Ist Vanillin krebserregend? Eine umfassende Untersuchung des Aromastoffs

Vanillin, ein Begriff, der oft im Zusammenhang mit Vanille auftaucht, ist ein weit verbreiteter Aromastoff in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie. Seine Popularität hat dazu geführt, dass die Nachfrage das Angebot an natürlicher Vanille bei weitem übersteigt, was zur Entwicklung und breiten Verwendung von synthetischem Vanillin geführt hat. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen Aspekte von Vanillin, einschließlich seiner Herstellung, Verwendung und potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen, um die Frage zu beantworten, ob Vanillin krebserregend ist.

Vanillin und Vanille: Eine begriffliche Abgrenzung

Vanillin und Vanille sind zwei Begriffe, die im Supermarktregal häufig begegnen und zum Verwechseln ähnlich klingen. Vanillin ist der Hauptaromastoff, der in natürlichen Vanillekapseln vorkommt und für den charakteristischen Vanillegeschmack verantwortlich ist. Vanille hingegen ist das eigentliche Gewürz, das aus den fermentierten und getrockneten Samenkapseln der Vanillepflanze (Vanilla planifolia) gewonnen wird. Es zeichnet sich durch ein komplexes Bouquet verschiedener Aromen aus, während Vanillin eine sehr reine, eindimensionale und plakative Vanillenote aufweist.

Die Geschichte der Vanillinherstellung

Die Geschichte der Vanillinherstellung ist eng mit der wachsenden Nachfrage nach diesem beliebten Aroma verbunden. Im 19. Jahrhundert entdeckten deutsche Chemiker, dass der Saft von Nadelhölzern beim Kontakt mit Sauerstoff intensiv nach Vanille roch. 1874 gelang ihnen schließlich die Isolation von Vanillin aus Coniferin, einem natürlichen Stoff aus dem Saft dieser Nadelhölzer.

Obwohl synthetisches Vanillin aus Coniferin gewonnen wurde, fand es in der Bevölkerung zunächst keinen Anklang, da es als billiges Imitat der Vanille galt. Die Suche nach anderen Herstellungsmöglichkeiten ging also weiter. Schließlich kamen Guajakol und Lignin - beides Bestandteile von Holz - sowie Eugenol, das z. B. im ätherischen Öl der Gewürznelke enthalten ist, als Ausgangsstoffe in Betracht. Das Vanillin aus Eugenol brachte zufriedenstellende Ergebnisse hervor und rief schließlich die ersten Konkurrenzfirmen auf den Plan. Eine dieser Konkurrenzfirmen ließ das „Ethylvanillin“ patentieren, das eine ähnliche chemische Struktur wie Vanillin aufweist, aber in der Natur nicht vorkommt und nur synthetisch hergestellt werden kann.

Nachdem im Ersten Weltkrieg viele ausländische Gewürze knapp wurden, entstand ein wahrer Boom von künstlichen Ersatzaromen, die in Deutschland hergestellt wurden. Der Zweite Weltkrieg verstärkte diese Entwicklung, indem vermehrt auf einheimische Produktion gesetzt wurde. Dies führte dazu, dass Vanillin anstelle von Vanille zur Normalität wurde. Schließlich wurde 1959 die „Essenzenverordnung“ erlassen, welche einen gesetzlichen Rahmen für die Aromatisierung von Lebensmitteln schuf und den Grundstein für die heutige Kennzeichnungspflicht von Zusatzstoffen legte.

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Arten von Vanillin

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Vanillearoma und der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Vanille wurden verschiedene Arten von Vanillin entwickelt, darunter:

  • Natürliches Vanillin: Wird aus Vanilleschoten gewonnen.
  • Naturidentisches Vanillin: Synthetisch hergestelltes Vanillin, das chemisch mit natürlichem Vanillin identisch ist.
  • Künstliches Vanillin: Synthetisch hergestelltes Vanillin, das sich chemisch von natürlichem Vanillin unterscheidet.
  • Natürliches Aroma: Biotechnologisch hergestelltes Vanillin aus natürlichen Rohstoffen wie z. B. Ferulasäure.
  • Aroma bzw. Aromaextrakt: Ein synthetisch hergestelltes Vanillin, also Vanillin, das zuvor mit „naturidentisch“ oder künstlich“ deklariert wurde.

Die Allgegenwärtigkeit von Vanillin in Lebensmitteln und anderen Produkten

Vanillearoma ist mittlerweile in so gut wie jedem süßen Fertigprodukt zu finden, z. B. Schokolade und Süßigkeiten. Es ist auch in Kosmetika, Deos und Parfüm, Lufterfrischern, Putzmitteln, Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Tabakprodukten enthalten. Vanillin ist in unserem Alltag ein so allgegenwärtiges Gewürz, dass es selten noch bewusst als Vanille wahrgenommen wird. Es ist eine erwartete Zutat in Eiscreme und Kuchen, aber unerwartet selbst in Fischgerichten oder Coca-Cola. Vanillearoma würzt dezent, gleicht aromatische Fehler aus und wirkt auf Menschen appetitanregend.

Die Kennzeichnung von Vanillearoma

Früher erkannte man Produkte mit Vanille an den schwarzen Pünktchen, die vom Mark der Schote stammen. Heute werden diese Pünktchen auch Produkten mit künstlichem Vanillin zugegeben, um zu suggerieren, dass Vanille enthalten ist. Dasselbe macht man mit der Farbe von Vanillepudding, Vanilleeis und Co. Dies führte dazu, dass viele Verbraucher die Vanille auch heute noch mit einer gelben Farbe assoziieren. Daher färbt die Lebensmittelindustrie besagte Produkte gerne gelb ein - auch wenn diese inzwischen kein Eigelb mehr enthalten und echte Vanille sowieso nicht - mit dem Ziel, beim Verbraucher den Glauben zu wecken, es sei Vanille enthalten.

Die Kennzeichnung von Aromen in Lebensmitteln ist komplex und kann für Verbraucher verwirrend sein. Steht auf einem Etikett einfach nur "Aromen", ist davon auszugehen, dass es sich entweder um ein naturidentisches oder gar um ein künstliches Aroma handelt, die allesamt im Labor chemisch hergestellt werden. Natürliches Aroma hat oft rein gar nichts mit dem jeweiligen Lebensmittel (z. B. Erdbeeren im Erdbeerjoghurt) zu tun. Die Bezeichnung deutet somit lediglich darauf hin, dass das Aroma aus beliebigen natürlichen (pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen (z. B. Hefen)) Ausgangsstoffen gewonnen und mithilfe von natürlichen Verfahren (z. B. Destillation oder Extraktion) hergestellt wurden. Die strengsten Regeln gelten dann, wenn in der Bezeichnung auch das Ausgangsprodukt genannt wird, z. B. natürliches Aprikosenaroma. Hierbei handelt es sich um ein komplexes Aromastoffgemisch.

Gesundheitliche Auswirkungen von Vanillin

Schlussendlich stellt sich die Frage, inwiefern sich künstlich hergestelltes Vanillin und Vanillin in der Vanille abgesehen vom Geschmack unterscheiden. Denn synthetisches Vanillin wurde früher als schädlich angesehen. Das Beratergremium für umweltrelevante Altstoffe (BUA) der Gesellschaft Deutscher Chemiker hatte den Stoff 1986 mit der höchsten Gefährdungsstufe +3 bewertet. Heute gilt Vanillin - egal ob natürlich in der Vanille oder künstlich hergestellt - gemeinhin als sicher. Zudem sind seither zahlreiche Studien erschienen, die zeigen, dass Vanillin sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Es soll antioxidativ und entzündungshemmend sein, die Gehirnleistung stärken und sogar krebshemmende Eigenschaften aufweisen.

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Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass ein Produkt von Mutter Natur - also die Vanille - in jedem Fall besser auf die Gesundheit wirkt als ein isolierter Einzelstoff, denn das Naturprodukt besteht aus vielen weiteren gesundheitsfördernden Pflanzenstoffen, die im Körper eine Rolle übernehmen und sich gegenseitig beeinflussen.

Vanillin und Krebs: Was sagt die Forschung?

Obwohl einige Studien darauf hindeuten, dass Vanillin krebshemmende Eigenschaften haben könnte, ist es wichtig zu betonen, dass diese Studien in der Regel in vitro (im Reagenzglas) oder an Tieren durchgeführt wurden. Es gibt derzeit keine schlüssigen Beweise dafür, dass Vanillin beim Menschen Krebs verursacht oder verhindert.

Einige Studien haben gezeigt, dass Vanillin das Wachstum von Krebszellen in vitro hemmen kann, darunter:

  • Darmkrebszellen
  • Brustkrebszellen
  • Leukämiezellen

Andere Studien haben gezeigt, dass Vanillin bei Tieren vor Krebs schützen kann. So wurde beispielsweise in einer Studie festgestellt, dass Vanillin das Wachstum von Hauttumoren bei Mäusen reduzieren konnte.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse nicht unbedingt auf den Menschen übertragbar sind. Weitere Forschung ist erforderlich, um die potenziellen Auswirkungen von Vanillin auf die Krebsentwicklung beim Menschen vollständig zu verstehen.

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Allergien gegen Vanillin

Allergien gegen Vanillin sind im Zunehmen. Zimtaldehyd ist innerhalb der Aromastoffe eines der wichtigsten Allergene. Es ist nicht nur in Zimt (Zimtstangen), sondern auch in verschiedenen Körperpflegemitteln, Duschgel, etc.

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