Rezept gestürzter Birnenkuchen mit Karamell
"Oh, was riecht es denn hier so fein?", meine Freundin kommt schnuppernd um die Ecke, "Hast du etwa extra Kuchen gebacken?". Ich nicke lächelnd: "Er ist gerade fertig geworden!". Meine Freundin guckt erst erfreut auf den goldenen, noch warmen Kuchen und schaut mich dann fragend an: "Sind das etwa Birnen?". "Ja, sind es!", erwidere ich nun fröhlich. "Oh, wie schön! Ich liebe Birnen!", meine Freundin setzt sich erwartungsvoll an den Tisch, "Nur leider bin ich in unsere Familie die Einzige die Birnen mag!". Jetzt muss ich lachen: "Geht mir ganz genauso!".
Die Birne hat mehr Aufmerksamkeit verdient! Ständig steht sie im Schatten ihres omnipräsenten Verwandten, dem Apfel, der die Kuchenlandschaft im Herbst und Winter so dominiert, dass man die unscheinbare Birne leicht übersieht. Und auch wenn ich Apfelkuchen wirklich sehr liebe, hat die Birne mit ihrem feineren Geschmack mindestens genauso großes Potenzial, Geschmacksexplosionen zu entfachen. Beeindrucke deine Gäste mit diesem wundervollen Birnenrezept für den Spätsommer und serviere den Birnenkuchen als Dessert oder zum Kaffee und Tee am Nachmittag.
Warum gestürzt?
Gestürzter Birnenkuchen a la Tarte Tatin: Kopfüber gebacken ist er kinderleicht zubereitet und schmeckt wie im Restaurant. Am allerbesten schmeckt der Kuchen noch lauwarm aus dem Ofen, wenn der Mürbeteig oder der Rand noch richtig schön knusprig ist. Der Kuchen schmeckt lauwarm mit einem Klecks Sauerrahm besonders gut.
Zutaten (für ca. 6 Stück / Springform Ø 22-24 cm)
- 3-5 Birnen (nicht zu reif)
- 100 g Zucker (für Karamell) + weitere Mengen nach Rezeptvariante
- 3 EL Wasser (zum Karamellisieren)
- 50-100 g Butter, zerlassen oder weich
- 2-3 Eier
- 120-160 g Mehl
- 2 TL Backpulver
- 60-80 g Joghurt oder 6 EL Milch / Sahne (je nach Variante)
- 50-100 g Walnüsse (gehackt) - optional für Walnusskaramell
- 1 EL Zitronensaft
- 1 Prise Salz, Vanille(-zucker) nach Geschmack
Grundtechnik: Karamell zubereiten
100 g Zucker mit 3 EL Wasser in einer beschichteten Pfanne ohne Rühren aufkochen. Bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren köcheln lassen, bis ein hellbrauner Karamell entsteht (nicht verzweifeln es dauert einbissel). Hitze reduzieren, unter gelegentlichem Hin-und-her-Bewegen der Pfanne köcheln, bis ein hellbrauner Caramel entsteht, Pfanne von der Platte nehmen. Den Karamell aus der Pfanne auf das Backpapier geben und so verteilen, dass der Boden gleichmäßig bedeckt ist. Heißes Wasser NaN EL Wasser beigeben, weiterköcheln, bis sich der Zucker aufgelöst hat, ca. 5 Min. sirupartig einkochen, in das vorbereitete Blech giessen.
Variante A: Einfacher gestürzter Birnenkuchen (Klassiker)
- Den Karamell in die Springform gießen und gleichmäßig verteilen.
- Nun die Birnen schälen, vierteln, dabei das Kerngehäuse entfernen. Die Birnenviertel längs in schmale Spalten schneiden und in die Form legen. Birnenspalten kreisförmig und dicht an dicht auf den Karamell legen.
- Die Butter mit dem restlichen Zucker und den Eiern zu einer cremigen Masse rühren. Eier und Zuckersorte cremig mixen. Butter, Joghurt, Mehl und Backpulver untermischen. Masse auf den Birnen verstreichen.
- Den Teig gleichmäßig über den Birnen verteilen und im Ofen (Mitte, Umluft 180°C Grad) 25 Min. backen. Alternativ bei 180°C 30-35 Min. in der unteren Hälfte des Ofens backen.
- Den Kuchen aus dem Ofen nehmen, etwas abkühlen lassen, den Rand vorsichtig ablösen und den Kuchen auf eine Platte stürzen. Dafür den Teller mit der Oberseite auf den Kuchen legen und den Kuchen mit Schwung umdrehen.
- Noch lauwarm mit einem Klecks Sauerrahm servieren.
Variante B: Gestürzter Birnenkuchen mit Walnusskaramell (Engadiner-inspiriert)
Unser gestürzter Birnenkuchen mit Walnüssen erfindet den Birnenkuchen neu. Mit Walnüssen und kopfüber gebacken ist er kinderleicht zubereitet und überzeugt mit wenigen Zutaten.
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- Für die Füllung die Walnüsse grob hacken. Den Zucker mit 2 EL Wasser in einem Topf ohne Rühren aufkochen. Bei mittlerer Hitze hellbraun karamellisieren lassen. Die Sahne hinzugeben und bei mittlerer Hitze 12-15 Minuten sämig einkochen lassen. Dann den Honig und die Walnüsse zugeben, mit einem Holzlöffel gut mischen, vom Herd nehmen und lauwarm abkühlen lassen.
- Die Butter mit dem Zucker und dem Zitronensaft in einem kleinen Topf verrühren und ohne Deckel 1 Minute bei starker Hitze gut aufkochen lassen. Die Zuckermasse sofort in eine Springform (Boden gefettet, mit Backpapier belegt) gießen. Die Birnenviertel und Walnusskerne kreisförmig darauflegen.
- Für den Mürbteig alle Zutaten in eine Schüssel geben, vermischen und zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Den Teig zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie wickeln und für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank stellen. Den Teig ⅔ ausrollen, Boden und Rand einer Backform damit auskleiden.
- Den vorbereiteten Walnusskaramell gleichmäßig auf dem Teigboden verstreichen. Die Birnenscheiben darauf verteilen. Den restlichen Teig ausrollen und nach Belieben Formen ausstechen oder -schneiden und den Kuchen damit dekorieren.
- Den Kuchen nochmals für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. In der Zwischenzeit den Backofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen und das Eigelb mit der Sahne verquirlen. Den Kuchen mit der Ei-Mischung bestreichen und auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Ofen 45 Minuten goldbraun backen (sollte er oben zu dunkel werden, zwischendurch mit einer Lage Alufolie abdecken).
- Den Kuchen aus dem Ofen nehmen, etwas abkühlen lassen, aus der Form lösen und stürzen.
Tipps und Hinweise
- Ich würde euch empfehlen, nicht allzu reife Birnen für die Füllung zu nehmen, damit sie beim Backen noch etwas Biss behalten und nicht matschig werden.
- Für ein Backblech von ca. 24 cm Ø, Boden exakt mit Backpapier ausgelegt. Haltbarkeit: In Folie eingepackt im Kühlschrank, ca. 2 Tage.
- Wer keine Lust auf aufwendige Deko hat, belegt den Kuchen einfach mit einem Teiggitter oder einer kompletten Teigdecke, wie bei einem gedeckten Apfelkuchen.
- Die gemahlenen Mandeln in einer beschichteten Pfanne rösten, bis es herrlich duftet - das gibt zusätzlich Aroma, wenn du Mandeln verwendest.
- Der Kuchen schmeckt bestimmt auch mit Äpfeln; nutze am besten alte Sorten in der Saison.
Kleine Tabellenübersicht: Backzeiten & Temperaturen
| Variante | Ofentemperatur | Backzeit |
|---|---|---|
| Einfacher gestürzter Birnenkuchen | 180°C Umluft / 180°C Ober-/Unterhitze | 25-35 Min. |
| Walnusskaramell, Mürbteig-Variante | 200°C Ober-/Unterhitze | 45 Min. (ggf. Alufolie) |
Praktischer Workflow
Form: Für ein Backblech von ca. 24 cm Ø, Boden exakt mit Backpapier ausgelegt. Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen, nochmals kurz durchkneten und ⅔ auf einer bemehlten Arbeitsfläche gleichmäßig dünn ausrollen. Den Rand und Boden einer Backform mit 22cm Ø damit auskleiden. Den übrigen Teig beiseite legen. Den Teig auf die Birnenstücke geben und verstreichen. Die Form auf den Rost in den vorgeheizten Backofen schieben. Den Kuchen aus der Form lösen und auf einen mit Backpapier belegten Kuchenrost stürzen.
Die Basis für den Kuchen bildet meine Engadiner Nusstorte. Für dieses Rezept habe ich die Füllung aus karamellisierten Walnüssen allerdings halbiert, damit sie die Birnen geschmacklich nicht überlagert. Für die Deko habe ich mich vom beginnenden Herbst inspirieren lassen - aber es geht natürlich auch einfacher!
Ich werde immer wieder gefragt, woher ich die Ideen für meine Rezepte bekomme. Oft lasse ich mich einfach beim Schlendern über den Markt oder Einkaufen im Supermarkt inspirieren. Meistens gibt es immer irgendein Obst oder Gemüse, das mich besonders anlacht. Dann folgen ein bis zwei weitere Zutaten, die mir spontan dazu einfallen, und schon steht das Grundgerüst eines Rezeptes. Der Rest ist dann meistens eine Kombination aus Improvisieren und Ausprobieren.
Caramelisierter Birnenkuchen, lauwarm ein Gedicht! En Guete!
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