Ist Süßholz gesund und enthält es Zucker?

Aus den Wurzeln von Süßholz wird nicht nur Lakritze hergestellt, sondern sie dienen auch als besondere Zutat in der Küche. Den Namen Süßholz hat die Pflanze durch ihre süßlich schmeckenden Wurzeln und deren Ausläufer bekommen. Der botanische Name von Süßholz ist Glycyrrhiza glabra. Es wächst als eine mehrjährige Staude, die zwischen einem und zwei Meter hoch wird und deren Triebe verholzen. Die Pflanze ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet und trägt viele kleine Blüten, die blauviolett bis weiß gefärbt sind. Die Blütezeit ist von Anfang August bis Mitte Oktober.

Was ist Süßholz und woraus besteht Lakritz?

Mit Süßholz ist die Wurzel der Pflanze Glycyrrhiza glabra (Echtes Süßholz) gemeint. Für die Naturmedizin sind die Wurzeln von Süßholz relevant, vor allem in ihrer getrockneten Form. Die Süßholzwurzel zählt zu den am besten untersuchten pflanzlichen Heilmitteln. Sie enthält zahlreiche Wirkstoffe, von denen bislang rund 400 identifiziert wurden. Eines dieser Saponine ist das sog. Glycyrrhizin, das auch für den süßen Geschmack der Wurzel zuständig ist.

Der typische süße Geschmack der Süßholzwurzel kommt vom Inhaltsstoff Glycyrrhizin, der ca. 50-mal so süß wie Zucker ist. Der in der Süßholzpflanze enthaltene Pflanzenstoff Glycyrrhizin weist eine 50fach höhere Süßkraft auf als klassischer Haushaltszucker. Den aus der süßen Wurzel gewonnenen „Süßholzsaft“ verwendet man als geschmacksbestimmende Zutat in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren.

Aufgeschnittene Süßholzwurzel und gemahlenes Lakritzpulver

Woraus besteht echtes Lakritz?

Für die beliebte Süßigkeit stellt man zunächst aus der Wurzel einen Extrakt her. Diesen Extrakt vermischt man dann mit Mehl, einem Geliermittel, Aromen und verschiedenen Zuckerarten. In der industriellen Produktion sind Süßholzwurzel und Süßholzsaft für die Herstellung von Lakritze relevant. Die Herstellung von Lakritze beginnt mit der Ernte der Wurzel des Süßholzstrauchs. Nach etwa drei Jahren sind die holzigen Wurzeln reif für die Ernte. Um Lakritze in ihrer typischen Form herstellen zu können, müssen die Inhaltsstoffe dann aus der Süßholzwurzel extrahiert werden. Dazu werden die zerkleinerten Wurzelstücke in einem Behälter mit Wasser ausgekocht. Einige der Inhaltsstoffe, die in das Wasser übergehen, färben sich dabei schwarz, sodass die typische Färbung entsteht.

Dieses wässrige Süßholzextrakt wird mit Stärke oder Mehl eingedickt. Durch den Vorgang wird ein eingedickter Wurzelsaft gewonnen. So entsteht eine formbare Masse. Meistens durch die Hilfe von Gießanlagen bekommen die Lakritze ihre typische Form. Bei Raumtemperatur härten die Lakritze aus. Allerdings muss Lakritz in Deutschland nur mindestens zu 3 % aus Süßholzextrakt bestehen. Bei herkömmlicher Lakritz isst man somit nichts anderes als eine Zucker-Stärke-Mischung, die mit einem Hauch Süßholz aromatisiert ist.

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Enthält Süßholz Zucker?

Die Süßholzwurzel hat in etwa den gleichen Kaloriengehalt wie Haushaltszucker, jedoch eine bis zu 50-fach stärkere Süßkraft. Glycyrrhizin besitzt ungefähr die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose). Das heißt: Süßholz schmeckt sehr süß, enthält aber nicht primär Saccharose als Kristallzucker - seine Süße beruht auf Glycyrrhizin. Süßholz kann als Zuckerersatz immer verwendet werden, wenn ein süßer Geschmack erwünscht ist. Ein Beispiel dafür ist Süßholzsaft, der getrocknet und gemahlen ist und aus der Süßholzwurzel gewonnen wird. Er hat ein intensiveres Aroma als die Wurzel selbst und wird daher gerne zum Süßen von Lebensmitteln verwendet.

Verwendung in Küche und Haushalt

In der Küche ist Süßholz vor allem als natürliches Süßungsmittel von Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist Süßholzsaft, der getrocknet und gemahlen ist und aus der Süßholzwurzel gewonnen wird. Er lässt sich vor allem gut als Gewürz und Süßungsmittel von Speisen und Getränken verwenden. Außerdem kann es prima zur eigenen Herstellung von Lakritze benutzt werden.

Eine weniger weit verbreitete Verwendung, die aber interessant zu erwähnen ist, ist die Nutzung der Süßholzwurzel bei der Zubereitung von Fleischgerichten. Dort finden Sie nicht nur geschälte und geschnittene Süßholzwurzel, die sich hervorragend zur Zubereitung von Süßholztee oder der Herstellung von Lakritze eignet, sondern auch gemahlenen Süßholzsaft als Lakritzpulver.

Selbstgemachte Lakritze in einer Kastenform

Selbstgemachte Lakritze - kurz beschrieben

Legen Sie zu Beginn eine Kastenform mit Backpapier aus und fetten Sie das Papier ein, damit sich die Lakritze am Ende auch gut vom Papier lösen. Für die Zubereitung werden alle Zutaten zusammen in einen Topf gegeben und gut miteinander vermischt. Unter ständigem Rühren wird die Masse dann aufkochen gelassen, bis deutlich zu erkennen ist, dass sie eindickt. Bleiben Sie daher die ganze Zeit über dabei und rühren Sie die Masse dauerhaft um. Möchten Sie die Lakritze in einer Form zubereiten, dann gießen Sie die eingedickte Masse nun in Ihre Backform. Lassen Sie die Lakritze dann im Kühlschrank etwas fest werden und schneiden sie danach in beliebige Formen.

Möchten Sie die Lakritze lieber in Formen spritzen, befüllen Sie einen Spritzeutel vorsichtig mit der eingedickten Masse. Haben Sie keinen Spritzbeutel vor Ort, können Sie auch einen Gefrierbeutel nehmen. Danach können Sie beliebige Formen auf ein Tablett spritzen, das Sie zuvor mit Backpapier, Alufolie oder Frischhaltefolie ausgelegt haben.

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Wirkungen und medizinische Anwendung

Die Süßholzwurzel Glycyrrhiza etwa enthält verschiedene Substanzen, die gegen Atemwegs- oder Magenerkrankungen helfen. In der Heilkunde wird sie daher schon seit Jahrtausenden eingesetzt, vor allem als Tee. Die Arzneipflanze des Jahres 2012 beruhigt den Magen und hilft gegen Atemwegserkrankungen: die Süßholzwurzel. Sie dient als Rohstoff für Lakritze, beruhigt den Magen und hilft gegen Atemwegserkrankungen. Die Süßholzwurzel hat entzündungshemmende, schleimlösende, antioxidative sowie immunmodulierende Eigenschaften und ist damit ein ideales Heilmittel bei einem grippalen Infekt, bei Mandelentzündung oder auch bei Husten bzw. Bronchialkatarrh.

Die sekundären Pflanzenstoffe der Wurzel wirken schleimlösend und auswurffördernd. Zudem haben sie antibakterielle Effekte und sind entzündungshemmend. Dadurch dient die Süßholzwurzel dem Schutz der Schleimhäute von Atemwegen und Magen-Darm-Trakt. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Süßholzwurzel auch als unterstützende Therapie bei Magengeschwüren und Geschwüren des Zwölffingerdarms sowie bei einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder zur Linderung von Sodbrennen eingesetzt werden.

Neu entdeckte antidiabetische Substanzen: Amorfrutine

Dass Süßholz auch Stoffe enthält, die gegen Diabetes wirken, haben Forscher am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin herausgefunden. Die sogenannten Amorfrutine wirken nicht nur blutzuckersenkend, sondern auch entzündungshemmend und sind sehr gut verträglich. Die Wissenschaftler identifizierten in der essbaren Wurzel eine neue Gruppe von Naturstoffen mit antidiabetischer Wirkung: die Amorfrutine. Wie die Forscher an diabetischen Mäusen gezeigt haben, entfalten die Amorfrutine nicht nur blutzuckersenkende Eigenschaften, sondern wirken auch entzündungshemmend. Darüber hinaus beugen sie sogar einer Fettleber vor - eine häufige Erkrankung, unter anderem infolge einer falschen Ernährung.

„Die gesundheitsfördernden Effekte beruhen darauf, dass die Amorfrutin-Moleküle gezielt an einen Rezeptor namens PPARγ im Zellkern andocken“, erklärt Sascha Sauer. PPARγ spielt im Fett- und Glukosestoffwechsel der Zelle eine wichtige Rolle. Die Bindung der Amorfrutin-Moleküle aktiviert verschiedene Gene, welche die Plasmakonzentration bestimmter Fettsäuren sowie von Glukose senken. Der verringerte Glukosespiegel verhindert die Entwicklung einer Insulinresistenz - die Hauptursache des Altersdiabetes.

„Es nützt aber nichts, bei Diabetes Süßholztee zu trinken oder Lakritze zu essen“, erklärt der Wissenschaftler. „Denn im Tee oder in der Lakritze liegen die Stoffe in einer viel zu geringen Konzentration vor, als dass sie wirken könnten“. Um die Amorfrutine in ausreichender Konzentration aus der Pflanze zu gewinnen, haben die Forscher daher spezielle Extraktionsverfahren entwickelt. Natürliche Amorfrutin-Extrakte können somit industriell produziert werden.

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Grafik: Wirkmechanismus der Amorfrutine an PPARγ

Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Die Wirksame Hauptkomponente der Wurzel ist Glycyrrhizin, dessen Abbauprodukt Einfluss auf den menschlichen Wasser- und Mineralstoffhaushalt hat. Der enthaltene Pflanzenstoff Glycyrrhizin wird im Körper durch Darmbakterien in Zucker und in die sogenannte freie Glycyrrhetinsäure umgewandelt. Diese kann ein Enzym in der Niere behindern, wodurch es zu Natrium- und Wasseranreicherungen im Körper und verstärkten Kaliumverlusten über den Urin kommt.

Als Nebenwirkungen bei längerer Anwendung und höherer Dosierung der Süßholzwurzel können mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie auftreten. Dadurch kann es zu Symptomen wie erhöhtem Blutdruck, Muskelschwäche und Wassereinlagerungen kommen.

Menschen mit hohem Blutdruck (Hypertonie), Nierenerkrankungen, Leber- oder kardiovaskulären Erkrankungen und bei Kaliummangel sollen Süßholzwurzel - auch in Form von Lakritz - nicht einnehmen, da sie für die Nebenwirkungen der Süßholzwurzel empfindlicher sind. Auch Menschen mit Bluthochdruck sollten beim Verzehr von süßholzhaltigen Lebensmitteln vorsichtig sein.

Schwangere sollten besser auf den Verzehr von lakritzhaltigen Lebensmitteln verzichten. Der Berufsverband der Frauenärzte warnt davor, dass Bestandteile der Süßholzwurzel einen ungünstigen Einfluss auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes haben könnten. Eine finnische Studie legt nahe, dass der Verzehr von Lakritz in der Schwangerschaft möglicherweise nachhaltig die körperliche und kognitive Entwicklung der Kinder schädigen könnte.

Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten beachten, dass Glycyrrhizin die Wirkung von Medikamenten beeinflussen kann. Bei Zweifeln sollte man mit dem Arzt oder Apotheker besprechen, welche Mengen okay sind.

Kennzeichnung und empfohlene Höchstmengen

Süßwaren und Getränke, die es in geringeren Konzentrationen enthalten, müssen mit „enthält Süßholz“ gekennzeichnet sein. Laut Kennzeichnungsvorschriften müssen Süßwaren oder Getränke, wie etwa Lakritzlikör, die eine Konzentration an Glycyrrhizinsäure von 10 Milligramm pro 100 Gramm oder 10 Milligramm pro Liter enthalten, den Hinweis „enthält Süßholz“ tragen. Liegt die Konzentration von Glycyrrhizinsäure bei mindestens 400 Milligramm pro 100 Gramm (Starklakritz), werden die Produkte mit der Aufschrift „enthält Süßholz - bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden“ versehen.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge sollte die Aufnahme von Glycyrrhizin auf unter 100 Milligramm pro Tag beschränkt werden. Folgende Übersicht zeigt empfohlene Höchstmengen für Erwachsene laut dem BfR:

Produkt Empfohlene Höchstmenge (Erwachsene)
Kinderlakritz maximal 100 g pro Tag (generell vorsichtig dosieren bei Kindern)
Erwachsenenlakritz (0,2 g Glycyrrhizin /100 g) möglichst weniger als 50 g pro Tag
Starklakritz (0,4 g Glycyrrhizin /100 g) maximal 25 g pro Tag

Das BfR weist darauf hin, dass vor allem bei importierten Lakritzwaren die Anteile pro 100 Gramm deutlich höher liegen können. Entsprechend weniger sollten Erwachsene zu sich nehmen. Für Kinder gibt es keine explizit empfohlenen Höchstmengen.

Praktische Hinweise zur Anwendung

Süßholzwurzeln sind in Apotheken, Bioläden, Teeläden etc. erhältlich. Bioqualität zeigt hier an, dass die Droge zwar nach den Bio-Richtlinien erzeugt wurde. In Apotheken hingegen verfügen die Wurzeln über Arzneibuchqualität. Trockenextrakte aus dem Süßholz werden in Tabletten, Dragees und Kapseln eingearbeitet. Meist sind jedoch Flüssigextrakte/Tinkturen erhältlich (mit oder ohne Alkohol). Bei Extrakten hängt die Dosierung vom Glycyrrhizingehalt ab bzw. orientieren Sie sich an der jeweiligen Einnahmeempfehlung oder fragen Sie Ihren Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker.

Die European Medicines Agency (EMA) empfiehlt 1 bis 5 g Droge (also Wurzel) pro 150 ml Wasser. Der Tee kann als Aufguss oder Dekokt (Wurzelstückchen in Wasser geben und kurz aufkochen lassen) zubereitet werden. Es können täglich 3 bis 4 Tassen vom Tee getrunken werden, am besten nach dem Essen. In 2,5 g getrockneter Süßholzwurzel sollen ca. 100 mg Glycyrrhizin enthalten sein. Trinken Sie den Tee nicht dauerhaft (aber das ist bei jedem Heilpflanzentee so).

Kurzanleitung: Süßholzwurzeltee zubereiten und Lakritz selbst herstellen

Historisches und kulturelles

Die Wurzel hat historische Bedeutung: In der vorchristlichen Zeit wurde Süßholz in babylonischen und altägyptischen Quellen als Heilpflanze erwähnt. Den alten Ägyptern diente sie als Grabbeigabe. In Mittel- und Nordeuropa etablierte sich die Wurzel erst im Mittelalter zu einem festen Bestandteil der Hausapotheke. Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen beschrieb das Heilmittel als wirksam bei Lungenleiden und Verdauungsbeschwerden. Schon Napoleon soll stets ein Pulver aus der Wurzel mit sich geführt haben, um seine Gastritis in Schach zu halten.

Abwägung: Ist Süßholz gesund?

Die Süßholzwurzel ist eine wirklich potente Heilpflanze. Sie enthält zahlreiche bioaktive Substanzen (Glycyrrhizin, Flavonoide, Isoflavone, Polysaccharide, Amorfrutine) und besitzt vielfältige Wirkungen: schleimlösend, entzündungshemmend, antiviral, antibakteriell, magenberuhigend und potentiell antidiabetisch (durch Amorfrutine in angereicherten Extrakten). Zugleich kann Glycyrrhizin bei übermäßigem Verzehr ernsthafte Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Ödeme und Kaliummangel verursachen.

Fazit: Süßholz ist eine Arzneipflanze und Lakritz ein Genussmittel und sollte deshalb nicht unbedacht konsumiert werden. Die Süßholzwurzel bietet therapeutisches Potenzial, doch bei regelmäßigem oder hohem Verzehr sind Vorsicht und ärztliche Rücksprache ratsam.

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