Ist Schokolade giftig für Mäuse?

Schokolade enthält das Alkaloid Theobromin, einen Stoff, der in Überdosis tödlich sein kann. Menschen, wie auch Ratten und Mäuse, können die "Speise der Götter" - aus dem Griechischen "theos" (Gott) und "broma" (Speise) - mithilfe von speziellen Enzymen abbauen. Mehr Wissen über Hunde: Alles über den besten Freund des Menschen.

Wie giftig ist Theobromin für Mäuse? Zahlen, die man verstehen sollte

Die LD50-Dosis ist die Dosis, bei der 50% der Tiere sterben, die einen bestimmten Stoff zu sich nehmen. Das wären für Theobromin 837 mg/kg für die orale Gabe und 530 mg/kg für die subkutane bei Farbmäusen, mit denen diese Dosis i. d. R. ermittelt wird, wenn “Maus” dransteht. Da Mäuse sich die Schoki wohl eher nicht spritzen, ignorieren wir für unsere Rechnung letztere mal und rechnen mit den 837 mg/kg weiter.

Selbst die dickste Maus erreicht kein Kilogramm. Rechnen wir diese LD50-Dosis also mal auf die wohlgenährte 50g-Durchschnittsmaus um, wären wir bei rund 42 mg (41,85 mg, für die, die es genau wissen wollen), die 50% aller mäusischen Schokoholics ins Nirvana schickt. Bei 25g-Leichtgewichten wären es sogar nur rund 21 mg.

Wie viel Theobromin steckt in Schokolade?

Spoiler vorneweg: in weißer Schoki quasi nix. Beim Rest schwanken die Gehalte teils erheblich - weshalb wir vorsichtshalber mit den möglichen Höchstmengen weiterrechnen. Milchschokolade enthält bis zu 2,3 mg je Gramm Schokolade, Zartbitter bis zu 8,8 mg/g, Halb- bzw. Edelbitter bis zu 13,6 mg/g und Bitterschokolade bis zu 15,2 mg/g. Für Nutella habe ich leider keinen Theobromingehalt gefunden. Da der Kakaoanteil aber unter 8% rumkrebst, siedeln wir das jetzt einfach mal ein Stück unter Milchschokolade an. Da deren Kakaoanteil meist so um die 30 % rumwabert, liegen wir für Nutella mit Sicherheit unter 2,3 mg je Gramm.

Praktische Rechnung: wie viel Schokolade müsste eine Maus fressen?

Nehmen wir mal die Edelvollmilch im Quadratformat. Das sind 16 Stück á 6,25 g. Ein Stück Schoki hat also in unserem abstrahierten Beispiel 14,4 mg Theobromin. Die besagte 50g-Durchschnittsmaus müsste also deutlich mehr als ein Stück zu einer Mahlzeit verdrücken, um in die Nähe einer symptomauslösenden Menge zu kommen. Und unsere 25g-Winzigmaus müsste auch ein Stück am Stück verdrücken, um bedenkliche Werte zu erreichen.

Lesen Sie auch: Tägliche Zuckerempfehlung

Bei 90% Bitterschokolade hätte ein Stück dann schon 95 mg. Au weia! Japp, die Maus, die das Stück frisst, wäre todsicher hinüber.

Diagramm: Theobromingehalt verschiedener Schokoladensorten (mg/g) - Milch, Zartbitter, Edelbitter, Bitterschokolade

Verhalten und Geschmack: fressen Mäuse wirklich tödliche Mengen?

Aber wir erinnern uns? Methylxantine sind bitter. Bitter signalisiert auch Mäusen “giftig”. Von was werden sie also wohl kaum in ganzes Stück verdrücken? Genau … Hier kommt die Alltagslogik zum Zuge, an der es bei manchem Exemplar der Art Homo non-sapiens mitunter deutlich klemmt. Am liebsten mögen Mäuse nämlich tatsächlich Schokocremes und Milchschokolade und auch davon fressen sie keine Menge, in die wir uns auf den Menschen umgerechnet bis zum Knie quadratisch praktisch einbetonieren könnten.

Mit der Milchschokolade oder einem Klecks Schokocreme könnt Ihr aber durchaus wilde Nager fangen, um sie rauszukomplimentieren - ohne ihnen zu schaden. Und bei manchem Wildnager hilft nur Schoki, weil nur das bis in die Falle lockt. Den Tipp “nimm Schokolade, um die Maus zu fangen” könnt Ihr also beherzigen, wenn Maus mit nix anderem zu locken ist - ohne den Zwerg zu vergiften. Ihr müsst ja keinen Schokoberg in die Falle legen - ein Stückchen vom Stückchen reicht.

Stoffwechsel: bauen Mäuse Theobromin ab?

Die CliniTox stellt lapidar fest: “Theobromin ist ein Metabolit von Coffein.” Heißt, der Mäusekörper macht aus Koffein selbst Theobromin. Wer also Kaffee an sein Mäuschen füttert, füttert ihm indirekt Theobromin. Moment … Kaffee … Da war doch was!? Genau, geilstes Notfallmedikament bei Kreislaufproblemen und Atemnot, wenn man keine erweiterte Haus… äh … Mausapotheke besitzt.

Aber, wenn ich das öfter mache oder meine Maus öfter Schoki nascht, dann stirbt sie ganz bestimmt. Weil die Warnung sagt ja deutlich, Mäuse können Theobromin nicht abbauen. An dieser Stelle kann ich dem Autor des Pamphlets nur unterstellen, in Deutsch nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein - denn sonst wüsste er/sie, dass “wird verzögert abgebaut” nicht heißt “wird gar nicht abgebaut”.

Lesen Sie auch: Rezepte für Käsekuchen

Das heißt nur, dass sich der Stoff trotz des extrem schnellen Stoffwechsels von Mäusen vergleichsweise lange im Körper hält und sich deshalb bei wiederholter Aufnahme innerhalb kürzerer Zeitfenster ( z. B. innerhalb von 12 bis 24 h) aufaddieren kann. Das heißt aber explizit nicht, dass für immer drin bleibt, was einmal drin ist.

Symptome einer Theobrominvergiftung bei Mäusen

Schockzustände nach einer Vergiftung mit Theobromin können auch im Verlauf eines sogenannten sympathikomimetischen Syndroms entstehen. Dieses Syndrom ist unter anderem mit Blutdruckanstieg, Krämpfen und Herzrasen verbunden - Symptome, die auch eine akute Theobrominvergiftung zutage fördern könnte. Bei Tieren lassen sich außerdem Unruhe, unkoordinierte Bewegungen, Zittern, erhöhte Urinausscheidung und verschlechtertes Allgemeinbefinden beobachten.

Das Problem: Bildet eine Maus wirklich Symptome aus, könnt Ihr abgesehen von Infusionen wenig tun, da die wenigsten Tierärzte mit den etwa beim Hund angewendeten Medikamenten bei Mäusen Erfahrung haben und diese sich auch nicht so einfach für die passende Dosis umrechnen lassen. Die Erfahrung hab ich übrigens trotz so einiger mausiger Schokoholics über die Jahre auch nicht - da ich schlicht noch nie eine Maus mit Vergiftungserscheinungen nach Schoki hatte.

Erste Hilfe: Was tun, wenn eine Maus Schokolade gefressen hat?

Hat sie nur mal rein- oder zwei-, dreimal abgebissen, atmet Ihr einfach tief durch, schimpft den Schokodieb und räumt die Schokolade dahin, wo er das nächste Mal nicht dran kommt. Habt Ihr jedoch Bedenken, der Zwerg könnte zu viel genascht haben, könnt Ihr den vierbeinigen Schokoholic vorsichtshalber entgiften. Das gilt auch für Mausexoten als Vorsichtsmaßnahme, falls diese mal flüchten und den Süßkram finden. Für exotische Mäuse gibt es nämlich keine Daten zu Toxizität und Verträglichkeit.

Die orale Entgiftung könnt Ihr dann mit dem machen, was hier der zweibeinige Krümel “schwarzer Joghurt” nennt. Das Gemisch besteht aus einem Teil Dysticum und zwei Teilen Naturjoghurt - gut verrührt, versteht sich. Was nicht wirklich lecker aussieht, schmeckt eigentlich nach nix, räumt aber den Darm gründlich durch und jegliche Giftstoffe (Vorsicht: auch Medikamente!) raus. Im Idealfall frisst es der “Patient” freiwillig. Soweit möglich und nötig, könnt Ihr das Zeug aber auch mit Obst oder Ähnlichem aromatisieren, wenn Maus es dann lieber mag.

Lesen Sie auch: Die Risiken von Schokoladenkonsum bei Katzen

Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Was vom Supergift übrig bleibt: Nicht viel, würde ich mal subsummieren. Ja, in höheren Dosen ist es wirklich nicht gesund und kann böse Vergiftungserscheinungen machen. Da Theobromin aber an sich nicht besonders lecker ist, mögen Mäuse Schokolade mit höherem Theobromingehalt ohnehin nicht.

Und bei manchem Wildnager hilft nur Schoki, weil nur das bis in die Falle lockt. Den Tipp “nimm Schokolade, um die Maus zu fangen” könnt Ihr also beherzigen, wenn Maus mit nix anderem zu locken ist - ohne den Zwerg zu vergiften.

Maus an einem Stück Milchschokolade (Illustration: Köder vs. Risiko)

Forschung: macht Schokolade Mäuse glücklich?

Ein Forscherteam aus den USA hat einen elektrochemischen Biosensor entwickelt, der einem sehr dünnen Gewebe ähnelt. Der Name: NeuroString. Er besteht aus einer hauchdünnen Schicht von Kohlenstoffatomen, ist aber trotzdem stabil und dazu sehr elastisch. Perfekt, um ihn dort zu installieren, wo andere, sperrige Sensoren stören: in den empfindlichen Därmen und Gehirnen von Mäusen. Dort soll der Faden chemische Vorgänge messen, und das kann er ungefähr 16 Wochen lang, bevor er den Dienst aufgibt.

Unter anderem wollten die Wissenschaftler wissen, ob die Tiere Glückshormone produzieren, wenn sie Schokolade essen. In lebenden Organismen ließen sich die Vorgänge bislang schlecht messen, und reine Laboruntersuchungen sind weit entfernt von der körperlichen Komplexität. Mit dem NeuroString ist das nun anderes geworden! Der Graphenfaden führt zu keinen Entzündungen wie andere Sensoren, und er bewegt sich gemeinsam mit dem Organ, in dem er sich befindet.

Im Mäusegehirn meldete der NeuroString nach Schokoladenverzehr eine gehörige Dopaminausschüttung. Und 30 bis 60 Minuten später, als die Nascherei im Verdauungstrakt ankam, stieg im Darm der Serotoninmangel an. Schoki macht also auch Mäuse glücklich. In Zukunft planen die Forscher, den Sensor mit anderen Untersuchungsmethoden zu kombinieren, um weitere Wechselwirkungen im Körper zu untersuchen. Irgendwann soll der Biosensor auch an Primaten getestet werden.

Experiment mit NeuroString: Messung von Dopamin nach Schokolade bei Mäusen

Vergleich zu Hund und Katze: warum Schokolade für Haustiere gefährlicher sein kann

Was beim Menschen nur zu Röllchen um die Taille führt, kann für Hund und Katze böse enden. Auch wenn Sie den flehenden Augen Ihres Lieblings kaum widerstehen können: Schokolade ist tabu. Denn sie enthält das Alkaloid Theobromin - ein Stoff, der in Überdosis tödlich sein kann. Bei stark kakaohaltigen Schokoladen, wie zum Beispiel Blockschokolade, reichen sogar schon 60 Gramm. Deshalb sollten Sie auch dem flehenden Blick Ihres Vierbeiners nicht nachgeben - auch wenn er noch so zu Herzen geht.

Stubentiger vertragen Theobromin zwar noch weniger. Doch da sie Süßes nicht schmecken können, lassen sie Schokoladiges weitgehend links liegen.

Typische Symptome bei Hunden (als Vergleich)

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Nervosität, Ruhelosigkeit
  • Herzrasen
  • Bei schweren Fällen: Krampfanfälle, Kreislaufprobleme

Praktische Empfehlungen

  • Lagert Schokolade außerhalb der Reichweite von Nagern und Haustieren.
  • Wenn die Maus nur ein paar Bissen genommen hat: Ruhe bewahren und beobachten.
  • Bei Unsicherheit oder wenn mehrere Stücke gefressen wurden: Tierarzt kontaktieren, vor allem bei ungewöhnlichem Verhalten.
  • Als vorsorgliche Maßnahme bei Verdacht auf größere Aufnahme kann eine orale Entgiftung mit dem beschriebenen Joghurt-Gemisch hilfreich sein, sofern die Maus es annimmt.
  • Bei Wildnagerfallen kann ein kleines Stück Milchschokolade als Köder dienen, ohne das Tier zu gefährden.
Schokoladentyp Theobromin (mg/g) Approx. Theobromin pro 6,25g-Stück (mg)
Weiße Schokolade ~0 ~0
Milchschokolade bis 2,3 ~14,4 (bei 6,25g: 6,25×2,3)
Zartbitter bis 8,8 ~55
Edelbitter/Halbbitterschokolade bis 13,6 ~85
Bitterschokolade (hoch) bis 15,2 ~95

tags: #ist #schokolade #giftig #für #mäuse

Populäre Artikel: