Jardiance (Empagliflozin): Wirkungsweise, Glukosurie und Anwendung – Detaillierte Übersicht

Jardiance® (Empagliflozin) zählt zu den neueren Medikamenten zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus und ist zugleich für die Therapie der chronischen Herzinsuffizienz und chronischen Nierenkrankheit zugelassen. Die Wirkung von Empagliflozin basiert auf einem speziellen Mechanismus: Es hemmt den Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT-2) in der Niere, wodurch mehr Glukose mit dem Urin ausgeschieden wird. Dies führt nicht nur zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels, sondern hat wichtige Auswirkungen auf das intravaskuläre Volumen und den Blutdruck.

Glukoseausscheidung in der Niere bei SGLT-2-Hemmern

Anwendungsgebiete von Jardiance

  • Typ-2-Diabetes mellitus: Jardiance wird sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ab 10 Jahren eingesetzt, wenn Diät und Bewegung nicht ausreichend wirken.
  • Herzinsuffizienz: Empagliflozin ist seit Juni 2021 für Erwachsene mit chronischer Herzschwäche zugelassen, sowohl bei reduzierter als auch bei erhaltener Auswurfleistung.
  • Chronische Nierenkrankheit: Jardiance schützt die Nieren und wird zur Prävention des Funktionsverlustes eingesetzt.

Empagliflozin kommt vor allem für Personen infrage, bei denen die Auswurfleistung des Herzens vermindert ist. Seit März 2022 kann es auch bei Personen mit erhaltender Herz-Auswurfleistung eingesetzt werden.

Wirkungsweise: Hemmung des SGLT-2-Proteins und Glukosurie

Empagliflozin wirkt durch die selektive, reversible Hemmung von SGLT-2, einem Transportprotein, das hauptsächlich im proximalen Tubulus der Niere exprimiert ist. SGLT-2 ist für die Rückresorption von Glukose aus dem glomerulären Filtrat verantwortlich. Durch die Blockierung dieses Proteins wird mehr Glukose über den Urin ausgeschieden (Glukosurie). Die SGLT-2-Hemmung vermindert zudem die Natrium-Rückresorption und führt zu einer osmotischen Diurese.

Im Gegensatz zu anderen blutzuckersenkenden Medikamenten ist die Wirkung von Empagliflozin insulinunabhängig. Der Wirkstoff beeinflusst die endogene Glukoseproduktion nicht, weshalb das Risiko für Hypoglykämie gering ist - außer bei gleichzeitiger Anwendung mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen.

Infografik: SGLT-2-Hemmer Wirkungsmechanismus

Einfluss auf Blutzucker und weitere Stoffwechselparameter

  • Senkt Nüchtern- und postprandiale Blutglucosespiegel
  • Verbessert Betazellfunktion (u.a. Parameter HOMA beta-cell)
  • Therapie führt zur Gewichtsabnahme
  • Blutdrucksenkung
  • Günstige Effekte auf kardiovaskuläre Ereignisse

Empagliflozin erhöht unter anderem die Ausscheidung von Natrium und Glukose im Urin. Das Ausmaß der Glukoseausscheidung ist abhängig vom Blutzucker und der glomerulären Filtrationsrate (GFR), sodass Patienten mit hohen Glucosespiegeln eine stärkere Elimination des Zuckers erfahren.

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Klinische Studien zu Jardiance: Wirksamkeit und Sicherheit

Die EMPEROR-Reduced-Studie schloss 3730 Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz und reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) ein und verglich einmal tägliche Gabe von Empagliflozin 10 mg mit Placebo, jeweils auf Basis einer individuellen Standardtherapie.

Studienarm Kardiovaskulärer Tod & Hospitalisierung Herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierung
Empagliflozin 19,4% 13,2%
Placebo 24,7% 18,3%

Der primäre Endpunkt zeigte einen signifikanten Unterschied zugunsten von Empagliflozin, beruhend v.a. auf einer Reduktion herzinsuffizienzbedingter Hospitalisierungen. Die Gesamtmortalität und die kardiovaskuläre Mortalität wurden allerdings nicht signifikant beeinflusst.

Genitalinfektionen waren unter Empagliflozin signifikant häufiger, ebenso wurden Fälle von ventrikulären Tachykardien und seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen wie nekrotisierende Fasziitis des Perineums berichtet. Die Therapie kann zu Volumenmangel und urogenitalen Infektionen führen, von denen ältere Patienten besonders betroffen sind. Mit abnehmender Nierenfunktion erhöhen sich die Risiken von Empagliflozin, während die Wirksamkeit abnimmt.

Pharmakokinetik und Dosierung

Empagliflozin wird nach oraler Gabe rasch resorbiert, die maximalen Plasmakonzentrationen werden nach etwa 1,5 Stunden erreicht. Der Wirkstoff wird zu etwa 86 % an Plasmaproteine gebunden, das mittlere Verteilungsvolumen liegt bei ca. 73,8 L. Metabolisiert wird Empagliflozin überwiegend durch Glucuronidierung, die terminale Halbwertszeit beträgt ca. 12,4 Stunden.

  • Typ-2-Diabetes: Initialdosis 10 mg, Steigerung auf 25 mg möglich bei GFR ≥ 60 ml/min/1,73 m²
  • Herzinsuffizienz: 10 mg einmal täglich
  • Niereninsuffizienz: 10 mg einmal täglich

Die Filmtabletten werden unabhängig von der Nahrung einmal täglich eingenommen. Bei Kindern ab 10 Jahren ist eine Erhöhung auf 25 mg möglich. Für Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (GFR < 30 ml/min/1,73 m²) wird die Behandlung nicht empfohlen.

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Dosierungsschema Empagliflozin

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

  • Sehr häufig: Hypoglykämie (bei Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen)
  • Häufig: Genitale Infektionen, Harnwegsinfektionen, verstärkte Harnausscheidung, Volumenmangel, Obstipation, Hautausschlag
  • Gelegentlich: Diabetische Ketoazidose, Kreatinanstieg, Dysurie
  • Selten: Nekrotisierende Fasziitis des Perineums, Leberschädigung

Warnhinweise: Jardiance darf nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegen Empagliflozin oder einen der Bestandteile, sowie während Schwangerschaft und Stillzeit. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien bei Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen, Volumenmangel, Dehydratation, und urogenitalen Infektionen. Vor Beginn und während der Behandlung sollte die Nierenfunktion regelmäßig überprüft werden. Die Anwendung bei Patienten mit Typ-1-Diabetes wird nicht empfohlen.

Patientenerklärung Jardiance: Mechanismus und Sicherheit

Interaktionen und Anwendungshinweise

Zu beachten sind Wechselwirkungen mit Thiazid- und Schleifendiuretika (erhöhtes Risiko für Dehydratisierung und Hypotonie), Insulin und insulinotrope Wirkstoffe (erhöhtes Hypoglykämie-Risiko), UGT-Induktoren (Wirksamkeitsverminderung möglich), Lithium (veränderte Plasmaspiegel).

Vor Beginn einer Therapie mit Empagliflozin sollten nicht-pharmakologische Maßnahmen wie Diät und Bewegung im Vordergrund stehen. Empagliflozin ist als Monotherapie nur bei Metformin-Unverträglichkeit indiziert, ansonsten als Add-on-Therapie.

Vergleich Metformin vs. Jardiance

  • Metformin hemmt die hepatische Glukoneogenese und verbessert Insulinsensitivität
  • Jardiance hemmt SGLT-2 in der Niere
  • Metformin ist Mittel der ersten Wahl, Jardiance häufig zusätzlich bei unzureichender Wirkung
  • Kombinationstherapie möglich (initial oder sequenziell)

Die vergleichende Wirksamkeit mit anderen oralen Antidiabetika zeigt, dass Empagliflozin in der HbA1c-Senkung Metformin unterlegen, Sitagliptin und Glimepirid in etwa ebenbürtig ist.

Vergleich SGLT-2-Inhibitoren vs. Metformin

Nutzenbewertung und regulatorische Einschätzung

Das IQWiG sah einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Nach Einschätzung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bestand ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen für die Anwendung von Empagliflozin bei Herzinsuffizienz. Die Aussagesicherheit der Studien ist durch strenge NT-proBNP-Schwellenwerte und regionale Subgruppenanalysen eingeschränkt.

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Die Effekte auf die Gesamtpopulation sind laut G-BA nicht abschließend beurteilbar, da bezüglich der Gesamtrate von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und dem Auftreten von Vorhofflimmern nur für Patienten der NYHA-Klasse II ein Vorteil bestand.

Zusammenfassung der Wirkungsweise: Glukosurie und Therapieprinzip

Empagliflozin bewirkt eine verstärkte renale Glukose-Ausscheidung, die sogenannte Glukosurie. Die insulinunabhängige Blutzuckersenkung bietet Vorteile für Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus und zusätzlicher Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankung. Die osmotische Diurese kann den intravaskulären Volumenstatus beeinflussen und zu günstigen Effekten auf Blutdruck und Herzfunktion beitragen. Die Therapie sollte auf Basis regelmäßiger Kontrolle der Nierenfunktion und Berücksichtigung der Begleitmedikation erfolgen.

Schema: Wirkungsweise Empagliflozin an der Niere

Jardiance ist ein hochselektiver und reversibler SGLT-2-Inhibitor mit vielfältigen efekten im Stoffwechsel und Kreislaufsystem.

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