Der feine Unterschied: Kakao, Trinkschokolade, Backkakao und Rohkakao im Vergleich
Ob als wärmender Genuss an kalten Tagen oder als Zutat für köstliche Backwaren - Kakao ist vielseitig einsetzbar und erfreut sich großer Beliebtheit. Doch Kakao ist nicht gleich Kakao. Es gibt feine, aber entscheidende Unterschiede zwischen Trinkschokolade, Kakaopulver, Backkakao und Rohkakao. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Kakaoarten, ihre Besonderheiten und Verwendungsmöglichkeiten, um Ihnen die Wahl des richtigen Produkts zu erleichtern.
Trinkschokolade vs. Kakaopulver: Ein Genuss für den Gaumen
Eine Tasse heiße Schokolade oder Trinkschokolade gehört für viele zum kleinen Alltagsluxus. Doch was unterscheidet sie von einfachem Kakao?
Unter dem Begriff „Kakao“ verstehen die meisten Menschen das gesüßte Kakaopulver, das im Supermarkt erhältlich ist. Dieses enthält oft stark entöltes Kakaopulver, Zucker und diverse Zusatzstoffe. Der Kakaoanteil ist dabei eher gering, dafür ist das Pulver besonders gut löslich.
Trinkschokolade hingegen besteht aus echter Schokolade, also einer Mischung aus Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker. Sie wird geschmolzen und in Milch oder einer pflanzlichen Alternative aufgelöst. Das Ergebnis ist eine vollmundige, cremige Trinkschokolade, die je nach verwendeter Kakaosorte mit Aromen von Vanille, Frucht oder Nuss spielen kann. Statt bloßer Süße erlebt man hier echte Kakaonoten, die je nach Sorte an Nuss, Frucht, Gewürze oder sogar geröstetes Brot erinnern können.
Stark entölt oder schwach entölt: Was bedeutet das?
Beim Kauf von Kakaopulver stößt man oft auf die Angaben „stark entölt“ oder „schwach entölt“. Stark entölter Kakao enthält nur noch etwa 10-12 % Fett, da ihm ein Großteil der kostbaren Kakaobutter entzogen wurde. Das macht ihn besonders leicht löslich und geeignet für Rezepte, bei denen Fett reduziert werden soll, etwa in klassischen Kuchen oder Kakaogetränken, wie man sie aus dem Supermarkt kennt. Schwach entölter Kakao hingegen hat noch 20-22 % Fettgehalt und kommt dem ursprünglichen Kakaopulver näher. Er überzeugt mit einem volleren, runderen Aroma, mehr Tiefe und einer samtigeren Textur in Getränken.
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Wer auf echten Kakaogeschmack setzt, greift lieber zu schwach entölten Kakaopulvern in Bio-Qualität, wie sie zum Beispiel Becks Cocoa oder Monbana anbieten.
Backkakao: Der Spezialist für die Küche
Backkakao ist in der Regel ungesüßter, stark entölter Kakao - also reines Kakaopulver ohne Zuckerzusatz. Er wird vor allem in der Küche verwendet, zum Beispiel für Schokoladenkuchen, Brownies, Schokoladenmousse oder feine Saucen. Trinkkakao hingegen ist speziell für den direkten Genuss gedacht. Er besteht meist aus Kakaopulver mit Zucker, manchmal auch mit Milchpulver oder Gewürzen. Manche Produkte enthalten zusätzlich Aromen oder Stabilisatoren - darum lohnt es sich, auf die Zutatenliste zu achten.
Kann man statt Backkakao auch Trinkkakao zum Backen verwenden?
Zur Not kann auch normaler Kakao zum Backen verwendet werden. Allerdings muss man dann ein wenig vom Rezept abweichen, da Trinkkakao bereits stark gezuckert ist. Aus diesem Grund muss man die angegebene Zuckermenge erheblich reduzieren, damit das Backwerk nicht zu süß wird. Je nach Rezept kann man getrost um die Hälfte des Zuckers streichen.
Kann man Backkakao trinken?
Wenn man Lust auf eine heiße Schokolade mit Milch bekommt, aber keinen Trinkkakao zuhause hat, kann Backkakao die Rettung sein. Mit diesem kann man schnell ein süßes Kakaopulver herstellen, indem man 50 Gramm Backkakao mit 30 Gramm Puderzucker vermischt. Beide Zutaten in ein luftdichtes Glas geben und dieses kräftig durchschütteln. Schon ist das Trinkschokoladenpulver fertig und wenn man dieses kühl und dunkel lagert, hält es sich auch eine ganze Weile. Man kann mit der Puderzuckermenge auch variieren, je nachdem wie viel man verwendet, wird der Kakao kalorienärmer oder -stärker.
Welchen Backkakao sollte man wählen?
Ein guter Backkakao ist ungesüßt und ohne künstliche Zusätze. Ob man schwach oder stark entöltes Pulver nimmt, ist einem selbst überlassen. Der Vorteil von schwach entöltem Kakao liegt im intensiveren Geschmack, da der Fettanteil höher ist und Fett ja bekanntlich ein Geschmacksträger ist.
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Rohkakao: Das Superfood unter den Kakaosorten
Rohkakao ist weit mehr als nur ein Trend - er gilt als echtes Superfood. Im Gegensatz zu herkömmlichem Kakaopulver wird Rohkakao bei Temperaturen unter 42 °C verarbeitet, um die natürlichen Inhaltsstoffe weitestgehend zu erhalten. Rohkakao enthält eine beeindruckende Menge an Antioxidantien, Magnesium, Eisen, Kalium und Theobromin - einem sanft anregenden Pflanzenstoff, der ähnlich wie Koffein wirkt, jedoch langsamer und verträglicher. Im Geschmack ist Rohkakao kräftig, leicht bitter und erdig, manchmal mit fruchtigen oder holzigen Noten - je nach Herkunft und Verarbeitung. Achten Sie beim Kauf auf Qualität und Transparenz - echte Rohkakaoprodukte sollten fair gehandelt, bio-zertifiziert und naturbelassen sein.
Rohkakao Herstellung
Üblicherweise wird bei der Herstellung von Kakao die Kakaofrucht geerntet, fermentiert, getrocknet und anschließend geröstet. Bei Rohkakao wird auf die Röstung verzichtet, sodass viel mehr der wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Rohkakao ist deshalb für den Menschen besonders wertvoll.
Woher kommt Rohkakao?
Roher Kakao, den man zurzeit in Deutschland kaufen kann, kommt vor allem aus der Dominikanischen Republik und aus Peru.
Rohkakao Inhaltsstoffe
In rohem Kakao sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft neben den Hauptbestandteilen Kakaofett (54 %), Eiweiß (11.5 %) und Cellulose (9 %) etwa 300 weitere verschiedene Inhaltsstoffe enthalten. Roher Kakao ist reich an Alkaloiden, welche die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit anregen und Stress abbauen können. Zudem erhöht der Verzehr von rohem Kakaopulver die natürliche Produktion von Serotonin, dem bekannten „Glückshormon“. Der rohe, unbehandelte Kakao der Kakaobohnen enthält eine Fülle an Antioxidantien, Vitaminen und Mineralstoffen.
Roher Kakao und Kakao Nibs enthalten neben Magnesium, Kalzium und Ballaststoffen besonders wertvolle Antioxidantien, wie Phenole und Flavonoide. Rohes Kakaopulver ist eines der Lebensmittel mit dem stärksten antioxidativen Effekt und wirkt bis zu 100-mal stärker als Brokkoli.
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Die Power-Antioxidantien wirken sich günstig auf das Herz-Kreislaufsystem aus, erweitern die Blutgefäße und verbessern so die Durchblutung. Bereits viele Studien haben bestätigt, dass sie das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls senken können. Auch bei Diabetes kann sich der regelmäßige Verzehr positiv auswirken. Die enthaltenen Antioxidantien sind zudem wichtig, um die Haut vor freien Radikalen zu schützen und vorzeitiger Hautalterung vorzubeugen.
Das Superfood ist eine der besten Quellen für Magnesium, ein Mineralstoff der Muskelkrämpfe bekämpft, gegen Schmerzen wirkt, Knochen und Zähne stärkt, Herz und Kreislauf unterstützt und sogar für besseren Schlaf sorgen kann. Besonders für aktive Menschen, wie beispielsweise Sportler ist roher Kakao eine wohlschmeckende Alternative, um den täglichen Bedarf an Magnesium abzudecken. Aber auch bei Menschen mit hohem Stresslevel, kann roher Kakao wesentlich zur Stärkung der Nerven beitragen.
Die geheimnisvollen Kakaobohnen sind auch voller Vitamine, vor allem Vitamin E und C. Vitamin E schützt den menschlichen Organismus vor so genannten freien Radikalen und kann somit vorzeitige Hautalterung verhindern. Vitamin C trägt wesentlich zum Aufbau und Erhalt von Kollagen bei.
Eisen ist verantwortlich für die Zellatmung und den Blutfarbstoff Hämoglobin. Deshalb ist dieses Spurenelement eines der wichtigsten unseres Körpers. Zudem ist der Stoff wichtig für den Sauerstofftransport im Organismus und die Energiebereitstellung im den Zellen.
Welche Wirkung hat roher Kakao?
Für die Mayas und Azteken war Kakao nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Medizin und Aphrodisiakum zugleich. Allerdings ist sich auch die moderne Wissenschaft einig, dass die enthaltenen Nährstoffe im rohen Kakao unsere Stimmung aufmuntern und Glücksgefühle erzeugen. Hierbei spielen einige wichtige Neurotransmitter eine Rolle.
Das braune Superfood enthält Theobromin und Phenylethylamin, die körpereigene Glückshormone (Endorphine) ausschütten. Diese Botenstoffe werden interessanterweise auch bei Verliebten freigesetzt und steigern die Konzentration und Wachheit. Noch viel spannender ist aber die Tatsache, dass Kakao auch geringe Mengen von Anandamiden enthält. Dieser Stoff verhält sich ähnlich wie das THC des Hanfes und kann sogar in einem sehr geringen Maß berauschend wirken. Ein Gefühl der Entspannung und Glückseligkeit.
Der Neurotransmitter Serotonin verhilft zu mehr Gelassenheit, Ausgeglichenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit. Serotonin ist auch an unserem Sättigungsgefühl, Angstgefühl und Appetit beteiligt.
Wie kann man rohen Kakao kaufen?
- Kakaopulver: Rohes Kakaopulver ist die feinste Form und eignet sich sehr gut als Zugabe in Smoothies, Snacks und vielen Rohkost Gerichten.
- Kakaonibs: Kakao Nibs oder auch Kakaobohnensplitter werden aus zerkleinerten Kakaobohnen hergestellt und eignen sich besonders gut für Smoothie Toppings, Kekse und Energieriegel. Nach der Ernte wird die rohe Kakaobohne auseinandergebrochen und fermentiert. Während dieses Prozesses zerläuft das Innere der Schote und gleichzeitig werden die Bohnen weniger bitter. Anschließend wird der Kern entnommen, roh in Stückchen gebrochen und fertig sind die super gesunden Kakao Nibs.
- Kakaobutter: Kakaobutter ist ein hellgelber Fettauszug aus Kakaobohnen und eignet sich hervorragend für rohe Kuchen, Pralinen und viele weitere Snacks.
Sollte man rohen Kakao zum Backen verwenden?
Grundsätzlich geht das. Roher Kakao ist aber weitaus gesünder, aber auch recht teuer. Wenn man ihn zum Backen verwenden würde, wäre er sowieso nicht mehr roh - deshalb sollte man bei Speisen, die über 40°C erhitzt werden, zu schwach oder stark entöltem Kakao bzw. Backkakao greifen. Bei Speisen, die roh bleiben.
Kakao für Kinder: Ein Genuss mit Augenmaß
Kakao gehört zu den beliebtesten Getränken bei Kindern - doch viele Eltern fragen sich: Ab wann dürfen Kinder eigentlich Kakao trinken? Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Kindern ab etwa 1 Jahr gelegentlich eine kleine Menge Kakao anzubieten. Wichtig ist jedoch, auf die Zutaten und den Zuckergehalt zu achten. Empfehlenswert ist es, den Kakao selbst zuzubereiten: mit einem hochwertigen, ungesüßten Kakaopulver, warmer Milch oder einer pflanzlichen Alternative (z. B. Haferdrink) und einem milden Süßungsmittel wie Reissirup oder Dattelsüße. Achten Sie darauf, dass der Kakaoanteil nicht zu hoch ist, denn Kakao enthält von Natur aus Theobromin - ein stimulierender Stoff, ähnlich wie Koffein.
Die Kakaoverordnung: Was ist erlaubt?
Die Kakaoverordnung legt fest, wie verschiedene Kakao- und Schokoladenprodukte beschaffen sein müssen. Kakaopulver oder Kakao ist demnach definiert als Pulver aus gereinigten, geschälten und gerösteten Kakaobohnen. Fettarmer oder stark entölter Kakao ist Kakaopulver mit weniger als 20 Prozent Kakaobutter, bezogen auf die Trockenmasse.
Der Begriff „Rohkakao“ ist rechtlich nicht definiert. Laut verschiedenen Anbietern von Rohkakao verzichten sie bei der Herstellung ihrer Produkte auf die bei normalem Kakao übliche Röstung.
Rohkakao vs. gerösteter Kakao: Was ist gesünder?
Der Unterschied zwischen Rohkakao und üblichem, geröstetem Kakao dürfte im Wesentlichen ein geschmacklicher sein. Rohkakao wird als etwas malziger, leicht nussig und weniger herb beschrieben. Einige Anbieter von Rohkakao behaupten, Rohkakao enthalte mehr gesunde Inhaltsstoffe als gerösteter Kakao, beispielsweise Antioxidantien. Bei hitzeempfindlichen Inhaltsstoffen ist das vermutlich auch der Fall. Teilweise schreiben sie dem Rohkakao aber sogar eine vorbeugende Wirkung gegen Krankheiten zu. Solche Aussagen seien laut Lebensmittelklarheit aber unseriös und für die Werbung für Lebensmittel nicht zulässig.
Der einzige zugelassene Claim für Kakao lautet: „Kakaoflavanole fördern die Elastizität der Blutgefäße, was zum normalen Blutfluss beiträgt“. Die Voraussetzung für die Verwendung des Claims ist, dass die angegebene Tagesportion des entsprechenden Produkts (Kakaogetränk, dunkle Schokolade oder Nahrungsergänzungsmittel) mindestens 200 Milligramm an Kakaoflavonolen liefert. Anbieter müssen zudem einen Hinweis aufdrucken, dass die positive Wirkung bei einer Aufnahme von 200 Milligramm Kakaoflavonolen erzielt wird.
Die Behauptung, roher Kakao enthalte mehr Nährstoffe als gerösteter Kakao, lässt sich aus Sicht von Lebensmittelklarheit nicht nachvollziehen. Bei den Hauptnährstoffen und Mineralstoffen gibt es nach unserer Recherche keine Unterschiede. Zu hitzeempfindlichen Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen in Kakao gibt es nur wenige Daten. Es ist davon auszugehen, dass ihr Gehalt beim Rösten sinkt.
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