Mein Schatten ist pink — Inhalt und Zusammenfassung des Coppenrath-Bilderbuchs
Das bezaubernde Bilderbuch „Mein Schatten ist pink“ von Scott Stuart handelt von Diversität, Identität und längst überholten Rollenklischees. Gefühlvoll und aus der Ich-Perspektive erzählt, stellt uns Scott Stuart einen bewusst namenlos gelassenen Jungen vor, der all die Dinge toll findet, die man gemeinhin als „Mädchensachen“ bezeichnet. Dabei zeigt das Buch, wie schwer es sein kann, zu sich selbst zu stehen - und wie wichtig Unterstützung von nahe stehenden Menschen ist.
Ausgangspunkt: eine reale Erfahrung des Autors
Scott Stuart war selbst so ein Vater und hat daraufhin dieses Buch geschrieben. Im Alter von 3 Jahren war sein Sohn der größte Fan von Eiskönigin Elsa. Eines Tages kam er sehr unglücklich aus dem Kindergarten nach Hause, weil ihm dort gesagt wurde, dass das nichts für Jungs sei und er deswegen sehr traurig nachhause kam. Dem Vater war schnell klar: diesem Klischeedenken muss man etwas dagegen setzen! Scott begann, an „Mein Schatten ist pink!“ zu arbeiten.
Die zentrale Bildmetapher: der Schatten
Ein kleiner Junge steht vor seinem Schatten und betrachtet diesen ganz genau. Die Schatten in dieser Geschichte stehen für das Spiegelbild der Seele. Sie zeigen, wie sich die Figuren wirklich fühlen. So erkennt man, dass selbst der Vater zunächst zweifelt und sich Sorgen um seinen Sohn macht. Während die beiden blaue Schatten bei sich haben, ist der des Jungen pink. Der Jungen vermutet, dass bei ihm etwas nicht stimmt. Eigentlich sollte sein Schatten blau sein, wie der von Vater und Großvater, doch seiner ist pink.
Der innere Konflikt: Anderssein und Verunsicherung
Zunächst hat der Junge ein zwiegespaltenes Verhältnis zu seinem Schatten. Er tanzt mit ihm durch das Zimmer, aber schaut auch immer auf die anderen männlichen Schatten, die blau sind. Warum ist seiner nicht so und ist das schlimm? Warum kann er nicht so sein, wie alle? Solche Gedanken machen ihn traurig und das Selbstbewusstsein, seinen Schatten so anzunehmen, wie er nun mal ist, fehlt ihm noch. Der Junge mag „Mädchensachen“, also Bücher und Ponys, und am allerliebsten mag er Kleider. Solche die glitzern und dessen Röcke umherwirbeln. Nie wieder will er es anziehen!
Der Schultag: Rückschlag und Flucht
Als er aufgefordert wird, zum ersten Schultag sein Lieblingsoutfit anzuziehen, greift er genau danach. Als er den Klassenraum betritt, verlässt ihn der Mut und er wird von den anderen angestarrt. Kaum ist er dort durch die Tür, wird er von allen angestarrt, bringt kein Wort heraus und läuft traurig wieder nach Hause. Traurig und verunsichert zieht sich der Junge in sein Zimmer zurück, versteckt sein Kleid in der dunkelsten Ecke.
Lesen Sie auch: Käsekuchen ohne Boden backen
Das helfende Gespräch: Vater als Fürsprecher
In diesem Augenblick setzt sich sein Vater zu ihm und macht ihm Mut. Der Vater macht ihm klar, dass dein Schatten genau richtig für ihn ist und einfach perfekt zu ihm passt. Der Vater macht ihm klar, dass sind Schatten genau richtig für ihn ist und einfach perfekt zu ihm passt. Nicht sein Schatten. Nicht sein zu müssen wie alle anderen, zu sich selbst zu stehen und nicht auf die Mehrheitsmeinung hören müssen - das ist doch ein Traum, den bestimmt einige kennen. Der anfangs unsichere Vater ermutigt den kleinen Jungen dazu, er selbst zu sein. Der ihm erklärt, dass es nicht auf Äußerlichkeiten ankommt, sondern auf das, was in uns drinnen steckt.
Akzeptanz und Mut: die Rückkehr in die Klasse
Am nächsten Tag geht er dann wieder mit Kleid in die Schule, an der Hand seines Vaters (auch im Rock) und mit neuem Mut. Gut, dass sein Vater ihm zur Hilfe kommt und ihm seine Unterstützung zusichert, so dass er am nächsten Tag voll Selbstbewusstsein zurückkehren kann. Mutig und selbstbewusst geht der Junge zurück in seine Klasse und findet dort Akzeptanz und Freunde. Und der wird von zwei Kindern belohnt, die freundlich auf ihn zukommen und mit ihm spielen.
Erzählstil, Illustrationen und Übersetzung
Das Bilderbuch ist in Reimen formuliert, die von Kristina Schäfer sehr stimmig übersetzt wurden. Ob man die teilweise holprigen Reime mag, ist wohl Geschmackssache. Die Reime helfen der problemorientierten Geschichte die Schwere zu nehmen. Die Illustrationen sind in leuchtenden Farben gehalten und zeigen teilweise nur die einzelnen Personen mit ihren Gefühlsregungen, während der Hintergrund einfarbig ist. Selten sehen wir ganze, detaillierte Räume, eher werden einzelne Bilder hervorgehoben. Die Schatten hinter den Protagonisten erweitern deren Gestik und betonen ihre Gefühlswelt.
Wirkung und Einsatz in Kita und Schule
Trotz der Schwere der Thematik und dem Mitgefühl für den Jungen kommt das Buch leicht daher und lässt sich so sehr gut in den Kita- bzw. Hortalltag einbringen. Ich könnte mir gut vorstellen, mit den interessierten Kindern ein kleines „Genderprojekt“ zu starten: Was verstehen wir als typisch Junge / typisch Mädchen? Trifft das auf alle Kinder zu? Welche Aktivitäten können wir alle gemeinsam ausprobieren (Bsp.: Angeleitetes Raufen / Glitzerhüte basteln). Meine Kollegin Anja hat zu der Thematik „David Bowie - Little People - Big Dreams“ angeschaut und alle Kinder bunt geschminkt. Mal sehen, was den Kindern selbst dazu einfällt.
Botschaft und gesellschaftlicher Kontext
Die Geschlechtsidentität bildet sich schon im Kindergarten aus. Die Kinder lernen durch ihre Eltern, andere Kinder und die pädagogischen Fachkräfte, welche Verhaltensweisen ihrem biologischen Geschlecht zuzuordnen sind. Obwohl viele Fachkräfte sensibilisiert sind und auch Eltern sich bemühen beim „Undoing gender“ mitzuwirken, wird es wahrscheinlich noch eine ganze Weile zugeschriebene Kategorien geben. Weg vom Schubladendenken, weg von Klischees, weg vom „das ist doch nur für Mädchen“ und „das machen Jungen nun mal so“. Wer aber bestimmt eigentlich, was „normal“ oder „anders“ ist? Und ist es wirklich besser, so zu sein wie alle?
Lesen Sie auch: Eismaschine: Warum das Eis nicht gefriert und was Sie tun können
Für wen ist das Buch geeignet?
Ein bestärkendes, Mut machendes Bilderbuch für alle Geschlechter mit einer wichtigen Botschaft, die auch noch bei vielen Erwachsenen ankommen muss. Wir empfehlen das Buch mit den gereimten Texten und ansprechenden Illustrationen für Kinder ab 4 Jahren. Eine Geschichte für Kinder ab 5 Jahre, die sich für Diversität, Gleichberechtigung und gegen festgefahrene Rollenbilder stark macht. Das Bilderbuch würde ich erstmal ins Bilderbuchregal legen und warten, ob und wen es interessiert. Dieses Bilderbuch würde ich erstmal ins Bilderbuchregal legen und warten, ob und wen es interessiert.
Weiterführende Empfehlungen
Falls ihr noch andere Geschichten sucht, die auf Geschlechterklischees ebenso pfeifen, schaut euch doch mal „Heinrich will brüten“ oder „Roberts weltbester Kuchen“ an. Weitere passende Bücher sind „Echte Kerle“, „Julian ist eine Meerjungfrau“, „Der Junge im Rock“ oder auch „Geh weg, Herr Berg!“ und „Luzie Libero“.
| Aspekt | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Thema | Diversität, Rollenklischees, Identität |
| Autor | Scott Stuart (autobiographischer Anstoß) |
| Übersetzung | Kristina Schäfer |
| Zielgruppe | Kinder ab 4-5 Jahren, pädagogische Einrichtungen |
| Illustrationen | Leuchtende Farben, betonte Gefühlsdarstellung durch Schatten |
Hoffen wir, dass dieses Bilderbuch bei der Aufklärung hilft, so dass viele Jungs stolz zu ihrem pinkfarbenen Schatten stehen können - ohne Angst vor Diskriminierung. Scott Stuart, Mein Schatten ist pink, aus dem Englischen von Kristina Schaefer, Coppenrath Verlag 2021. Das Buch wurde uns vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.
Lesen Sie auch: "Mein kleiner grüner Traktor" unter der Lupe
tags: #mein #schatten #ist #pink #coppenrath #inhalt


