Die Geschichte und Erfindung der ersten Nuss-Nougat-Creme: Nutella und ihre globale Erfolgsgeschichte

Die Nuss-Nougat-Creme Nutella hat sich zu einem Symbol für Genuss, Emotionalität und Kontroversen entwickelt und ist heute aus zahllosen Haushalten weltweit nicht mehr wegzudenken. Die Erfolgsgeschichte dieses Brotaufstrichs begann in einer Zeit großer Not und führt von einer kleinen Bäckerei im italienischen Piemont zur globalen Süßwarenikone, die ganze Generationen geprägt hat. In diesem Artikel wird die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der ersten Nuss-Nougat-Creme detailliert beleuchtet - von ihren Ursprüngen bis zu ihrer heutigen Rolle in der internationalen Lebensmittelindustrie.

Historische Wurzeln: Vom Kakao-Mangel zur Haselnusscreme

Nutella entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer Not: In Italien war Kakaopulver rationiert. Haselnüsse dagegen gab es im Piemont, insbesondere in Alba, in Hülle und Fülle. Der Konditor Pietro Ferrero mischte ein wenig Schokoladepulver mit vielen Nüssen und verkaufte das Produkt in seiner Bäckerei als «Pasta Gianduja» zunächst als festen Block.

Ursprung der Nutella im Piemont, Italien - regionale Haselnussproduktion und historische Karte

Im mausarmen Nachkriegs-Italien waren Haselnussprodukte „für einen sehr niedrigen Preis zu haben“, wie der Journalist Giannandrea Carreri festhält, der sich intensiv mit dem Erfolg der Ferreros beschäftigt hat. Die Konsistenz der ersten Haselnusscreme ähnelte der dicken Quitten-Marmelade, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts sehr beliebt war. Die Rohmasse gab es als Aufstrich auch im Laden zu kaufen.

Von Pasta Gianduja zur Supercrema

Ab 1951 wurde das Produkt unter dem Namen «Supercrema» erstmals als weicher Brotaufstrich angeboten. Nougat (gianduia), eine Masse aus Nüssen, Zucker und Kuvertüre, diente als Vorbild für die Kreation. Italiens Regierung verbot 1962 die Verwendung des Wortes «Super» in Markennamen, wodurch die Creme 1964 umbenannt wurde in Nutella - ein Kunstwort aus dem englischen „nut“ für Nuss und der italienischen weiblichen Verkleinerungsform „-ella“.

Historische Werbebilder von Nutella: Von Pasta Gianduja zum Nutella-Logo

Die Geburtsstunde des Markenphänomens Nutella

Als im piemontesischen Städtchen Alba am 20. April 1964 die Abfüllanlage das erste Glas mit Nutella füllte, konnte Michele Ferrero kaum ahnen, was für einen Erfolg sein Produkt haben würde. Das erste Glas Nutella verließ den damals noch kleinen Familienbetrieb namens Ferrero aus Alba im Piemont. Ab 1965 begann der internationale Vertrieb, und Nutella wurde unter anderem in den meisten Ländern Europas, den USA, Kanada, Mexiko, China, Japan, den Philippinen, Türkei, Australien, Südafrika und einigen Ländern Südamerikas und Afrikas erhältlich.

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  • Nutella setzte pro Jahr über 8 Milliarden Euro um und beschäftigt mehr als 34.000 Menschen in über 50 Ländern.
  • Für Nutella wird heute rund ein Viertel der gesamten weltweiten Haselnussernte verwendet.
  • Die Nutella-Produktion ist bis heute in Familienhand. Der drittgrößte Süßwarenhersteller weltweit kauft über ein Viertel der weltweiten Haselnussproduktion auf.
Weltkarte der Nutella-Produktion und globale Präsenz

Ferrero verkauft heute jährlich 250.000 Tonnen Nutella in weltweit 75 Ländern. Ferrero wurde wegen des Erfolgs ihres Brotaufstrichs zu einem Giganten der Süßwarenindustrie - spezialisiert auf Schoko-Nuss-Genüsse. Giovanni Ferrero, aktueller Konzernchef und Enkel des Haselnusscreme-Erfinders Pietro Ferrero, wird von Forbes als reichster Italiener gelistet.

Die Rezeptur: Tradition und moderne Anpassungen

Nutella besteht überwiegend aus Zucker mit Zutaten von Palmöl, gerösteten Haselnüssen, Milchpulver, Kakao, Sojalecithin und Vanillin. Die Rezeptur ist nicht überall gleich: In Europa wird Nutella nach mindestens zwei verschiedenen Rezepturen hergestellt. In Deutschland wird eine Rezeptur vertrieben, die mattglänzend und streichfest ist und einen etwas höheren Kakaogehalt hat. Nutella in anderen Ländern, etwa Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden, Belgien sowie Teilen der Schweiz, ist glänzender und weicher und nach südeuropäischem Geschmack etwas süßer.

Land Haselnussanteil Kakaogehalt Magermilchpulver Fettgehalt Weitere
Deutschland (bis 2017) 13% 7,5% 7,5% 54-55% Lecithine, Vanillin
Italien (ab 2017) 13% 7,4% 8,7% ca. 53% Lecithin, Vanillin
Vegane Version 13% 7,4% - - Reissirup, Kichererbsen

Im November 2017 wurde der Anteil an Magermilchpulver von 7,5 % auf 8,7 % erhöht, sowie der Fettgehalt leicht gesenkt. Laut Verbraucherzentrale Hamburg stellt die neue Rezeptur eine Qualitätsminderung dar, da der Anteil von Kakao als „wertgebender Inhaltsstoff“ geringer ausfalle. Nutella ist koscher, erfüllt die jüdischen Speisegesetze und erhielt entsprechende Zertifikate (Hechscher).

Umwelt und Gesundheit: Debatten um Palmöl und Zucker

Nutella wurde immer wieder kritisiert, da es zu rund einem Fünftel aus dem umstrittenen Palmöl besteht. Naturschutzorganisationen hatten zuvor kollektiv zum Sturm geblasen auf diesen ebenso weit verbreiteten wie problematischen Rohstoff. Für den Anbau der Ölpalmen werden in Südostasien Millionen Hektar Regenwald abgeholzt, Orang-Utangs und andere Wildtiere in ihrem Lebensraum bedroht und die Luftqualität durch die Brandrodung beeinträchtigt.

Palmöl-Produktion, Auswirkungen auf Regenwälder und Orang-Utan-Habitate

2012 wurden in den USA Konsumentengruppen aktiv: Eine Sammelklage ging wegen irreführender Werbung ein, Nutella sei nicht wie behauptet „Teil eines nahrhaften Frühstücks“. Ferrero erklärte sich bereit, 3 Millionen US-Dollar Entschädigung zu zahlen und seine Werbung zu ändern. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit warnte zudem vor Glycidyl-Fettsäureester, die bei der Verarbeitung von Palmöl entstehen und als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wurden.

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Ein 400-Gramm-Glas enthält bis zu 72 Stück Würfelzucker, weshalb Ernährungsberater Nutella als süßen Giganten und Dickmacher einstufen. Dennoch konnte dies dem Erfolg des Brotaufstriches kaum schaden. Ferrero gibt heute an, nur noch Palmöl aus zertifiziert nachhaltiger Herstellung zu verwenden. In der Scorecard der Umweltschutzorganisation WWF erreicht Ferrero unter den weltweiten Palmölkäufern gute Werte in Sachen ökologischer Verantwortung.

Marketing und gesellschaftliche Stellung

Das Marketingkonzept stellt Nutella als Teil eines erfreulichen Frühstücks inszeniert. Seit Ende 2011 wird mit dem Claim „Der Morgen macht den Tag“ und der „Nutella-Familie“ geworben, die aus Vater, Mutter, Sohn, Tochter und Hund besteht. Nutella ist heute im entlegensten Winkel der Erde erhältlich. Die Deutschen gehören seit jeher zu den treuesten Kunden von Nutellla.

Historische und moderne Nutella-Werbung und gesellschaftliche Debatten

Darüber hinaus gibt es regelmäßige, zeitlich begrenzte Werbeaktionen, etwa spezielle Gläser, Deckel oder Etiketten. Im Dezember 2014 startete Ferrero die Aktion „dein nutella“, die es Fans erlaubt, personalisierte Etiketten für die nutella-Gläser zu erstellen. In Kooperation mit dem Musikmagazin Rolling Stone wurde eine Veranstaltungsreihe unter dem Namen ROLLING STONE Breakfast Club mit nutella eingeführt.

Nutella als Gattungsname und Artikelgebrauch

Da Nutella der erste Aufstrich dieser Art war und heute eine marktbeherrschende Stellung hat, ist der Name Nutella in der Alltagssprache zum Gattungsnamen für jede Art von Nuss-Nougat-Creme geworden. Im deutschen Sprachgebiet ist sowohl „das“ als auch „die“ nutella gebräuchlich, „der“ findet sich hingegen fast nur im Westen Deutschlands, Ostbelgien und Luxemburg. Der Hersteller Ferrero äußert sich dazu: „nutella ist ein im Markenregister eingetragenes Fantasiewort, das in der Regel ohne Artikel verwendet wird. Es bleibt jedem selbst überlassen, welchen Artikel er vor nutella setzt.“

Sorten, Verpackungen und Innovationen

Nutella kommt in Europa überwiegend im klaren Einwegglas mit Schraubdeckel aus weißem oder klarem Kunststoff in verschiedenen Verpackungsgrößen in den Handel. In Asien und Amerika findet man meistens eine klare Kunststoffdose vor.

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  • Nutella B-Ready: Wird teilweise auch als Nutella Bready bezeichnet.
  • Nutella & go: Nutella und Brotsticks, fungiert als Dip.
  • Nutella MiniBrunch: Ähnelt Nutella Break und enthält zusätzliche Snacks.
Nutella-Produktvarianten: B-Ready, &go, MiniBrunch - Produktbilder

Kritik, gesellschaftliche Debatten und Nachhaltigkeit

Nutella ist aufgrund seiner Zusammensetzung und Vermarktung wiederholt Gegenstand öffentlicher Kritik gewesen. Auch das Marketing an Kinder wird kritisch gesehen. Der Einsatz von Palmöl ist umstritten, da bei der Raffination gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie Glycidyl-Fettsäureester entstehen können, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wurden.

Die starke Marktstellung von Nutella führt dazu, dass Reformulierungen oder der Einsatz alternativer Rohstoffe weniger Druck erfahren als bei Konkurrenzprodukten. Journalistische Recherchen zeigen Probleme bei den Arbeitsbedingungen Ferreros im Ausland, doch nach eigenen Angaben verwendet Ferrero mittlerweile zu 100 Prozent Palmöl aus nachhaltigem Anbau.

Im November 2017 wurde der Anteil an Magermilchpulver von 7,5 % auf 8,7 % erhöht, sodass sich eine geringe Erhöhung des Zuckergehalts von 55,9 % auf 56,3 % ergab. Die Rezeptur von Nutella wurde von dem damaligen Firmenchef Michele Ferrero und dem Lebensmittelchemiker Francesco Rivella entwickelt.

Nutella und der persönliche Genuss

Glückliche Kinderaugen, beschmierte Münder - ein Phänomen feiert am 20. April seinen 60. Geburtstag: Nutella. Ob direkt aufs Brot gestrichen, mit Butter oder Margarine, auf eine Crêpe oder als Füllung eines Croissants - die Philosophie seiner Nutzung ist nahezu unendlich.

Nuss-Nougat in Kultur und Alltag

Bereits im 19. Jahrhundert begannen die Turiner, bei der Herstellung von Süßwaren anstelle von Kakaopulver gemahlene Haselnüsse zu verwenden. Historische Vorformen der Nuss-Nougat-Paste finden sich auch im griechisch-römischen und arabisch-orientalischen Kulturraum.

Historische Darstellung der Herstellung von Gianduiotti-Pralinen, Turin

Die Türkei beherrscht die weltweite Haselnussproduktion. In Giresun am Schwarzen Meer wird beispielsweise eine Haselnuss-Schmiere produziert, die nur aus gemahlenen Nüssen und Zucker besteht - deutlich nussiger und weniger süß als Nutella. Während Nutella beispielsweise nur aus 13 % Haselnüssen und 7,4 % fettarmem Kakao besteht, enthalten traditionelle Pasten bis zu 70 % Haselnüsse und knapp 30 % Zucker.

Der Erfolg von Nutella als süße Stärkung für einfache Leute begann mit der Kreation Ferreros aus regionaler Haselnussmasse, die sich zu einer der wichtigsten Umsatzbringer des Konzerns entwickelte.

Kurzgeschichte der Haselnusscreme: Von alten Vorformen zu Nutella - historische Rückblicke

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