Hafermilch ohne Zuckerzusatz: Herstellung, Kauf und Hintergründe

Hafermilch hat sich in den letzten Jahren zur beliebtesten Milchalternative entwickelt. Der Haferdrink schmeckt sehr süß und lecker - doch hinter der scheinbar „zuckerfreien“ Verpackung verbirgt sich ein komplexer Herstellungsprozess, der den Zuckergehalt maßgeblich beeinflusst. Diese ausführliche Übersicht erklärt, warum gekaufte Hafermilch oft mehr Zucker enthält als erwartet, wie die industrielle Fertigung funktioniert, wie du wirklich zuckerfreie Hafermilch selbst herstellen kannst und wie du im Handel die richtige Wahl triffst.

Warum ist gekaufte Hafermilch so süß?

Eines der stärksten Argumente für Hafermilch ist das Etikett „ohne Zuckerzusatz“. Auf manchen Verpackungen liest man: „Ohne Zusatz von Zucker.“ - Perfekt! Doch viele Produkte enthalten 5g Zucker je 100ml Haferdrink, das sind 50g pro Liter! Wenn du in die Nährwerttabelle der Packung schaust, sind meist etwa 5 g Zucker pro 100 ml aufgeführt, oft als „natürlicher Zuckergehalt im Hafer“ deklariert.

Hafer enthält von Natur aus langkettige Kohlenhydrate (Polysaccharide), die im Verdauungsprozess langsam zu Glukose aufgespalten werden, was den Blutzuckerspiegel moderat ansteigen lässt. Bei industrieller Herstellung passiert jedoch Folgendes: Der Hafer wird geschrotet, gekocht und mit Enzymen (meist Amylase) fermentiert. Die Enzyme spalten die Stärke vorab zu Zucker - in diesem Fall zu Glucose und Maltose.

Herstellung von Hafermilch: Enzymatische Stärkeumwandlung - Infografik

Die Rolle der Enzyme: Zucker entsteht durch Fermentation

Um Hafermilch herzustellen, wird ein Brei aus Hafer und Wasser (1:10) aufgekocht und anschließend mit Enzymen (Amylase) versetzt, die einen Teil der Stärke in Zucker - freie Glukose - umwandeln. Diese Aufgabe - die Aufspaltung der Stärke - sollte eigentlich unser Körper selbst erledigen, was eine langsame Zuckerverwertung im Blut zur Folge hat. Wird die Stärke aber industriell aufgespalten, gelangt der Einfachzucker blitzschnell ins Blut, reizt die Bauchspeicheldrüse zu hoher Insulinproduktion und führt zu einem schnellen Abfall des Blutzuckerspiegels. Das resultiert in erneutem Appetit und kann Zuckersüchte und Gewichtszunahme begünstigen.

Diese Form der schnellen Zuckerverwertung ist für den Körper untypisch und fördert Blutzuckerschwankungen. Das Problem ist also weniger die absolute Zuckermenge, sondern die Geschwindigkeit, mit der der Zucker ins Blut abgegeben wird.

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Wie viel Zucker steckt wirklich in Hafermilch?

100 ml Hafermilch enthalten ca. 10g Hafer, also 0,07g natürlicher Zucker. Nach der industriellen Fermentierung werden diese 100ml Hafermilch zu etwa 5g Zucker umgewandelt - die Süße steigt also sprunghaft. Mit einem Glas gekaufter Hafermilch nimmst du also auch 12g Zucker auf - und davon ist kaum die Rede auf der Verpackung.

Hafermilch wird oft beworben mit „ohne Zuckerzusatz“, darf aber weiterhin große Mengen isolierten Zuckers enthalten, weil die Stärke durch Enzyme gespalten wird. Dieses Verfahren muss nicht auf der Verpackung deklariert werden, sodass viele Kunden getäuscht werden.

Zuckerentwicklung in industrieller Hafermilch - Vergleichstabelle
Produkt Zutaten Zuckergehalt (pro 100ml) Zusatzstoffe
Klassische Hafermilch im Tetrapack Wasser, Hafer, Sonnenblumenkernöl, Meersalz 5 g Meist enzymatische Fermentation, mögliche E-Stoffe
Bio Hafermilch ohne Zuckerzusatz Wasser, Hafer* (14%), kaltgepresstes Sonnenblumenöl*, Vanillearoma*, Meersalz 0-1 g Keine Fermentation, Zutaten aus biologischem Anbau
Alpro Haferdrink (ohne Fermentation) Wasser, Hafer (8,7%), Zichorienwurzelfasern, Sonnenblumenöl, Calciumcarbonat, Meersalz, Gellan k.A. Keine Einfach-/Zweifachzucker, aber Gellan, Sonnenblumenöl

Genetische Enzyme und fehlende Deklaration

Die zur Stärkeumwandlung benötigten Enzyme werden mittlerweile billig, in unbegrenzten Mengen und in der notwendigen Qualität mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt. Auch das muss nicht deklariert werden. Diese Verfahrensweise muss nicht auf der Verpackung angegeben werden und Hafermilch darf weiterhin mit „zuckerfrei“ beworben werden.

Einige Hersteller erwähnen inzwischen die Zucker-Stärke-Fermentation auf der Verpackung, doch meistens bleibt dieser Hinweis aus.

Hafermilch Herstellung: Industriell vs. Selbstgemacht

Hafermilch selber machen: so wird sie wirklich zuckerfrei

Der Vorteil beim selber hergestellten Haferdrink: Du kannst selbst bestimmen, wie süß dein Haferdrink sein soll. Cremigen Haferdrink ohne Schleim kannst du herstellen, indem du Haferflocken mit kaltem Wasser pürierst oder mixt:

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  1. Haferflocken mit Wasser und 1 Prise Salz in einen Hochleistungsmixer geben.
  2. Kurz mixen, bis die Haferflocken fein zerkleinert sind.
  3. Hafermischung in einen Nussmilchbeutel gießen und den Haferdrink auffangen.
  4. Hafer im Beutel vorsichtig auswringen.
  5. Haferdrink in gründlich gereinigte Flaschen füllen und gut verschließen.

Alternativ kannst du Haferdrink-Eiswürfel machen - Hafermilch in Eiswürfelformen füllen, mindestens 4 Stunden gefrieren, anschließend in eine Gefrierbox umfüllen und bei Bedarf auftauen.

Als Alternativen zu Nussmilchbeuteln werden Wäschesäcke oder Nylonstrümpfe genannt. Davon rate ich jedoch ab, da sich Mikroplastik-Partikel und Chemikalien lösen können. Nutze lieber ein Baumwolltuch, auch wenn es etwas matschig ist.

Hafermilch selber herstellen - Schritt-für-Schritt-Anleitung

Barista-Hafermilch selbst mixen und aufschäumen

Wenn du aufschäumbare Barista-Hafermilch selber machen möchtest, stell zunächst wie oben beschrieben einen Liter Haferdrink her. Anschließend gib 1 EL Sonnenblumenöl und 1 TL Lecithin (z.B. aus Sonnenblumenkernen oder Soja) hinzu und mixe erneut. So erhältst du eine aufschäumbare Milch-Alternative, die sich wie handelsübliche Barista-Drinks verarbeiten lässt.

Handelsprodukte: Wie findet man wirklich zuckerfreie Hafermilch?

Es gibt tatsächlich zuckerfreie Hafermilch im Handel, allerdings sollte man die Zutatenliste genau studieren. Der Bio Hafer Drink ohne Zuckerzusatz ist ideal für alle, die ihren Hafer Drink weniger süß mögen. Für den Bio Hafer Drink ohne Zucker verwenden Hersteller wie Berief Bio Vollkornhafer aus Deutschland in Naturland Qualität; ungeöffnet ist er ungekühlt haltbar.

Gute Alternativen sind z.B. Bio-Haferdrink ohne Zuckerzusatz von Naturgreen. Hergestellt aus italienischem Hafer - ein Getränk mit sehr wenigen Kalorien, ohne Laktose, ohne Soja, geeignet für Vegetarier, Veganer und Laktoseintolerante. Naturgreen führt eine strenge Auswahl der Zutaten mit Rückverfolgbarkeit und Kontrolle durch.

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Alpro bietet inzwischen einen Haferdrink an, der ohne Fermentation hergestellt wird und keine Einfach- und Zweifachzucker enthält. Die Inhaltsstoffe sind: Wasser, Hafer (8,7%), Zichorienwurzelfasern, Sonnenblumenöl, Calciumcarbonat, Meersalz, Stabilisator (Gellan) und Vitamine. Der Drink schmeckt gut, allerdings sind Zusätze wie Sonnenblumenöl und Gellan (E418) nicht unumstritten.

Natumi und Allos bieten ebenfalls zuckerfreie Hafermilch an, bei der keine Zucker-Stärke-Fermentation angewendet wird.

Hafermilch ist kein „Milch“-Produkt im rechtlichen Sinne

Der Begriff „Milch“ ist in der EU geschützt: Milch darf nur genannt werden, was durch Melken aus einem Euter gewonnen wird. Hafermilch heißt daher offiziell Haferdrink. Umgangssprachlich ist das kein Problem, aber Hersteller dürfen Produkte wie Mandeldrink, Sojadrink, Reisdrink oder Haferdrink nicht als „Milch“ bezeichnen. Eine Ausnahme bildet Kokosmilch.

Alternativen: Nussmilch und Sojamilch sind meist zuckerfrei

Reine Nussmilch-Sorten und Sojamilch (Wasser, Nüsse/Mandeln/Soja und Meersalz) werden nicht fermentiert. Falls dort in der Zutatenliste kein Zucker aufgeführt wird, ist sie sehr wahrscheinlich zuckerfrei. Bei der Herstellung von Nussdrinks wie Mandeldrink findet dieses enzymatische Versetzen nicht statt - das Verfahren wird nur bei Getreidedrinks angewendet.

Wer zu gekauften Alternativen greifen möchte, kann zuckerfreie Soja- oder Nussmilch-Varianten wählen.

Alternativen zu Hafermilch: Sojadrink und Nussdrink im Vergleich

Die Auswirkungen von Zucker in Hafermilch auf den Körper

Der Konsum von Hafermilch mit isolierten Zuckern sorgt für einen erhöhten Blutzuckerspiegel und erneuten Appetit. Gerade für Menschen, die versuchen auf Zucker zu verzichten, kann süße Getreidemilch ein Problem darstellen, da auch kleine Mengen Zucker in flüssiger Form, ohne Ballaststoffe, sehr stark triggernd wirken. Das erschwert den Verzicht auf Zucker unnötig und kann Zuckersucht aufrechterhalten.

Immer wenn Insulin im Blut ist, steht der Körper auf Speichermodus - häufiger Konsum stark fermentierter Hafermilch kann somit Gewichtszunahme und Krankheiten begünstigen. Auch das Zuckermonster im Inneren scheint sich nach dem Genuss von süßer Hafermilch zu regen.

Tipps für den Alltag und die Küche

  • Studieren Sie immer die Zutatenlisten und die Nährwerttabellen von Haferdrinks.
  • Greifen Sie zu Produkten, die ausdrücklich „ohne Zuckerzusatz“ UND „ohne Fermentation“ gekennzeichnet sind, oder zu Bio-Drinks mit hohem Haferanteil.
  • Selbstgemachte Hafermilch bietet maximale Kontrolle über Süße und Zusatzstoffe.
  • Nussmilch oder Sojamilch können eine zuckerfreie Alternative sein - besonders für Zuckersensible und Diabetiker.
  • Wenn Sie Haferdrink selbst herstellen, vermeiden Sie industrielle Filter und Plastik - nutzen Sie Baumwolle oder spezielle Nussmilchbeutel.

Fazit: Genießen & bewusst wählen

Hafermilch ist natürlich nicht gefährlich, aber die industrielle Herstellung mit Enzymen führt häufig zu einer unerwarteten Zuckerfalle - besonders für Menschen mit Zuckerkonsumproblemen. Wer auf Zucker verzichten möchte, sollte entweder seine Hafermilch selbst herstellen oder gezielt nach Varianten ohne Zuckerzusatz und Fermentation Ausschau halten.

Hafermilch ohne Zucker: Einkauf und Herstellung - Tipps für Verbraucher

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