Bienen mit Honig füttern: Gefahren, Risiken und Praxistipps für Imker
Immer häufiger fragen sich Imker und Naturfreunde, ob und wie man Bienen mit Honig füttern kann und welche Risiken dabei beachtet werden müssen. Besonders im Winter und im zeitigen Frühjahr lösen warme Temperaturen die sogenannten Reinigungsflüge der Bienen aus. Die Bienen benötigen dann ausreichend Energiequellen, um vital zu bleiben, und Imker stehen vor der Entscheidung, wie sie ihre Völker am besten unterstützen können.
Warum werden Bienen überhaupt gefüttert?
Im Sommer müssen wir als Imker unsere Bienen füttern. Ein Bienenvolk braucht für den Winter mindestens 15 Kilogramm Futter als Vorrat, hat man größere Beuten, ist es gut, wenn man etwas mehr als 20 Kilo einfüttert. Dabei sollte man aber berücksichtigen, dass die Bienen beim Einlagern und auch schon im Sommer einen Teil des Futters verbrauchen. Wer also 15 Kilo Wintervorrat will, muss mehr füttern.
Nach der letzten Honigentnahme muss man die Bienen einfüttern. Solange die Bienen genügend eigenen Honig haben, können sie den in trachtarmen Zeiten als Nahrung verwenden. Vereinzelt finden die Bienen noch nektartragende Blüten, aber nicht mehr genug, um den täglichen Futterbedarf des ganzen Bienenvolkes zu stillen.
Honig als Winterfutter: Tradition, Vorteile und Herausforderungen
Immer mehr Imker möchten ihre Bienen möglichst naturnah halten und den Bienen ihren eigenen Honig für den Winter lassen. Meine Bienen haben in diesem Jahr so viel Honig gesammelt, dass ich sie zum Teil mit eigenem Honig einfüttern und über den Winter bringen kann. Das hat über viele Millionen Jahre ganz gut funktioniert. Voraussetzung ist heute aber ein Standort, der aus der Umgebung einen durchgehenden Nektarstrom liefert. Das ist oft nicht mehr gegeben.
Honig, der bis dahin für die Überwinterung der Bienenvölker im Herbst den Bienen gelassen wurde, konnte zusätzlich geerntet werden und durch die Fütterung von Zuckerwasser im Spätsommer und Herbst ersetzt werden. Bis heute hat sich die Landwirtschaft in Westeuropa so verändert, dass eine Bienenhaltung ohne Zuckerfütterung kaum mehr denkbar ist.
Lesen Sie auch: Die Wahrheit über Schokolade und Verdauung
Wiederverfütterung von eigenem Honig
Dabei stellt sich oft die Frage: Welche Konsistenz muss der Honig haben, wenn ich ihn verfüttere? Viele Imker rühren ihr Zuckerwasser oder Honigwasser selbst an. Der Honig kann flüssig oder kandiert sein, wird jedoch manchmal mit Wasser verdünnt, um ihn flüssiger zu machen. Bei Alternative 3 habe ich Bedenken, dass grobe Kristalle zurückbleiben. Ist dem so? Festen Honig kannste so reinpacken, da bleibt nichts über.
Ich habe letztens den Ablegern kristallisierten Frühjahrshonig von diesem Jahr in etwas Wasser verflüssigt und in kleinen Mengen mittels Futtertasche gefüttert. Hat jemand Erfahrung, in welcher Konsistenz der Honig sein muss, wenn ich ihn verfüttere? Natürlicherweise wäre eine dünnflüssige Konsistenz das Beste, aber wenn ich den Honig stark verdünne und er wird nicht so schnell abgenommen, fängt er an zu gären.
Der hier übliche Haushaltszucker (Rübenzucker) hat in der Saccharose ebenso ein Verhältnis von 1:1. Mit dem Zucker-Wassergemisch gibt es bekanntlich ja auch keine Probleme. Bei uns Menschen sollte der Anteil an Fructose ja eher geringer sein, zur besseren Verdauung. Wie dies bei den Bienen aussieht, weiß ich leider nicht.
Gefahren und Risiken bei der Fütterung von Honig
Faulbrutgefahr durch Sporenübertragung
Laien sollten Bienen nicht mit Honig füttern - darauf macht das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufmerksam. Zum einen, weil nahezu drei Viertel aller untersuchten Importhonige aus Supermärkten Sporen des Bakteriums Paenibacillus larvae - des Erregers der Amerikanischen Faulbrut - aufweisen. Dieses Bakterium infiziert Bienenlarven und zerstört sie. Die Konsequenz: Es fehlt an nachwachsenden Arbeiterinnen, und das Bienenvolk geht ein.
Erwachsene Bienen können zwar nicht angesteckt werden, sie sind allerdings an der Sporenverbreitung dieses Krankheitserregers beteiligt. Die Sporen sind äußerst widerstandsfähig, langlebig und nahezu zeitlich unbegrenzt ansteckungsfähig. Das Bakterium befällt die Brut der Honigbiene und zerstört diese. Dadurch fehlt es an Nachwuchs im Bienenvolk - es wird geschwächt und verendet. Erwachsene Bienen können zwar nicht angesteckt werden, aber sie verbreiten die Sporen des Erregers und tragen dazu bei, dass sich die Seuche innerhalb eines Volkes und benachbarter Bienenstände schnell ausbreitet.
Lesen Sie auch: Schritt-für-Schritt-Anleitung: Kuchen im Thermomix backen
Deshalb rät das ML dringend ab, Bienen als Laie mit Honig zu versorgen. Wer Bienen helfen will, sollte ihnen im unmittelbaren Nahbereich nektar- und pollenspendende Pflanzen anbieten. Gärten, Balkone und Terrassen ermöglichen die Gestaltung abwechslungsreicher Lebensräume für alle Blüten besuchenden Insekten.
| Futterart | Risiko für Amerikanische Faulbrut | Empfehlung |
|---|---|---|
| Honig - regional vom eigenen Volk | Gering | NUR durch den eigenen Imker |
| Honig - Import, Supermarkt | Sehr hoch | Nicht verfüttern! |
| Zuckerwasser/Sirup | Keine Faulbrutübertragung | Empfohlen für Notfütterung |
Probleme mit Honigtau- und Waldhonig als Futter
Nicht alle Honige sind als Winterfutter geeignet: Waldhonig ist für die Bienen beispielsweise schwer verdaulich. Dann kann es sein, dass sie bereits im Winter im Stock abkoten müssen, da ihr Darm zu sehr belastet ist. Honigtauhonige sind problematisch, weil sie den Verdauungstrakt belasten und ein Abkoten im Winter nicht möglich ist. Melezitose-Honige sind problematisch, weil sie erstens Honigtauhonige sind und zweitens wenn, dann nur mit Wasser zu verflüssigen sind und Wasser holen ist im Winter schwer möglich und mit hohen Risiken für die Bienen verbunden.
Frühtracht-Honige sind dagegen auch in kristallisierter Form unproblematisch, weil sie erstens keine Verdauungsproblematik haben und zweitens auch ohne Wasser alleine durch die Temperatur, die die Bienen auch im Winter erzeugen, verflüssigbar sind. Mit Melezitose geht das nicht. Wer das nicht glaubt, kann gerne mal harten Frühtrachthonig im Winter auf die Oberträger geben.
Weitere Risiken: Gärung und HMF-Bildung
Futter nicht zu lange lagern, sonst bildet sich giftiges HMF: Hydroxymethylfurfural (HMF) ist für uns Menschen nicht giftig - für die Bienen schon, da sie es nicht verdauen können. HMF entsteht, wenn sich Wasser aus Einfachzuckern abspaltet - das passiert, wenn Futter (egal, ob Zuckerwasser, Sirup oder Honig) zu lange und zu warm lagert. Deshalb sollte man stets frisches Futter verwenden und es kühl und dunkel lagern.
Wenn ich den Honig stark verdünne und er wird nicht so schnell abgenommen, fängt er an zu gären. Achtung: zäher Honig wird eventuell weicher beim Füttern und dann verkleben die Bienen drin.
Lesen Sie auch: Effektive Tipps zur Blutzuckersenkung
Expertenempfehlungen zur sicheren Verfütterung von Honig an Bienenvölker
Eigenen Honig verwenden
Aber Achtung (!): Dazu nur Honig von einem deutschen Imker verwenden. Den Honig wieder verfüttern ist natürlich besser und billiger, als Zuckerwasser (oder ApiInvert). Was du verkaufen kannst, verkaufe im Eimer, das macht ja keine Arbeit, aber ich würde so viel zurückbehalten, wie zur Winterfütterung brauchst. Ab nächstem Jahr lässt du den Bienen einfach den Honig - das ist auch mein Plan. Ich werde nur ca. 30 kg von allen Völkern zusammen ernten für mich und einige Nachbarn. Der Rest bleibt ungeschleudert bei den Bienen.
Kleine Mengen und korrekte Zubereitung
Als ich vor mehr als zehn Jahren Dr. Dr. Helmut Horn am Bieneninstitut besuchte, bestätigte sich: Man kann den Honig 1:1 mit warmem Wasser anmischen, um eine flüssige Lösung zu erhalten. Genauso würde ich es auch machen. 1:1 ergibt praktisch Nektar. Ganz so dünn würde ich es nicht machen. Daher ist deine 2:1 Mischung sicher besser. Letztendlich waren nur ca. 20% Wasser nötig, um den Honig etwas dünner und flüssiger zu machen. Das Mischen erfolgte mit Bohrmaschine und Farbrührer, alles lief problemfrei. Da der Honig noch größtenteils flüssig war, klappte es ohne Erhitzen, dafür aber mit ca. 20% Wasser verdünnen über den Farbmischer an der Bohrmaschine.
Räuberei verhindern
Beim Füttern sollte man das Flugloch eng halten. So können die Bienen ihren Eingang besser gegen Räuberbienen verteidigen. Das Füttern selbst ist ganz einfach. Die Futtereimer haben kleine Löcher im Deckel. Der Deckel auf der Bienenbeute hat ebenfalls ein Loch. Ich kippe den Eimer mit dem Deckel nach unten auf das Loch im Beutendeckel. Die Bienen entnehmen den Honig dann durch die kleinen Löcher und tragen ihn in die Waben um. Diese Art der Fütterung lockt kaum Räuber an. Futter nicht draußen anrühren! Im Garten sind dafür gerade zu viele Wespen und hungrige Bienen unterwegs. Bei verschüttetem Futter werden Räuberbienen angelockt. Deshalb ist es ratsam gründlich zu füttern und nie morgens, sondern immer abends, dann beruhigen sich die Bienen über Nacht wieder.
Fütterung bei Not und im Winter
Manchmal kann es vorkommen, dass das Futter nicht ausreicht - beispielsweise wenn die Bienen zu viel brüten oder ein Volk ausgeräubert wird. Dann muss man die Bienen im Winter nachfüttern. Hier ist es gut, wenn man einen Vorrat an Futterwaben hat - denn die Bienen nehmen im Winter nur ungern Flüssigfutter ab.
Besondere Hinweise für Hobbyimker und Laien
Eine falsch verstandene Hilfe für Bienen ist allerdings das Füttern der Insekten mit Honig auf dem Balkon oder am Haus. Geschäftsführer des D.I.B.: Auch die Fütterung mit Zuckerwasser als Nahrungsquelle im Garten oder auf dem Balkon sollte tunlichst unterlassen werden. Dann lieber eine Bienenweide anlegen: Eine kräuterreiche Wiese statt englischem Rasen, die Pflanzung oder Saat bienenfreundlicher Stauden, Hecken, Bäume, der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz sind nur einige Beispiele.
Fazit: Honigfütterung - mit Bedacht und Wissen
- Bienen können sehr gut mit eigenem, nicht belastetem Honig gefüttert werden - am besten vom eigenen Volk!
- Importhonig und Honig aus unbekannter Herkunft dürfen niemals an Bienen verfüttert werden wegen der Gefahr der Faulbrut.
- Wald- und Honigtauhonige, wie Melezitose, sind als Winterfutter ungeeignet, da schwer verdaulich.
- Auf Frische und richtige Konsistenz des Futters achten, um Gärung und Bildung von Bienen-schädlichem HMF zu verhindern.
- Flüssige oder leicht verdünnte (20-50 % Wasser) Eigenhonigmischungen haben sich als praktikabel bewährt.
- Fütterung immer bienensicher und mit Schutz gegen Räuberei.
- Niemals im Garten oder auf dem Balkon Honig anbieten - Bienenweiden sind die bessere Alternative.
Fragen & Tipps für Imkerkollegen
Gibt es denn bei Euch niemanden, der Interesse an überschüssigem Honig von Imkerkollegen hat? Kleinere Mengen zur Notfütterung können mit den genannten Hinweisen sicher verfüttert werden. Jeder Imker sollte sich bewusst machen: Die Gesundheit der Völker steht über jedem Ertrag - manchmal schont man durch weniger Ernte Nerven, Geldbeutel und Bienen!
tags: #kann #man #bienen #mit #honig #füttern


