Ist Honig pasteurisiert? Wirkungsweise und Qualitätsmerkmale
Wenn du an Honig denkst, siehst du vielleicht eine goldene, zähflüssige Köstlichkeit, die Tee süßt und Brot verfeinert. Doch Honig ist nicht gleich Honig - vor allem dann nicht, wenn er roh belassen oder industriell verarbeitet wurde. Dieser Artikel erklärt, was Pasteurisierung bei Honig bedeutet, wie Honig wirkt, wie sich Rohhonig von pasteurisiertem bzw. filtriertem Honig unterscheidet und welche Qualitätsmerkmale du beim Kauf beachten solltest.
Was bedeutet „roh“ und was ist Pasteurisierung bei Honig?
Roher Honig ist die naturbelassene Form von Honig. Bei rohem Honig handelt es sich um reinen, nicht verarbeiteten Honig, der weder gefiltert noch erhitzt wurde. Es ist also naturbelassener Honig. Roher Honig wird direkt aus den Waben gewonnen, nicht erhitzt und nur grob gesiebt, sodass Enzyme, Pollen und Antioxidantien erhalten bleiben.
Die Pasteurisierung von Honig besteht darin, dass der Honig sechs bis sieben Minuten lang hohen Temperaturen von etwa 78 °C ausgesetzt und dann schnell abgekühlt wird. Durch dieses Verfahren präsentiert sich der «kulinarische Honig» in seiner goldenen flüssigen Form. Gleichzeitig reduzieren sich durch den Erhitzungsprozess die nützlichen Nährstoffe des Honigs, die in seiner Ursprungsform enthalten sind: Enzyme, Vitamine, Antioxidantien und andere antibakterielle Bestandteile werden dabei zum Teil zerstört.
In vielen Ländern, etwa den USA, ist Honig standardmäßig gefiltert und teilweise pasteurisiert - und damit nicht mehr roh. In den USA gilt „raw honey“ daher als Delikatesse. In Deutschland schreibt die Honigverordnung vor, Honig in seinem naturbelassenen Zustand zu verkaufen - deutscher Honig ist damit fast immer roh. Ausnahmen bilden lediglich Backhonig und gefilterter Honig, dem Pollen entzogen werden dürfen.
Wirkungsweise von Honig: Enzyme, Wassergehalt und natürliche Schutzmechanismen
Die Entstehung von Honig besteht aus der Honigbereitung und der anschließenden Honigreifung. Wichtigster Ausgangsstoff für die Honigbereitung ist Nektar - ein zuckerhaltiger Saft, den Blütenpflanzen aus ihren Nektarien abscheiden. Als weitere wesentliche Quelle kommt in einigen Regionen Honigtau hinzu.
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Diese Ausgangsstoffe werden von Sammelbienen aufgenommen und in der Honigblase zwischengelagert. Schon bei der Aufnahme werden dem Saft spaltende Enzyme aus den Futtersaftdrüsen hinzugesetzt. Die zugesetzten Enzyme sind Glucosidasen und Amylasen. Glucosidasen spalten Kurzkettige Kohlenhydrate in Monosaccharide wie Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose).
Im Bienenstock wird der Wassergehalt durch Umtragen, Ausbreiten in Wabenzellen und durch Fächeln mit den Flügeln reduziert. Schließlich wird ein Wassergehalt von unter 20 % erreicht, meist 18 % oder sogar noch etwas geringer. Der reife Honig wird eingelagert und mit einer luftundurchlässigen Wachsschicht überzogen (Verdeckeln). Ist der Honig reif und die Waben verdeckelt, kann geerntet werden.
Die hohe Zuckerkonzentration und der niedrige Wasseranteil verhindern, dass sich Bakterien und andere Mikroorganismen vermehren. Darüber hinaus finden sich im Honig Enzyme, die antibakterielle Eigenschaften erzeugen: Im unreifen Honig werden ständig kleine Mengen Wasserstoffperoxid gebildet, das durch ein spezielles Enzym entsteht, das die Bienen dem Honig zusetzen. Ferner wirkt Honig dank bestimmter Enzyme antibakteriell.
Welche Inhaltsstoffe bestimmen Wirkung und Qualität?
- Hauptbestandteile: Fructose (27-44 %), Glucose (22-41 %) und Wasser (15-21 %, Heidehonig bis 23 %).
- Weitere Bestandteile: Saccharose, Maltose, Melezitose, Mineralstoffe (Magnesium, Kalium, Kalzium, Natrium, Phosphor), Proteine, Enzyme (z. B. Invertase), Aminosäuren, Vitamine, Farb‑ und Aromastoffe und Pollen.
- Enzyme wie Invertase sind hitzeempfindlich; ihr Gehalt wird zur Qualitätsprüfung herangezogen.
- Der Hydroxymethylfurfural‑Gehalt (HMF) dient als Indikator für Hitzebelastung: Ein hoher HMF‑Gehalt ist laut Deutschem Imkerbund (D.I.B.) ein Indiz dafür, dass der Honig erhitzt wurde.
Rohhonig versus pasteurisierter / filtrierter Honig - Unterschiede im Detail
Rohhonig
- wird kalt geschleudert und nur grob gesiebt;
- Enzyme, Pollen und Antioxidantien bleiben weitgehend erhalten;
- kann schneller kristallisieren (je nach Sorte und Glucoseanteil);
- enthält oft sichtbare Zuckerkristalle oder Pollen im Glas.
Verarbeiteter (pasteurisierter/filtrierter) Honig
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- wird zur Verflüssigung oder Haltbarkeitsverbesserung erhitzt;
- intensiv filtriert, um Pollen, Wachs und Luftbläschen zu entfernen;
- klareres Produkt mit längerer Lagerfähigkeit, aber reduzierten gesundheitsrelevanten Komponenten;
- sehr flüssiger Honig kann ein Hinweis auf starke Filtration oder Erwärmung sein.
Kurz: Rohhonig behält mehr „naturbelassene“ Inhaltsstoffe, während pasteurisierter und filtrierter Honig optisch gleichmäßiger und oft länger flüssig ist, aber einige wertvolle Stoffe verliert.
Qualitätsmerkmale und Prüfverfahren
Ein „Echter Deutscher Honig“ muss nicht nur den Qualitätsrichtlinien der deutschen Honigverordnung, sondern auch den Kriterien des Deutschen Imkerbundes e.V. (D.I.B.) entsprechen. Letztere sind in einigen Punkten deutlich strenger (etwa was das Erwärmen betrifft). Prüfer:innen messen beispielsweise Invertaseaktivität und Hydroxymethylfurfural‑Gehalt (HMF‑Gehalt) des Honigs. Diese zeigen, ob und wie stark Honig erhitzt wurde. Die erlaubten Grenzwerte sind beim D.I.B. sehr niedrig: Ein hoher HMF‑Gehalt ist laut D.I.B. ein Indiz dafür, dass der Honig erhitzt wurde, was die Honigqualität mindert (erlaubt sind nach D.I.B. maximal 15 mg pro kg Honig).
Weitere Hinweise auf naturbelassenen Honig:
- Kennzeichnung „Echter deutscher Honig“ oder klare Herkunftsangaben;
- sichtbare Zuckerkristalle am Glasrand;
- Honig wurde nicht übermäßig auf >40 °C erwärmt (Imker erwärmen oft auf maximal 40 °C, um besser abfüllen zu können);
- nachweisbare Pollen im Honig (werden bei starker Ultrafiltration entfernt).
Kristallisation: natürliches Qualitätsmerkmal, kein Fehler
Bei der Kristallisation handelt es sich um ein natürliches Vorkommen, bei dem Honig vom flüssigen in den festen Zustand wechselt. Die Neigung zur Kristallisation hängt vor allem vom Fructose‑Glucose‑Verhältnis ab: Ist dieses etwa 1:1, so erfolgt die Kristallisation schnell (innerhalb weniger Tage). Akazienhonig (Robinienhonig) bleibt hingegen sehr lange flüssig, weil er einen hohen Fructoseanteil hat. Auch Honigtau‑Honige wie Tannenhonig bleiben oft lange flüssig.
Die Kristallisation wird durch Spuren von Propolis, Mikroluftblasen, Pollen, Wachsspuren usw. beschleunigt und durch einen hohen Mineralstoffgehalt verlangsamt. Auskristallisierter Honig kann durch sanftes Erwärmen (Wasserbad, max. etwa 40 °C) wieder verflüssigt werden; eine Erwärmung über 40 °C zerstört jedoch ernährungsphysiologisch wertvolle Inhaltsstoffe und fördert die HMF‑Bildung.
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Wie erkenne ich gestreckten oder verfälschten Honig?
Die Identifikation gestreckten Honigs durch Verbraucher:innen ist schwierig, denn Geschmack und Aussehen sind dem originalen Honig oft sehr ähnlich. Ultrafiltrierung oder das Einmischen von Zuckersirupen (z. B. aus Reis) verschleiern Herkunft und Authentizität. Labortests, Pollenanalyse (Melissopalynologie), Bestimmung von HMF und Enzymaktivität sowie Isotopenanalysen sind erforderlich.
Aktion „From the Hives“ der Europäischen Kommission zeigte, dass ein signifikanter Anteil untersuchter Proben nicht der Honigrichtlinie entsprach. Die Untersuchungen ergaben, dass der Honig häufig mit Zuckersirup verfälscht wurde. Verbraucher:innen sollten daher auf folgende Punkte achten:
- klare Herkunftsangabe und transparente Kennzeichnung (regional ist besser);
- Gütesiegel wie „Echter deutscher Honig“ oder vertrauenswürdige Bio‑ oder Fairtrade‑Siegel;
- direkter Kauf beim lokalen Imker oder auf Wochenmärkten;
- misstrauisch bei sehr billigem Honig und nicht erklärter Herkunft.
Sorten, Eigenschaften und ihre Qualitätsaspekte
Honige verschiedener botanischer Herkunft unterscheiden sich in Farbe, Geschmack, Konsistenz und Zusammensetzung:
- Frühlingsblütenhonig: hell bis goldgelb, häufig cremig, kristallisiert relativ schnell (hoher Glukoseanteil).
- Sommerblütenhonig: oft etwas dunkler, aromatischer, mit Kräuternoten; höherer Fructoseanteil hält ihn flüssiger.
- Akazien‑(Robinien)honig: sehr hell, hoher Fructoseanteil, bleibt lange flüssig und kristallisiert kaum.
- Waldhonig (Honigtau): dunkel, malzig‑harzig, reich an Mineralien und Oligosacchariden, bleibt lange sirupartig.
- Heidehonig: geleeartige Konsistenz, kräftiges Aroma, hoher Eiweißanteil.
- Wabenhonig: Honig in der Wabe mit Wachs, Pollen und Propolis - wegen der Zusammensetzung besonders wertvoll.
Tabelle: Vergleich ausgewählter Honigsorten (Farbe, Kristallisation, Besonderheiten)
| Sorte | Farbe | Kristallisation | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Frühlingsblütenhonig | hell-goldgelb | schnell | blumig, hoher Glucoseanteil |
| Sommerblütenhonig | gold-rötlich | moderat | aromatisch, vielfältige Tracht |
| Akazienhonig | sehr hell, klar | sehr langsam | hoher Fructoseanteil, lange flüssig |
| Waldhonig (Honigtau) | dunkel | langsam | reich an Mineralien, malzig‑harzig |
| Heidehonig | bernstein-dunkel | sehr langsam / geleeartig | hoher Eiweißgehalt, geleeartige Konsistenz |
Gesundheitliche Aspekte und Verbrauchsempfehlungen
Honig enthält zwar Enzyme, Mineralstoffe und Antioxidantien, besteht jedoch hauptsächlich aus Zucker. Minimal gesünder als Haushaltszucker ist Honig dennoch; die Mengen der Vitamine und Mineralstoffe sind meist zu gering, um die Ernährung wesentlich zu beeinflussen. Honig liefert rund 300 kcal pro 100 g und sollte daher sparsam verwendet werden (1-2 Teelöffel pro Tag reichen, um Geschmack und Vorteile zu erleben).
Wichtig: Honig darf nicht an Säuglinge unter 12 Monaten verabreicht werden, da er Sporen von Clostridium botulinum enthalten kann. Auch immungeschwächte Personen sollten vorsichtig sein. Bei tiefen oder schlecht heilenden Wunden sowie schweren Erkrankungen ist von Selbstversuchen mit Honig dringend abzuraten; medizinischen Honig in Kliniken (z. B. Manuka mit speziellen Zertifikaten) darf nur als zugelassenes Medizinprodukt verwendet werden.
Praktische Tipps beim Kauf: regional, Bio, Siegel
- Kaufe Honig regional: Honig aus der Region ist nachvollziehbar, unterstützt lokale Imker:innen und fördert Biodiversität.
- Achte auf Herkunftsangabe und Transparenz: Auf jedem Glas sollte stehen, wo der Honig geerntet wurde.
- Bioläden, Wochenmärkte oder Hobby‑Imker:innen sind gute Anlaufstellen. Bio‑Honig unterliegt strengen Haltungsregeln (z. B. Umgebung 3 km, natürliche Beuten).
- „Imkerhonig“ auf dem Etikett ist nicht geschützt; „Echter Deutscher Honig“ ist anspruchsvoller reguliert.
- Misstraue sehr billigem Honig ohne Herkunftsangabe - er könnte verfälscht sein.
Schonende Verarbeitung beim Imker - Beispielpraxis
Viele regionale Imkereien ernten schonend: „Wir ernten erst, wenn der Wassergehalt unter 18 % liegt und die Waben verdeckelt sind. Unsere Honige werden kalt geschleudert und nur grob gesiebt. Auf Erhitzen verzichten wir vollständig.“ Solche Verarbeitungsangaben sind ein gutes Qualitätsmerkmal. Transparente Imkereien bieten oft Probierpakete, laden zur Besichtigung ein und prüfen jede Charge im Labor (Wassergehalt, Leitfähigkeit, pH‑Wert, Enzymaktivität, sensorische Eigenschaften).
Warum regionaler Rohhonig ökologisch und ökonomisch wichtig ist
Regionaler Honig legt kurze Transportwege zurück, schont das Klima, sichert Frische und ermöglicht die Rückverfolgbarkeit. Indem du regionalen Honig kaufst, förderst du die Arbeit lokaler Imkerinnen und Imker, die sich um die Gesundheit ihrer Völker kümmern und natürliche Lebensräume pflegen. Bio‑Honig vom Imker steht zudem für strenge Haltungsstandards und faire Preise, die die Imkerei nachhaltig machen.
Kurze Handlungsempfehlungen beim Kauf
- Schaue auf die Herkunftsangabe und bevorzugt „Echter deutscher Honig“ oder vertrauenswürdige Bio‑/Fairtrade‑Siegel.
- Kaufe regional beim Imker oder auf dem Wochenmarkt.
- Achte auf Kennzeichen von Rohhonig: sichtbare Pollen/Kristalle, keine übermäßige Fließfähigkeit.
- Bei Unsicherheit: frage nach Laboranalysen (Invertase, HMF) oder kaufe direkt vom Imker mit hoher Transparenz.
Honig ist ein vielseitiges Lebensmittel: als Brotaufstrich, zum Süßen von Tee, in Dressings, Marinaden oder beim Backen. Für viele Genießer*innen ist Rohhonig die erste Wahl, weil er die pflanzentypischen Aromen und naturbelassenen Inhaltsstoffe am besten bewahrt. Achte beim Kauf auf Herkunft, Verarbeitung und Gütesiegel - so findest du hochwertigen Honig, der sowohl geschmacklich als auch ökologisch überzeugt.
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