Geschäft trotz öffentlicher Ankündigung nicht zurückgefahren zu haben. Auch in Skandinavien sah sich Mondelez, das ebenfalls Marken wie Oreo oder Toblerone vertreibt, Boykottaufrufen durch einheimische Unternehmen ausgesetzt. Aktivisten bezeichnen den Milka-Verkauf in Russland als indirekte Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine.
Reaktion und Verteidigung von Mondelez
Der Konzern verteidigt die weitere Präsenz in Russland damit, dass ohne seinen Einsatz viele russische Familien von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten wären. "Es gibt keine einfachen Entscheidungen, aber wie die meisten anderen globalen Lebensmittel- und Getränkeunternehmen stellen wir in diesen schwierigen Zeiten weiterhin Lebensmittel zur Verfügung", argumentierte eine Sprecherin. Mondelez legt Wert darauf, dass die Aktivitäten „deutlich reduziert“ wurden und keine neuen Kapitalinvestitionen, keine Einführung neuer Produkte und keine Ausgaben für Werbemittel in Russland mehr erfolgen.
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Mondelez begründet den Schritt auch mit Verweis auf die rund 3000 Mitarbeiter in Russland sowie mehr als 10.000 Landwirte, die von dem Unternehmen abhängig sind. Sollte Mondelez Russland verlassen, würde das Geschäft Konkurrenten überlassen, die wiederum mehr in Putins Kriegskasse zahlen würden.
Mondelēz teilte mit, man verurteile die "brutale Aggression" gegen die Ukraine, biete jedoch weiterhin erschwingliche, haltbare Produkte an, die für den Durchschnittsbürger ein Grundnahrungsmittel sind. „Würden wir unsere Geschäftstätigkeit vollständig einstellen, liefen wir Gefahr, unser gesamtes Geschäft einer anderen Gruppe zu überlassen, die den gesamten Erlös für ihre eigenen Interessen verwenden könnte.“
Reaktionen und Maßnahmen von Handelsunternehmen
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine haben Rewe und Edeka alle in Russland hergestellten Produkte aus den Regalen entfernt. "Bereits unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben wir einen Boykott für unmittelbar in Russland produzierte Lebensmittel verhängt", teilte Rewe mit. Laut Mondelez werden die in Russland verkauften Produkte ausschließlich vor Ort hergestellt und vertrieben.
Wettbewerb, Produktinnovation und Markenentwicklung
Das Milka-Sortiment umfasst eine große Auswahl an Tafelschokoladen verschiedener Geschmacksrichtungen, ergänzt durch saisonale und anlassbezogene Sonderproduktionen wie große Schokohasen zu Ostern. In den Jahren hat Mondelez die Tafeln mehrfach in Gewicht und Preis verändert - die Verbraucherzentrale Hamburg wählte die Milka Alpenmilch 2025 zur „Mogelpackung des Jahres“, da die 100-Gramm-Tafel auf 90 Gramm reduziert wurde, bei gleichbleibender Verpackungsgröße und höherem Preis.
Innovative Co-Brandings wie „Milka & Oreo“ oder „Milka & Daim“ ergänzen das Portfolio. Der lila Farbton ist als abstrakte Farbmarke europaweit geschützt, was den hohen Wiedererkennungswert unterstreicht.
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Rechtliche und politische Rahmenbedingungen
Mondelez verstößt mit dem Russland-Geschäft nicht gegen internationale Sanktionen, da diese keine Lebensmittel betreffen. Lebensmittel wie Schokolade fallen nicht unter die westlichen Sanktionen. Dennoch plante Mondelez auf Druck von Investoren, Mitarbeitern und Aktivisten, das Russland-Geschäft «unabhängig, mit einer autarken Lieferkette» zu gestalten. Eigentlich wollte Mondelez sein Geschäft in Russland bis Ende letzten Jahres von den globalen Operationen abkoppeln. Die Trennung der Geschäftsbereiche gestaltet sich jedoch schwieriger als angenommen.
In einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur sagte der Lebensmittelgigant, es sei möglich, dass „Markenprodukte über Drittvertriebsunternehmen oder Makler“ - sogenannte Graumarktimporteure - nach Russland gelangten. Mondelez stellte fest, dass das Unternehmen aktiv gegen solche Importe vorgehen kann, falls eine Markenrechtsverletzung vorliegt.
Branchensicht - Auch andere Lebensmittelkonzerne präsent
B4Ukraine, ein internationaler Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen, nennt neben Mondelez auch Mars, Ferrero und Nestlé als bekannte Süßwaren-Hersteller, die weiter in Russland Geschäfte machen. Unter den zehn Unternehmen aus der Branche mit den höchsten Einnahmen in Russland im Jahr 2022 waren auch drei aus Deutschland: August Storck mit 162 Millionen US-Dollar, Ritter Sport mit 110 Millionen US-Dollar und die Krüger Group mit 25 Millionen US-Dollar. Die US-Unternehmen einschließlich Mondelez generierten für 2022 mehr als 40 Milliarden US-Dollar Umsatz in Russland und zahlten 712 Millionen US-Dollar an Steuern.
Zusammenfassung
- Mondelez betreibt weiterhin drei Produktionsstätten für Milka in Russland und generiert steigende Umsätze trotz Ankündigungen, das Geschäft zu reduzieren.
- Kritik an der Fortführung der Geschäfte kommt international von Regierungen, Aktivisten und Verbraucherschützern. Sie fordern Boykotte und den vollständigen Rückzug vom russischen Markt.
- Mondelez verteidigt sein Handeln mit sozialen Argumenten und verweist auf Versorgungssicherheit für russische Familien sowie den Schutz von Arbeitsplätzen.
- Wesentliche Produktsortimente werden ausschließlich in Russland hergestellt und vertrieben. Die Markttrennung von den globalen Geschäften gestaltet sich komplexer als angekündigt.
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