Hausmittel bei Durchfall: Elektrolytlösung selber machen und sinnvolle Ergänzungen

Seit einiger Zeit werden die Pulverbeutelchen zum Herstellen einer Elektrolytlösung als »Wundermittel« gegen einen Kater nach durchzechten Nächten beworben. Die Umwidmung des Mittels, das zur Kompensation von Elektrolytverlusten bei Durchfall entwickelt wurde, führte dazu, dass es vielerorts in Apotheken überhaupt nicht mehr verfügbar ist. Sind die hinsichtlich der Elektrolytmengen exakt definierten Fertigarzneimittel nicht verfügbar, haben Apotheker die Möglichkeit, nach der DAC/NRF-Vorschrift 6.5. eine Glucose-Elektrolyt-Mischung in drei verschiedenen Versionen herzustellen. Ersatzweise lässt sich auch zuhause eine Elektrolytlösung selbst herstellen. Je nach Qualität der Zutaten kann der Elektrolytgehalt bei dieser natürlicherweise etwas schwanken.

Die Trinkmenge der Lösung sollte bei akuten Durchfallerkrankungen etwa 40 ml pro kg Körpergewicht innerhalb von 24 Stunden betragen. Bei einer 75 kg schweren Person entspricht dies drei Litern pro Tag. Beim verwendeten Wasser gilt es, auf die Qualität zu achten. Während das Leitungswasser in Deutschland je nach Region eine gute bis sehr gute Qualität aufweist und verwendet werden kann, ist dies in anderen Weltregionen nicht unbedingt gewährleistet. Offizielle Empfehlungen oder Dosierungen der Elektrolytlösung gegen Kater gibt es nicht. Das beste Mittel gegen potenzielle Begleiterscheinungen des Alkohols ist, erst gar keinen zu konsumieren.

  1. Rezept: Elektrolytlösung selbst machen
    Wenn Sie keine Fertigmischung mit Kochsalz, Natriumcitrat, Kaliumchlorid und Traubenzucker aus der Apotheke besorgen können, lässt sich eine Elektrolytlösung auch selbst herstellen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für eine Trinklösung folgende Zutaten, die gut verrührt werden sollten:
    • 1 Liter Mineralwasser oder abgekochtes Wasser
    • 1 Tasse Orangensaft (wenn nicht vorhanden, zwei Bananen dazu essen, denn sie enthalten ebenfalls Kalium)
    • 3/4 Teelöffel Kochsalz
    • 4 Teelöffel Zucker
    Erwachsene und Kinder trinken die Elektrolytlösung schluckweise über 24 Stunden. Und zwar etwa 40 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Gewicht von 75 Kilogramm sind das beispielsweise 3 Liter. In Ländern mit schlechter Wasserqualität sollten Sie nur abgekochtes oder industriell abgefülltes Wasser verwenden.
  2. Wann mit Durchfall zum Arzt?
    Eine Untersuchung beim Arzt ist sinnvoll, wenn der Durchfall länger anhält oder zusätzliche Symptome auftreten - etwa starke Kreislaufprobleme, Blut im Stuhl oder ausgeprägte Schwäche. Bei Durchfall wird die Einnahme standardisierter Elektrolytlösungen empfohlen, siehe WHO-Rezept.
  3. WHO-Rezept als Standardlösung
    Bei Durchfall wird die Einnahme standardisierter Elektrolytlösungen empfohlen. Am gängigsten ist das Rezept der Weltgesundheitsorganisation, (engl.: World Health Organization, Abk.: WHO). Diese Trinklösung empfiehlt die WHO bei Durchfall bzw. Flüssigkeitsverlust. Bezeichnung der Trinklösung: ORS (Oral Rehydration Solution) oder SSS (Simple Sugar Salt-solution).

Zubereitung einer Trinklösung gemäß Empfehlung der WHO: 4 Teelöffel Zucker (Saccharose) werden mit ¾ Teelöffel Salz (Natriumchlorid) in 1 Tasse Orangensaft oder alternativ 2 Bananen gegeben. Anschließend 1 Liter Mineralwasser oder industriell aufbereitetes Wasser hinzufügen und gut umrühren. Die empfohlene Trinkmenge beträgt etwa 40 ml pro kg Körpergewicht innerhalb von 24 Stunden. Dies entspricht bei 75 kg Körpergewicht drei Litern pro Tag. Hinweis: Leitungswasser kann in einigen Ländern mit Bakterien belastet sein.

Kohletabletten als bewährtes Arzneimittel
Als weiteres Hilfsmittel bei Durchfallerkrankungen werden Kohletabletten eingesetzt, wie sie beispielsweise SOS anbietet. Sie können Akutmaßnahmen unterstützen, allerdings ersetzen sie nicht die Elektrolytzufuhr.

Die drei wichtigsten Schritte bei akutem Durchfall

  1. Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt ausgleichen - Spezielle Elektrolytlösungen liefern Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium in einem passenden Verhältnis. Traubenzucker hilft beim Transport der Wasser- und Elektrolyte in der Darmschleimhaut. Trinken Sie regelmäßig kleine Mengen über den Tag verteilt.
  2. Darmschleimhaut beruhigen und Krämpfe lindern - Hausmittel wie Kamillentee, Fenchel- oder Kümmeltee können krampflösend wirken. Wärme am Bauch entspannt zusätzlich die Muskulatur.
  3. Ernährung anpassen - Leicht verdauliche Kost hilft dem Darm. Beispiele: Reis, Kartoffeln, Haferbrei, klare Brühe, gekochte Karotten, Weißbrot/Zwieback. Die Ernährung sollte nicht zu lange stark eingeschränkt bleiben.

Beim Durchfall ist es wichtig, frühzeitig eine geeignete Salz- und Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen. Jeder Durchfall kann Anzeichen einer schweren Erkrankung sein. Bei längerer Dauer oder Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens ist ein Arztaufenthalt unvermeidlich. Besonders Säuglinge und Kleinkinder benötigen eine ärztliche Mitbetreuung, da Durchfälle dort rasch ernsthafte Folgen haben können.

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Weitere praktische Hinweise und Hausmittel

  • Kamille wirkt beruhigend, entzündungshemmend und krampflösend.
  • Ingwer besitzt antiemetische Eigenschaften und kann Übelkeit lindern.
  • Pfefferminze entspannt die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und kann Übelkeit reduzieren.
  • Heilerde-Wasser kann helfen, überschüssige Flüssigkeit zu binden.
  • Heidelbeertee (Kochempfehlung: drei Esslöffel getrocknete Heidelbeeren in 0,25 l Wasser, zehn Minuten köcheln, bis zu sechs Tassen täglich) und andere leicht verdauliche Getränke unterstützen die Therapie.
Infografik: Aufbau einer ORS-Formel (Zutaten, Mengen, Schritte)

Erbrechen ist ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen - von Infekten bis hin zu Reisekrankheit. Kamille, Pfefferminze und Ingwer helfen oft, Übelkeit zu lindern. Nach dem Abklingen des Erbrechens sollte der Magen behutsam wieder mit leichter Kost vertraut gemacht werden. Eine Wärmflasche am Bauch kann zusätzlich Krämpfe lindern.

Tutorial: Zubereitung einer WHO-Original-ORS in der Küche

Zusammenfassend sollten Sie bei Durchfall darauf achten, den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt gut zu managen, den Darm mitzubereiten und die Ernährung anzupassen. Eine standardisierte Elektrolytlösung ist oft effektiver als Cola oder andere stark zuckerhaltige Getränke, insbesondere bei Durchfällen, die Dehydratation verursachen. Bei Unsicherheit oder schweren Symptomen konsultieren Sie Ihren Arzt.

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