Hummeln mit Honig füttern: Gefahren und richtige Ernährung
Hummeln gehören zu den Wildbienen und sind für das Ökosystem sowie unsere Nahrungssicherheit von zentraler Bedeutung. Hummeln ernähren sich von Pollen und Nektar und füttern ihren Nachwuchs mit Pollen. Blütennektar dient ihnen als Flugbenzin und Pollen als Futter für die Nachkommen. Hummeln benötigen vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein ein ununterbrochenes Nahrungsangebot, da sie - anders als Honigbienen - kaum Vorräte anlegen.
Wer sind die Hummeln und warum sind sie wichtig?
Hummeln haben einen rundlichen Körperbau, sind durchgehend „pelzig“ behaart und größer als die meisten anderen Wildbienenarten. Durch ihr markantes Aussehen lassen sie sich auf den ersten Blick von anderen Wildbienen unterscheiden. Passend dazu ist der lateinische Name ihrer Gattung „Bombus“, was so viel wie "das Surren" bedeutet. Hummeln sind sehr wichtige Bestäuber. Sie fliegen bereits ab Temperaturen von acht Grad Celsius aus, um Pollen und Nektar zu sammeln. Außerdem bestäuben sie drei- bis fünfmal so viele Blüten wie Honigbienen in der selben Zeit. Für bestimmte Pflanzen, darunter Tomaten, Auberginen und Blaubeeren, sind Hummeln besonders wichtig, da sie mit ihrer ganz besonderen Vibration die Blüten viel besser bestäuben können als andere Bienen.
Ähnlich wie die Honigbiene bilden Hummeln Staaten. Hummelvölker sind allerdings deutlich kleiner. Sie bestehen aus einer Hummelkönigin und etwa 50 bis 500 Arbeiterinnen und Drohnen, die gemeinsam für den Nachwuchs sorgen. Nur die jungen Hummelköniginnen eines Volks überwintern - die Arbeiterinnen und Drohnen sterben im Herbst. Vom Überleben der jungen Königin hängt somit das Überleben eines ganzen Hummelvolkes ab.
Wann ist Füttern sinnvoll - und wann nicht?
In den ersten warmen Frühlingstagen finden sich häufig entkräftete Hummeln auf Fensterbrettern, Böden und Balkonen. Wenn das Wetter schlecht ist oder es die Pflanzen zu trocken haben und kaum Nektar spenden, finden sie in der Natur keine Nahrung. In einem solchen Fall können Sie der Hummelkönigin Zuckerwasser anbieten. Wichtig ist, dass Sie die Hummel selbstständig trinken lassen. Viele Hummeln finden dadurch die Kraft, wieder auszufliegen und ihr schützendes Nest aufzusuchen. Damit retten Sie nicht nur ein einziges Tier, sondern auch das noch zu wachsende Hummelvolk, das von ihrer Hummelkönigin abhängt.
Die Lösung sollte aus 1 Teil Fruchtzucker (Fructose), 1 Teil "normalem", also raffiniertem Zucker (Saccharose) und knapp 1,5 Teilen Wasser bestehen, was einem Verhältnis von 30:30:40 Prozent entspricht. Alternativ genügt ein halber Teelöffel Zucker in etwas lauwarmem Wasser. Innerhalb einiger Minuten kann sich die Hummel mit ihrem langen Saugrüssel ausreichend betanken.
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Wie füttert man eine entkräftete Hummelkönigin richtig?
Eine entkräftete Hummel erkennst Du in erster Linie daran, dass sie nicht wegfliegt, wenn Du Dich ihr näherst. Falls die Sonne scheint, solltest Du sie zunächst mit einem Stück Pappe o. Ä. an einen sonnigen und sicheren Standort setzen. Du kannst sie auch einfach auf die Hand nehmen, Hummeln stechen wirklich nur im absoluten Notfall. Oftmals ist ein sonniges Plätzchen schon ausreichend, um wieder zu Kräften zu kommen. Zusätzlich kannst Du ihr Zuckerwasser anbieten, um für einen Extra-Energiekick zu sorgen.
Dazu nimmst du einen halben Teelöffel Haushaltszucker und füllst ihn mit lauwarmem Wasser auf. Hat sich der Zucker gelöst, tröpfelst Du einfach ein wenig von dem Zuckerwasser direkt neben den Sitzplatz der Hummel. Mit ihrem Saugrüssel kann sie den Hummel-Energy-Drink aufnehmen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn der Zucker wirklich vollständig aufgelöst ist. Wichtig: Bitte ersetze den Zucker keinesfalls durch Honig.
Wem das zu fummelig ist: Wer keine Angst vor Hummeln hat, kann die Zuckerlösung auch direkt in die leeren Nahrungstönnchen spritzen, sofern solche schon vorhanden sind. Zu diesem Zweck zieht man das Zuckerwasser ohne Nadel auf eine Einwegspritze, wie sie in jeder Arztpraxis zu finden ist, und setzt die Nadel sogleich wieder auf. Dann öffnet man den Hummelkasten und teilt vorsichtig die Polsterwolle über dem Nest, bis man gerade ausreichend freie Sicht auf die Larvenbehälter, Kokons und oben offenen Futternäpfe hat; in einem frühen Entwicklungsstadium wird man davon nur wenige finden. Nach einer kurzen Beruhigungsphase für die Hummeln füllt man schnell die leeren Tönnchen und schiebt die Wolle über dem Nest wieder zusammen.
Praktische Futterbehälter und Standort
Für die Fütterung eignen sich kleinste, aber möglichst schwere Gefäße, die man entweder direkt im Nistkasten zwischen Nest und (innerem) Flugloch oder im geschlossenen Vorbau plaziert. Geeignete "Futtertröge" stellen z. B. umgedrehte Lego-Bausteinchen da, die in vielen Haushalten zu finden sind und mit den Näpfen im Inneren verhindern, daß eine klamme, ungeschickte Hummel sich den ganzen Bauch naßmacht und verklebt. Tipp: Lösung auf Blätter oder in umgedrehte Legosteine geben, so können Hummeln nicht ertrinken. Sicherer ist deshalb eine Kleinsäugertränke mit einem möglichst dünnen abgeknickten Röhrchen, das z. B. ...
Warum niemals Honig als Notnahrung verwenden
Nie Honig zur Notfütterung von Hummeln verwenden. Honig aus dem Ausland enthält oft Sporen der Amerikanischen Faulbrut (AFB). Diese sind für uns Menschen unbedenklich, bei Bienen können sie allerdings eine ansteckende Brutkrankheit auslösen. Durch die Lagerung von Honig entsteht schon bei Zimmertemperatur Hydroxymethylfurfural (HMF). Mit der Zeit erhöht sich der HMF-Gehalt im Honig erheblich. Obwohl er für den Menschen unbedenklich ist, kann er Bienen massiven Schaden zufügen und bis zum Tode führen. Daher sollten Bienen nicht mit Honig aus dem Glas gefüttert werden.
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Außerdem sollten Sie nur bei Bedarf füttern und keine „offene Futterstelle“ mit Zucker oder gar Honig anbieten. Auch hier besteht die Gefahr der Übertragung von Krankheiten. Wenn Bienen das Futter finden, informieren sie die anderen Bienen in ihrem Volk. Diese können dann zu Hunderten anfliegen und suchen nach noch mehr Futter. Imker nennen dieses Verhalten Räuberei.
Rezepte, Mengen und Gefahren von falscher Zusammensetzung
Die Lösung sollte aus 1 Teil Fruchtzucker (Fructose), 1 Teil "normalem", also raffiniertem Zucker (Saccharose) und knapp 1,5 Teilen Wasser bestehen, was einem Verhältnis von 30:30:40 Prozent entspricht. Vermutlich ist Traubenzucker (Glucose) ebenso geeignet wie Fruchtzucker (Fructose). Honig, der ja nur von Honigbienen produziert wird, besteht zu 35,3% aus Glucose, zu 37,4% aus Fructose (die aus Glucose entsteht und gelöst bleibt) und nur zu 3% aus Saccharose (einer Verbindung von Glucose und Fructose).
Fructose/Saccharose/Wasser Gemische enthalten jedoch keine Aminosäuren, Lipide, Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe, die in Nektar und Pollen natürlicherweise vorkommen. Fructose in zu hoher Konzentration (>30 %) kann zu einer osmotischen Belastung führen und ist für Insekten toxisch. Durch künstliche Zufütterung wird das natürliche Populationsgleichgewicht gestört: Schwache Völker überleben, obwohl sie unter natürlichen Bedingungen ausscheiden würden.
Praktische Mischvorschläge
- Einfaches Notrezept: ein halber Teelöffel Haushaltszucker in etwas lauwarmem Wasser (für eine einzelne Königin).
- Präzisere Mischung: 1 Teil Fructose : 1 Teil Saccharose : 1,5 Teile Wasser (ca. 30:30:40).
- Alternativ empfohlen: 4 Teile Fruchtzucker auf 2 Teile Rohrzucker auf 3 Teile Wasser (als Starthilfe in Hummelkasten-Situationen).
Pollen als Ergänzung und was Hummeln wirklich brauchen
Hummeln ernähren sich von Pollen. Der Großteil der Pollen, die sie benötigen, stammt von den Blüten der Kulturpflanzen, aber in einigen Fällen reicht diese Pollenmenge nicht aus. Ein Mangel an Pollen wirkt sich negativ auf die Hummeln und damit auf den Bestäubungseffekt aus. Wenn nicht ausreichend Pollen für die Hummeln verfügbar sind, sollten Sie die Hummeln manuell füttern. Füllen Sie einen Messbecher mit 55 ml Pollen. Das ist genug Nahrung für eine komplette Kolonie für 5 - 6 Tage. Öffnen Sie den Hummelkasten. Streuen Sie die Pollen durch das Gitter in einer Ecke des Hummelkast. Vergewissern Sie sich, dass keine Pollen auf dem Gitter liegen bleiben. Schließen Sie den Hummelkasten.
Fructose/Saccharose-Gemische ersetzen den fehlenden Nektar, liefern aber nicht die für die Larven wichtigen Proteine, Lipide, Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe. Daher ist Pollenversorgung für die Entwicklung der Brut unerlässlich.
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Langfristiger Schutz: Lebensraum schaffen statt dauerhaft füttern
Das Zuckerwasser ist allerdings nur eine kurzfristige Maßnahme, die weder die natürliche Nahrung ersetzen noch den Lebensraum von Hummeln retten kann. Dafür ist eine naturnahe, strukturreiche Umgebung mit vielen Frühblühern, Nistmöglichkeiten und Verstecken notwendig. Hummeln fühlen sich in einem naturnahen, strukturreichen Garten am wohlsten. Sie brauchen viele natürliche Nistplätze und verschiedenste Pollen- und Nektarquellen. Strukturen mit Totholzecken, Sandflächen, Laub- oder Steinhaufen und ruhige Dachböden bieten Hummeln ein Zuhause. Hilfreich sind auch viele frühblühende und spätblühende heimische Wildpflanzen, die von Februar bis Oktober reichlich Pollen und Nektar liefern. Dann haben Hummeln während ihrer gesamten Flugzeit ein kontinuierliches Nahrungsangebot.
Im Frühjahr liefern verschiedene Weidenarten den ersten Energy-Drink, ergänzt durch die Blüten von Winterlingen und Zwiebelpflanzen wie Krokus, Traubenhyazinthe, Blaustern und andere. Zu den beliebtesten Pollen- und Nektarquellen zählen die Salweide, Krokusse, Winterling, Blaustern, Traubenhyazinthe, Rot-Klee, Hornklee, Beinwell, Borretsch, Disteln, Gewöhnlicher Natternkopf, Wiesen-Löwenzahn und Flockenblumen.
Nistplätze und Nisthilfen
Hummeln sind sehr kreativ in ihrem Nestbau. Sie nutzen gerne alte Behausungen von Mäusen, Maulwürfen, Vögeln oder Eichhörnchen. Manche Hummelarten nisten bevorzugt im Boden, in den sie bis zu drei Meter tiefe Röhren graben, gut versteckt unter Baumwurzeln oder Hecken. Andere Hummelarten hingegen nisten lieber an der Oberfläche. Ihre Nester finden sich in Komposthaufen, auf Dachböden, in Meisenkästen oder im Dornengestrüpp einer Hecke. Unterkünfte für Hummeln gibt es im Fachhandel, sie lassen sich aber auch problemlos selbst basteln. Die Ansprüche der verschiedenen Hummelarten sind dabei sehr unterschiedlich, es ist also sinnvoll, unterschiedliche Nisthilfen herzurichten.
Der Erdhummelkasten zum Beispiel wird eingegraben und mittels einer Röhre mit der Oberfläche verbunden. Oft wird empfohlen, Blumentöpfe aus Ton als Nisthilfe einzugraben. Davon raten wir ab, da diese in kürzester Zeit feucht werden und mit Wasser volllaufen, sodass sie dann meist nur noch von Schnecken bewohnt werden. Eine bessere Alternative dazu ist, Blumentöpfe seitlich ausgerichtet in eine Totholz-Hecke zu legen.
Risiken der Zufütterung im Überblick
- Honig kann Krankheitserreger (z. B. AFB-Sporen) enthalten und Bienen oder Hummeln schaden.
- Falsche Zuckerzusammensetzung oder zu hohe Fructose-Konzentration kann toxisch wirken.
- Offene Futterstellen können Räuberei auslösen und andere Insekten, Bienen oder Wespen anlocken.
- Langfristige Zufütterung kann das natürliche Populationsgleichgewicht stören und schwache Völker erhalten, die unter natürlichen Bedingungen ausscheiden würden.
Praktische Tipps für das Helfen ohne Schaden
- Nur einzeln gefundene, entkräftete Hummeln füttern - keine offene Futterstelle im Garten einrichten.
- Keinen Honig verwenden - stattdessen gelösten Haushaltszucker oder eine Fructose/Saccharose-Mischung in geeigneten Anteilen.
- Sichere, kleine Futtertröge verwenden (z. B. umgedrehte Lego-Elemente, Kleinsäugertränke mit Röhrchen).
- Bei Hummelkästen: Pollen separat zuführen (z. B. 55 ml Pollen für 5-6 Tage für eine Kolonie), Zuckerwasser nur zur Not als Energiespritze.
- Langfristig Lebensräume schaffen: heimische, ungefüllte Blüten über die gesamte Saison pflanzen und Nistmöglichkeiten erhalten.
| Situation | Empfohlene Maßnahme | Vorsicht |
|---|---|---|
| Einzelne entkräftete Hummelkönigin | Halber Teelöffel Zucker in lauwarmem Wasser, tröpfchenweise anbieten | Keinen Honig verwenden |
| Hummelkasten mit Trachtmangel | Pollen zufüttern (ca. 55 ml für 5-6 Tage) und bei Bedarf Zuckerwasser im Vorbau | Offene Futterstellen vermeiden; Hygiene beachten |
| Langfristige Unterstützung | Heimische, früh- und spätblühende Pflanzen; Nistplätze schaffen | Keine dauerhafte Zufütterung als Ersatz für Lebensraum |
Wenn Sie jetzt im Frühjahr einer Hummelkönigin helfen, retten Sie nicht nur ein einziges Tier, sondern gleich einen ganzen zukünftigen Hummelstaat. Ein naturnaher Garten ohne Gift ist jedoch der beste Hummelschutz.
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