Bitterer Honig — Film: Hintergründe, Handlung und Bedeutung
In der beklemmend grauen Industrielandschaft Englands gibt sich ein vereinsamtes Mädchen aus Sehnsucht nach etwas Verständnis und Liebe einem farbigen Matrosen hin. Ein Filmkunstwerk, reich an Atmosphäre, realistischer Beschreibung und darstellerischem Ausdruck.
Entstehung, Vorlage und Regie
Mit A TASTE OF HONEY, der Verfilmung eines Bühnenstückes aus dem Bereich der neuen englischen Literatur, knüpfte Richardson an seine früheren Filme, LOOK BACK IN ANGER (Blick zurück im Zorn, 1959) und THE ENTERTAINER (Der Komödiant, 1960) an. Regisseur Tony Richardson („Hotel New Hampshire“) setzte sich mit dem Sozialdrama an die Spitze des „Free Cinema“.
Die Autorin der Vorlage, Shelagh Delaney, war 19, als sie das Stück schrieb! Richardson hat die Szenerie des Delany-Stückes - »Ein trostloses Appartment ohne jeden Komfort in einer verkommenen Pension in Manchester und die Straße davor« - viel geschickter in die reale Umgebung der Industrie- und Hafenstadt ausgeweitet, als ihm das Hinaustreten aus den vier Wänden von Jimmy Porters Dachbehausung auf Londoner Vorortstraßen in BLICK ZURÜCK IM ZORN geglückt war.
Er hat dabei nur wenig und Unbedeutendes von den Dialogen gestrichen, diese vielmehr derart auf die vermehrten Handlungsorte verteilt, daß sich Wort und Bild zu filmpoetischer Fluidität verbinden. Er konnte dies tun, ohne dem Gehalt des Stückes Gewalt anzutun, weil die Autorin eine dem Gassen- und Gossenjargon abgelauschte, gänzlich unstilisierte Sprache schreibt; sie beobachtet eigentlich mehr als sie dichtet.
Handlung - Personen und Beziehungen
Der Film spielt in der britischen Stadt Salford um 1950. Jo, ein siebzehnjähriges Mädchen aus dem Arbeiterviertel, lebt mit ihrer Mutter Helen in instabilen Familienverhältnissen zusammen. Jo, eine bald achtzehnjährige Pennälerin, lebt mit Helen, ihrer Mutter, zusammen.
Lesen Sie auch: Bitterer Nachgeschmack durch Süßes
Die Mutter, die mehr oder minder seit Jahren die Existenz einer Edelnutte geführt hat, heiratet schließlich einen zehn Jahre jüngeren, florierenden Vertreter mit Glasauge und läßt Jo allein. In den 1950er Jahren wohnt das 17 jährige Mädchen Jo (Rita Tushingham) mit ihrer Mutter Helen (Dora Bryan) in der britischen Stadt Salford. Mutter und Tochter haben dabei nicht das beste Verhältnis zueinander und so zerbricht ihr instabiles Zusammenleben, als Helen sich den weitaus jüngeren, aber sehr viel wohlhabenderen Liebhaber Peter (Robert Stephens) zur Seite stellt. Sie verlässt Jo und diese muss sich fortan allein durchschlagen.
Auf einem Trip ins Seebad Blackpool findet Jo bei einem farbigen Matrosen Liebe und Zuneigung. Auf einem Trip ins Seebad Blackpool findet Jo bei einem farbigen Matrosen Liebe und Zuneigung. Als Helen mit einem neuen Lover abhaut, lässt sie Jo allein zurück. Parallel dazu verliebt sich das Mädchen aus dem Arbeiterviertel in den dunkelhäutigen Matrosen Jimmy (Paul Danquah). Jo erwartet ein Kind von einem schwarzen Matrosen, von dem sie nicht weiß, ob er sich je wieder blicken lassen wird. Als ihr gemeinsames Kind geboren wird, ist der Schiffskoch längst wieder auf See.
Als Jimmy wieder aufs Meer hinausfährt und sie wiederholt auf sich alleine gestellt ist, begegnet sie dem homosexuellen Modestudenten Geoffrey. Sie lernt Geoffrey kennen, einen homosexuellen Kunststudenten, der zu ihr zieht und sich rührend um sie kümmert. Trost findet Jo bei dem schwulen Schuhverkäufer Geoffrey (Murray Melvin): Zusammen kümmern sie sich um Jos Kind. Geoffrey zieht bei Jo ein und übernimmt gleichzeitig die Vaterrolle für ihr Baby. Die 17-jährige Jo zieht ihr Kind mit einem Schwulen groß.
Themen, soziale Einbettung und Stil
Grau liegt Salford in der nordenglischen Landschaft. Die Industriestadt ist auf dem absteigenden Ast: Hier lebt die 17-jährige Jo (Rita Tushingham) mit ihrer Mutter Helen, die gelegentlich auf den Strich geht. Die Industriestadt ist auf dem absteigenden Ast. Ein Klassiker des „Spülstein-realismus“: Regisseur Tony Richardson setzte sich mit dem Sozialdrama an die Spitze des „Free Cinema“.
Es fällt auf, wie sehr dieser Plot in seinem äußerlichen Ablauf demjenigen von »LOOK BACK IN ANGER«, Richardsons erstem Film, ähnelt. Hier wie dort verläßt ein Lebenspartner den andern; ein neuer findet sich, der aber weichen muß, sobald das alte Paar sich wieder zusammentut. Allerdings sind in »A TASTE OF HONEY« die erotischen Beziehungen zwischen den Personen um einige Grade sowohl dekadenter als auch spiritueller.
Lesen Sie auch: Gesundheitliche Lage von Heinz Hoenig im Detail
Die Autorin beobachtet mehr als sie dichtet: sie schreibt eine dem Gassen- und Gossenjargon abgelauschte, gänzlich unstilisierte Sprache. Er hat dabei nur wenig und Unbedeutendes von den Dialogen gestrichen, diese vielmehr derart auf die vermehrten Handlungsorte verteilt, daß sich Wort und Bild zu filmpoetischer Fluidität verbinden.
Figurenprofil - Kurzporträts
- Jo - ein siebzehnjähriges Mädchen aus dem Arbeiterviertel, das nach Liebe und Stabilität sucht; spielt Rita Tushingham.
- Helen - Jos Mutter, die eine instabile Existenz führt und schließlich mit einem jüngeren, wohlhabenden Mann davongeht; gespielt von Dora Bryan.
- Jimmy - ein dunkelhäutiger Matrose, der Jo Zuneigung schenkt, aber nach der Zeugung des Kindes zur See fährt; gespielt von Paul Danquah.
- Geoffrey - ein homosexueller Kunststudent/Schuhverkäufer, zieht zu Jo und übernimmt die Vaterrolle für das Kind; gespielt von Murray Melvin.
Vergleich zu Richardsons früheren Werken
Mit A TASTE OF HONEY knüpfte Richardson an seine früheren Filme, LOOK BACK IN ANGER (Blick zurück im Zorn, 1959) und THE ENTERTAINER (Der Komödiant, 1960) an. Richardson hat die Szenerie des Delany-Stückes viel geschickter in die reale Umgebung der Industrie- und Hafenstadt ausgeweitet, als ihm das Hinaustreten aus den vier Wänden von Jimmy Porters Dachbehausung auf Londoner Vorortstraßen in BLICK ZURÜCK IM ZORN geglückt war.
Hier wie dort verläßt ein Lebenspartner den andern; ein neuer findet sich, der aber weichen muß, sobald das alte Paar sich wieder zusammentut. Allerdings sind in »A TASTE OF HONEY« die erotischen Beziehungen zwischen den Personen um einige Grade sowohl dekadenter als auch spiritueller.
Wirkung und Rezeption
Ein Filmkunstwerk, reich an Atmosphäre, realistischer Beschreibung und darstellerischem Ausdruck. Ein Klassiker des „Spülstein-realismus“. Die rührende Beziehung zwischen Jo und Geoffrey, die Darstellung der sozialen Abgehängtheit und die offene Thematisierung von Rassenbeziehungen und Homosexualität machten den Film und das Bühnenstück zu wichtigen Zeugnissen der neuen englischen Literatur und des britischen Kinos der 1950er/60er Jahre.
Tabelle: Kerninformationen
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Originaltitel | A Taste of Honey |
| Regie | Tony Richardson |
| Vorlage | Stück von Shelagh Delaney (geschrieben mit 19 Jahren) |
| Schauplatz | Salford / nordenglische Industrielandschaft |
| Zentrale Figuren | Jo, Helen, Jimmy, Geoffrey |
| Themen | Armut, Einsamkeit, Liebe, Rassismus, Homosexualität, familiäre Zerwürfnisse |
Die 17-jährige Jo zieht ihr Kind mit einem Schwulen groß - ein Bild, das bis heute provoziert und berührt. Richardson konnte die sprachliche Direktheit der Vorlage bewahren und sie filmisch in eine erweiterte, realistische Umgebung übertragen, wodurch Wort und Bild zu einer filmpoetischen Einheit verschmolzen.
Lesen Sie auch: Herstellungsprozess von Blaue Biene Honig detailliert erklärt
tags: #Bitterer #Honig #Film #Hintergründe #und #Informationen


