Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Bluthochdruck: Ursachen und wissenschaftliche Erkenntnisse
Bluthochdruck ist eine weitverbreitete Erkrankung und eine der wichtigsten veränderbaren Risiken für Herz‑Kreislauf-Erkrankungen. In diesem Beitrag werden Ursachen, Mechanismen und wissenschaftliche Befunde zum Zusammenhang von Zuckerkonsum und erhöhtem Blutdruck zusammengefasst.
Was ist Bluthochdruck?
Als Blutdruck wird der Druck des Blutes in den Gefäßen bezeichnet. Bei der Blutdruckmessung werden zwei Werte bestimmt. Der systolische Blutdruck und der diastolische Blutdruck. Diese Werte geben den Druck in den arteriellen Gefäßen in verschiedenen Pumpphasen des Herzens an. In der Systole wird das Blut aus dem Herz gepumpt. In dieser Phase ist der Blutdruck höher. In der Diastole füllt sich das Herz mit Blut, bevor es bei der nächsten Systole wieder herausgepumpt wird. In der Diastole ist der Druck in den Gefäßen niedriger. Ein normaler Blutdruck liegt bei 120/80 mmHg (Millimeter-Queckslibersäule). Bei Bluthochdruck ist der Druck des Blutes in den Gefäßen erhöht. Ab einem Wert von 140/90 mmHg spricht man von einem Bluthochdruck.
Wie häufig treten Bluthochdruck und Diabetes gemeinsam auf?
Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes treten häufig zusammen auf. Mehr als 70 Prozent der Typ-2-Diabetiker haben Bluthochdruck. Wichtige Risikofaktoren sowohl für Bluthochdruck als auch für Diabetes sind Übergewicht, Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Rauchen. Das ist ein Grund dafür, dass beide Erkrankungen oft gemeinsam auftreten. Bei der Erstdiagnose des Diabetes haben bereits die Hälfte aller Patienten Bluthochdruck.
Warum kann Zuckerkonsum den Blutdruck beeinflussen? Mechanismen im Überblick
- Hoher Zuckerkonsum führt zu Gewichtszunahme: Hoher Zuckerkonsum gilt als eine Ursache für Übergewicht. Wer zu viel Zucker isst, riskiert demnach Übergewicht, was ein wichtiger Risikofaktor für Bluthochdruck ist. Denn das Herz muss stärker pumpen, um die größere Körpermasse zu versorgen. Zudem erhöht überschüssiges Fettgewebe den Widerstand in den Gefäßen und belastet das Herz zusätzlich.
- Insulin und Insulinresistenz: Denn Zucker sorgt dafür, dass der Körper Insulin ausschüttet, um die Glucose in die Zellen zu transportieren. Bei regelmäßigem Zuckerkonsum in hohen Mengen wandelt Insulin die überschüssige Glucose in Fett um. Zugleich führt eine übermäßige Insulinausschüttung auf lange Sicht zur Insulinresistenz. Dauerhaft zu viel Zucker im Blut fördert zudem eine Insulinresistenz, wie sie bei Typ-2-Diabetes vorkommt. Die Zellen reagieren dann nicht mehr auf das Insulin, sodass vermehrt Zucker im Blut verbleibt. Dadurch steigt das Risiko für Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), was den Blutdruck zusätzlich erhöht.
- Direkte Effekte auf Gefäße und Stoffwechsel: Zucker beeinträchtigt aber auch andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutdruck und Lipidwerte, und zwar unabhängig vom Körpergewicht. Zu den schädigenden Mechanismen zählen Experten zum Beispiel die Förderung einer Entzündung, eines Blutdruckanstiegs, von Fettstoffwechselstörungen, verschlechterte Blutflussbedingungen, Gewebeumbauprozesse sowie eine Nervenschädigung (Neuropathie) am Herzen.
- Fructose und Leberfett: Vor allem billiger Zuckersirup mit hohem Fruchtzuckergehalt ist in Verruf geraten, das Entstehen einer Fettleber zu begünstigen. Denn Fruchtzucker wird direkt in der Leber verwertet und dort als Fett gespeichert, wenn zu viel vorhanden ist.
- Natriumretention, Harnsäure und sympathische Aktivität: Nach dem Genuss von Süßgetränken kommt es zu einer vermehrten Ausscheidung von Harnsäure. Ein Anstieg der Harnsäure könnte mit einer verminderten Konzentration von Stickstoffmonoxid einhergehen, der ein natürlicher Vasodilatator ist. Schließlich könnte der hohe Zuckergehalt die Aktivität des sympathischen Nervensystems steigern und zu einer Natriumretention führen.
Welche Belege gibt es aus Studien?
Es liegen verschiedene Studienarten vor: Querschnittsstudien, prospektive Kohorten, Interventionsstudien und Metaanalysen. Die Evidenz zeigt Hinweise auf einen Zusammenhang, ist aber in Details heterogen.
INTERMAP-Studie und Querschnittsbefunde
Die „International Study of Macro/Micronutrients and Blood Pressure“ oder INTERMAP-Studie hat den Einfluss der Ernährung auf den Blutdruck untersucht. 2.696 Briten und US-Amerikaner im Alter von 40 bis 59 Jahren hatten über vier Tage penibel protokolliert, was sie gegessen und getrunken hatten. Die Auswertung der Daten durch den Public Health-Forscher Paul Elliott und Mitarbeitern ergab, dass jede zusätzlich pro Tag konsumierte zuckerhaltige Limonade mit einem Anstieg des systolischen Blutdrucks um 1,6 mm Hg und des diastolischen Blutdrucks um 0,8 mm Hg verbunden war. Die Assoziation war dosisabhängig und auch nach der Berücksichtigung anderer Risikofaktoren, einschließlich des Body-Mass-Index, noch vorhanden.
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Interventionen und Meta‑Analysen
Eine Meta-Analyse aus 37 Studien zeigte, dass Personen mit hohem Zuckerkonsum im Vergleich zu solchen mit niedrigem Konsum signifikant erhöhte Triglyzeridwerte, höheres Gesamtcholesterin und höheres LDL-Cholesterin aufwiesen. Die Blutdruckunterschiede waren am höchsten in Studien mit mindestens achtwöchiger Dauer und betrugen bis zu 7/6 mmHg. Ein Review von randomisierten kontrollierten Studien (21 RCTs, 1.110 Teilnehmer) fand, dass geringere Mengen an zugesetztem Zucker zu einer leichten Senkung des Blutdrucks und der Blutfettwerte führen, aber keine Auswirkung auf den Nüchtern-Blutzucker zeigten. Alle Ergebnisse wurden nach der GRADE-Methode als Evidenz von niedriger Qualität eingestuft.
Gezuckerte Getränke und Blutdruck
Erst vor kurzem hat eine große Auswertung mehrerer Studien bestätigt, dass der Konsum von zuckergesüßten Getränken wie Limonaden, Fruchtgetränken, Sport- und Energy-Drinks wesentlich zu einer Gewichtszunahme bei Kindern und Erwachsenen beiträgt. Daten von mehr als 900.000 Probanden zeigten, dass gezuckerte Getränke den Blutdruck um zehn Prozent erhöhen können. Eine Übersichtsarbeit von 2015 ergab, dass der regelmäßige Konsum von Softdrinks das Risiko für Bluthochdruck um etwa 12 Prozent steigert.
Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe: sind sie unproblematisch?
Als Alternative zum Haushaltszucker können Süßstoffe bzw. Zuckeraustauschstoffe eingesetzt werden, die zudem kalorienarm und nicht schädlich für die Zähne sind. Zu den etablierten Süßstoffen wie Saccharin oder Natriumcyclamat sind einige neue wie Acesulfam, Aspartam, Sucralose oder Stevia dazugekommen. Allerdings sind mögliche Risiken und Langzeitwirkungen noch nicht abschließend geklärt. Anfang 2023 sorgte eine Studie für Aufmerksamkeit, die eine mögliche Verbindung zwischen dem Zuckeralkohol Erythritol und dem Begünstigen von Thrombosen bzw. dem Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen ergab. Höhere Werte des Süßstoffs Xylit im Blut sind offenbar ebenfalls mit einem deutlich erhöhten Risiko für schwere Herzerkrankungen und Schlaganfälle verbunden. Wissenschaftler betonen jedoch, dass noch kein klarer kausaler Zusammenhang nachgewiesen ist und umfassende Langzeituntersuchungen nötig sind.
Empfehlungen zu Zuckerkonsum und Ernährung
- WHO-Empfehlung: Die WHO empfiehlt, dass nur fünf Prozent des täglichen Energiebedarfs durch freien Zucker gedeckt werden sollte, entsprechend etwa 25 g Haushaltszucker.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): empfiehlt maximal zehn Prozent freien Zucker an der täglichen Gesamtenergiemenge (bei 2000 kcal etwa 50 g pro Tag).
- Praktische Maßnahmen: Eine einfache Möglichkeit den eigenen Zuckerkonsum zu verringern, ist der weitgehende Verzicht auf gesüßte Getränke und Fruchtsäfte. Die beste Möglichkeit, weniger Zucker in jeglicher Form auf dem Speiseplan zu haben, ist somit der Verzicht auf Fertigprodukte und das Kochen mit eigenen frischen Zutaten.
- DASH‑Diät: Experten empfehlen bei Bluthochdruck die sogenannte DASH-Diät. Im Fokus steht eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und fettarmen Milchprodukten sowie Fisch. Das Besondere daran ist die Fokussierung auf eine salzreduzierte, nährstoffreiche Kost.
- Weitere Lebensstilmaßnahmen: Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung (mindestens 30 Minuten an fünf bis sieben Tagen pro Woche), Einschränkung des Alkoholkonsums und Rauchverzicht wirken sich positiv auf Blutdruck und Stoffwechsel aus.
Besondere Warnhinweise
- Lakritze: Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Bluthochdruck bei Lakritze sein. Der darin enthaltene Süßholzwirkstoff Glycyrrhizin kann den Blutdruck erhöhen und sogar lebensgefährlich werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, die tägliche Aufnahme von Glyzyrrhizin auf maximal 100 mg zu begrenzen.
- Süßstoffe: Hinweise auf mögliche negative Effekte bestimmter Süßstoffe oder Zuckeralkohole (z. B. Erythritol, Xylit) existieren; die Datenlage ist nicht endgültig. Als Vorsichtsmaßnahme sollten Süßstoffe nicht unkritisch in großen Mengen konsumiert werden.
Bluthochdruck, Diabetes und Nieren: ein vernetztes Problem
Bluthochdruck und Diabetes zählen zu den häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenkrankheit (CKD). Die Nieren bestehen aus einem dichten Netzwerk feinster Blutgefäße und reagieren besonders sensibel auf Druck- und Zuckerbelastung. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann die Kapillargefäße der Niere verhärten und verengen. Die Folge: eine schlechtere Durchblutung, Schädigung des Nierengewebes und eine verminderte Filterleistung. Dabei entsteht ein Teufelskreis: „Je schlechter die Nieren funktionieren, desto höher steigt meist der Blutdruck“, erklärt Professorin Dr. med. Julia Weinmann-Menke.
Deshalb ist es gerade für Risikopatientinnen und -patienten von entscheidender Bedeutung, die Nierenwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen und die eingenommenen Medikamente, insbesondere zur Senkung von Blutdruck und Blutzucker, konsequent einzunehmen - auch in Abwesenheit von Beschwerden.
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Medikamentöse Aspekte und neue Therapien
Zur Behandlung von Bluthochdruck bei Diabetes eignen sich viele blutdrucksenkende Medikamente. Häufig wird eine Blutdrucktherapie mit einem RAS-Blocker begonnen. Diese Medikamente hemmen das Renin-Angiotensin-System und senken dadurch den Blutdruck. Dazu gehören ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptorblocker. Kalziumantagonisten, ß-Blocker und Diuretika sind weitere häufig eingesetzte Wirkstoffgruppen. Relativ neu in der Diabetesbehandlung sind SGLT-2-Hemmer. Sie bewirken eine vermehrte Glukose- und Natriumausscheidung. Neben dem Blutzucker senken sie auch den Blutdruck und haben einen positiven Effekt auf den Verlauf von Herz-Kreislauf- und Nierenfolgeerkrankungen.
Fazit für Betroffene und Risikogruppen
Zwar ist das genaue Ausmaß der direkten Wirkung von Zucker auf den Blutdruck noch Gegenstand der Forschung und viele Studien liefern Evidenz von variierender Qualität, doch sprechen zahlreiche Studien und Metaanalysen für einen gesundheitlichen Nachteil hoher Mengen an zugesetztem Zucker. Reduzierter Zuckerkonsum, Verzicht auf gezuckerte Getränke, eine DASH-artige, salzarme und ballaststoffreiche Ernährung sowie Gewichtsreduktion und regelmäßige Bewegung sind praktikable Maßnahmen, die sowohl Bluthochdruck als auch Diabetesrisiken senken können.
Tabelle: Wichtige Studien und Befunde (Kurzüberblick)
| Studie/Review | Kernergebnis |
|---|---|
| INTERMAP | Jedes zusätzlich pro Tag konsumierte Süßgetränk: +1,6 mmHg systolisch, +0,8 mmHg diastolisch |
| Meta-Analyse (37 Studien) | Hoher Zuckerkonsum: ↑ Triglyzeride, ↑ Gesamtcholesterin, ↑ LDL; Blutdruckdifferenzen bis zu 7/6 mmHg |
| Cochrane-Review (21 RCTs) | Geringere zugesetzte Zucker führten zu leichten Senkungen von Blutdruck und Blutfetten; Evidenz niedrig |
| Kohortenanalysen (große Populationen) | Gezuckerte Getränke: erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Gewichtszunahme |
Empfehlung: Reduzieren Sie zugesetzten Zucker, meiden Sie gesüßte Getränke, bevorzugen Sie frische Zutaten und eine DASH‑artige Kost, kontrollieren Sie regelmäßig Blutdruck, Blutzucker und Nierenwerte, und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über individuelle Prävention und Therapieoptionen.
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