Bienen im Winter mit Honig füttern – ausführliche Anleitung
Jedes Jahr in der Zeit von Juli bis September kommt die Zeit für ein Thema der Imkerei: das Bienen Füttern. Du hast den Honig geerntet und somit den Bienen ihren Wintervorrat genommen. Kein Problem, wenn Du jetzt dafür sorgst, dass die Bienen wieder etwas zu fressen haben.
Warum ist die Winterfütterung wichtig?
Die Winterfütterung bildet das Fundament für eine erfolgreiche Imkerei, denn sie sichert das Überleben der Honigbiene während der kalten Monate. Viele Menschen verstehen fälschlicherweise, dass Imker den Bienen Zuckerwasser geben, um den eigenen Honigertrag zu steigern. Tatsächlich handelt es sich um ein faires Tauschgeschäft: Der Imker entnimmt im Sommer den wertvollen Honig und stellt dafür im Herbst Wintervorräte in Form von Zuckerlösung zur Verfügung.
Diese Ersatznahrung verhindert, dass die Bienenvölker in der trachtlosen Zeit bei Schnee und Frost verhungern. Ohne ausreichende Fütterung würden viele Völker den Winter nicht überstehen, besonders während langer Kälteperioden. Da Bienen 4-6 Monate keinen Ausflug unternehmen können, um Nahrung zu sammeln, ist die vom Imker bereitgestellte Futterreserve lebenswichtig.
Der richtige Zeitpunkt für die Zufütterung
Die Winterfütterung in der Imkerei folgt einem präzisen Zeitplan, der sich nach dem natürlichen Rhythmus der Honigbiene richtet. Der erfahrene Imker beginnt bereits im Frühherbst, genauer im September, mit der Zufütterung. Dieser Zeitpunkt ist entscheidend, denn die Bienen müssen die Zuckerlösung noch verarbeiten und einlagern können, bevor die Temperaturen zu stark sinken.
Bei Temperaturen unter 10°C nehmen die Bienenvölker keine Zufütterung mehr an, daher ist ein rechtzeitiger Start der Winterfütterung unerlässlich. Die Fütterung erfolgt idealerweise in den Abendstunden, wenn der Flugbetrieb nachlässt. Dies verringert die Gefahr der Räuberei zwischen verschiedenen Völkern, da der Duft der süßen Lösung bei geringerem Flugverkehr weniger Aufmerksamkeit erregt.
Lesen Sie auch: Honigernte: Eine Frage der Bienenanzahl
Womit füttern? Honig, Zucker oder moderne Futtermittel?
Zum Füttern wird also bei den Bienen grundsätzlich eine Zuckerlösung oder Futterteig verwendet! Wenn Honig, dann nur aus den eigenen Völkern. Achtung! Fremder Honig kommt mitunter aus den entlegensten Regionen der Erde und ist häufig mit Stoffen belastet, denen die Bienen hilflos ausgeliefert sind. Für uns sind diese Stoffe ungefährlich, aber im Bienenvolk können sie unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Moderne Imker verwenden häufig Getreidezuckerlösungen, die dem Honig ähnlicher sind. Diese speziellen Präparate weisen eine wesentlich höhere Ähnlichkeit zum natürlichen Honig auf und werden daher von den Bienen besser akzeptiert. Einige Produkte sind mit zusätzlichen Mineralstoffen und Spurenelementen angereichert, die die Gesundheit der Bienenvölker unterstützen.
Wenn Du Honig verfütterst, solltest Du Vornherein Sorten wie Waldhonig ausschließen, denn Honigtauhonige und MELEZITOSE-haltige Honige sind problematisch. Honigtauhonige sind problematisch, weil sie den Verdauungstrakt belasten und ein Abkoten im Winter nicht möglich ist. Melezitose-Honige sind problematisch, weil sie erstens Honigtauhonige sind und zweitens wenn, dann nur mit Wasser zu verflüssigen sind und Wasser holen ist im Winter schwer möglich und mit hohen Risiken für die Bienen verbunden.
Frühtrachthonige (z. B. mit hohem Rapsanteil) sind dagegen in kristallisierter Form oft unproblematisch, weil sie erstens keine Verdauungsproblematik haben und zweitens auch ohne Wasser alleine durch die Temperatur, die die Bienen auch im Winter erzeugen, verflüssigbar sind.
Die richtige Futtermenge
Je nach Volksstärke benötigt ein Bienenvolk zwischen 10 und 15 Kilogramm Zucker, der im Verhältnis 1:1 mit Wasser gemischt wird. Diese Menge garantiert, dass die Bienen ausreichend Vorräte für die lange Winterperiode haben. Die Fütterung beginnt bereits im frühen Herbst bei Temperaturen über 10°C und umfasst je nach Volksstärke die oben genannten Mengen.
Lesen Sie auch: Warum Bienen Honig produzieren: Eine ausführliche Erklärung
Die Futtermenge wird zudem durch die vorhandenen Pollenvorräte beeinflusst, da dieser eine wichtige ergänzende Nahrungsquelle darstellt. Pollen liefert lebenswichtige Proteine und Mineralien, die für eine ausgewogene Ernährung der Bienen während der Flugpause unerlässlich sind.
Futtermethoden: Vor- und Nachteile
Letzten Endes kommt es darauf an, was Du genau mit Deinen Bienen durch die Fütterung bewirken möchtest und wie Du das Futter einsetzen willst. Die gebräuchlichsten Methoden sind:
- Futterzarge (aufgesetzte Zarge mit Futterbehälter): Du musst keine Rähmchen entfernen, um die Futterzarge zu nutzen. Die Bienen kommen nur über einen kleinen Spalt an das Futter, so können sie nicht die ganze Zarge begehen und dabei Wachs verbauen. Die Futterzarge muss nun so aufgesetzt werden, dass der Zugang zur Futterzarge passend auf dem Zugang zu den Bienen ist.
- Futtertasche (Tüte im Brutraum): Wichtig ist hierbei, dass Du möglichst Rähmchen entnimmst, die kaum bis gar nicht von Bienen besetzt sind. Die Futtertasche wird grundsätzlich nicht zwischen Bruträhmchen gehängt, da dies sich sehr hinderlich auf die gesamte Bruttemperatur auswirken würde.
- Futtereimer (kopfüber aufgesetzt): Futtereimer werden mit dem Deckel kopfüber auf das Bienenvolk gestellt. Dabei sind stecknadelgroße Löcher im Deckel. Befülle nun den Eimer mit Futtersirup, verschließe den Deckel luftdicht und steche ca. Löcher in den Deckel.
- Futterteig (festes Futter): Das Futter ist leicht dosierbar ohne stark zu kleben. Beim Verschütten des Futters besteht die Gefahr der Räuberei, d. h. Du musst nach dem Füttern keine Vorrichtung von Bienen befreien, da der Futterteig meist nicht in einer Vorrichtung wie z. B. Futtertaschen gegeben wird.
Schritt-für-Schritt: Futterzarge einsetzen
- Du bereitest Dich und Deine Werkzeuge vor. Gebe Rauchstöße am Flugloch vom Bienenvolk ab und bei einem offenen Boden gibst Du auch Rauchstöße unter das Volk.
- Die nächsten vier Schritte kommen auf Dich zu, wenn Du eine Futterzarge bei deinem Bienenvolk einsetzen möchtest.
- Du schlägst die Folie um, damit ein ca. Die Futterzarge muss nun so aufgesetzt werden, dass der Zugang zur Futterzarge passend auf dem Zugang zu den Bienen ist. Klar oder? Wenn Du die Futterzarge nun richtig aufgesetzt hast, kannst Du von oben durch den Schlitz der Futterzarge bis zu den Rähmchen Deines Volkes sehen.
- Verschließ Dein Volk, indem Du den Deckel auf die Futterzarge setzt und ggf. einen Gurt um die Beute legst.
Wenn die Futterzarge leer ist, tummeln sich mitunter immer noch eine Menge an Bienen in der Zarge. Wenn nötig entnehme zunächst vorsichtig die Schwimmhilfen. Fege die Bienen behutsam in die Behausung zurück. Du kannst die Zarge auch ruckartig über dem Bienenstock abstoßen. Jetzt kannst Du die Futterzarge einlagern.
Schritt-für-Schritt: Futtertasche einsetzen
- Wichtig ist hierbei, dass Du möglichst Rähmchen entnimmst, die kaum bis garnicht von Biene besetzt sind. Das bedeutet, dass Du z. B. Rähmchen mit Mittelwänden oder Leerrähmchen entnimmst.
- Setze jetzt die Futtertasche ein, indem Du die Tasche an die mit Bienen besetzen Rähmchen hängst. Ggf. musst Du Rähmchen entnehmen, damit die Tasche Platz hat.
- Entnehme zunächst vorsichtig die Schwimmhilfen und stoße dann die Bienen vorsichtig in die Behausung zurück. Jetzt kannst Du die Tasche einlagern.
Sicherheit und Hygiene beim Füttern
Flugloch klein, Futter rein! Der wichtigste Zugang für die Bienen zur Außenwelt ist das Flugloch. Hier schützen sie ihre kostbare Brut und die eingelagerten Speisen von Honig und Pollen. Gerade die kleineren Völker sind für einen Angriff von z. B. anderen Bienenpotenziell gefährlich.
Achte darauf, dass beim Verschütten des Futters Räuberei entstehen kann. Beim Einsatz von Honig zum Füttern gilt: Wenn Honig, dann nur aus den eigenen Völkern. Fremder Honig kann Stoffe enthalten, die im Bienenvolk unerwünschte Nebenwirkungen wie z. B. Krankheiten verursachen können.
Lesen Sie auch: Bienen und Wespen im Vergleich: Honig
Wabenkontrolle und Futterstand abschätzen
Richtwerte geben dir Orientierung, ob dein Volk bereits genug Futter für den Winter eingelagert hat oder ob noch etwas fehlt. Die Angaben sind immer inkl. dem Gewicht der kompletten Bienenbeute. Eine komplett ausgebaute und verdeckelte Futterwabe wiegt ca. 2,5 kg, eine Rähmchenseite ca. die Hälfte (1,25 kg) und wenn der Futterrand nur das obere Drittel einer Wabenseite füllt, teilst Du 1,25 kg durch drei. Dies entspricht dann ca. 400 g.
Du willst auf jeden Fall sicher gehen, dass im August bis September noch genügend leere Zellen für die Königin zum Eierlegen da sind. Stellst Du bei der Futterkontrolle also fest, dass kaum Platz für die Eier der Königin vorhanden ist, dann unbedingt das Füttern einstellen, evtl. Fütter z. B. nach der Honigernte im Juli erst einen Teil und im August dann den zweiten.
Tipps zur Honigverfütterung und Konsistenz
Bei Flugwetter bekommen die Bienen den Honig in jeder Konsistenz umgetragen - egal ob aus der Fütterung oder aus einer Wabe. Sollte er aber im Winter kristallisiert sein, bekommen sie ihn schlecht raus. Achtung: zäher Honig wird eventuell weicher beim Füttern und dann verkleben die Bienen drin.
Natürlich wäre eine dünnflüssige Konsistenz das Beste, aber wenn ich den Honig stark verdünne und er wird nicht so schnell abgenommen, fängt er an zu gären. Wenn man den mit Wasser mischt sind immer noch dieselben Zuckersorten drin. Eine gegärte Fütterung kann für die Honigbiene gesundheitsschädlich sein und zu Durchfallerkrankungen führen.
Milbenbehandlung und weitere Wintersorgen
Die Milbenbehandlung ist ein weiterer, wichtiger Schritt in der Vorbereitung auf den Winter. Bei jedem Eingriff in dein Volk gibt es unzählige Dinge, auf die Du achten kannst, für den Anfang beschränken wir uns erst einmal nur auf die Futterversorgung und die Milbenbelastung. Dies sind für dich als Anfänger zunächst die wichtigsten Kriterien, die Du im Auge behalten solltest.
Praxisbeispiele und Alltagsfragen
Du hast bereits gefüttert und das Brutnest droht dadurch eingeschränkt zu werden, dass viele Zellen mit Futter gefüllt sind. Fütter z. B. nach der Honigernte im Juli erst einen Teil und im August dann den zweiten. Ausnahme: Der Bienenschwarm hing schon über viele Tage in der Natur und ist ausgehungert. Das erkennst Du daran, dass sich die Bienen auch bei warmem Wetter nur sehr mühsam bewegen.
Ich frage mich ja eher, warum man sich die Arbeit macht? Erst ernten, dann wieder füttern. Da würde ich weniger ernten und ggf. die Bienen direkt umziehen lassen. Ja, das ist richtig mit der Doppelarbeit. Aber ich imkere mit halbhohen Aufsätzen und Dickwaben. Da bleibt dann im Brutraum nicht genug Honig für den Winter.
Kurze Anleitung zur Kontrolle nach dem Füttern
- Sieh Dir den Futterverbrauch an und passe die Menge an die Eintragungsgeschwindigkeit an.
- Achte darauf, dass die Zuckerlösung nicht länger als 3-5 Tage im Futtertrog verbleibt, um eine Gärung zu verhindern.
- Halte die Fluglöcher bei Räubergefahr klein und füttere bevorzugt in flugarmen Abendstunden.
- Überprüfe bei der Wabenkontrolle den Platz für Eier und stoppe ggf. die Zufütterung.
| Futtermethode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Futterzarge | Kein Entfernen von Rähmchen, kontrollierter Zugang, einfache Handhabung | Zusatzgewicht, evtl. Bauaktivität in Zarge |
| Futtertasche | Direkt im Brutraum, wenig Raumverlust | Rähmchenentnahme nötig, Schwimmhilfe erforderlich |
| Futtereimer | Große Menge, weniger direkten Kontakt | Bohrlöcher müssen korrekt sein, evtl. Verschütten |
| Futterteig | Einfach dosierbar, geringes Räuber-Risiko | Kann klebrig sein, falsche Platzierung stört Brut |
Nach diesem Artikel ist das Bienen Füttern für Dich nur noch eine Frage der Methode, die zu Dir passt. Du musst keine Rähmchen entfernen, um die Futterzarge zu nutzen. Die Bienen kommen nur über einen kleinen Spalt an das Futter, so können sie nicht die ganze Zarge begehen und dabei Wachs verbauen. Bei Kühlen Temperaturen kann das Futter direkt an die Bienentraube gehängt werden.
tags: #bienen #im #winter #mit #honig #füttern


