Annika Honig: Werdegang und Hintergrund
Honig ist in Deutschland ein sehr beliebtes Naturprodukt - die Menschen hier sind Weltmeister im Honigverbrauch, mit über einem Kilogramm pro Kopf und Jahr. Doch hinter diesem „süßen Gold“ verbirgt sich weit mehr als nur ein süßer Brotaufstrich: Es ist ein Produkt mit einer faszinierenden Vielfalt an Aromen, Texturen und Geschichten. Eine bedeutende Persönlichkeit, die sich intensiv mit Honig und der Imkerei beschäftigt, ist Annika Singer. Ihre Leidenschaft und ihr Engagement geben einen einzigartigen Einblick in die bunte Welt der Honigproduktion und -verkostung.
Annika Singers Leidenschaft für Honig und Bienen
Annika Singer war schon immer von Honig und seinen verschiedenen Aromen begeistert. 2013 begann sie ihre Ausbildung zur Jungimkerin und wurde stolze Besitzerin ihres ersten Bienenvolkes. Ihre Bienen - darunter Königin Berta I mit ihrem Hofstaat - stehen in einem Nymphenburger Garten, weitere Völker beziehen die Isarauen in Grünwald. Von der Natur fasziniert, hat sie ihr Hobby zur Passion gemacht und bietet heute regelmäßig Honig-Degustationen unter dem Titel „Honigschlecken“ an.
„Honig ist nicht gleich Honig“, betont Singer gerne. Dabei vergleicht sie die Vielfalt der Honigsorten und deren Geschmack mit der Vielfalt und Vielfalt im Wein. Die Unterschiede sind dabei nicht nur geschmacklich, sondern betreffen auch Textur, Farbe und Geruch.
Honigschlecken: Die Honigverkostungen
In Singers zweistündigen Seminaren experimentieren Teilnehmer mit zehn verschiedenen Honigsorten. Sie machen sich Notizen zu ihren geschmacklichen Vorlieben und finden so ihren persönlichen Honigtyp heraus. Die Seminare finden oft an besonderen Orten statt, wie zum Beispiel bei einem späten Frühstück in der Espressothek an der Romanstraße in München.
Die Honige stammen aus heimischen und mediterranen Regionen, wie München, Ligurien, Apulien oder der Provence. Jedes Glas erzählt eine Geschichte von der Region, den Blüten und den Bienen. Die Verkostung geschieht mit viel Wissen im Hintergrund: „Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 1,5 Kilo Honig pro Jahr liegen die Deutschen ganz weit vorne“, erklärt Singer. Dabei könne nur etwa 20 Prozent des Bedarfs durch heimische Imker gedeckt werden, der Rest werde importiert.
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Die Honigtypen
- Süßer Typ: Bevorzugt helle Sorten wie Raps-, Akazien-, Orangenblüten-, Löwenzahn-, Sonnenblumen- oder Lavendelhonig. Diese Honige sind cremig gerührt, süß und wenig sauer. Typischerweise werden sie zum Frühstück, in Nachspeisen oder im Tee genossen.
- Kräftiger Typ: Liebt dunklere Sorten wie Lindenblüten-, Heide-, Eukalyptus-, Wald- oder Kastanienhonig. Diese zeichnen sich durch Bernsteintöne bis Dunkelbraun, weniger Süße, höhere Säure und Bitterstoffe aus. Sie werden gerne pur verzehrt oder mit Käse und Wein kombiniert.
- Offener Typ: Ist geschmacklich flexibel und experimentierfreudig, bewegt sich zwischen süßen und kräftigen Sorten und wählt je nach kulinarischem Zusammenhang.
Die Degustation hilft, die Vielfalt des Honigs besser zu verstehen und bewusst zu erleben. Die Teilnehmer lernen, wie sie den Honig richtig schmecken und genießen können - zum Beispiel durch Schmelzenlassen im Mund und kombinieren mit Speisen wie Käse.
Hintergrundwissen und Herausforderungen der Imkerei
Annika Singer gibt auch Einblicke in die Imkerei und ihre Herausforderungen. Sie weist darauf hin, dass Billigimporte und gepanschter Honig deutschen Imkern erheblichen Druck machen. Untersuchungen zeigen, dass in manchen Importprodukten auch Zuckersirup beigemischt wird, was als Lebensmittelbetrug gilt. Michael Bartel vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerverbund betont, dass das Beimischen von Sirupen ein lukratives Betrugsfeld darstellt, besonders Honig aus China gelangt in die EU zu Dumpingpreisen.
Die Vielfalt hochwertiger, lokal hergestellter Honige droht durch die billige Massenware verloren zu gehen. „Es ist traurig, dass die Qualität dieses Naturprodukts im Supermarkt verloren geht“, sagt ein junger Berufsimker aus Euskirchen, der jährlich 50 Kilogramm Honig pro Volk produziert. Für ihn ist Honig mehr als ein Produkt: „Es beeindruckt mich zu sehen, was die Bienen in Gemeinschaft leisten können.“
Der Wert der Imkerei in Deutschland
Imkerei bedeutet für viele Menschen mehr als Honigernte. Es geht um Verantwortung für Tiere, Nähe zur Natur und die Teilnahme an einem empfindlichen Ökosystem. Die Arbeit mit den Bienen hat etwas Beruhigendes - das Summen selbst wird oft als natürliche Entspannung erlebt. Gleichzeitig stellen die Imker strenge Hygienevorschriften und fair bezahlte Arbeit sicher.
Auf der Food & Life-Messe in München erklärt Annika Singer, wie man seinen persönlichen Honigtyp entdecken kann. Mit Seminaren und Verkostungen fördert sie das Bewusstsein für Qualität und Vielfalt von Honig und setzt sich gegen die Dominanz billiger, industrieller Honigimporte ein.
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Honig als vielseitiges Genussmittel
| Honigsorte | Herkunft | Geschmacksprofil | Preisbeispiel (140g) |
|---|---|---|---|
| Frühjahrsblütenhonig mit Raps | Münchner Umland | Hell, süß, cremig | 3,50 Euro |
| Akazienhonig | Ligurien, Italien | Sehr mild, leicht blumig | 5,00 Euro |
| Lindenblütenhonig | München | Bernsteinton, mentholisch | 3,50 Euro |
| Waldhonig | Augsburger Umland | Dunkel, kräftig, holzig | 4,00 Euro |
| Lavendelhonig | Provence, Frankreich | Blumig, aromatisch | 5,00 Euro |
| Edelkastanienhonig | Ligurien | Eher herb, würzig | 3,50 Euro |
Diese große Palette an Honigen zeigt, wie breit das Spektrum dieses Naturprodukts ist und wie sehr es davon abhängt, wo und wann der Honig geerntet wird. Honig bietet für jede Geschmacksvorliebe das Passende - vom süßen Frühstückshonig bis zum kräftigen Genuss in Kombination mit Käse und Wein.
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