Lidl Lebkuchen Verkaufsstart: Warum Weihnachtsgebäck schon im Spätsommer in den Regalen liegt

Weihnachten steht vor der Tür! Könnte man zumindest meinen, wenn man in diesen Tagen zum Einkaufen geht. Supermärkte wie Lidl und Kaufland mit Sitz in Neckarsulm und Bad Wimpfen (beide Kreis Heilbronn) haben Lebkuchen, Dominosteine oder Spekulatius längst in den Regalen - wie jedes Jahr. Doch warum? Bereits seit Ende August sind die Regale in den Supermärkten wieder mit Weihnachtsgebäck gefüllt - rund vier Monate vor Heiligabend. Ein willkommenes Nasch-Vergnügen für die Kundinnen und Kunden. Dennoch gehen die Meinungen darüber, wann der richtige Zeitpunkt für Weihnachtsleckereien ist, auseinander.

Für Supermärkte wie Kaufland und Lidl ist der frühe Verkauf von Weihnachtsgebäck also längst normal - und offensichtlich erfolgreich. Kaufland begründet das zumindest so: "Unsere Erfahrungen [...] zeigen, dass unsere Kunden das Angebot an den saisonalen Süßwaren gerne annehmen. Ende August, spätestens Anfang September geht's los mit den ersten Weihnachtssüßwaren. Auch Lidl startet das saisonale Sortiment früh. Die ersten Weihnachtsprodukte sind in allen über 3.250 Filialen im Laufe des Septembers verfügbar. Ein Sprecher erklärt, dass sich Lidl bei Aktionszeiträumen "am Markt und an den Bedürfnissen der Kunden" orientiere.

Lidl-Filiale mit Lebkuchenregal im September

Unterschiedliche Reaktionen: Freude, Kritik und Umfragen

Eine nicht repräsentative Umfrage des SWR in Heilbronn spiegelt das wieder; wenngleich auch der Großteil der Befragten erst mal noch mit dem Naschen abwarten möchte: Die Stimmung passe noch nicht, so eine Kundin, und noch viel weniger das Wetter. "Es muss kalt sein", sagte sie. Und doch - so manch einer freut sich jetzt schon über das vorgezogene Angebot. Dieser Mann rechtfertigt mit einem Augenzwinkern seinen frühzeitigen Weihnachtseinkauf: "Da steht immer 'Kauf mich, kauf mich' drauf.

Es ist in Deutschland fast ein Ritual geworden. Die einen regen sich auf, dass das Weihnachtsgebäck so früh verkauft wird, die anderen freuen sich darüber und naschen auch Mitte September gerne Lebkuchen oder Dominosteine, wenn nicht sogar das ganze Jahr über. In Umfragen zeigt sich diese Spaltung ebenfalls. In einer YouGov-Befragung sprechen sich zwei Drittel dagegen aus, dass Weihnachtsgebäck ab August verkauft wird, ein Drittel ist dafür.

Handel erklärt den frühen Start

Doch wie erklären die Supermärkte den verfrühten Weihnachtszauber? Eine Sprecherin von Kaufland erklärt, der bundesweite Verkauf der Weihnachtsware sei „wie branchenüblich“ Ende August bis Anfang September gestartet. Lebkuchen und Spekulatius stehen bei Kaufland spätestens ab September im Regal. „Unsere Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass unsere Kunden das frühe Angebot an Weihnachtsgebäck gerne annehmen“, so die Sprecherin weiter. Außerdem will das Unternehmen mit dem Mythos aufräumen, dass das Weihnachtsgebäck jedes Jahr früher verkauft würde. Der Starttermin sei „seit jeher“ gleich.

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Ähnlich äußert sich eine Lidl-Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. „Lidl orientiert sich bei Aktionszeiträumen am Markt und an den Bedürfnissen der Kunden.“ Die erste Weihnachtsware sei in allen Lidl-Märkten im Laufe des Septembers im Angebot. „Kundinnen und Kunden melden uns immer wieder zurück, dass sie es schätzen, sich Schritt für Schritt auf die besinnliche Weihnachtszeit einstimmen zu können.“

Lidl-Weihnachtssortiment: Samichlaus, Adventsschokolade, Panettone

Was die Konkurrenz sagt

Die Konkurrenz zeigt sich ob der Tatsache, dass ein Konkurrent bereits Weihnachtsartikel à gogo verkauft, überrascht: «Meinen Sie nicht das Herbstsortiment?», fragt Migros-Sprecher Patrick Stöpper ungläubig zurück. Denn Lebkuchen verkaufe man auch bereits. Weihnachtsprodukte hingegen kämen in der Regel erst Ende Oktober in die Läden. Aber jetzt sei das bestimmt noch nicht der Fall. Auch Coop-Sprecherin Rebecca Veiga antwortet mit Verweis auf die Herbstprodukte während der Chilbi-Saison. Magenbrot, Marzipan und Lebkuchen biete man grundsätzlich ab Mitte September an, klassische Weihnachtsartikel wie Adventskalender und Dekorationsschokolade für den Weihnachtsbaum hingegen erst im Laufe des Novembers. Bei Volg gilt der 1. November als Starttermin.

Ähnlich tönt es bei der Migros-Schwester Denner: Pralinenschachteln mit Weihnachtsmotiven kämen erst ab Ende Oktober ins Sortiment. Der zeitliche Plan dafür habe sich in den letzten Jahren nicht geändert, sagt Sprecherin Grazia Grassi. Und auch Lidls Hauptkonkurrent Aldi hat keine Eile mit der Bescherung. Erst ab Anfang November biete man Panettone, Backzutaten, Christbaumkugeln, Kalender, Geschenkpapier und Spielsachen für Weihnachten an, sagt ein Sprecher. Die Nachfrage erreiche erfahrungsgemäss im Dezember ihren Höhepunkt.

Produktion und Logistik: Warum die Backöfen schon heiß laufen

Mehr als drei Monate vor Beginn der Adventszeit läuft die Produktion von Lebkuchen und anderen Weihnachtsspezialitäten bereits auf Hochtouren. Auch in den Werken der Aachener Lambertz-Gruppe herrscht von Juni bis August Hochbetrieb. Die Lambertz-Gruppe begann im Juni mit der Produktion von Printen, Lebkuchen und Stollen. Bis zu 10.000 Paletten täglich verlassen die Produktionslager. Gut 81.000 Tonnen Lebkuchen, Honigkuchen und ähnliches Gebäck haben die 75 deutschen Hersteller laut dem Statistischen Bundesamt im vergangenen Jahr produziert, 2023 waren es noch 86.800 Tonnen.

Eine wichtige Rolle spiele dabei Osteuropa, wo das ganze Jahr über Lebkuchen gegessen werde, erläutert Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker. Der wichtigste Absatzmarkt sei aber nach wie vor Deutschland und die europäischen Nachbarländer, wo Lebkuchen, Stollen, Printen & Co. hauptsächlich im November und Dezember gekauft werden. Bei Neuheiten und Trends sind die Deutschen bei Weihnachtsspezialitäten allerdings wenig experimentierfreudig. Diese erwarteten klassische, traditionelle Produkte, sagt Bühlbecker.

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Lebkuchen-Produktion: Verpackungslinie in einem Werk

Nachfrage, Wetter und Psychologie

Mit dem Ende der Urlaubszeit wachse die Vorfreude auf die ruhigere Winterzeit, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Philipp Hennerkes. Ob Verbraucherinnen und Verbraucher bereits viele Wochen vor Weihnachten großen Appetit auf die traditionellen Leckereien haben, hänge stark vom Wetter ab, sagt der Konsumforscher Carsten Leo Demming von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Bei Neuheiten und Trends sind die Deutschen bei Weihnachtsspezialitäten allerdings wenig experimentierfreudig. Diese erwarteten klassische, traditionelle Produkte, sagt Bühlbecker.

"Das Angebot schafft sich seine Nachfrage", sagt Handelsexperte Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart (DHBW). Der Handel würde die Produkte nicht verkaufen, wenn es sich nicht lohnt. Daten des Marktforschungsunternehmens NIQ zeigen hingegen: Im August wurden in den vergangenen drei Jahren kaum Umsätze mit weihnachtlichem Saisongebäck erzielt, im September hingegen stiegen die Umsätze an.

Tabelle: Typische Starttermine großer Händler

Händler Üblicher Starttermin Weihnachtsartikel
Kaufland Ende August bis Anfang September
Lidl Im Laufe des Septembers (stufenweise)
Rewe Seit Jahrzehnten ähnlicher Zeitpunkt; starke Verkäufe Sep/Okt
Coop / Migros / Denner / Aldi Meist Mitte/Ende Oktober bis Anfang November für klassische Artikel

Qualitäts- und Gesundheitsfragen

In der Vergangenheit wurde über versteckte Inhaltsstoffe in Lebkuchen berichtet. Öko-Test hat untersucht, was in den Weihnachtsklassikern steckt. Die Tester kauften 18 Produkte ein, darunter fünf Bio-Varianten. Für 200 Gramm zahlten sie zwischen 2,29 Euro und 5,99 Euro in den Supermärkten und Discountern. Speziallabore prüften alle Lebkuchen auf Schimmelpilzgifte. Diese können bei der Lagerung von Nüssen oder Getreide entstehen. Außerdem suchten die Experten nach Mineralölbelastungen und Pestiziden, wie zum Beispiel das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Bei der Deklaration kontrollierten die Prüfer zugesetzte Aromastoffe.

Der Test zeigt deutliche Unterschiede: Sechs Produkte kommen auf 20 Prozent Nüsse und Sonnenblumen- oder Sesamsamen im Lebkuchen. Eines enthält nur elf Prozent. Acht Produkte erhielten die Note „sehr gut“, darunter die zwei Handelsmarken dm Bio Nürnberger Lebkuchen und Rewe Bio Oblaten Lebkuchen, glasiert und schokoliert. Schlusslicht ist der Fine Life Feine Nürnberger Oblaten Lebkuchen von Metro mit der Note „ungenügend“. Das Labor wies aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nach. Die Favorina Feine Nürnberger Oblaten Lebkuchen von Lidl erhielten die Note „befriedigend“, da das Labor gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) fand. Das Eigenmarken-Produkt konnte auch geschmacklich in einem Test der ARD nicht überzeugen. Der Wicklein Bio Nürnberger Oblaten-Lebkuchen enthält als einziges Produkt das Schimmelpilzgift Ochratoxin A.

Preise, Trends und Konsumverhalten

Lebkuchen und andere Weihnachtssüßwaren sind in diesem Jahr deutlich teurer. Für gefüllte Lebkuchenherzen zahlen Kunden bis zu 60 Prozent mehr als 2024. Die Preise pro Packung liegen meist über drei Euro. Die Preiserhöhungen betreffen sowohl Markenprodukte als auch Eigenmarken. Gründe sind gestiegene Rohstoff- und Energiepreise. Immer mehr Kunden kaufen Lebkuchen im Sonderangebot, um Kosten zu sparen. Beim klassischen Nürnberger Lebkuchen sei man bei neuen Trends aber vorsichtig. Generell gebe es eine größere Nachfrage nach Bio und nach veganen Produkten, hat Lebkuchen Schmidt-Betriebsleiter Dirk Kuen festgestellt.

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Video: Einblick in die Lebkuchenproduktion bei einem großen Hersteller

Diskussion: Jahreszeiten, Saisonalität und Händlerstrategien

Bei Verbraucherinnen und Verbrauchern polarisiert das Thema. Zwei Drittel lehnen einen Verkaufsstart im August ab, wie eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Ebenso viele kaufen Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen oder Plätzchen im Supermarkt demnach erst im November oder Dezember, 14 Prozent im Oktober. Nur jeder Zehnte kauft die Produkte früher, lediglich drei Prozent im August. "Das Angebot schafft sich seine Nachfrage", sagt Handelsexperte Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart (DHBW). Der Handel würde die Produkte nicht verkaufen, wenn es sich nicht lohnt.

Die Entscheidung von Lidl ist strategisch nachvollziehbar. Der Einzelhandel lebt von saisonalen Impulsen. Würden Dominosteine, Zimtsterne und Lebkuchen das ganze Jahr über verfügbar sein, würde der „Besonderheits-Effekt“ im Herbst vermutlich komplett verpuffen. Für alle Fans von Schoko-Lebkuchen und Marzipan-Dominosteinen heißt es also weiterhin: Geduld haben. Aber vermutlich nicht bis Weihnachten. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigte, dass spätestens Ende August oder Anfang September die Paletten mit den weihnachtlichen Leckereien wieder flächendeckend in die Filialen kamen - ganz ohne Testlauf.

Viele unserer Kunden freuen sich schon das ganze Jahr über auf Weihnachten und wollen daher nicht nur in der Vorweihnachtszeit Plätzchen essen, sagt Kaufland. Norma startet sogar zwischen Anfang und Mitte August. "Grundsätzlich stellen wir fest, dass das Weihnachtssortiment in ganz Deutschland bereits jetzt bei den Kunden gut ankommt", teilt das Unternehmen mit.

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