Eine Leiche zum Dessert — Handlung und Zusammenfassung
Die brillantesten Meisterdetektive der Welt versammeln sich auf dem Anwesen von Lionel Twain (Truman Capote). Der geheimnisvolle Millionär hat die Verbrecherjäger Sidney Wang (Peter Sellers) aus China, Dick Charleston (David Niven) aus New York, Milo Perrier (James Coco) aus Belgien, Jessica Marbles (Elsa Lanchester) aus England und Sam Diamond (Peter Falk) aus San Francisco zu einem Wochenende inklusive Dinner in sein Haus eingeladen.
Als die neugierigen Detektive mitsamt ihren Begleitungen dort eintreffen, werden sie aber lediglich von einem blinden Butler (Alec Guinness) und einer taubstummen Köchin (Nancy Walker) erwartet. Von Twain fehlt zunächst jede Spur - bis er plötzlich am Esstisch auftaucht und seinen verdutzten Gästen den Grund der Einladung verrät: Um Punkt Mitternacht wird ein Mord geschehen, und derjenige, der dieses Verbrechen löst, soll eine Million Dollar kassieren. Dann ist der exzentrische Gastgeber wieder wie vom Erdboden verschluckt.
Die Ankunft der Gäste und erste merkwürdige Ereignisse
Nach und nach fahren seine Gäste mit ihren Autos vor: das Paar Tess Skeffington und Sam Diamond, Dick Charleston in Begleitung seiner Frau Dora, Sidney Wang mit seinem Adoptivsohn Willie und Milo Perrier mit seinem Chauffeur Marcel sowie Jessica Marbles mit ihrer Krankenschwester. Als Erste kommen Sidney Wang und sein Adoptivsohn Willie Wang an. Beide werden begrüßt von einer herabstürzenden Steinfigur. Zum Glück ist nichts passiert.
Im Laufe des Abends werden den Detektiven einige tödliche Fallen gestellt, die sie alle aufdecken, bevor sich ihr Gastgeber zu ihnen an den Tisch gesellt und sie über die geheimnisvolle Einladung aufklärt. Beim Abendessen - bei dem es kein Essen gibt, weil die taubstumme Köchin Yetta nicht gekocht hat - stellt sich dann endlich der Gastgeber vor. Twain hat die Detektive eingeladen, um sein Genie an dem der Gäste zu messen.
Das groteske Haus und seine Bewohner
Im Haushalt führen ein blinder Butler und eine taubstumme Köchin das Regiment, die folgerichtig konsequent aneinander vorbei arbeiten. Räume mit Menschen darin sind, zählt man hinter deren verschlossener Tür bis zehn, leer. Und dann wieder mit Menschen gefüllt. Das Anwesen von Lionel Twain ist nicht sonderlich einladend. Irgendwie ist in diesem alten Schloss alles höchst seltsam.
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Die Charlestons werden zum Beispiel in einem mit Mehl und Zuckerwatte auf alt getrimmtes Zimmer untergebracht. Die Türklingel schreit wie eine Frau, die abgestochen wird. Und wieso regnet es nur vor einigen Fenstern? Eigentlich herrscht draußen vor dem Schloss eine laue Nacht. Die Wetterkapriolen bieten Stoff für launige Gags.
Der blinde Butler und die Wortspielereien
Der Butler, den Alec Guinness mit beklatschenswerter Gelassenheit als blinden Tölpel spielt, heißt Jamesir Bensonmum. Wenn also von Dora Charleston nach seinem Namen gefragt wird und der antwortet „Bensonmum“, das klingt, wie „Benson, Man!“, glaubt sie, er heiße Benson. Dasselbe Spiel mit dem Vornamen, als Dick Charleston nachsetzt, wie denn nun mit ganzem Namen heiße: „Jamesir …“ „Also James?“ „Nein, Sir. Jamesir, Sir.“ Mit dieser Wortspielerei können Neil Simon und die durch die Bank hochkarätigen Schauspieler wertvolle Filmminuten füllen.
Die Prophezeiung und die letzten Stunden vor Mitternacht
Twain prophezeit: Um Punkt Mitternacht wird einer der Gäste, die in dem Moment am Tisch sitzen, durch 12 Messerstiche in den Rücken ermordet werden. Die letzten Stunden vor Mitternacht vergehen genauso schräg, wie alles in dem Haus. Da ist der Butler auf einmal tot, dann liegen im nächsten Moment nur noch seine Kleider herum und später sitzt der nackte Butler auf dem Küchenstuhl. Schüsse fallen und niemand weiß woher. Die einzelnen Parteien, die den einen Raum verlassen, finden die anderen Gäste nicht wieder. Dann aber doch.
Die Parodie auf Krimi-Klischees und bekannte Detektivfiguren
Dieser Film ist kein Film mit einer logischen Story wie man vielleicht erwarten würde. Ein Plot in der Nähe von Agatha Christies „The Mousetrap“ - und Figuren, die den ihren nahe stehen. Stereotypen der Schichten, der Klassen und der Nationen. „Eine Leiche zum Dessert“ ist ein Krimi und zugleich eine herrliche Persiflage auf Kriminalfilme. Starbesetzte Parodie, in der Autor Neil Simon mit viel Gespür Klassiker und Klischees der Kriminalliteratur auf die Schaufel nimmt.
Die Detektive, die er da versammelt, sind leicht dechiffrierbar als Charlie Chan, Dick und Dora Charleston (aus Dashiell Hammetts "Thin Man"-Reihe), Miss Marple, Sam Spade und Hercule Poirot. Jeder der Detektive auf einem "echten" Detektiv aus der Roman- und auch Filmwelt basiert. Dick Charleston und seine Frau Dora sind nach Dashiell Hammetts Nick und Nora Charles nachempfunden. Sam Diamond ist natürlich Hammetts Sam Spade. Miss Marple ist die Vorlage für Miss Marbles und der belgische Hercule Poirot ist verantwortlich für Milo Perrier. Ulknudel Peter Sellers spielt Sidney Wang, was eine Anspielung auf Charlie Chan ist.
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Die Rollen und ihr komödiantischer Umgang
Die Lust, mit der das Ensemble seine Charaktere - oder besser: die berühmten Vorbilder - auseinandernimmt, ist jederzeit spürbar. Die grotesk überdrehte Handlung, umgeben von bizarren Gags und begleitet von einigen spitz geschliffenen Dialogen, hat das Zeug zum langen Abend.
Der Chinese Wang, den Peter Sellers mit seiner Lust an der Verkleidung zur Karikatur eines englisch radebrechenden Mandarin macht, hat einen Adoptivsohn Nummer 3 aus Japan - wo die Originalfigur einen "Number One Son" hat. Der harte an Sam Spade erinnernde Sam Diamond aus San Francisco, dessen Härte die Frauen reihenweise verfallen, erweist sich zwischenzeitlich als homosexuell mit heimlichem Männerkalender im Schlafzimmer. Das in jeder Situation Martini-mit-Olive-schlürfende Millionärspaar Charleston übergeht mit steifer Oberlippe, dass man seit zwei Jahren pleite ist.
Der Autor und die Intention: Neil Simons Persiflage
Neil Simon hat es offenbar nicht mehr im Sessel gehalten. Der renommierte Autor großer Broadway-Stücke hat dann irgendwann den Krimi, den er gerade liest, wutentbrannt in die Zimmerecke gepfeffert und sich gedacht, jetzt reicht's, jetzt schreibe ich zurück. Mit der billigsten Effekthascherei führt Ihr Eure Leser an der Nase herum. Ihr quält sie mit aus den Fingern gesogenen Schlüssen, die keinen Sinn haben. Noch auf den fünf letzten Seiten führt Ihr Charaktere ein, die im ganzen Buch mit keinem Federstrich erwähnt wurden.
Und genauso hat Neil Simon auch seine Detektiv-Farce geschrieben. Jeder Versuch, dem Fall im Kinosessel auf die Schliche zu kommen, ist auf fröhliche Weise zum Scheitern verurteilt. Die Parodie ist gespickt mit Albernheiten. Um beim Autor zu bleiben: Sam Diamond, Miss Marbles, Milo Perrier, Dick und Dora Charleston sowie Sidney Wang werden mit tiefem Respekt und verspielter Respektlosigkeit auseinandergenommen.
Schauspielerbesetzung, Produktion und Rezeption
Die Schauspielerriege, von Peter Falk über Maggie Smith bis zu Sir Alec Guinness herausragend besetzt, nimmt sich nicht ernst, genau so wenig wie der Film sich selbst. Der Film hat drei Oscar-Gewinner (Alec Guinness, David Niven und Maggie Smith) an Bord, ebenso sechs Oscar-Nominierte (Peter Sellers, Eileen Brennan, Peter Falk, Elsa Lanchester, James Cromwell und James Coco). Wenn das nicht mal eine unglaubliche Schauspieler-Power und -Elite ist.
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Der Film sprüht so vor verrückter Ideen und Wortwitzen. Diese gehen wie immer in der deutschen Synchronisation etwas verloren, dennoch hat man sich auch mit der deutschen Tonspur sehr viel Mühe gegeben. In der deutschen Fassung muss Harald Juhnke den harten Sam Diamond mit einem knödelnden US-Akzent sprechen, was den Spaß an der Komödiensause erheblich eintrübt. Aber da können Neil Simon und sein Regisseur, der TV erprobte Robert Moore, nichts dafür.
Stil, Wirkung und bleibender Kultstatus
Visuell gibt der Film nicht viel her, maximal gehört "Murder by Death" auf eine Bühne. Die groteske, überdrehte Handlung und die Ideen entfalten ihren eigenen Humor beim anschließenden Absacker in der Kneipe an der Ecke. Mit höchstem Wiederschauwert ist dieser Film eine Quintessenz des Detektivgenres: gleichermassen mit tiefen Respekt und verspielter Respektlosigkeit kondensierte, höchst unterhaltsame Zusammenfassung aller Filme dieser Art, die es gibt und geben wird.
Der Film macht sich über die bisweilen hanebüchenen Krimiauflösungen lustig, bei denen der Zuschauer vergebens nach einem Sinn im Verlauf der Handlung sucht. Es wird nicht einmal versucht, die Ereignisse plausibel zu erklären. Die Parodie trifft besonders dann, wenn man mit den Figuren vertraut ist, die einzelnen Anspielungen versteht und zuordnen kann. Aber selbst ohne Vorwissen hat die Parodie einen großen Unterhaltungswert: Keine Szene, kein Dialog, in der nicht irgendein absurder Einfall verbraten wird.
Kritik und heutige Betrachtung
Bald 40 Jahre später gehört die Kultkomödie deshalb zum Pflichtprogramm eines jeden nicht ganz bierernsten Krimifans und zeigt den oft so mäßigen und einfallslosen Filmparodien, wie man es richtig macht. Heutzutage könnte man den Film so nicht mehr drehen. Peter Sellers als Asiate? Das gäbe heute einen riesigen Aufschrei. Vieles wirkt etwas in die Jahre gekommen, doch für Liebhaber schrulliger Komik bleibt der Film ein Klassiker.
| Aspekt | Bemerkung |
|---|---|
| Genre | Krimi-Komödie / Persiflage |
| Autor | Neil Simon |
| Regie | Robert Moore |
| Hauptrollen | Peter Sellers, Peter Falk, David Niven, Maggie Smith, Alec Guinness, Truman Capote |
| Wesentliche Themen | Parodie auf Detektiv-Klischees, absurde Gags, Ensemble-Komik |
| Besonderheit | Versammelt mehrere ikonische Detektivtypen in einem absurd-schrägen Plot |
„Eine Leiche zum Dessert“ ist nicht nur eine wunderbare Krimikomödie voller Wortspiele, schrulliger Figuren, absurdem Humor und zahlreicher Anspielungen auf das Genre, sondern auch ein Beispiel dafür, wie man ein ganzes literarisch-filmisches Feld mit spöttischer Präzision aufs Korn nimmt. Nichts wird ernst genommen, alles wird auf die Schippe genommen - und gerade deshalb bleibt der Film einem großen Publikum in guter Erinnerung.
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