Fressen Bären wirklich Honig? Ernährung und Fressverhalten der Braunbären

Die Frage, ob Bären wirklich Honig essen, beschäftigt Fachleute wie Laien gleichermaßen. Tatsächlich sind Braunbären Allesfresser mit einer bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Nahrungsangebote und Lebensräume. Ihr Fressverhalten ist außerordentlich vielseitig und reicht von pflanzlicher Nahrung bis hin zu tierischen Eiweißquellen.

Ernährung der Braunbären: Was steht wirklich auf dem Speiseplan?

Braunbären sind Allesfresser. Ihre Ernährung besteht zu fast 80 Prozent aus Baumrinde, Blättern, Wurzeln, Pilzen, Nüssen, Früchten und Beeren. Und auch sonst ernähren sich Bären durchaus anders, als landläufig vermutet wird. Die Ernährungsgewohnheiten sind mitunter sogar regional verschieden: Mancherorts sind Braunbären fast reine Vegetarier, die Beeren, Pilze, Eicheln, Bucheckern, Nüsse und Früchte fressen und - wenn man sie lässt - auch Mais, Kartoffeln, Rüben und Weintrauben.

Speiseplan und Anteil verschiedener Nahrungsquellen von Braunbären

Als Fleischbeilagen reichen ihnen Insekten, Schnecken, Frösche und Kleinsäuger. In manchen Regionen reißen sie hingegen Wild oder Vieh oder mästen sich an flussaufwärts wandernden Lachsen.

Ein Gebiss für alle Fälle

Das Gebiss des Bären ist an das breite Nahrungsspektrum angepasst. Er hat die für Raubtiere typischen Fangzähne. Diese Vielseitigkeit ermöglicht es dem Bären, je nach Lebensraum und Jahreszeit ganz unterschiedlich zu fressen.

Bären und Honig: Ein seltener, aber begehrter Leckerbissen

Honig ist ein seltener Leckerbissen, den Bären ganz besonders lieben. Bären sind sogar so versessen auf Honig, dass sie dafür viele Bienenstiche in Kauf nehmen. Doch es geht ihnen nicht nur um den süßen Honig selbst: Der WWF weist darauf hin, dass Bären Honig und noch mehr die Bienenlarven liebt.

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Bär frisst Honig am Bienenstock

Vor allem im Frühjahr nach dem Winterschlaf sind sie eine gute Eiweißquelle für das Tier. Dazu ist Honig auch noch gesund: Er dient unter anderem der Stärkung des Immunsystems. Bienenstände in einsamen Alpenregionen müssen darum vor den Bären geschützt werden.

Wie gelangen Bären an Honig?

Braunbären durchstreifen auf der Suche nach Nahrung weitläufige Gebiete. Gibt es nur wenig Nahrung, ist das Gebiet umso größer. Ihre Gangart ist eher gemütlich und langsam, allerdings können sie es bei Bedarf für kurze Zeit auch auf 50 Kilometer pro Stunde bringen. Bären sind auch gute Schwimmer und durchqueren problemlos Flüsse.

Kaum vorstellbar, aber Bären verbringen den Großteil ihres Lebens mit der Suche nach Futter. Ganze 16 Stunden pro Tag sind sie damit beschäftigt. Ihre geringe Spezialisierung bei der Nahrungssuche hat dafür gesorgt, dass sich Braunbären an verschiedene Lebensräume anpassen konnten. Für die Bären ist in ihrem westlichsten Verbreitungsgebiet in Europa die Nahrung knapp geworden. Die Imkerei im Kantabrischen Gebirge geht immer mehr zurück und mit den Bienen verschwinden auch die Beeren, eine der Hauptnahrungsquellen für die pelzigen Großsäuger.

Braunbär an einem Bienenstock in freier Wildbahn

Schutzmaßnahmen: Was tun, wenn Bären den Honig holen?

Längst verfügen Imker etwa im italienischen Trentino über ein ausgeklügeltes und bärensicheres Elektrozaunsystem. Elektrozäune wurden mittlerweile auch in Graubünden aufgestellt. Im Val Müstair und im Unterengadin sollen es etwa 50 geschützte Bienenstände sein.

  • Zwei Broschüren sind entstanden: „Was tun bei einer Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär? - Informationen für Nutztierhalter und Behörden in Bayern“
  • Der Flyer „Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär - Was tun als Nutztierhalter?“ gibt konkrete Ratschläge, wie Imker ihre Beuten vor Braunbären schützen.

Damit die Bären die Bienenstöcke nicht vollständig ausräubern und sich damit selbst die Nahrungsquelle abgraben, hat Fapas einen bärensicheren Bienenstock entwickelt, bei dem eine Betonplatte das Herz des Bienenstammes vor den hungrigen Räubern schützt. Doch das ist nur eine von vielen Maßnahmen.

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Elektrischer Schutzzaun für Bienenstöcke gegen Bären

Bären in Europa und ihre Zukunft mit dem Honig

Noch sind Begegnungen mit Bären bei uns die ganz große Ausnahme, aber immerhin: Bären gibt es auch im deutschsprachigen Raum wieder. 1989 wilderte der WWF den ersten Braunbären aus, die Bärin „Mira“. Sie tat sich mit dem aus Slowenien eingewanderten „Ötscherbären“ zusammen. Das Pärchen sorgte bald für Nachwuchs: 1991 wurden drei kleine Bären gesichtet.

Der WWF siedelte in den folgenden Jahren weitere Braunbären in Österreich an. Seitdem wurden über 30 Bärenjunge geboren.

Vor ein paar Jahren machte Bär Bruno als bayerischer Problembär Schlagzeilen. Das Tier riss mehrere Schafe und wurde schließlich zum Abschuss freigegeben.

Gebiete mit weitgehender Rückkehr des Braunbären in Europa

Weitere tierische Honigräuber

Waschbären sind bei uns deutlich häufiger als Braunbären. In Einzelfällen wurden bereits Beuten aufgebissen und Honigwaben herausgerissen.

Ein aktuelles Foto gibt es noch nicht, aber die Spuren sind verräterisch: Offensichtlich hat ein Braunbär diese Woche auf der Finca El Coronel im Kantabrischen Gebirge in Nordspanien an einem Bienenstock Honig genascht. Denn die Bienenstöcke haben Roberto Hartasánchez, Präsident von Fapas und seine Kollegen auf der Finca extra für die hungrigen Räuber aufgestellt.

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Gemeinsam mit EuroNatur kümmert sich Fapas darum, diese Situation zu verbessern. Dazu gehört neben dem Pflanzen von Früchte tragenden Bäumen in wichtigen Bärengebieten und dem Auslegen von Aas, dass Bienenstöcke gezielt aufgestellt werden.

Tabellarischer Überblick: Was essen Braunbären am liebsten?

Nahrungsquelle Vorkommen im Speiseplan Bedeutung für den Bären
Beeren, Früchte, Nüsse Sehr häufig Hauptnahrungsmittel, Energiequelle
Honig Selten, aber begehrt Leckerbissen, Stärkung des Immunsystems
Bienenlarven Saisonal, besonders im Frühjahr Gute Proteinquelle nach Winterruhe
Fleisch und Lachs Regional unterschiedlich Eiweißreiche Nahrung
Pilze, Blätter, Wurzeln Regelmäßig Faser- und Nährstofflieferant
Insekten, Schnecken, Frösche Gelegentlich Zusätzliche Proteine
Karte der Honigbären und menschlicher Aktivitäten

Zusammenfassend lässt sich sagen: Bären essen wirklich Honig! Aber Honig macht nur einen sehr kleinen Teil ihrer vielseitigen Ernährung aus - und vor allem die proteinreichen Bienenlarven sind für den Braunbären besonders wichtig. Ohne Schutzmaßnahmen wären viele Bienenbestände bedroht, weshalb es zahlreiche Lösungen für ein friedliches Miteinander von Bären und Imkerei gibt.

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