Blähungen nach Lebkuchen: Ursachen und Tipps

Nach einem Stück Lebkuchen kitzelts im Mund, ein Zimtstern und der Bauch schmerzt: Das sind typische Symptome einer Nahrungsmittelallergie oder Intoleranz. Hier kommen die wichtigsten Tipps für eine sorgenfreie Adventszeit.

Warum es nach Weihnachtsgebäck zu Blähungen kommen kann

Bestandteil vieler Weihnachtsrezepte sind Milch, Gluten, Eier und Nüsse. Diese Lebensmittel sind häufige Allergene und können unterschiedliche Reaktionen auslösen. Mehl spielt gerade in der Weihnachtsbäckerei eine große Rolle. Viele Menschen reagieren auf das darin enthaltene Gluten. Das Klebereiweis, das in verschiedenen Getreide- und somit Mehlsorten enthalten ist, schädigt bei Betroffenen einer Zöliakie die Schleimhaut des Dünndarms.

Bei Laktoseintoleranz? Allergie? Wenn du glaubst, dass eine Intoleranz die Ursache für deine Blähungen ist: Greife nicht zur Selbsthilfe. Laktose ist eine Zuckerart, die natürlicherweise in Milch vorkommt. Besteht hier jedoch ein Mangel, gelangt ein großer Teil der Laktose unverdaut in den Dickdarm. Der Milchzucker wandert unverdaut in den Dickdarm, wo er von Bakterien vergoren wird. Bauchkrämpfe, Blähungen, Verstopfung und Übelkeit sind die Folge.

Schätzungen zufolge hat etwa jeder dritte Deutsche eine Fruktoseintoleranz (Fruktosemalabsorption) - doch nicht alle Betroffenen leiden unter den charakteristischen Beschwerden. Wer an einer Fruktosemalabsorption leidet, kann aufgrund einer eingeschränkten Funktion des Transportproteins den Fruchtzucker nicht ausreichend in die Darmzellen aufnehmen. Der Rest wird im Dickdarm abgebaut. Es kommt zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfungen oder Übelkeit.

Rund ein Prozent der Schweizerinnen und Schweizer verträgt keine histaminreichen Lebensmittel wie etwa Käse, Wurst oder eben Rot- beziehungsweise Glühwein, weil ihr Körper das zugeführte Histamin nicht abbauen kann. Die Symptome einer Histaminintoleranz reichen von Hautrötungen, Juckreiz, rinnender Nase über Verdauungsbeschwerden bis hin zu Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Herzrasen. Für die Histaminintoleranz gibt es keinen Trinktest, auch keinen sicheren Marker im Blut.

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Die Gewürze können nämlich eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie hervorrufen - eine so genannte Kreuzreaktion. Zimt, Anis, Kardamom, Gewürznelken und Koriander sind wichtige Zutaten vieler Weihnachtsrezepte und für einige Heuschnupfengeplagte nicht ganz offensichtliche Auslöser von Beschwerden. Weil Eiweisse der Pollen und gewisser Lebensmittel ähnlich sind, erkennt der Körper letztere ebenfalls als Allergene und reagiert. In der Regel beschränken sich die Symptome wie Kribbeln oder Jucken auf den Mundbereich.

Allergien versus Unverträglichkeiten - wichtige Unterschiede

Von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder auch Lebensmittelunverträglichkeit oder Nahrungsmittelintoleranz spricht man, wenn Betroffene bestimmte Nahrungsmittel/Nahrungsbestandteile nicht verdauen können. Oftmals fehlen dem Körper je nach Art der Unverträglichkeit, bestimmte Enzyme, um gewisse Nahrungsbestandteile zu verdauen. So gelangen diese vom Dünndarm weiter in den Dickdarm, wo sie von den dort angesiedelten Bakterien unter Gasbildung verstoffwechselt werden.

Der Begriff Nahrungsmittelallergie wird gerne ebenfalls als Synonym verwendet. Doch in diesem Fall muss klar unterschieden werden. Im Gegensatz zur Nahrungsmittelallergie handelt es sich bei der Nahrungsmittelunverträglichkeit meist um einen Enzymdefekt. Bei einer Nahrungsmittelallergie hingegen reagiert der Körper bzw. das Immunsystem auf bestimmte Stoffe, die in der Nahrung enthalten sind. Bei einer Allergie können bereits kleinste Spuren heftige Symptome auslösen.

Häufige Auslöser in der Weihnachtszeit

  • Nüsse und Erdnüsse: Diese können schon in kleinsten Mengen gefährlich werden und gehören zu den häufigsten Auslösern einer Anaphylaxie - einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion. «Diese gehören in jeden Chlousesack und sind Allergieauslöser Nummer 1 in der Weihnachtszeit», weiss Noemi Beuret, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz.
  • Hühnerei und Kuhmilch: Fast ein Viertel aller Nahrungsmittelallergien bei Kindern werden von Hühnerei ausgelöst (23,7 Prozent), gefolgt von Kuhmilch (20,1 Prozent) und Erdnüssen (14 Prozent). Bei den Erwachsenen reagieren lediglich 8 Prozent auf Milch, 4 Prozent auf Hühnerei und auf Nüsse.
  • Glutenhaltiges Mehl: Zöliakiepatienten müssen Gluten meiden; Zimtsterne enthalten nämlich - wenn sie sauber und korrekt verarbeitet wurden - kein Mehl.
  • Histaminreiche Lebensmittel: Erdbeeren, Tomaten, Schokolade oder Rotwein können Beschwerden bei Betroffenen mit Histaminintoleranz auslösen.
  • Trockenfrüchte: Rosinen, getrocknete Aprikosen und Pflaumen sind eine gute Alternative zum süssen Gebäck, doch nicht jeder verträgt Trockenfrüchte aufgrund von Fruktosemalabsorption.
Weihnachtsgebäck mit Allergenen: Nüsse, Milch, Mehl

Symptome, die auf Allergie oder Intoleranz hindeuten

Das sind typische Symptome einer Sofort Allergie: Nach dem Verzehr eines Lebkuchens kommt es zu einem juckenden Hautausschlag und der Bratapfel lässt die Augen zuschwellen. Weitere, weniger gefährliche Allergiesymptome sind Juckreiz oder ein pelziges Gefühl im Mundbereich sowie Schwellungen an Lippen und Gaumen.

Die Beschwerden einer Nahrungsmittelintoleranz können vielfältig sein. Am häufigsten kommt es zu allgemeinen Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, vermehrte Darmgeräusche und Gasproduktion, Reflux, Übelkeit, Erbrechen. Häufig beginnen die Beschwerden schleichend.

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Wann solltest du zum Arzt?

Wer den Verdacht hat, an einer Nahrungsmittelallergie oder Intoleranz zu leiden, sollte einen Allergologen oder eine Allergologin aufsuchen. «Eine korrekte Diagnose ist die Basis, um zu wissen, welche Nahrungsmittel zwingend gemieden werden müssen», so die Expertin. Wer den Verdacht hat, an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden, sollte in jedem Fall einen Arzt, am besten noch einen Facharzt aufsuchen. Denn unbehandelt können sich im Laufe der Jahre solche Unverträglichkeiten chronifizieren bzw. sich in ihrer Symptomatik deutlich verstärken.

Bei Nahrungsmittelallergien kann es mitunter zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Bei einer plötzlich auftretenden Immunreaktion des Körpers nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel rufen Sie umgehend den Notarzt. Bei einem allergischen Schock können Atemnot und Kreislaufstillstand drohen. Betroffene, die derart empfindlich auf Lebensmittel oder andere Allergene reagieren, sollten ein Allergie-Notfallset bei sich haben.

Diagnose: Welche Tests gibt es?

Zucker-Unverträglichkeiten (etwa gegen Fruktose, Laktose, Saccharose oder Zuckeralkohole wie Sorbit, Xylit) werden in aller Regel mit Atemtests diagnostiziert. Der Testvorgang ist bei all diesen vermuteten Intoleranzen derselbe, nur der eingenommene Zucker unterscheidet sich. Nach eintägigem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, Getränke und Rauchen trinken Betroffene den zu testenden Zucker in einem Glas Wasser aufgelöst. Anschließend notieren sie über drei Stunden hinweg alle 20 Minuten ihre Symptome und atmen in ein Messröhrchen.

Konkret wird der Arzt zum Beispiel einen H2-Laktose-Atemtest durchführen. Personen, die möglicherweise unter einer Fructose- oder Lactoseintoleranz leiden, trinken eine Zuckerlösung. In regelmäßigen Abständen wird dann mit einem speziellen Messinstrument der Wasserstoffanteil in der Ausatemluft gemessen.

Die Diagnostik einer Histaminunverträglichkeit ist kompliziert. Es gibt keinen verlässlichen Labortest, der eine Histaminunverträglichkeit feststellen kann. Die Histaminunverträglichkeit lässt sich auch über die Messung der Aktivität von DAO im Blut erkennen - allerdings nicht unbedingt verlässlich. Eine Zöliakie kann anhand spezifischer Antikörper im Blut und einer Darmspiegelung diagnostiziert werden.

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Praktische Tipps zur Vermeidung und Linderung von Blähungen

  • Führe ein Ernährungstagebuch: Das Ernährungstagebuch hilft bei der Selbsteinschätzung und der Zuordnung von Beschwerden. Habe ich selber schon zu Hause den Verdacht, an einer Unverträglichkeit zu leiden, empfiehlt sich das Führen eines Ernährungstagebuchs.
  • Iss langsamer und bewusst: Hastig essen und ungenügend kauen führen dazu, dass du zu viel Luft schluckst. Langsam essen hingegen bringt’s: Die im Speichel enthaltenen Verdauungsenzyme haben mehr Zeit, aktiv zu werden und die Stärke in Kartoffeln, Pasta, Reis und Brot grob zu zerlegen.
  • Vermeide Ablenkung beim Essen: Chatten, Streamen, Lesen oder Arbeiten lenken beim Essen ab. Das Essen bewusst sehen, riechen und schmecken stimuliert die Ausschüttung von Verdauungsenzymen.
  • Erhöhe Ballaststoffe moderat: Wer verstopft ist, hat häufig Blähungen und einen harten Bauch. Dem kannst du entgegenwirken, indem du täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst isst sowie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte einplanst.
  • Trinke ausreichend: Wasser ist für Verdauung und Stoffwechsel elementar. Trinke täglich mindestens einen Liter Wasser.
  • Reduziere Süssstoffe: Süssstoffe in kalorienfreien Limonaden, Lightprodukten, Kaugummis und Süssigkeiten können Blähungen, Durchfall und Übelkeit verursachen.
  • Wärme, Bewegung und Tee: Da Blähungen oft mit starken Schmerzen und Krämpfen einhergehen, kann Wärme die verkrampften Muskeln entspannen. Leichte Bewegung hilft, Tee wie Pfefferminze, Fenchel, Anis, Kümmel oder Kamille kann entkrampfend wirken.
Heiße Tasse Fencheltee gegen Blähungen

Ernährungsstrategien bei Zucker-Unverträglichkeiten

Das Ziel der Ernährungsstrategie bei Zucker-Unverträglichkeiten ist, den Darm zu beruhigen und Selbstheilungskräfte zu aktivieren, um langfristig wieder eine ausgewogene Kost beschwerdefrei essen zu können. Je nach Schwere der Erkrankung kann das wenige Monate oder auch ein Jahr dauern.

Schon- bzw. Karenzphase: Beim sogenannten Darmfasten sind nur wenige, reizarme Lebensmittel erlaubt: keine Lebensmittel mit Zusatzstoffen, keine Milchprodukte, kein Obst, anfangs kein Gemüse - nur glutenfreie Getreideprodukte, Kartoffeln, Reis, Fisch und qualitativ hochwertige Fette. Ab dem zehnten Tag können fruktosearme Gemüsesuppen eingeführt werden. Die Karenzphase sollte mindestens 4 Wochen eingehalten werden. So kann sich der Darm erholen, die Symptome lassen nach.

Aufbauphase: Schritt für Schritt werden nach individueller Verträglichkeit Gemüse und andere Lebensmittel wieder eingeführt, dabei ein Ernährungstagebuch geführt, um Lebensmittel und eventuelle Symptome zu notieren. Auch weiterhin sollte die Ernährung reizarm sein: kaum Obst, keine Rohkost, vor allen Dingen nicht abends.

Unterstützend gegen Durchfälle kann eine probiotische Trinkkur auf der Basis von Floh-, Fenchel- und Leinsamen plus probiotischen Darmbakterien wirken. Sanfte Bauchmassagen aktivieren die Durchblutung im Bauchraum und fördern die Bewegung des Darms.

Wenn mehrere Intoleranzen zusammenkommen

Bei kombinierten Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten rebelliert die Verdauung gegen so viele Lebensmittel, dass Betroffene kaum noch etwas essen können. Manche Menschen vertragen sogar diverse unterschiedliche Stoffe nicht, sie leiden unter mehreren Unverträglichkeiten gleichzeitig (Multi-Intoleranzen). Wer etwa eine kombinierte Laktose-, Fruktose- und Sorbit-Intoleranz hat, dessen Verdauung rebelliert bei zahlreichen Obst- und Gemüsesorten ebenso wie bei Milch- und den meisten Fertigprodukten.

Eine Theorie geht davon aus, dass bei kombinierten Unverträglichkeiten der Darm komplett irritiert ist. Zusatzstoffe in der Nahrung, eine längere Antibiotika-Einnahme oder schwere Magen-Darm-Infekte können die Darmflora durcheinanderbringen. Andererseits kann er nicht mehr alle für die Verdauung notwendigen Stoffe (etwa Proteine oder Enzyme) herstellen.

Erklärvideo: Atemtests und Laktoseintoleranz

Seelische und allgemeine Aspekte

Die beste Ernährungsmedizin kann nicht fruchten, wenn die Seele gestresst ist. Betroffene sollten daher nicht nur auf ihr Essen achten, sondern auch auf Ihre sonstigen Bedürfnisse. Ruhe und Aktivität sollten individuell richtig ausbalanciert sein. Tägliches Yoga, autogenes Training, Spaziergänge oder Sport leisten einen Beitrag zur Entspannung. Auch Atemübungen oder Singen lockern Anspannungen.

Sechs Ursachen von Blähungen beim Essen

  1. Du isst zu schnell: Hastig essen und ungenügend kauen führen dazu, dass du zu viel Luft schluckst.
  2. Du bist nicht bei der Sache: Ablenkung beim Essen vermindert die Ausschüttung von Verdauungsenzymen.
  3. Dir fehlen Nahrungsfasern: Zu wenig Ballaststoffe begünstigen Verstopfung und Blähungen.
  4. Du trinkst zu wenig Wasser: Wasser unterstützt Verdauung und Stoffwechsel.
  5. Du überforderst deinen Darm mit Süssstoffen: Süssstoffe können Blähungen und Durchfall verursachen.
  6. Du hast eine Lebensmittelunverträglichkeit: Laktose, Fruktose und Gluten gehören zu den häufigen Auslösern.

Praktische Hinweise für die Adventszeit

  • Wer den Verdacht hat, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, sollte einen Allergologen oder eine Allergologin aufsuchen.
  • Beim Kauf von glutenfreiem Mehl sollte man natürlich immer im Hinterkopf haben, was genau man draus backen möchte. Und man sollte sich darauf einstellen, dass das Endprodukt „anders“ als gewohnt schmecken wird.
  • Rosinen, getrocknete Aprikosen und Pflaumen sind eine gute Alternative zum süssen Gebäck - sofern Fruktose vertragen wird.
  • Haben Sie schon zu Hause den Verdacht, an einer Unverträglichkeit zu leiden, empfiehlt sich das Führen eines Ernährungstagebuchs.

Wer betroffene Kinder hat: Vor allem Kinder sind betroffen. Fast ein Viertel aller Nahrungsmittelallergien bei Kindern werden von Hühnerei ausgelöst (23,7 Prozent), gefolgt von Kuhmilch (20,1 Prozent) und Erdnüssen (14 Prozent).

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