Worauf beim Honigkauf achten: Qualität, Sortenvielfalt und Sicherheit
Honig ist nicht nur eine der ältesten Süßigkeiten der Menschheit, sondern auch eine tief mit der regionalen und weltweiten Kultur verwurzelte Delikatesse. Rund ein Kilogramm Honig verzehrt jede*r Deutsche pro Jahr. Doch nicht in jedem Glas steckt reiner, authentischer Bienenhonig. Die unglaubliche Sortenvielfalt, zahlreiche Herkunftsländer und gelegentliche Skandale rund um Fälschungen machen den Honigkauf zu einer Herausforderung - und zu einer spannenden Reise durch die Welt der Bienenprodukte.
Wie entsteht Honig und welche Inhaltsstoffe sind enthalten?
Dass Honig etwas mit Bienchen und Blümchen zu tun hat, weiß jedes Schulkind. Die Herstellung beginnt mit dem Sammeln von Nektar oder Honigtau durch die Arbeiterinnen eines Bienenvolkes. Die zuckerreichen Lösungen transportieren sie in einem speziellen Organ, der Honigblase, in der sie mit Enzymen angereichert werden. Zurück im Bienenstock nehmen andere Bienen den gesammelten Nektar in Empfang und verarbeiten ihn weiter. Sie lagern ihn in offenen Waben und fächeln mit den Flügeln Luft zu, sodass ein Großteil des enthaltenen Wassers verdunstet. Der Wasseranteil schwindet von rund 75 Prozent auf weniger als 20 Prozent.
Für reif wird der Honig erklärt, indem die Bienen einen Wachsdeckel auf die Wabe setzen. Für das Überleben im Winter ist der Honig für die Bienen wichtig. Das Zuckerkonzentrat ist ein hochkalorischer Energieträger, mit dessen Hilfe die Bienen ihre Flugmotoren laufen lassen.
Was ist echter Honig? Gesetze, Kennzeichnung und Qualität
Honig zählt als Lebensmittel und unterliegt als solches dem übergeordneten europäischen Recht, dessen Rahmen durch die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) vorgegeben ist. Weitere Regelungen speziell für Honig finden sich in der EU-Richtlinie 2001/110/EG. All diese Verordnungen stellen sicher, dass es sich bei Honig um ein reines, unverändertes Naturprodukt handelt.
Lediglich Rühren und Mischen sind erlaubt, ebenso wie eine Filtration zum Entfernen von Pollen. Ansonsten darf nichts entfernt oder hinzugefügt werden, vor allem keine honigfremden Substanzen. Für "Echter Deutscher Honig" gelten noch strengere Anforderungen nach der Honigverordnung (HonigV 2004) sowie den Maßstäben des Deutschen Imkerbundes (DIB).
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Wichtige Pflichtangaben auf dem Honigglas
- Ursprungsland und/oder Herkunftsregion
- Name und Ansprechpartner (beim Imkerhonig)
- Sortenbezeichnung (z. B. Blütenhonig, Rapshonig, Waldhonig)
- Hinweise zur Lagerung
- Mindesthaltbarkeitsdatum (Jahresangabe genügt: "mindestens haltbar bis Ende...")
Beim Kauf im Supermarkt erhalten Sie die wichtigsten Informationen auf dem Etikett. Die Hersteller günstiger Honige werben oft mit Begriffen wie "Landhonig" und "Imkerhonig". Diese Begriffe lassen vermuten, es handele sich um Ware aus Deutschland. Nur bei genauem Blick aufs Kleingedruckte findet man oft den Hinweis "Mischung von Honig aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern".
Gefahren durch Fälschungen und "Potenz-Honig"
Im Kampf gegen gefälschten Honig sieht der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund erste Erfolge. Viele Konsumenten schauten inzwischen genauer hin, sagte Vizepräsident Bernhard Heuvel. Seit dem Start der Kampagne "Honig retten!" im vergangenen Jahr seien einige Hundert Honig-Proben untersucht worden. 60 bis 80 Prozent der jeweiligen Stichproben seien als nicht authentisch eingestuft worden.
Ohne entsprechende Hinweise auf der Verpackung würden Verbraucher*innen betrogen, betonte Heuvel. Kund*innen sollten daher darauf achten, dass ein konkreter Imkername auf dem Honig steht, ehe sie ihn kaufen. Grünen-Politiker Nentwich empfiehlt: "Honig für 2,50 Euro im Supermarkt kann kein echter Honig sein." Für 500 Gramm Blütenhonig seien 7,50 Euro ein realistischer Preis. Beim Kauf sollten Sie auf einwandfreie Kennzeichnung und eine nachvollziehbare Herkunft achten.
Ein weiteres Risiko ist der sogenannte "Potenz-Honig". Diesem sind erektionsfördernde Mittel beigesetzt, meist aus dem Internet importiert oder von Reisen ins Ausland. Laut Zollbehörden handelt es sich um Produkte aus der Türkei, aus Staaten des Mittleren Ostens oder aus Malaysia. 49 von 56 Proben solcher Produkte enthielten Wirkstoffe wie Sildenafil oder Tadalafil. Diese sind vor allem für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder in Kombination mit weiteren Medikamenten gefährlich und können schwerwiegende Nebenwirkungen auslösen. Die Inhaltsstoffe sind meist nicht deklariert - Hände weg von solchen Angeboten!
Sortenvielfalt: Blütenhonig, Waldhonig & Co.
Die Welt des Honigs ist vielfältig - der Handel bietet unzählige Sorten und Arten. Blütenhonig gewinnen die Bienen aus dem Nektar blühender Pflanzen. In Deutschland gibt es rund 40 verschiedene Sortenhonige, von denen viele Mischungen verschiedener Nahrungspflanzen sind. Die Bienen sind blütenstet - das bedeutet, sie bleiben einer Tracht (Nektarquelle) treu. Diese Treue macht es möglich, sortenreinen Honig zu gewinnen. Typische Sorten sind Akazienhonig (eigentlich Robinienhonig), Buchweizenhonig, Rapshonig, Lavendelhonig oder Orangenblütenhonig.
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Daneben gibt es Honigtauhonig oder Waldhonig, der aus Honigtau von Bäumen wie Tanne, Fichte oder Eiche gewonnen wird. Auch exotische Importhonige wie Manuka aus Neuseeland oder Lederbaumhonig aus Australien finden sich im Sortiment. Der Geschmack hängt jeweils von den beflogenen Pflanzen ab. Sortenrein darf sich ein Honig nennen, wenn er zu 60-80 % aus einer bestimmten Pflanzenart gewonnen wurde.
Sortenüberblick: Eine Auswahl deutscher und internationaler Honige
| Honigsorte | Herkunft/Typisch für | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Rapshonig | Norddeutschland | Mild, cremig, hell |
| Akazienhonig | Deutschland, Ungarn | Klar, mild, flüssig |
| Buchweizenhonig | Deutschland, Osteuropa | Dunkel, kräftig, malzig |
| Waldhonig | Schwarzwald, Alpen | Würzig, dunkel, zäh |
| Manukahonig | Neuseeland | Rar, medizinisch begehrt |
| Orangenblütenhonig | Spanien, Italien | Blumig, fruchtig |
Konventionell, Bio oder Fairtrade? Was bedeutet die Kennzeichnung?
Bio-Lebensmittel werden ökologisch und nachhaltig gewonnen. Völlig frei von Pestiziden und anderen Beimengungen sind sie jedoch nicht, da Umweltverschmutzung nicht an der Feldgrenze aufhört. Will ein Imker nach Bio-Richtlinien produzieren, muss er auf artgerechte und naturnahe Haltungsbedingungen achten. Dazu zählt die Verwendung von Bienenstöcken aus natürlichen Materialien (Holz, Stroh, Lehm) und der Einsatz von echtem Bienenwachs.
Wichtig für einen guten Bio-Honig ist ein ausreichender Abstand zu konventionell bewirtschafteten Flächen, denn Pestizide sind in konventionellem Honig laut Untersuchungen gar nicht so selten. Bio-Honig bietet keinen vollständigen Schutz, garantiert aber deutlich geringere Schadstoffwerte. Wer sich vor Gentechnik scheut, sollte Honig aus Deutschland, Südosteuropa und aus fairem Handel bevorzugen. Bio-Verbände wie Demeter, Bioland und Naturland haben besonders strenge Regeln zu Imkerei und Tierwohl.
Fairtrade-Honig stellt sicher, dass Imker*innen in ihren Herkunftsländern fair bezahlt werden und auf eine nachhaltige Produktion geachtet wird. Der Anteil deutschen Honigs an der Gesamtmenge liegt in Deutschland bei nur rund 20 Prozent; der Rest wird importiert, vor allem aus Mexiko, Argentinien und Rumänien. Ein Blick aufs Etikett lohnt sich immer!
Worauf sollten Allergiker, Diabetiker und Säuglinge achten?
Allergiker müssen wissen, dass Honig bis zu fünf Prozent Pollen enthält. Bei manchen Pollenallergikern kann dies eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen. Diabetiker sollten den hohen Gehalt an Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose) bedenken. Gerade Traubenzucker lässt den Blutzucker rasch steigen. Beim Verzehr größerer Mengen empfiehlt sich eine Blutzuckerkontrolle. Insulinpflichtige Diabetiker müssen eventuell "nachspritzen".
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Säuglinge sollten niemals Honig bekommen! Honig kann Bakterien (Clostridium botulinum) enthalten, die für Erwachsene harmlos sind, bei Babys jedoch zu lebensgefährlichem Säuglingsbotulismus führen können, da ihr Immunsystem noch unreif ist. Eine mögliche Kontamination mit Bakterien ist der Grund dafür, dass medizinischer Honig für die Behandlung von Wunden mit Gammastrahlung keimfrei gemacht wird.
Praktische Tipps: Qualität und Aufbewahrung
Unabhängig von der Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben gelten Geruch, Geschmack und Konsistenz als Qualitätsmerkmale. Jeder Jahrgang ist einzigartig - ähnlich wie bei Wein - und hängt vom Standort der Bienenstöcke und der Erntezeit ab. Die Einhaltung der Qualitätsrichtlinien für "Echter Deutscher Honig", wie maximal 18 Prozent Wassergehalt, wird im eigenen Labor geprüft. Wasserarme Honige sind reifer, weniger gärungsgefährdet und haben ein volleres Aroma.
Ist der Honig auskristallisiert, gehört er noch lange nicht auf den Müll. Sie können ihn durch vorsichtiges Erwärmen bei unter 40 °C wieder flüssig machen. Bei festen Honigen mit sehr geringem Wassergehalt kann es zu Blütenbildung im Glas kommen; das ist kein Qualitätsmangel, sondern natürlich! Fester Honig kann nicht fließen, Luftblasen zwischen Glas und Honig erscheinen als "Blüten".
Kaufempfehlungen und Nachhaltigkeit
Kaufen Sie Ihren Honig möglichst direkt beim regionalen Imker. Hier erhalten Sie die besten Informationen zur Herkunft und Produktion. Honig vom Imker gilt als besonders bienen- und umweltfreundlich. Viele kleinere Imkereien in Deutschland arbeiten nach eigenen, teils sehr hohen Standards - oftmals auch ohne Bio-Siegel.
Im Supermarkt werden Sie vor allem Importhonig antreffen. Achten Sie auf Bio und Fairtrade und bevorzugen Sie Glasverpackungen, die wiederverwendet werden können. Plastikverpackungen belasten die Umwelt stärker. In Sachen Ökobilanz ist Honig aus der Region fast immer die nachhaltigste Wahl. Wer neue Geschmackswelten sucht, entdeckt unter den importierten Sorten spannende Alternativen, sollte aber besonders auf die Herkunft und die Qualität achten.
Honig in der Küche
Honig lässt sich nicht nur als Brotaufstrich genießen, sondern ist vielseitig einsetzbar: Er eignet sich hervorragend, um Fleisch zu glasieren - am besten erst nach dem Braten auftragen, damit er nicht verbrennt. Dunkle Sorten wie Wald- oder Tannenhonig passen besonders gut zu Wild. Auch im Salat-Dressing auf Basis von Essig, Öl und Senf schmeckt ein Esslöffel Honig hervorragend. Beim Backen können Sie Zucker teilweise durch Honig ersetzen, da Honig süßer ist und ein schöneres Aroma verleiht, aber auch den Teig stärker bräunt.
Checkliste: Worauf beim Honigkauf achten?
- Achten Sie auf ein vollständiges, ehrliches Etikett (Herkunftsangabe, Imkername, Sortenbezeichnung).
- Bevorzugen Sie regionale und/oder Bio- sowie Fairtrade-Honige.
- Seien Sie skeptisch bei sehr billigen Honigen (< 5 € das 500-Gramm-Glas).
- Vorsicht bei Importen unbekannter Herkunft, insbesondere aus dem Internet (Stichwort: Potenzhonig).
- Kaufen Sie möglichst Honig im Glas und meiden Sie unnötige Plastikverpackungen.
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