Graues Haus Oestrich-Winkel: Geschichte, Trüffel, Genuss und das Revival einer Legende

Das Graue Haus in Oestrich-Winkel gilt als das älteste bewohnbare Steinhaus Deutschlands und ist ein legendärer Ort für Wein, Genuss und Lebensfreude - Die Heimat der Charta Rieslinge. Über die Jahrhunderte ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden um die Geschichte dieses besonderen Bauwerks. Die bekanntesten sind wohl, dass das Graue Haus das Wohn- und Sterbehaus des Mainzer Bischofs Rabanus Maurus gewesen sei. Es war wohl Bestimmung - für das Graue Haus und für Dr. Manuel Stirn.

Historisches Graues Haus Oestrich-Winkel Außenansicht

Die Ursprünge und Geschichte des Grauen Hauses

Über das wahre Alter des Grauen Hauses rätseln die Experten. So soll es Peter Holstein zufolge um 850 gebaut worden sein, somit wäre es tatsächlich das älteste Steinhaus im Lande. Paul Eichholz vermutet, dass es das Wohn- und Sterbehaus des Erzbischofs und Gelehrten Rhabanus Maurus (780-856) war. Werner Barkbausen wiederum datiert das Mauerwerk in die Mitte des 12. Jahrhunderts. Ernst Holstein schließlich befand, dass der Dachstuhl aus Eichenstämmen gefertigt worden sei, die zwischen 1035 und 1075 gefällt worden sind.

Bekannt ist das Graue Haus aus Urkunden erst seit 1191, zu diesem Zeitpunkt befand es sich im Besitz der Herren von Winkel, genannt Greiffenklau. Das Graue Haus war das Stammhaus der Familie Greiffenclau, eines Adelsgeschlechts aus dem Rheingau, dessen Stammbaum bis zum Jahr 1097 zurückverfolgt werden kann. Es diente der Familie bis 1330 als Wohnsitz, später als Wohnhaus für Beschäftigte von Schloss Vollrads.

Blick auf Oestrich-Winkel und das Rheingau

Im Westen war ein 3,2 m x 2,6 m großer Annex angebaut, der im Obergeschoss gewölbt war. Das Untergeschoss war durch ein rundbogiges Portal von Süden her zugänglich, das Obergeschoss wurde durch eine hölzerne Außentreppe von Westen erschlossen. Betrat man das Gebäude über die Treppe, so gelangte man in einen kleinen Vorraum, der in eine Galerie führte. Hier öffneten sich drei Doppelarkaden nach Süden. Von der Galerie aus war der Hauptraum zugänglich, der mit einem Kamin beheizt war.

Brände und Wiederaufbau

In den 60er Jahren brannte es teilweise aus und bot somit den Bauforschern die Möglichkeit einer Untersuchung. 1964 hatte der damalige Besitzer Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau nach einer Brandkatastrophe mit Hilfe des Landes Hessen, des Rheingau-Taunus-Kreises und der Stadt Oestrich-Winkel das Graue Haus zum Gourmet-Restaurant ausgebaut.

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Wiederaufbau nach Brandkatastrophe - historische Aufnahme

Die berühmten Bogenfenster in einem Raum wurden durch die Initiative Matuschka-Greiffenclaus zum Symbol für die Rheingauer Charta-Weine. Nach dessen Freitod 1997 wurde es allerdings dann still im Grauen Haus. Die Immobilie hatte mehrfach den Eigentümer gewechselt, zuletzt gehörte sie dem Wiesbadener Unternehmer Klaus Bochmann bzw. Der Wiesbadener Unternehmer Dr. Die lange Leidenszeit des Ensembles an der Graugasse scheint nun vorbei zu sein.

Die gastronomische Tradition und das Erbe des „Trüffel“

Seit Jahren träumte der einst legendäre Tempel für Wein, Genuss und Lebensfreude vor sich hin. Ein massives Holztor versperrte zuletzt den Blick auf das älteste Steinhaus Deutschlands. Viele Jahre lang lag das charakteristische romanische Gebäude, das auch einmal ein Sterne-Restaurant mit Egbert Engelhardt beherbergte, im Dornröschenschlaf. Bis 1997 beherbergte das Graue Haus das gleichnamig Restaurant (hier hat Stefan Marquard gekocht und Sternerfahrung gesammelt).

Historisches und heutiges Graues Haus - Rückblick und Zeitreise

Seit 2021 befindet sich das Restaurant „Wiesbadener Trüffel“ im Grauen Haus - jenem Ort, an dem der Überlieferung nach bereits im 9. Jahrhundert Arme gespeist wurden. Ein solches Anwesen zu besitzen, machte Dr. Manuel Stirn stolz und er ging hochmotiviert die Sache an. Natürlich erinnert sein Neukonzept des Grauen Hauses an das renommierte Wiesbadener Feinkostunternehmen „Trüffel“. Im Grauen Haus traf Stirn zudem - wie er selbst sagt - auf einen guten baulichen Zustand, so dass vor allem „nur“ das Innenleben neu gestaltet werden musste.

Das neue Konzept unter Manuel Stirn

Er selbst bringt viel Erfahrung aus der Praxis in Hotellerie, Gastronomie und der Lebensmittel-Branche mit. Stirn ist Chef der Eichenwald Consulting, einer erfolgreichen Beratungsgesellschaft und seit vielen Jahren mit zahlreichen Anbietern von Premium-Produkten bestens vernetzt. Sein Herz schlägt (auch) für Italien, wo er studiert und promoviert hat. Seine Frau Cristina ist Italienerin, auch seine beiden Kinder tragen italienische Vornamen.

  • Gehoben, aber nicht abgehoben und stets unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes.
  • Für Stirn muss es bei einem hochwertigen und gut durchdachten multifunktionalen Gastro-Konzept nicht unbedingt eine Sterneküche sein.
  • Bei der Ausgestaltung der Räume hat man darauf geachtet, möglichst viel von der historischen Substanz zu erhalten.
  • Neben den bestehenden Elementen wurden auch alte Bruchsteinmauern freigelegt und regionale Baumaterialien miteinbezogen.
Innenraum Graues Haus nach Sanierung und Nutzung

Das kulinarische Angebot und die Bedeutung der Charta Rieslinge

Im vorderen Bereich laden inzwischen ein Café bzw. eine Vinothek zum Stöbern, Schnabulieren und Verweilen ein. Die Trüffel-Tagliolini mit dem rohen Eigelb zum Unterheben oder das echte zarte Wiener Schnitzel mit warmem Kartoffel- und frischem Gurkensalat sind nur einige Beispiele des Angebotes. Montags bis Freitags wird nun täglich ab 11:30 Uhr der sicher raffinierteste Mittagstisch im Rheingau angeboten.

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Bereich Anzahl Plätze Stil Öffnungszeiten
Fine Dining Restaurant 24-30 gehoben, modern Mo - Sa: 11:30-14:30 und 17:30-22:30, So: geschlossen
Bistro 18-22 entspannt, grüne & gelbe Töne Mo - Sa: 8:30-22:30, So: geschlossen
Feinkostshop - Feinkost aus D, F, I Mo - Fr: 9:00-18:00, Sa: offen, So: geschlossen

Die Gesamtfläche der Location umfasst rund 1000 qm, davon sind 386 qm den Innenflächen vorbehalten. In angrenzenden Feinkostshop, der zu den üblichen Geschäftszeiten geöffnet sein wird, gibt es feine Kost aus Deutschland, Frankreich und Italien zum Mitnehmen. Die antik wirkenden Fliesen in Bistro und Feinkost-Shop aus Frankreich oder Italien stammen lediglich „von der anderen Rheinseite“, so Stirn.

Die Rolle der Charta-Weingüter bei der Wiederbelebung

Die Bogenfenster waren es übrigens auch, die einst bei der Entstehung der Charta-Weine, dem Zusammenschluss der Top-Erzeuger des klassischen Rheingau Rieslings, Pate gestanden haben. Die Vereinigung der CHARTA-Weingüter wurde 1984 in der Schatzkammer der Hochschule Geisenheim gegründet. Ziel der Vereinigung ist es, den klassischen Rheingau Riesling zu pflegen, der sich geschmacklich trocken, fruchtbetont und rassig präsentiert.

Bei der Auswahl der Weine setzt Stirn auf die Verbindung zu den Charta-Winzern von heute. Im Grauen Haus gibt es deshalb eine Extra-Charta-Weinkarte, wobei auch Weine aus Italien ihren festen Platz haben. Die Weine müssen zu 100 % aus vollreifem Riesling-Lesegut aus besten Rheingauer Lagen gekeltert werden und dürfen erst nach einer Blindverkostung durch eine Prüfungs-Kommission vermarktet werden.

Charta Riesling - Karte, Tafel und Weinpräsentation Graues Haus

Das Graue Haus heute: Treffpunkt, Kultur und neues Leben

Die Legende lebt: Das Graue Haus ist ein besonderer Ort für Wein, Genuss und Lebensfreude. Bis zu 15 neue Stellen will Stirn im Grauen Haus schaffen. Küchenchefs, Restaurantleiter und die Chefin des Feinkost Shops sollen im Team arbeiten und dafür sorgen, dass sich alle Gäste wohlfühlen.

Neue Mitarbeiter, zum Beispiel im Service, die Freude an der Herausforderung haben, an einem besonderen Ort tätig zu sein, sind herzlich willkommen, sich zu melden. Im neuen Konzept gibt es keine Winterpause: „Das Jahr hat 12 Monate, die wir füllen werden“, sagt Stirn. Die Fliesen in Bistro und Feinkost Shop empfinden das Alte nach und passen sich sensibel dem Gesamtkonzept an.

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Unterm Dach wird ein Trauzimmer mit 14 Plätzen eingerichtet: Hier kommt der Bürgermeister des Ortes persönlich, um die Trauung abzuhalten. In der kommenden Freiluftsaison soll auch der Garten wieder öffnen. Das Podest für die Außengastronomie ist bereits verankert. Es soll im Stil einer Gutsschänke betrieben werden.

Diese Grundwerte - Solidität, Langlebigkeit und Schönheit - sollen den italophilen Rheingau-Fan jetzt auch bei seinem Herzensprojekt Graues Haus begleiten - ein Solitär, ein Trüffel, ein kostbares Stück Geschichte, das zu bewahren eine große Aufgabe ist. Das Graue Haus strahlt wieder Leben aus - als Garant für außergewöhnlichen Genuss, Weinkultur und regionale Verbindung.

Wein, Genuss und Menschen im Grauen Haus

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