Kuchenrezepte bei Colitis ulcerosa: verträgliche Backideen und praktische Tipps
Ich heiße Désirée Marie, bin 24 Jahre alt, arbeite als Journalistin (TV & Radio) für den NDR und lebe seit 10 Jahren mit Colitis ulcerosa, seit einigen Jahren komplett ohne Dickdarm, dafür mit J-Pouch im Bauch. Aber fangen wir von vorne an ….
Meine persönliche Erfahrung und Ernährungseinstellung
Ich möchte eben kein Lebensmittel benachteiligen. Außer die, die mir Bauchweh bescheren. Die können sich ruhig verkrümeln. Und die Liste der Dinge die ich ohne Dickdarm nicht mehr vertrage, ist leider ziemlich lang: Zwiebeln, Knoblauch, Obst, Gemüse, Salate, Säfte, Nüsse, Vollkorn, scharfes, zu fettiges, chinesisches Essen, …. Soll ich noch weitermachen? Ne reicht euch?
In 10 Jahren mit der CED hab ich schon viel, viel ausprobiert (vegan, vegetarisch, paleo, SCD, …) und bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass es für mich und meinen Bauch kein allgemeingültiges Ernährungs-Rezept gibt! Ich möchte mich nicht an strenge Regeln und Verbote halten. Ich esse heute, auf was ich Lust habe, was meinem Bauch gut tut und ab und an darf es dann eben auch mal eine Sünde sein (man muss das Leben doch auch genießen!).
In der Regel gibts bei mir: viele Kohlenhydrate (Brot, Brötchen, Kartoffeln), keine Kuhmilch (auch kein Joghurt, Quark etc. / nur auf Käse möchte ich nicht komplett verzichten! Milch gibts aber wirklich ausschließlich als pflanzliche Alternative. Mein Favorit: Mandel- & Kokosmilch), ab und an Fisch (am liebsten Lachs & Thunfisch) und Fleisch (hach Schnitzel!) kein Salat & Rohkost, dafür viel ballaststoffarmes & somit leicht verdauliches (Weißbrot statt Vollkorn) und eben auch mal: Pizza, Pommes, Burger & Kuchen. Erlaubt ist, was schmeckt! Das macht nämlich glücklich! Und glücklich macht gesund!
Grundsätze beim Backen für Betroffene mit Colitis ulcerosa
- Eine Ernährung mit möglichst natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln ohne Zusatzstoffe ist empfehlenswert.
- Die Chance einer Ernährungstherapie bei Colitis ulcerosa liegt darin, die beschwerdefreie Zeit so lange wie möglich zu erhalten.
- Liegt keine Diarrhoe (mehr als drei Stühle täglich) und kein sichtbares Blut im Stuhl vor, spricht man von Remission; für diese Phase empfiehlt sich eine leichte beziehungsweise angepasste Vollkost, die kalorien-, vitamin- und ballaststoffreich ist.
- Im entzündlichen Schub werden oft nur wenige milde Lebensmittel vertragen; besondere Empfehlungen für die Akutphase zielen darauf ab, den entzündeten Dickdarm zu entlasten.
- Lebensmittel und Zubereitungsverfahren, die häufig Beschwerden auslösen, sollten gemieden werden: frittierte und fette Speisen, stark Gewürztes, zu heiße oder zu kalte Speisen.
Welche Kuchenzutaten sind meist gut verträglich?
- Weißmehl oder fein geschrotete Vollkornalternativen in geringen Mengen (ballaststoffärmer, leichter verdaulich).
- Eiweißreiche Zutaten wie Eier zur Stabilität und Proteinversorgung.
- Pflanzenbasierte Milchalternativen (Mandel- oder Kokosmilch) statt Kuhmilch, wenn Laktoseproblem besteht.
- Milde Fette in Maßen; kräftig frittierte Toppings oder sehr fettreiche Cremes vermeiden.
- Schonend geriebene oder gegarte Früchte statt roher, faserreicher Obstsorten - oder komplett weglassen, wenn Obst nicht vertragen wird.
- Nüsse vorsichtig einsetzen: fein gemahlen können sie verträglicher sein als ganze Nüsse, sofern Nüsse toleriert werden.
Rezeptbeispiel: Verträglicher Karottenkuchen (als Orientierung)
Backofen auf 180° vorheizen. Den Boden der Form mit Backpapier auslegen, den Rand einfetten. Die Möhren schälen und fein raspeln. Die Walnüsse im Blitzhacker fein mahlen. Mit Mandeln, Stärke, Mehl, Backpulver, Salz und Zimt mischen.
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Die Eier trennen und die Eiweiße sehr steif schlagen. Die Eigelbe mit Zucker und Orangenschale ca. 3 Min. dickcremig aufschlagen. Zuerst die Möhren, dann die Nussmischung und 4 EL Saft unterschlagen. ⅓ des Eischnees mit dem Schneebesen unterrühren, den Rest unterheben.
Den Teig in die Form füllen, glatt streichen und im Ofen (unten) 40-50 Min. backen. Aus dem Ofen nehmen und vollständig abkühlen lassen, dann aus der Form lösen. Für den Guss den Puderzucker mit dem übrigen Orangensaft glatt rühren und den Kuchen damit überziehen. Nach Belieben den Kuchen noch mit Orangenzesten bestreuen. Fest werden lassen und zum Servieren in Stücke schneiden.
Copyright: Maria Zunner, Kaffee-Kult, 978-3-8338-4658-8, Gräfe und Unzer Verlag in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH
Warum dieses Rezept passend sein kann
- Fein geraspelte Möhren sind schonender als rohe, grobe Stücke und können besser vertragen werden.
- Die Verwendung fein gemahlener Nüsse reduziert die schwierige Zerkleinerung im Darm gegenüber ganzen Nüssen.
- Puderzucker-Soße statt schwerer Sahnecreme macht den Kuchen leichter verdaulich.
- Orangensaft in kleinen Mengen kann Geschmack geben ohne zu viel Fruktose; bei Fruktoseintoleranz ist Vorsicht geboten.
Kleine Variationen und Austauschmöglichkeiten
- Mehl: Wenn Vollkorn nicht vertragen wird, lieber Weißmehl oder fein geschrotetes Mehl in kleinen Mengen.
- Milch: Kuhmilch durch Mandel- oder Kokosmilch ersetzen.
- Zucker: Bei Zuckersensitivität Alternativen wie Reissirup in kleinen Mengen prüfen.
- Nüsse: Bei Unverträglichkeit weglassen oder durch Haferflocken (wenn verträglich) ersetzen.
- Früchte: Gekochte, weiche Früchte (z. B. Kompott) statt roher Stücke verwenden oder ganz weglassen.
Ernährungsmedizinischer Hintergrund
Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Betroffene tragen wegen wiederkehrender Durchfälle und der Schädigung ihrer Darmschleimhaut ein hohes Risiko für eine Mangelernährung. Meist fehlen ihnen Eiweiß und Mikronährstoffe wie Kalzium, Eisen, Zink, Folsäure oder die Vitamine D und B12 - das schwächt den Körper zusätzlich.
Auch wenn es nicht "die Ernährung gegen Colitis" gibt: Die Chance einer Ernährungstherapie bei Colitis ulcerosa liegt darin, die beschwerdefreie Zeit so lange wie möglich zu erhalten. Entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren (aus beispielsweise Leinöl, Lachs) und anthocyanhaltige Beeren, insbesondere Heidelbeeren, können helfen.
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Empfehlungen für Remission vs. Schub
| Phase | Ernährungsschwerpunkt |
|---|---|
| Remission | Leichte, angepasste Vollkost; kalorien- und vitaminreich; fein geschrotete Vollkornprodukte, mildes Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte, Eier |
| Akutphase / Schub | Schonende Kost, wenige milde Lebensmittel; Vermeidung von Laktose/Fruktose/Sorbit bei Unverträglichkeit; ballaststoffarme Optionen |
Praktische Tipps beim Backen und Essen
- Neue Zutaten immer schrittweise testen und nur eine Änderung auf einmal vornehmen.
- Auf Portionsgröße achten: Kleine Stücke essen, um Verdauungsbeschwerden zu minimieren.
- Auf die Temperatur der Speisen achten: zu heiße oder zu kalte Speisen können Beschwerden auslösen.
- Das persönliche Verträglichkeitsprofil dokumentieren: Was war gut, was schlecht?
- Sich mit anderen Betroffenen austauschen - oft hilft der Erfahrungsschatz von Mitpatienten.
Offene und ehrliche Kommunikation
Was meiner Meinung nach bei einer CED super wichtig ist: darüber reden! Es nicht totschweigen und tabuisieren. Gerade weil man es einem nicht ansieht und die Mitmenschen es nicht riechen können, bevorzuge ich Ehrlichkeit. Und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen kann unglaublich guttun (anderen gehts genauso beschissen wie mir - ich bin nicht allein)!
Deshalb ein großes DANKE, dass ich meine CED-Geschichte hier mit euch teilen und so wieder einen Teil zur „Enttabuisierung“ der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beitragen konnte.
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