Lindt & Sprüngli Aktienentwicklung: Eine umfassende Analyse
Lindt & Sprüngli, gegründet 1845 in Zürich, hat sich zu einem weltweit führenden Hersteller von Premium-Schokolade entwickelt. Das Unternehmen ist bekannt für seine hochwertigen Produkte und seine lange Geschichte. Die Aktien von Lindt & Sprüngli sind an der Schweizer Börse notiert und gehören zu den teuersten der Welt. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung der Lindt-Aktie, die verschiedenen Aspekte des Unternehmens und seine Zukunftsaussichten.
Überblick über Lindt & Sprüngli
Lindt & Sprüngli steht für Premium-Qualität. Das gilt auch für den Preis der Anteilsscheine: Die Aktien sind mit einem Kurs von über 100.000 CHF die zweitteuersten weltweit. Zum Glück gibt es für kleinere Depots auch noch Partizipationsscheine, die mit ca. 10.000 CHF wenigstens etwas erschwinglicher sind. Der hohe Aktienkurs ist ein bewusst eingesetztes Mittel, um das exklusive Image der Marke zu wahren - Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner blickt neidisch auf die noch teurere Berkshire Hathaway Aktie.
Unternehmensgeschichte und Entwicklung
Ein Wendepunkt in der Schokoladengeschichte war das Jahr 1879, als Rudolph Lindt die erste zartschmelzende Schokolade erfand. Zuvor hatte handelsübliche Schokolade eine eher brüchige, sandige und bittere Konsistenz. Das Unternehmen ist vor allem durch organisches Wachstum groß geworden, jedoch wurden auch einige strategische Akquisitionen genutzt, um neue Märkte zu erschließen. Diese Akquisitionsstrategie wurde maßgeblich vom langjährigen CEO Ernst Tanner vorangetrieben. Tanner übernahm das Ruder 1993 und führte das Unternehmen aus einer Phase der Stagnation. Vor dem IPO 1986 war Lindt vorwiegend in der Schweiz, Deutschland und Frankreich aktiv. Unter Tanners Führung erlebte Lindt & Sprüngli ein bemerkenswertes internationales Wachstum. Seit 2009 hat man zudem das eigene Ladennetz als strategisch definiert und die Markenpräsenz damit weiter gestärkt. Seiner Strategie ist zu verdanken, dass Lindt & Sprüngli heute weltweit zu den bekanntesten Marken der Schweiz gehört.
Produkte und Marken
Zu den Top-Produkten zählen der Goldhase (1952), die Lindor Kugeln (1969), die als meistverkauftes Produkt gelten, sowie die Schokoladentafeln, deren Ursprünge auf 1879 zurückgehen und die zu den ältesten Markenartikeln der Schweiz gehören. Ergänzt wird das Portfolio durch Pralinés und weitere Premiumprodukte, wie die Excellence Schokolade (1989). Neben der Hauptmarke Lindt gehören auch Caffarel, Hofbauer, Küfferle, Ghirardelli sowie Russell Stover mit den in den USA bekannten Submarken Whitman’s und Pangburn’s of Texas zum Unternehmen. Die internationale Expansion und der Ausbau der Markenvielfalt machen Lindt & Sprüngli bis heute zu einem der innovativsten und erfolgreichsten Schokoladenhersteller weltweit.
Geschäftsbereiche und Strategie
Lindt & Sprüngli bietet ein breites Sortiment an Schokoladenprodukten an, darunter Tafelschokolade, Lindor Kugeln, Pralinen, Saisonartikel (Weihnachtsmann, Osterhase) und Schokoladengeschenke sowie herausragendem Marketing und Vertrieb. Ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells ist die vollständige Kontrolle über den Wertschöpfungsprozess - von der Kakaobohne bis zum fertigen Endprodukt. Lindt & Sprüngli beschafft seinen wichtigsten Rohstoff, Kakao, ausschließlich über das hauseigene Lindt & Sprüngli Farming Programm. Dieses Programm unterstützt Kakaobauern direkt vor Ort und hilft, nachhaltige Anbaumethoden zu fördern und soziale Verantwortung zu übernehmen. Kinderarbeit in der Lieferkette wird aktiv bekämpft, auch wenn sie aufgrund globaler Komplexitäten nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
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Lindt & Sprüngli betreibt keine eigenen Plantagen, sondern setzt auf ein direktes Lieferantenmodell, das maximale Kontrolle über die Qualität der Rohstoffe ermöglicht. Die Verarbeitung der Kakaobohnen erfolgt in nur drei spezialisierten Werken in der Schweiz, Frankreich und den USA, wo die Kakaomasse hergestellt wird. Anschließend wird diese in zwölf weiteren Produktionsstandorten weltweit zu den Endprodukten verarbeitet. Über ein Netzwerk von 28 Tochtergesellschaften werden die Produkte in mehr als 120 Ländern vertrieben.
Geografische Umsatzverteilung
Die Umsätze verteilen sich geografisch unterschiedlich. Deutschland ist das wichtigste Land für die Marke Lindt und trägt 14,7 % zum Gesamtumsatz bei, während die USA mit 35 % des Umsatzes der größte Markt sind. In den USA spielen die Marken Ghirardelli und Russell Stover aber eine bedeutendere Rolle. Außerhalb der Kernregionen, Europa und Nordamerika, generiert Lindt & Sprüngli 13,1 % des Umsatzes, wobei ein großer Teil auf den Global Travel Retail (z. B. Flughafenverkauf) entfällt. In diesem Segment tragen vor allem Märkte wie Japan, Brasilien, China und Australien aktuell zum Umsatz bei.
Retail-Strategie
Werbung spielt eine zentrale Rolle im Geschäftsmodell von Lindt & Sprüngli, wobei das Unternehmen gezielt auf hochwertige und emotionale Markenkommunikation setzt. Daneben ermöglicht Lindt & Sprüngli mit eigenen Geschäften (Lindt Stores) die Welt der Maîtres Chocolatiers zu erleben und damit die Markenpräsenz mit einem Kundenerlebnis zu verbinden. Nach eigenen Angaben ist die Firma inzwischen der größte Premium-Schokoladen-Einzelhändler der Welt. Dabei arbeitet Lindt mit verschiedenen Shop-Konzepten wie Lindt Chocolate Cafés, Boutiquen, Outlets und Fabrikläden, die die gesamte Produktvielfalt präsentieren. Die Anzahl der Läden wurde in den letzten 10 Jahren verdoppelt und der Umsatz konnte noch stärker gesteigert werden. Das gilt nicht nur für den Verkauf in den Läden: 2015 hat Lindt & Sprüngli nachgewiesen, dass die Eröffnung eines neuen Ladens den Verkauf von Lindt Produkten im Einzelhandel im Umkreis von etwa 30 km erhöht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Retail-Strategie von Lindt & Sprüngli ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, der zur Stärkung der Marke, zur Erschließung neuer Märkte und zur Umsatzsteigerung beiträgt.
Wachstumsstrategie
Lindt & Sprüngli verfolgt eine langfristige Wachstumsstrategie. Das Ziel ist es, ein jährliches organisches Umsatzwachstum von 6-8 % zu erzielen und die operative Gewinnmarge kontinuierlich zu verbessern. Eine der größten Stärken von Lindt & Sprüngli ist die konsequente Premium-Positionierung. Während der allgemeine Trend zu günstigeren Private-Label-Produkten Unternehmen wie Nestlé Marktanteile kostet, bleibt Lindt & Sprüngli mit seinen hochwertigen Produkten vom Preisdruck weitgehend unberührt. Ein weiterer Fokus liegt auf der geografischen Expansion, insbesondere in aufstrebenden Märkten wie China, Indien und der Nahe Osten, wo das Unternehmen großes Wachstumspotenzial sieht. Zunächst arbeitet Lindt & Sprüngli mit lokalen Distributoren, um den Markt zu testen und eine Basis zu schaffen. Lindt & Sprüngli investiert in Forschung und Entwicklung, um innovative Produkte und effizientere Produktionsverfahren zu entwickeln, wobei ich die Firma als traditionelles Unternehmen sehen würde, welches nicht stillsteht und Trends mitgeht. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit und verfolgt ambitionierte Ziele im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Direktvertrieb (D2C) ist ein weiterer strategischer Schwerpunkt. Im Gegensatz zu vielen anderen Marken ist dieser Kanal für Lindt & Sprüngli nicht nur wachstumsstark, sondern auch profitabel. Eigene Boutiquen und E-Shops spielen dabei eine entscheidende Rolle, um die direkte Beziehung zu den Kunden zu stärken und das Markenimage zu pflegen.
Aktieninformationen
Aktienarten und Besonderheiten
Lindt & Sprüngli gehört mit einem Kurs von rund 100.000 CHF zu den teuersten börsengehandelten Aktien der Welt - nur Berkshire Hathaway liegt noch darüber. Beide Aktienarten berechtigen wirtschaftlich gesehen in ihrem Verhältnis am Unternehmensgewinn teil zu haben, doch nur die Namensaktie verfügt zusätzlich über ein Stimmrecht bei der Hauptversammlung. Da dieses Stimmrecht für die meisten Anleger kaum von Bedeutung ist, konzentrieren wir uns auf den Preisunterschied zwischen den beiden Aktienarten, den sogenannten „Ekart“. Theoretisch müsste der Kurs der Namensaktie aufgrund ihres zehnmal höheren Nennwerts genau zehnmal so hoch sein wie der des Partizipationsscheins. Die Namensaktie war jahrelang deutlich teurer als der Partizipationsschein. Der Grund dafür liegt vor allem im Status der Namensaktien als Liebhaberstück, da nur sie ihre Besitzer zum jährlichen Schokoladenkoffer berechtigen, der auf der Hauptversammlung verteilt wird. Wie man diesen erhält, erkläre ich gleich.
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Historische Kursentwicklung
Langfristig betrachtet haben sich beide Aktienarten hervorragend entwickelt. Über die letzten 20 Jahre stieg der Kurs der Namensaktien um 506 % und der der Partizipationsscheine um 528 %. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 9,4 % bzw. 9,6 %. Hinzu kommen Dividenden, die jährlich etwa 0,8 % der Rendite ausmachten und die Gesamtrendite auf über 10 % pro Jahr heben.
Aktuelle Kennzahlen
Am 03. März 2025 betrug der Aktienkurs 106.000 CHF für die Namensaktie und 11.100 CHF für den Partizipationsschein. Die Marktkapitalisierung lag bei 24.700 Mio. CHF, und die Nettofinanzverschuldung betrug 900 Mio. CHF. Der Unternehmenswert wurde auf 25.600 Mio. CHF geschätzt. Das KGV für 2025e/2026e lag bei 34,6/31,6, und die Dividendenrendite für 2025e/2026e wurde mit 1,5%/1,6% prognostiziert.
Dividendenpolitik
Lindt & Sprüngli zahlt regelmäßig Dividenden an seine Aktionäre. Die Dividendenrendite für 2025e/2026e wird auf 1,5%/1,6% geschätzt. Zusätzlich erhalten Inhaber der Namensaktie einen Schokoladenkoffer auf der Hauptversammlung.
Teilnahme an der Hauptversammlung und Erhalt des Schokoladenkoffers
Um den Schokoladenkoffer zu erhalten, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
- Man muss im Besitz einer Namensaktie sein.
- Eine Eintragung ins Schweizer Namenregister muss erfolgt sein. Dies dauert je nach Bank bis zu zwei Wochen. Danach sind die Aktien nicht mehr frei handelbar, bis man sich wieder aus dem Namenregister ausgetragen hat.
- Der Anleger oder eine Stellvertretung muss die Hauptversammlung besuchen.
Herausforderungen und Chancen
Rohstoffpreise
Die Schokoladenbranche sieht sich momentan mit einer großen Herausforderung konfrontiert: den seit Anfang 2024 deutlich gestiegenen Rohstoffpreisen - insbesondere für Kakaobohnen. Die Kakaobohnenpreise sind 2024 von durchschnittlich 3.400 USD auf 8.000 USD gestiegen. Ein Anstieg um 1.000 USD würde ohne Absicherung für Lindt eine zusätzliche Belastung von 110-150 Mio. CHF bedeuten. Da Lindt aber langfristige Verträge mit ca. 5.000 Kakaobauern hat und sich größtenteils über Futures absichert, ist der Effekt 2024 mit 160 Basispunkten bzw. ca. 85 Mio. CHF deutlich niedriger. Allerdings wird unabhängig vom Preisverlauf 2025 noch einmal durch den hohen Kakaopreis belastet. Der Vorteil von Lindt ist, dass viele Produkte bezahlbare „Luxus“-Geschenke sind und damit eine hohe Zahlungsbereitschaft der Kunden vorhanden ist.
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Wettbewerbsumfeld
Der Wettbewerb in der Schokoladenbranche ist intensiv. Lindt & Sprüngli konkurriert mit börsennotierten Unternehmen wie Nestlé und Mondelez, familiengeführten Giganten wie Ferrero und Mars sowie lokalen Spezialitätenherstellern. Die Differenzierung erfolgt durch den Fokus auf das Premium-Segment, mit hochwertigen Zutaten, ausgefeilten Rezepturen und einem besonderen Herstellungsverfahren. Gemeinsam mit Ferrero gehört Lindt & Sprüngli zu den wenigen großen Herstellern, die komplett „Bean-to-Bar“ produzieren. Dabei werden die Kakaobohnen selbst eingekauft und verarbeitet. Mondelez und Nestlé sind dagegen große Kunden von Barry Callebaut, dem von der Menge größten Schokoladenproduzenten der Welt. Lindt & Sprüngli hat in den vergangenen Jahren stetig Marktanteile gewonnen, insbesondere im Premium-Bereich. Der Marktanteil ist mit 4-5%, bzw. ca. 10% im Premium-Bereich, aber nicht hoch.
Wachstumspotenzial
Trotz der bereits erreichten Größe traut sich Lindt weiterhin ein Gewinnwachstum von 8-10 % pro Jahr zu. Das stärkste Wachstum wird in der Zukunft im asiatischen Raum erwartet. In den Hauptmärken von Lindt & Sprüngli, Europa und Nordamerika, ist der Schokoladenmarkt dagegen ein reifer Markt mit moderatem Wachstum. Allerdings gibt es hier einen Premium-Trend, insbesondere bei älteren Konsumenten, der Lindt hilft.
Nachhaltiges Umsatzwachstum
Lindt & Sprüngli zeichnet sich durch ein stabiles und langfristig solides Umsatzwachstum aus. Das Unternehmen bleibt aufgrund der starken Marke, der Preissetzungsmacht und des Trends nach Premium-Schokolade relativ widerstandsfähig gegen konjunkturelle Abschwünge. Das Wachstum basiert überwiegend auf organischer Expansion, da bis auf 2014 mit Russell Stover keine größeren Übernahmen in diesem Zeitraum getätigt wurden. Diese Übernahme hat aber zum damaligen Zeitpunkt 15 % zum Wachstum beigetragen. Das Management strebt in den kommenden Jahren ein organisches Wachstum von 4-6 % in CHF (6-8% in lokalen Währungen) an, während Analysten für die nächsten drei Jahre ein jährliches Wachstum von 7,3 % in CHF prognostizieren. Ich sehe ein nachhaltiges Umsatzwachstum von Lindt & Sprüngli bei 5 % in CHF und 7 % in Lokalwährungen. Damit liegt das Wachstum leicht über der Vergangenheit von 4 %, weicht aber nicht von der Guidance des Managements ab. Da ich insbesondere aufgrund der Kakaopreise einen hohen Druck in der Branche sehe, die Preise zu erhöhen, gehe ich von einem erhöhten Wachstum zu den letzten 20 Jahren aus und zu einer Rückkehr zu den 10 Jahreswachstumszahlen.
Gewinnwachstum und EBIT-Marge
Lindt & Sprüngli hat in den letzten 20 Jahren ein solides Gewinnwachstum erzielt, mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 7,2 %. In den letzten zehn Jahren lag das Wachstum bei 6,3 %, während es in den letzten fünf Jahren auf 5,4 % gesunken ist. Diese Entwicklung deutet auf eine leichte Verlangsamung hin, wobei das Unternehmen weiterhin profitabel wächst. Die Analystenerwartungen für die kommenden drei Jahre liegen jedoch mit 9,0 % deutlich höher. Ein entscheidender Faktor für die überproportionale Gewinnentwicklung ist die EBIT-Marge, die in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen ist.
Abhängigkeit von Preiserhöhungen
Trotz dieser Stärken steht Lindt & Sprüngli vor der Herausforderung, sein Gewinnwachstum langfristig abzusichern. 2023 beruhte der Großteil des Wachstums auf Preiserhöhungen, während die Absatzsteigerungen begrenzt blieben. Diese Strategie hat zwar kurzfristig einen Erfolg gebracht, wird jedoch laut Unternehmen insbesondere bei den „Everyday“-Produkten an ihre Grenzen stoßen. Saisonprodukte, wie der Goldhase, haben dagegen laut Management von Lindt eine niedrigere Preiselastizität. Hier gibt es also noch Preissteigerungspotenzial.
Vergleichbare Aktien und Wettbewerber
Weitere vergleichbare Aktien aus dem Segment Süßigkeiten sind Halloren Schokoladenfabrik, Hershey Company und J.M. Smucker. Lindt & Sprüngli konkurriert direkt mit großen, börsennotierten Unternehmen wie Nestlé und Mondelez sowie mit familiengeführten Giganten wie Ferrero und Mars.
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