Aloe Vera Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel

Die Einnahme von Aloe vera scheint sich positiv auf den Blutzuckerspiegel von prädiabetischen und diabetischen Patientinnen und Patienten auszuwirken. Jedoch bleibt ungeklärt, wie und mit welchen Nebenwirkungen.

Hintergrund: Diabetes und Bedarf an neuen Ansätzen

In Deutschland leben etwa sechs Millionen Menschen mit Diabetes Mellitus (DM). Die Dunkelziffer ist noch höher. Und die Zahl nimmt leider weiter dramatisch zu. Globale Daten der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) aus dem Jahr 2015 zeigen immensen Zuwachs weltweit und in Deutschland. Es wird in drei Haupttypen der Diabetes unterteilt. Über 90 Prozent der Erkrankten Deutschen sind Typ-2-Diabetiker. Die chronische Stoffwechselkrankheit zeigt sich durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Langfristig können Blutgefäße und Nerven geschädigt werden und somit Organprobleme entstehen.

Überblick über klinische Untersuchungen zur oralen Einnahme

Neun Studien im Überblick: Mit ihrer Metaanalyse untersuchten kalifornische Wissenschaftler die Wirksamkeit der oralen Einnahme von Aloe vera bei Diabetikern. Sie beobachteten hierbei insbesondere, ob sich der Blutzucker- und Hämoglobingehalt verringerten. Wesentliche Verringerung beider untersuchten Parameter konnten in allen Teilgruppen der neun Studien beobachtet werden. In drei der neun Studien wurde Aloe vera-Saft verabreicht, eine nutzte Aloe-Gel zum Verzehr, vier Aloe gel-Kapseln und eine getrocknetes Aloe-Harz. Der Zeitraum der Verabreichung variierte zwischen vier und 14 Wochen.

Aloe-Vera-Blätter und Gel

Ergebnisse zu Nüchternblutzucker und HbA1c

Die meisten klinischen Studien zeigen, dass die orale Einnahme von Aloe vera den Nüchternblutzucker und das HbA1c (glykosyliertes Hämoglobin) bei erwachsenen Patienten mit Diabetes und in der Prädiabetesphase senken kann. Eine Analyse mit 92 Patienten zeigt, dass Aloe vera mit einer insgesamt stärkeren Senkung des Nüchternblutzuckers verbunden ist bei Patienten, deren Nüchternblutzuckerspiegel ≥ 200 mg/dL war. Die wirksamste Dosis und Formulierung von Aloe für die Behandlung von Diabetes sind nicht geklärt. Aloe-vera-Gel-Pulver, roh zerkleinerte Aloe-Blätter und Aloe-vera-Saft wurden über 4 bis 14 Wochen eingesetzt. Feste Aloe-Formulierungen im Bereich von 100 bis 1.000 mg pro Tag wurden verwendet.

Tier- und weitere klinische Befunde

Tierversuche deuten darauf hin, dass Aloe-Gel hypoglykämische Wirkungen haben kann. Der mögliche Wirkmechanismus ist die Stimulation der Betazellen (Untersuchungen an diabetischen Mäusen), was zu einer Verringerung der Blutzuckerspiegel führt. Kim et al. (2009) verwendet, um Mäuse 4 Wochen alt gefüttert wurden, eine fettreiche Ernährung, kohlenhydratarme Diät und ALOE VERA für 8 Wochen verabreicht. Aloe Verabreichung signifikant verringert den Blutzuckerspiegel der Mäuse und verringerte Größe von Adipozyten. Yongchaiyudhaet al. (1996) führte eine Studie mit 72 Frauen mit Diabetes, die eine Dosis von einem Löffel ALOE VERA und die Kontrollgruppe 42 Tage lang ein Placebo erhielten.

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Aloe-Vera Forschung und Wirkung auf Stoffwechsel (Erklärvideo)

Bekannte Inhaltsstoffe und vermutete Wirkmechanismen

Das Gel beinhaltet sogenannte Glucomannane, stärkeähnliche Substanzen aus Kohlenhydratketten, die eine positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel haben könnten. Rund 160 pflanzliche Inhaltsstoffe haben vielerlei positive, angenehme, nützliche und wohltuende Wirkungen auf die Haut und den Körper. Mindestens 75 Wirkstoffe der Aloe vera könnten dafür in Frage kommen. Ob beispielsweise Phytosterine oder Polysacharide dazu beitragen, sei vorerst dahingestellt und konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Der Inhaltsstoff Acemannan unterstützt das Immunsystem, indem er durch die Aktivierung bestimmter Zellen und Antikörper die Abwehr unseres Körpers gegen die Krankheitserreger aktivieren hilft.

Sicherheit, Nebenwirkungen und regulatorische Hinweise

Keine Sicherheit für Nebenwirkungen auf lange Sicht: Fünf der betrachteten Studien zeigten, dass Aloe vera keine die Leber oder Nieren betreffenden Nebeneffekte zeigt, wohingegen in einzelnen Fällen akute Hepatitis und Dysfunktionen der Schilddrüse durch die Nahrungsergänzung mit Aloe vera auftraten. Wie die Wissenschaftler selbst herausstellen, ist allen neun Studien eine zu kleine Stichprobengröße gemeinsam. Der große Unterschied zwischen den Zeiträumen der Verabreichung, die fehlenden Standards hinsichtlich der Produktreinheit, undokumentierte Vorgänge zu Gewichtsveränderungen der Probanden, Begleitmedikation, Verstopfung oder Ähnlichem wurden nicht dargelegt. Ebenfalls konzentrierten sich die Wissenschaftler bei den ausgewerteten Versuchen allein auf englische Studien.

Der genaue Mechanismus zur Senkung des Blutzuckerspiegels und des Hämoglobingehalts durch den Verzehr von Aloe vera bleibt bisher unerkannt. Die genaue Zusammensetzung der verwendeten Produkte variierte stark, was die Vergleichbarkeit einschränkt.

Hydroxyanthracenderivate (HAD) und Risiken

Der äußere Teil des Aloe-vera-Blattes sondert eine gelbliche Flüssigkeit ab (genannt Latex oder Saft), die reich an hydroxyanthracenischen Derivaten (DHA) ist, Moleküle, die eine sehr starke abführende Wirkung haben. Die Hydroxyanthracenderivate (HAD), die für die abführende Wirkung verantwortlich sind, können zu zahlreichen, umfangreich dokumentierten Nebenwirkungen führen. Die EFSA weist darauf hin, dass diese HAD auch DNA schädigen und krebserregend sein können. Die verfügbaren Daten ermöglichten es der EFSA nicht, eine tägliche Dosis für die HAD festzulegen, die keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen hat. Darüber hinaus stellt die EMA fest, dass die empfohlene Tagesdosis in standardisierten pflanzlichen Zubereitungen in flüssiger oder fester Form einer Menge von 10 - 30 mg Hydroxyanthracenderivaten, ausgedrückt als Aloin, entspricht. Die Anwendungsdauer darf eine Woche nicht überschreiten. Wenn die Symptome anhalten, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Thrombozytenaggregationshemmer/Antikoagulanzien: mäßige Wechselwirkung. Aloe vera scheint Thromboxan A2 und Prostaglandine zu hemmen und kann daher die Thrombozytenaggregation verringern. Theoretisch kann die gleichzeitige Anwendung von Aloe und anderen Thrombozytenaggregationshemmern die Thrombozytenaggregation reduzieren und das Blutungsrisiko erhöhen. Antidiabetika: mäßige Wechselwirkung. Klinische Studien deuten darauf hin, dass Aloe-Gel den Blutzuckerspiegel senken und das Risiko einer Hypoglykämie erhöhen kann, wenn es zusammen mit Antidiabetika angewendet wird.

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Anwendungsformen, Dosierung und praktische Hinweise

Oral angewendet kann das Aloe-Gel sicher verwendet werden. Es wurde sicher in einer Dosierung von 15 ml pro Tag über maximal 42 Tage angewandt. Aloe-vera-Gel-Pulver, roh zerkleinerte Aloe-Blätter und Aloe-vera-Saft wurden über 4 bis 14 Wochen eingesetzt. Feste Aloe-Formulierungen im Bereich von 100 bis 1.000 mg pro Tag wurden verwendet. Die wirksamste Dosis und Formulierung von Aloe für die Behandlung von Diabetes sind nicht geklärt.

Wann Vorsicht geboten ist

Die Anwendungsdauer für standardisierte Zubereitungen mit Hydroxyanthracenderivaten sollte eine Woche nicht überschreiten. Personen, die Antidiabetika einnehmen, sollten Aloe mit Vorsicht anwenden, da das Risiko einer Hypoglykämie besteht. Bei andauernden Symptomen oder Unsicherheiten ist ärztlicher Rat erforderlich.

Vergleich mit anderen pflanzlichen Ansätzen

„Zimt senkt den Blutzuckerspiegel“, „Aloe Vera gegen Diabetes“ - solche Schlagzeilen kommen mit steter Regelmäßigkeit in die Presse. Tatsächlich finden sich in einer ganzen Reihe von Pflanzen Substanzen, die den Blutzuckerspiegel effektiv senken. Hoffnung auf ein rein pflanzliches Antidiabetikum will Manfred Schubert-Zsilavecz dennoch nicht schüren. „Zum einen sind die Substanzen meist nur in sehr niedriger Konzentration enthalten. Zum anderen variiert der Wirkstoffgehalt stark.“ Doch gerade für die Senkung des Blutzuckerspiegels ist es wichtig, dass man eine exakt definierte Wirkung habe, sonst droht Unterzuckerung. „Ich sehe die Natur eher als Vorbild für die Entwicklung neuer Arzneimittel“, sagt der Leiter der Pharmazeutischen Analytik an der Universität Frankfurt. Seine Arbeitsgruppe hat zum Beispiel in den traditionellen Heil- und Gewürzpflanzen Salbei und Rosmarin Substanzen gefunden, die wie Glitazone wirken.

Einen anderen Weg geht Helmut Wiedenfeld, Phytochemiker an der Universität Bonn. Er untersucht mit wissenschaftlichen Methoden, wie zum Beispiel die Schamanen in Südamerika ihre Kranke behandeln. Das Phänomen Diabetes Typ II ist durchaus auch den mexikanischen Einheimischen bekannt. Heilkundige verabreichen Betroffenen einen Aufguss aus der Pflanze Guarumbo, wissenschaftlich Cecropia Obtusifolia genannt. Die Pflanze enthält unter anderem Glukosidase-Inhibitoren, wirkt also ähnlich wie Acarbose. Erste klinische Studien mit einem Pflanzenextrakt als Kapsel waren bereits erfolgreich. Auch der Wurzelextrakt aus Malmea depressa, einer Heilpflanze aus der Gegend um Yucatan, scheint vielversprechend zu sein.

Praktische Tipps und ergänzende Ernährungsmaßnahmen

Die Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Blutzuckerspiegels ist entscheidend für die Gesundheit und betrifft nicht nur Menschen mit Diabetes. In diesem Artikel stellen wir Ihnen Lebensmittel vor, die dabei helfen können, den Blutzuckerspiegel zu reduzieren. Müdigkeitserscheinungen, Schwierigkeiten bei der Konzentration und Erschöpfung - nicht nur Diabetiker sind von einem erhöhten Blutzuckerspiegel betroffen. Personen, die permanent mit hohen Blutzuckerwerten zu kämpfen haben, können mit diesen Nahrungsmitteln die Werte auf natürliche Art und Weise verbessern.

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Lebensmittel Wirkung auf Blutzucker
Knoblauch Senkt Blutzucker und LDL, entzündungshemmend
Linsen (Hülsenfrüchte) Langsame Verdauung, reduziert Blutzuckeranstieg
Zimt Hilft Zellen, Zucker rascher aufzunehmen
Extra natives Olivenöl Blutzuckersenkender Effekt, reich an ungesättigten Fettsäuren
Bittermelone Extrakte senken Nüchternblutzucker, enthält Phytosterine
Grünes Blattgemüse Wenig Kohlenhydrate, viele Ballaststoffe und Mikronährstoffe
Aloe Vera (Gel) Enthält Glucomannane; orale Einnahme zeigte blutzuckersenkende Effekte

Offene Fragen und Forschungsbedarf

Somit lässt sich festhalten, dass in Zukunft mehr Forschung zu Aloe vera bei Diabetes betrieben werden sollte. Der genaue Mechanismus zur Senkung des Blutzuckerspiegels und des Hämoglobingehalts durch den Verzehr von Aloe vera bleibt bisher unerkannt. Mindestens 75 Wirkstoffe der Aloe vera könnten dafür in Frage kommen. Ob beispielsweise Phytosterine oder Polysacharide dazu beitragen, sei vorerst dahingestellt und konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Wie die Wissenschaftler selbst herausstellen, ist allen neun Studien eine zu kleine Stichprobengröße gemeinsam.

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