Herstellungsprozess von Schokolade aus Kakaobohnen: Schritt für Schritt

Vom tropischen Regenwald bis zur fertigen Tafel: Die Herstellung von Schokolade ist ein faszinierender, vielschichtiger Prozess. Jede Tafel birgt eine lange Handwerksgeschichte und zahlreiche sorgfältig abgestimmte Arbeitsschritte. Dieser Artikel begleitet die Schokolade von der Blüte des Kakaobaums bis zum knackenden Genuss und zeigt, wie aus rohen Kakaobohnen eines der beliebtesten Genussmittel der Welt entsteht.

1. Der Ursprung: Kakaobaum, Blüte und Frucht

Kakaopflanzen gedeihen in tropischen Regionen rund um den Äquator. Zentral- und Südamerika sowie Westafrika und Südostasien liefern den Rohstoff für die Schokoladenherstellung. Der sensible Baum benötigt Schatten, Feuchtigkeit und konstante Wärme, um große Früchte direkt am Stamm zu bilden.

Alles beginnt mit einer kleinen Blüte, die direkt am Stamm des Kakaobaumes sprießt und nur für wenige Stunden aufblüht. In dieser kurzen Zeit muss die Bestäubung gelingen, entweder durch winzige Mücken oder per Hand mit einem Pinsel.

Kakaobäume und Kakaofrüchte

In den rund 500 Gramm schweren, ovalen Kakaofrüchten liegen 30-50 Samen, eingebettet im süßlich-frischen Fruchtfleisch. Die Früchte werden mit Messern von den Bäumen getrennt - oftmals mit äußerster Sorgfalt, um die Pflanzenteile nicht zu verletzen. Die Früchte werden am Sammelplatz mit Macheten geöffnet und die Bohnen mitsamt Fruchtfleisch herausgeholt.

2. Fermentation: Bildung des Kakaogeschmacks

Unmittelbar nach der Ernte folgt die Fermentation - der erste, wichtigste Schritt für das Kakaoaroma. Die Bohnen werden auf Bananenblättern oder in Holzkisten ausgebreitet und für fünf bis sieben Tage mit weiteren Blättern abgedeckt. Während der Fermentation zersetzt sich das zuckerhaltige Fruchtfleisch, die Bohnen verlieren ihre Keimfähigkeit und werden haltbar.

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  • Temperaturen von bis zu 50 °C entstehen, der Gärprozess setzt Aromen und Wärme frei.
  • Essigsäure und andere Stoffe dringen in die Bohne ein, bauen Bitterstoffe ab und verändern Farbe und Struktur.
  • Die Bohnen werden in der Regel gewendet, um eine gleichmäßige Fermentation zu erzielen.

Die genaue Dauer variiert je nach Kakaosorte, zwischen 2 und 7 Tagen. Chocolatiers mit eigenen Plantagen verlängern gern die Fermentation, um eine größere Aromenvielfalt zu erzielen.

Fermentation von Kakaobohnen

3. Trocknung: Haltbarkeit und Aromaentwicklung

Nach dem Fermentieren enthalten die Bohnen bis zu 60% Wasser und müssen getrocknet werden. Sie werden auf Matten oder Tabletts ausgebreitet, ein bis zwei Wochen lang intensiver Sonne ausgesetzt und regelmäßig gewendet.

  • Das Gewicht halbiert sich, der Wassergehalt sinkt auf maximal 7%.
  • Sonnentrocknung ist besonders in Amerika und Afrika verbreitet, künstliche Wärmequellen kommen in regnerischen Regionen zum Einsatz.
  • Korrekte Trocknung ist essenziell für die Haltbarkeit; zu wenig oder zu starke Trocknung kann zu Schimmel oder Bruch führen.

Nach der Trocknung wird die Qualität geprüft und die Bohnen nach Größe sortiert.

Trocknung von Kakaobohnen auf Tabletts

4. Transport und Auswahl der Bohnen

Die Kakaobohnen werden meist in 50- bis 70-Kilo-Jutesäcken abgefüllt und verschifft - meistens nach Europa oder Nordamerika. Dort angekommen, lagern sie in Umschlagplätzen wie Amsterdam, Rotterdam oder Hamburg, bis sie von Chocolatiers abgerufen werden.

ZielregionTransportform
Europa/NordamerikaJutesäcke oder Container
SchokoladenfabrikVerarbeitung gemäß Bedarf
Transport und Lagerung von Kakaobohnen

5. Reinigung und Rösten: Entwicklung des Aromas

Vor der Verarbeitung werden die Bohnen gereinigt und Fremdkörper entfernt. Dann folgt das Rösten - ein entscheidender Schritt zur Herausbildung der bis zu 400 verschiedenen Kakaoaromen.

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  • Rösttemperaturen liegen zwischen 100°C und 140°C, meist abhängig von Sorte, Qualität und gewünschtem Endprodukt.
  • Bei der Bohnenröstung wird die ganze Bohne geröstet, erst dann geteilt. Alternativ kann man die Nibs rösten - dabei werden die Bohnen zuerst gebrochen, dann die Kerne (Nibs) geröstet.
  • Bohnen verlieren weiter Feuchtigkeit, chemische Prozesse intensivieren den Geschmack.

Edelkakaos werden bei niedrigeren Temperaturen geröstet (100°C bis 115°C) - je nach Endprodukt und Aromaprofil.

Röstprozess von Kakaobohnen

6. Mahlen: Von Kakaonibs zur Kakaomasse

Nach dem Rösten werden die Kakaobohnen aufgebrochen, die Schale wird entfernt. Übrig bleibt der aromatische Kern, die Nibs. Diese Nibs werden mechanisch gemahlen - entweder traditionell per Hand oder industriell mit Kugelmühlen und Walzwerken. Das Mahlen erzeugt Reibungswärme, die die Kakaobutter zum Schmelzen bringt.

  • Die Kakaobutter wird freigesetzt, umhüllt die Mahlgutpartikel und bildet die Kakaomasse.
  • Industrie nutzt Mahlwerke mit Metallkügelchen, um das Zellgewebe der Kakaokerne aufzuspalten.
  • Die Kakaomasse ist das Ausgangsprodukt, aus dem durch Mischen mit weiteren Zutaten viele Schokoladensorten entstehen.

Je nach Rezeptur werden Zucker, Milchpulver, Sahnepulver, Kakaobutter und andere Zutaten hinzugefügt. Die Mischung variiert von 100% Kakaobohnen-Schokoladen bis hin zu Milch- oder Sahnesorten mit Vanille, Zimt, Nüssen und weiteren Bestandteilen.

Mahlen und Mischung der Schokolade

7. Walzen: Verfeinerung der Schokoladenmasse

Die Mischung wird durch Walzen weiter verfeinert. In der Industrie wird sie zwischen schweren Walzen - unter großem Druck und niedriger Temperatur - erst grob, dann fein gewalzt. Traditionell nutzen Chocolatiers Granitmahlsteine oder Mélangeurs.

Im Raffineur wird die Kakaomasse zu hauchdünnen Schichten ausgerollt, wodurch die Partikelgröße minimiert und die Textur perfektioniert wird.

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8. Conchieren: Vollendung von Geschmack und Schmelz

Das Conchieren ist das Herzstück der Schokoladenherstellung. Rodolphe Lindt erfand eine Maschine, die das Vermischen und Erwärmen revolutionierte. Die Schokoladenmasse wird in der Conche über viele Stunden bewegt und auf 90°C erwärmt, wobei Feuchtigkeit, Säuren und unerwünschte Geschmacksstoffe entzogen werden.

  • Kakaobutter schmilzt erneut und umhüllt die feinen Partikel der Schokoladenmasse sowie die übrigen Zutaten.
  • Die Textur verfeinert sich, das Aroma rundet sich und der berühmte Schmelz entsteht.
  • Je nach gewünschtem Ergebnis kann der Prozess zwischen 12 und 48 Stunden dauern.
Conchieren in der Schokoladenherstellung

9. Temperieren: Kristallstruktur für Glanz und „Knack“

Die flüssige Schokolade wird vor dem Formen temperiert - ein kontrolliertes Erhitzen und Abkühlen, um die Kakaobutterkristalle gezielt auszurichten. Typisch sind Temperaturstufen: Zunächst auf 45°C, dann auf 28°C und abschließend knapp über 30°C.

  • Nur durch dieses Temperieren entstehen Glanz, Schmelz und das charakteristische Knacken beim Brechen der Schokolade.
  • Schokolade wird in Formen gegossen, zum Beispiel als Tafeln, Riegel oder Figuren.
  • Anschließend erfolgt die Abkühlung - meist in Kühltunneln mit Vibrationsförderbändern zum Entweichen von Luftblasen.

Ein häufiger Fehler ist die Ausbildung von Fettreif - dabei entstehen große, sichtbare Fettkristalle. Dies wird durch das Impfen mit Musterkristallen verhindert.

Temperieren und Gießen der Schokolade

10. Verpackung und Genuss - Schokolade mit Geschichte

Ist die Schokolade fest und in ihrer perfekten Kristallstruktur, wird sie verpackt - heute meist maschinell, zeitnah nach dem Abkühlen, um die Produkteigenschaften zu erhalten. Jede Tafel Schokolade steht für Genuss und jahrtausendealte Tradition. Bereits Maya und Azteken nutzten Kakao als rituelles Getränk und Wertmaßstab.

Nicht nur als Tafelschokolade, sondern auch als Getränk, Pulver, Praline oder Eis begegnet uns Kakao heute. Moderne Innovationsschritte wie Ruby-Schokolade zeigen, wie dynamisch die Welt der Schokolade weiterhin ist.

Genuss von Schokolade

Zusammenfassung der Schritte im Herstellungsprozess

  1. Kakaobäume wachsen im tropischen Regenwald.
  2. Ernte und Öffnen der Kakaofrüchte.
  3. Fermentation zur Aroma- und Haltbarkeitsbildung.
  4. Trocknung zur Reduzierung des Wassergehalts und Aromaentwicklung.
  5. Transport und Sortierung der Bohnen.
  6. Reinigung und Rösten für Aroma und Geschmack.
  7. Mahlen der Nibs zur Kakaomasse.
  8. Mischen und Walzen mit weiteren Zutaten.
  9. Conchieren zur Perfektionierung von Textur und Aroma.
  10. Temperieren für Glanz und „Knack“ der Schokolade.
  11. Gießen in Formen und Verpacken für den Genuss.

Für eine 100-Gramm-Tafel Schokolade werden etwa 50 Kakaobohnen benötigt.

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