Schoko-Affe Cornflakes: Geschichte, Kritik und Informationen
Cornflakes sind bei Kindern beliebt, sie schmecken süß und locken die jungen Konsumenten mit niedlichen Tier-Designs auf der Verpackung - doch der Inhalt der Packung ist alles andere als gesund. Cornflakes ([ˈkɔrnfleːks], engl. corn „Mais“ und flakes „Flocken“) sind Frühstücksflocken aus gekochtem, breitgewalztem und anschließend getrocknetem Mais, meist mit Zucker und weiteren Zutaten. Sie werden üblicherweise mit Milch oder Fruchtsäften verzehrt oder sind manchmal Teil von Müsli.
Aktueller Anlass: Rewe entfernt den Comic-Affen
Der Kölner Lebensmittelhändler Rewe hat deshalb den Affen von der Verpackung seiner Eigenmarken-Schoko-Cornflakes „Choco Chips“ verbannt. Die Rewe Group prüft nun sukzessive die Eigenmarkenlebensmittel mit Kinderoptik bei Penny und Rewe. „Wer schon einmal mit Kindern einkaufen war, weiß, wie positiv sie auf Comicfiguren und Zeichnungen reagieren. Deshalb verabschieden wir uns bei Rewe von Cartoon-Figuren wie dem Bären auf der Luftmatratze oder dem surfenden Affen und werden in Zukunft in dieser Produktgruppe bewusst auf neutralere Verpackungen setzen“, schreibt er.
So sehen die „Choco Chips“ der Rewe-Eigenmarke Ja! jetzt aus (rechts im Bild). Der Comic-Affe auf der bisherigen Verpackung (links im Bild) ist verschwunden. Dafür erntete Moog viel Kritik im Netz. „Der konsequentere Schritt wäre wohl gewesen, das Produkt ganz aus dem Regal zu nehmen“, kommentiert ein Nutzer. „Das Produkt ist nun mal ernährungsphysiologisch Schrott. Ob mit oder ohne Affe“, schreibt ein anderer.
Moog erklärt den Kritikern, warum der Affe auf der Verpackung keinen Platz mehr hat: „Unser Ziel ist es, Transparenz herzustellen - nicht ein Sortiment, das komplett aus zuckerfreien Produkten besteht.“ Die Rewe-Sprecherin gibt sich gelassen: „Wir sehen die Reaktionen auf den Post durchaus positiv - denn wir posten ja nicht, um nur Zustimmung zu bekommen, sondern um Dialog und Auseinandersetzung zu Themen anzustoßen. Offensichtlich hat dieses Thema einen Nerv getroffen.“
Zucker, Werbung und Gesundheit: Warum die Diskussion so heftig ist
Dass Schoko-Cornflakes viel Zucker enthalten, überrascht kaum. Doch wie ungesund das süße Frühstück für Kinder wirklich ist, zeigt eine Studie der Krankenkasse AOK und den Marktforschern der GfK: Fast Dreiviertel der 1400 getesteten Müslis, Cornflakes und Co. überschreiten beim Zuckergehalt die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Die liegt bei 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Bei den speziell an Kinder gerichteten Cerealien liegen sogar 99 Prozent der gekauften Produkte über diesem Richtwert.
Lesen Sie auch: Alles über Schoko Kissen Cornflakes
Hinzu kommt, dass Lebensmittelwerbung, die speziell an Kinder gerichtet ist, sehr häufig hochverarbeitete Lebensmittel anpreist, die zu viel Zucker, Fett oder Salz enthalten. Im Schnitt sehen Kinder jeden Tag 15 Werbespots und -einblendungen im TV und Internet, die Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt anpreisen. Durchschnittlich 92 Prozent der Lebensmittelwerbung, die Kinder in Internet und TV wahrnehmen, ist für Produkte wie Fast Food, Snacks oder Süßigkeiten.
Und: Rund 15 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen in Deutschland, das sind knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche, sind übergewichtig, darunter knapp sechs Prozent adipös.
Politik und Selbstverpflichtungen
Deshalb arbeitet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an klaren Werbe-Regeln. Bisherige freiwillige Selbstverpflichtungen der Branchen hätten nicht dazu geführt, dass „Kinder effektiv vor Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt geschützt werden“, heißt es beim BMEL. „Wenn es um den Schutz der Gesundheit von Kindern geht, erwartet die Bevölkerung zurecht, dass der Staat seiner besonderen Verantwortung gerecht wird.“
Rewe-Einkaufschef Moog will mit dem veränderten Produktdesign einen Schritt in die richtige Richtung gehen. „Ich sehe uns ebenso wie die Hersteller mit in der Verantwortung, uns mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Auch - oder gerade - weil aktuell noch an einem Gesetzesentwurf gearbeitet wird, bin ich grundsätzlich ein Freund von Eigeninitiative und weniger von starren Vorgaben“, schreibt er.
Deshalb setze sich die Rewe Group auch ohne gesetzliche Regelungen „kontinuierlich mit den Rezepturen unserer Eigenmarkenprodukte auseinander“ und prüfe regelmäßig, „ob sich Salz, Zucker oder Fett einsparen lassen, ohne dass der Geschmack darunter leidet“. Ende vergangenen Jahres sei das Verpackungsdesign der Frühstückscerealien auf den Prüfstand gekommen und habe nun ein Update erhalten, so Moog: „Sicherlich ist das ein vermeintlich kleiner erster Schritt - aber wir bleiben dran.“ Im Jahr 2018 hat die Rewe Group ein Programm auf den Weg gebracht, mit dem das Unternehmen Zucker und Salz in seinen Eigenmarkenprodukten reduzieren will.
Lesen Sie auch: Kaufland Cornflakes Qualität
Geschichtlicher Hintergrund der Cornflakes
Die Geschichte der Cornflakes beginnt im späten 19. Jahrhundert: Ende des 19. 1894 servierten die Brüder ihren Patienten im Battle Creek Sanatorium, Michigan, die ersten zerbröselten und gebackenen Flocken (Name: Granose) mit noch anderer Rezeptur. Sie hatten ein gesundes vegetarisches Grundnahrungsmittel für ihre Patienten gesucht, um deren Genesungsprozesse zu fördern. Ihr Rezept bestand aus gekochtem, anschließend gepresstem und wärmegetrocknetem Weizen, der so zubereitet in dünnen, knusprigen Flocken vorlag und mit etwas Salz gegessen wurde.
Bei der Einführung der Cornflakes gab Kellogg an, dass diese Verdauungsstörungen und das Verlangen nach Masturbation senken würden. Um den Appetit auf Alkohol, Nikotin und Geschlechtsverkehr zu lindern, servierte der Arzt John Harvey Kellogg ab 1897 seinen Patienten zum Frühstück Cornflakes. Sein Bruder machte die knackigen Flocken zu einem Welterfolg.
Trotz dieser rigiden Ansichten wollte John Harvey Kellogg gemeinsam mit seinem Bruder Will Keith, der in der Geschäftsleitung saß, etwas Essbares erschaffen, das Abwechslung vom faden Brot versprach. So kamen die beiden 1894 die Idee, Weizen durch Rollen zu drehen. Die Flocken, die dabei entstehen, trockneten sie durch Wärme, bis sie knackig waren. Die vertilgten den neuen Posten auf dem Speiseplan nur zu gern.
1906 gründete Will Keith Kellogg eine Firma, die die Flocken im ganzen Land verbreiten sollte. Dafür fügte er ihnen Zucker zu, was zum Bruch mit seinem Bruder führte. Schon bald wollte der Markt mehr von dem neuen Nahrungsmittel, als das Unternehmen liefern konnte. Nach dem großen Erfolg in den Vereinigten Staaten wurden die Cornflakes etwa um 1915 in Kanada eingeführt, später in Australien, im Vereinigten Königreich und von dort aus in Kontinentaleuropa. In Deutschland wurden Cornflakes erstmals 1965 von H. & J. Brüggen hergestellt. Cornflakes findet man heute in nahezu jedem Supermarkt auf der ganzen Welt.
Vom medizinischen Produkt zum Massenmarkt
Die folgenschwerste Entscheidung des jüngeren Kellogg war jedoch die, den Cerealien Rohrzucker zuzusetzen. Damit, so die Überlegung, ließen sich die Flocken nicht mehr ausschließlich als medizinische Nahrung für Magenkranke, sondern auch als schmackhaftes Fertigprodukt für Gesunde verkaufen. Für John Harvey allerdings war die Entscheidung des Bruders ein unverzeihlicher Vertrauensbruch. Bald schon gründete dieser eine eigene Firma (die spätere Kellogg's Company) und stellte jede Zusammenarbeit mit dem Sanatorium ein.
Lesen Sie auch: REWE Cornflakes ohne Zucker: Test
So scheinen die Rollen am Ende vertauscht: Während John Harvey ab den dreißiger Jahren mit schwindenden Patientenzahlen und finanziellen Schwierigkeiten kämpfte, baute Will Keith sein Unternehmen in Windeseile zu einem gigantischen Wirtschaftsimperium aus. Neues Produktdesign und geschicktes Marketing machten den Namen "Kellogg" in aller Welt bekannt - den des Cornflakesherstellers wohlgemerkt, nicht den des Doktors.
Ernährungswissenschaftliche Kritik an modernen Schoko-Cornflakes
Für viele Ernährungswissenschaftler sind die Kreationen dieser schönen neuen Cerealienwelt ein rotes Tuch. 25 bis 30 Prozent Zucker, bemängelte etwa Stiftung Warentest 2008 und befand: "Cerealien dieser Art gehören ins Süßigkeitenregal und nicht in die Müsli-Ecke." Ungesunde Dickmacher also. Dabei hatte Kellogg die Getreideflocken ursprünglich geschaffen, um genau solchen schlechten Essgewohnheiten den Garaus zu machen.
Für manche Produkte gibt es keinen Ersatz. Das ist keine Schleichwerbung - wer beispielsweise je Cornflakes gegessen hat, der weiß: Die von Kellogg’s sind konkurrenzlos in Geschmack und Knusprigkeit. Das wird auch nicht dadurch geschmälert, dass irgendwelche Ernährungsapostel ihre Grundzutat Mais als Dickmacher erkannt haben wollen, weil nach dem Genuss schnell wieder ein Hungergefühl entstehe.
Tabelle: Wichtige Fakten im Überblick
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Ursprung | Battle Creek Sanatorium, Michigan; 1894-1897; Kellogg-Brüder |
| Mainstream-Verbreitung | Ab 1906 durch Will Keith Kellogg; weltweit ab ca. 1915 |
| Typische Zutaten | Maisflocken, Zucker, weitere Aromen und Zusätze |
| Zuckerempfehlung (WHO) | ≤ 15 g Zucker pro 100 g; 99 % der Kinder-Cerealien überschreiten diesen Wert |
| Werbedruck auf Kinder | Im Schnitt 15 Werbespots/-einblendungen pro Tag; 92 % Werbung für zucker-/fett-/salzreiche Produkte |
| Maßnahme Rewe | Entfernung von Comicfiguren bei einigen Kinderprodukten; Rezepturoptimierungprogramm seit 2018 |
Diskussionspunkte und Perspektiven
„Unser Ziel ist es, Transparenz herzustellen - nicht ein Sortiment, das komplett aus zuckerfreien Produkten besteht.“ So beschreibt Rewe die Motivation hinter dem Schritt, Kinderoptik zu reduzieren. Kritik kam schnell auf: Einige Kommentatoren fordern, das Produkt gleich vollständig aus dem Regal zu nehmen; andere sehen in der Entfernung von Cartoon-Figuren nur einen symbolischen, zu kleinen Schritt.
Dass ein Gesetz nötig sei, um Kinder effektiv vor Werbung für ungesunde Lebensmittel zu schützen, argumentiert das BMEL, weil freiwillige Selbstverpflichtungen offenbar nicht ausreichend greifen. Rewe wiederum erklärt, als Händler ebenfalls Verantwortung zu tragen und eigeninitiativ an Rezepturen zu arbeiten.
Ob Änderungen im Verpackungsdesign, gesetzliche Werbebeschränkungen oder Rezepturanpassungen: Das Ziel bleibt, die Ernährungsgewohnheiten von Kindern zu verbessern und die hohe Exposition gegenüber zuckerreichen Produkten zu senken. Gleichzeitig bleibt die Debatte um Geschmack, Marktakzeptanz und wirtschaftliche Realisierbarkeit dieser Maßnahmen lebhaft.
Die Geschichte der Cornflakes zeigt, wie aus einem medizinischen Nahrungsmittel ein globales Massenprodukt werden konnte - und wie daraus in der Folge ein Nährboden für süße, stark verarbeitete Varianten entstanden ist, die heute Lebensmittel-Werbung und Gesundheitspolitik vor Herausforderungen stellen.
tags: #Schoko #Affe #Cornflakes #Geschichte #und #Informationen


