Trumpf Schokolade und die Geschichte der Schokoladenproduktion in der DDR
Die Geschichte der Schokolade in Ostdeutschland, insbesondere der Marke Trumpf, ist geprägt von industriellen Entwicklungen, Enteignungen, der Umwandlung in volkseigene Betriebe und von kreativen Lösungen angesichts Rohstoffknappheit. Die wechselvolle Historie der Zuckerwarenfabrik Lichtenberg und der Trumpf-Schokoladenwerke in Berlin und Weißensee spiegelt exemplarisch die Herausforderungen und Innovationen der Schokoladenindustrie während und nach der DDR-Zeit wider.
Standorte und Architektur der Schokoladenproduktion
An der Konrad-Wolf-Straße in Berlin-Lichtenberg ragt der rotgeziegelte Industriebau der ehemaligen Zuckerwarenfabrik in den Himmel. Die Fabrikanlage befand sich an der Adresse Konrad-Wolf-Straße 78-84 im Ortsteil Alt-Hohenschönhausen. Im Jahr 1908 wurde die Zuckerwarenfabrik in Hohenschönhausen nach Entwürfen des Friedenauer Baumeisters Karl Eitner errichtet und schlüsselfertig an den Bauherrn Georg Lembke übergeben. Das langgestreckte Fabrikgebäude, dessen Frontseite zur Konrad-Wolf-Straße zeigt, wurde bis 1928 um Gebäudeflügel erweitert.
Die Fassade des rotgeziegelten Backsteinbaus war funktional gehalten und nur mit einfachem Bauschmuck gestaltet. Prägende Elemente des fünfgeschossigen Bauwerks blieben die gut sichtbaren Pfeiler und der Mittelrisalit mit großem Haupttor, hinter dem sich im Inneren das Haupttreppenhaus befand. Am Rundbogen des Mittelrisalits zeigte eine überdimensionierte Fabrikuhr den Arbeitern die Zeit an. Vom Haupttreppenhaus aus trennten sich im Inneren in den einzelnen Stockwerken die Arbeitsbereiche auf. Neben Hallen für Industriemaschinen und Produktionsstraßen gab es im Fabrikgebäude Sozialräume für die Belegschaft.
Bedeutung von Standort und Infrastruktur
Die Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde wurde um die Jahrhundertwende zum Motor für die Ansiedlung von Industriebetrieben im Norden Berlins. Die Nähe zur Arbeiterkolonie „Wilhelmsberg“ bot Standortvorteile. Der bis dahin ländliche Landstrich erhielt als Rückzugsort gutbetuchter Städter den Beinamen „Wannsee des Nordens“. Südlich der Berliner Straße dominierten Arbeiterkieze mit Mietskasernen, Schrebergärten und Fabrikschornsteinen.
Entwicklung der Trumpf Schokoladenproduktion in Berlin und Weißensee
In den 1870er Jahren begann die Wohnbebauung von Weißensee. Später siedelten sich auch Industriebetriebe an, darunter die Schokoladenfabrik Trumpf. An der Bühringstraße Ecke Gustav-Adolf-Straße baute 1921 die Fabrikantenfamilie Monheim einen Fabrikkomplex für ihre Schokoladenproduktion. Wegen politischer Schwierigkeiten mit dem französisch besetzten Aachen als Stammwerk musste die Produktion nach Berlin verlagert werden. Monheim errichtete Backsteingebäude für Produktion, Versand, Verwaltung sowie ein Kraftwerk.
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Mit dem Marketing war Trumpf seiner Zeit voraus: Zuerst wurden Flugzeuge eingesetzt, um Werbung zu machen, später eigene Werbeluftschiffe. Nach dem verlorenen Krieg wurde die Monheimsche Schokoladenfabrik von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. Viele Produktionsanlagen wurden als Reparationsleistungen in die Sowjetunion geschafft. Anschließend setzte die DDR die Fabrikation mit den verbliebenen Anlagen bis 1954 als VEB Trumpf fort. Danach ging Trumpf in dem VEB Elfe Berliner Schokoladenwerk auf und verließ den Standort an der Bühringstraße.
Herstellungstechnologie und Innovationskraft
Die Fabrikation der Zuckererzeugnisse erforderte ein eingespieltes Ineinandergreifen maschineller und manueller Arbeitsschritte. Bis zu 400 Arbeiter sicherten in der Hohenschönhausener Zuckerwarenfabrik die Produktion. Die Spezialität der Deutsch-Amerikanischen Zuckerwarenfabrik waren Pralinen und Fondants - zuckerige Überzüge, die als Modelliermasse und Schmelzglasur genutzt wurden. Mengte man Pfefferminzöl bei, konnten Produkte wie Pfefferminzbruch und Bremer Kluten hergestellt werden.
Schokolade und Pralinen in der DDR: Rohstoffprobleme und kreative Ersatzstoffe
Ein großes Problem war die Beschaffung von Kakaobohnen. Die DDR hatte nicht genug Devisen, um Kakaobohnen auf dem Weltmarkt zu kaufen. So mussten eigene Ersatzstoffe erfunden werden. Zerstoßene rote Rüben wurden patentiert. Ein weiteres Patent gab es für einen Ersatz aus erhitzten Getreidekeimen und Zucker. Mangels Rohstoffen wurden in den Nachkriegsjahren oft Ersatzschokoladen hergestellt. Recht erfolgreich war die ab 1953 erhältliche Vitalade, hergestellt unter anderem aus Haferflocken, Braumalz, Sojamehl und gehärtetem Pflanzenfett. Waren Schokoladenersatzprodukte im Westen längst verschwunden, gab es sie im Osten bis zum Ende der DDR. Das bekannteste Produkt war die „Schlager Süßtafel“ von Zetti, die ganz ohne Kakaobestandteile auskam.
Produkte, Belegschaft und soziale Aspekte
1959 stellte das Werk die „bekannte Pralina-Mischung“ in drei Größen her, Marzipan-, Persipan- und Schokoladenfiguren. Das Sortiment umfasste Weinbrand-Bohnen mit Kruste, Tutti-frutti mit Schokolade, Nougat- und Relief-Pralinen. Für Weihnachten wurde die Hohlkörperproduktion von Berliner Bären und Osterhasen in Cellophan aufgenommen. Vor allem waren es Frauen, die hier am Fließband standen.
| Produkt | Jahr | Besonderheit |
|---|---|---|
| Vitalade | ab 1953 | Schokoladenersatz ohne Kakao |
| Pralina-Mischung | 1959 | Marzipan-, Persipan- und Schokoladenfiguren |
| Berliner Bären/Osterhasen | 1959 | Hohlkörper in Cellophan |
| Schlager Süßtafel (Zetti) | DDR-Ende | Komplett ohne Kakaobestandteile |
Die Firma, die vor allem die Marke „Trumpf“ herstellte, war nicht nur in Quickborn der größte Arbeitgeber, sondern zählte auch zu den wichtigsten Betrieben in Schleswig-Holstein. Besonders in den 1950er-Jahren arbeiteten mehr als 2.000 Menschen in der Schokoladenfabrik, überwiegend Frauen.
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Schokolade für die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg
In den Schokoladenfabriken Berlins war die Süßwarenherstellung für den zivilen Bedarf vom NS-Regime in den 1940er-Jahren eingestellt worden. Ab 1942 war die Verarbeitung von Rohkakao verboten und ab 1944 die Süßwarenproduktion ganz untersagt - mit der Ausnahme staatlicher Aufträge: Die mit Koffein versetzte „Scho-ka-kola“ galt als Truppenverpflegung und die mit Pervitin versetzte „Hausfrauenschokolade“ als Sonderpralinen.
Enteignung, Volkseigene Betriebe und die Umstrukturierung in der DDR
Nach 1945 wurden zahlreiche Betriebe in Volkseigentum umgewandelt. Mit dem „Volksentscheid in Sachsen“ vom 30. Juni 1946 begann in der DDR diese Entwicklung. Die Zuckerwarenfabrik Robert Lembkes wurde nach 1945 enteignet und die Immobilie ging in die Verwaltung der Stadt Berlin über. Seit den 1950er-Jahren hieß das Unternehmen „VEB Pralina Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik“. Die Produktion wurde 1962 eingestellt und das Unternehmen aus dem Handelsregister gelöscht. Die Hohlkörpermaschine für Osterhasen und Berliner Bären gaben die Hohenschönhausener an die ehemalige Trumpf-Schokoladenfabrik „VEB Elfe“ in Weißensee ab.
Schokoladenproduktion nach der Wiedervereinigung
Mit dem Ende der DDR 1989/1990 wurden zahlreiche Betriebe der Schokoladenindustrie geschlossen, privatisiert oder von Firmen aus dem Westen aufgekauft. Ostdeutsche Schokoladenprodukte verschwanden zunächst völlig vom Markt, der fortan von westdeutschen und internationalen Marken beherrscht wurde. Erst einige Jahre später kamen mit der „Ostalgie“ ehemalige DDR-Marken zurück auf den Markt.
Das Schicksal der Fabrik: Leerstand, Sanierung und heutige Nutzung
Fast zwanzig Jahre lang stand das imposante Fabrikgebäude leer und verfiel. Graffiti-Sprayer verewigten sich an den Mauern, und das Gelände zog GPS-Schatzjäger, Urbexer und Investoren an. Der lange Leerstand führte in Verbindung mit Vandalismus zu erheblichen Schäden, der Dachstuhl wurde morsch, Wildwuchs überwucherte das Areal. 2009 wurde das Areal von Projektentwicklern erworben, die die denkmalgeschützten Fabrikbauten zwischen 2010 und 2011 saniert und zu Wohnraum umgebaut haben.
Auf der übrigen Fläche entstanden Stadthäuser. Das Denkmal bleibt ein Symbol für die wechselvolle Geschichte der Schokoladenproduktion in Berlin und der DDR.
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Trumpf heute
Trumpf Schokolade ist heute eine Schokoladenmarke, die von der zur Krüger-Gruppe gehörenden Ludwig Schokolade GmbH & Co. produziert wird. Im Jahr 1857 begann Leonard Monheim am Hühnermarkt in Aachen mit der Herstellung von Schokolade. Die Umstellung auf maschinelle Produktion im Jahre 1865 ermöglichte eine Erweiterung des Kundenkreises. Im Jahr 1960 trat Leonard Monheims Urenkel Bernd Monheim als persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer in das Familienunternehmen Leonard Monheim KG ein. Seit 1986 firmiert die Leonhard Monheim AG als Ludwig Schokolade GmbH & Co.
Weiterführende Informationen
Für weitere umfangreiche Informationen und Quellen zur Geschichte von Schokolade und Süßwaren in der DDR ist das Buch „Geschichte der Süsswarenindustrie der DDR“ von Dr. Michael Heinemann sehr zu empfehlen. Es beleuchtet alle Aspekte der Süßwarengeschichte, von Politik und Wirtschaft bis hin zu Konsumenten und Arbeitern der Süßwarenindustrie.
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