Nicht aus Zucker — Bedeutung und Herkunft der Redewendung
Redewendungen mit dem Wort „Zucker“ sind fester Bestandteil der deutschen Alltagssprache und beschreiben häufig Gegensätze zwischen Härte und Milde. Wendungen wie „Zuckerbrot und Peitsche“ oder „nicht aus Zucker sein“ zeigen, wie Zucker sprachlich für Schonung, Nachsicht oder bewusste Freundlichkeit steht.
Bedeutung von „nicht aus Zucker sein“
Umgangssprachlich heißt „jmd. ist nicht aus Zucker“: nicht empfindlich gegenüber etw. oder jmdm. sein; zäh, ausdauernd sein. Die Wendung wird speziell verwendet, um auszudrücken, nichts dagegen zu haben, sich im Regen aufzuhalten; unempfindlich gegen Niederschlag zu sein. Beispiele aus der Praxis illustrieren das: »Die Schüler der Gräfelfinger Grundschulen sind nicht aus Zucker. Sie trotzen dem Regen, das haben sie bewiesen.« [Münchner Merkur, 25.10.2022] oder »Wir sind ja nicht aus Zucker«, sagte Scholz. [Scholz trommelt in Berlin für Olympia-Bewerbung, 01.09.2015]
Die Redewendung kann darüber hinaus allgemeiner auf Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit bezogen werden: »Ich bin ja nicht aus Zucker, ich habe schon viel erlebt.« [Frankfurter Rundschau, 20.01.2023] oder als Beschreibung sportlicher Robustheit: »Die NLA‑Spielerinnen des LC Brühl sind nicht aus Zucker.« [St. Galler Tagblatt, 20.09.2018]
Sprachliche Funktion: Zucker als Metapher
Zucker steht sinnbildlich für angenehme Worte, milde Behandlung oder das bewusste Abfedern unangenehmer Wahrheiten. Gleichzeitig wird der Begriff oft genutzt, um verdeckte Strategien, Übertreibungen oder bewusste Beschwichtigungen zu benennen. Zucker wird damit in der Sprache als Gegenpol zu Härte und Direktheit eingesetzt - als Symbol für Schonung, Nachsicht oder bewusste Freundlichkeit.
Herkunft des Wortes „Zucker“
Die Herkunft des deutschen Wortes Zucker führt, wie auch die ersten Belege der Nutzung des Zuckerrohrs zum Süßen, nach Indien. Wortursprung ist das altindische śárkarā, das zunächst einmal alles Zerriebene oder Körnige bezeichnete und dann auf die trockene, körnige Masse des Zuckers übertragen wurde.
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Mit dem Indienfeldzug Alexanders des Großen gelangte das altindische Wort ins Griechische und wurde zu sakcharon, wovon sich der lateinische Begriff saccharum ableitete. Daraus entstand der heute verwendete Fachbegriff Saccharose, der die pflanzlichen Zuckerarten bezeichnet.
Ebenfalls aus dem Altindischen entlehnt wurde das arabische Wort sukkar, das mit der arabischen Herrschaft im Mittelalter nach Spanien und Sizilien kam und so Eingang in die romanischen Sprachen, wie Spanisch (azúcar), Französisch (sucre und davon abgeleitet das englische sugar) und Italienisch (zucchero) fand. Zu uns ist der Zucker samt seines Namens aus dem Italienischen - Zucchero - gekommen. "Das wiederum kam aus dem Arabischen und das arabische Wort kam aus dem Altindischen. Da kann man mal sehen, wo das Wort überall lang gereist ist", erklärt Ilka Peschet.
Historischer Weg und Verbreitung der Zuckerwirtschaft
Durch arabische Eroberungszüge kommt das Zuckerrohr nach Zypern und Sizilien und wird dort angebaut. Auf dem Ersten Kreuzzug lernen die Kreuzfahrer aus Mitteleuropa das Zuckerrohr kennen und eignen sich die Methoden der Zuckergewinnung an. Ab dem 15. bis 17./18. Jahrhundert dominieren England, Frankreich und die Niederlande die Zuckerherstellung und den -handel.
Der Sklavenaufstand auf Santo Domingo führt zum Kollaps der dortigen Zuckerindustrie. Der enorme Zuckerpreisanstieg, verursacht durch das Erliegen der Rohrzuckerproduktion auf San Domingo, dem weltweit größten Zuckerproduzenten Ende des 18. Jahrhunderts, machte Alternativen notwendig. Für Versuche wurden verschiedene Pflanzen herangezogen, unter anderem Weintrauben, Mais, Ahorn und Esskastanien. Andreas Sigismund Marggraf entdeckt, dass die Runkelrübe den gleichen Zucker enthält wie das Zuckerrohr. Franz Carl Achard, ein Schüler Marggrafs, setzt die Arbeiten seines Lehrers mit Zuckerrüben fort und bemüht sich weiter um die praktische Umsetzung.
Achard lässt in Cunern/Schlesien die erste Rübenzuckerfabrik der Welt errichten und veröffentlicht in der Folgezeit mehrere Schriften zur Zuckerfabrikation aus Runkelrüben, die sich in ganz Europa verbreiten. Neben den produktionstechnischen Aspekten beschäftigt sich Achard auch mit der Rübenzucht. Freiherr Moritz von Koppy errichtet auf seinem Gut im schlesischen Krayn eine Rübenzuckerfabrik. Dabei wird er technisch und wissenschaftlich von Achard unterstützt. Durch ihre Zusammenarbeit und Koppys Idee, auch die „Abfallprodukte“ der Zuckerproduktion zu verwerten, entwickelt sich diese Fabrik zur ersten, die Gewinne erwirtschaften kann.
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Durch die napoleonische Kontinentalsperre kommt es zur Abschottung weiter Teile Kontinentaleuropas vom englischen Kolonialwarenhandel. Dies gibt der Rübenzuckergewinnung großen Aufwind und es entstehen zahlreiche Rübenzuckerfabriken. Nach der Aufhebung der Kontinentalsperre blüht der Rohrzuckerhandel wieder auf und die Zuckerpreise fallen auf etwa ein Drittel der Preise.
Industrialisierung und Regulierung
Der Konkurrenzkampf zwischen Rohr- und Rübenzucker führt zu einem drastischen Preisverfall. Als Reaktion der Zuckerfabrikanten auf die bereits 1841 eingeführte Rübensteuer wird in Magdeburg der Verein für die Rübenzuckerindustrie im Zollverein gegründet. Zusammenschluss der gesamten deutschen Zuckerindustrie zum Verein der Deutschen Zuckerindustrie sowie Bildung des Syndikats der Rohzuckerfabriken folgen später. Erst die Brüsseler Zuckerkonvention - ein internationales Handelsabkommen, unterzeichnet von den wichtigsten Rüben- und Rohrzuckerproduzenten - beendet den ruinösen Prämienwettlauf und garantiert den Zuckerproduzenten ihren nationalen Markt.
Der Erste Weltkrieg und die staatlich gelenkte Kriegswirtschaft ab 1915 schränken den Rübenanbau stark ein; Arbeitermangel, Preissteigerungen für Hilfsstoffe und schlechte Bezahlung der Rüben lassen den Rübenanbau in Deutschland deutlich zurückgehen. In dieser Zeit reorganisieren sich Fabriken und Interessengemeinschaften, etwa die Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation in Waghäusel und die Zuckerfabrik Frankenthal.
Wie Sprache und Kultur sich gegenseitig prägen
Die Namen von Lebensmitteln und von allem, was damit zu tun hat, erzählen viel über die Geschichte vom Essen. Im Bereich der Bezeichnungen für unser Essen erlebe man schon so manche Überraschung, erklärt Ilka Peschek aus der Duden-Redaktion. Der Duden bringt gerade eine Reihe an kleinen Büchern zur Herkunft unserer Alltagssprache heraus, eine Rubrik ist etwa "Essen und Trinken". Zusammen mit einem Team hat Ilka also Wörter aus dem riesigen Wortschatz gesucht und die Erklärungstexte dazu aufgefrischt.
Ilka Peschet verweist darauf, dass sich eine Miesmuschel und eine kleine Maus durchaus von der äußeren Form ähneln und dass der Begriff demnach für beides verwendet wurde. Der Begriff "Muschel" zum Beispiel kommt aus dem Lateinischen: "Musculus". Teller und Gabel - wie früher gegessen wurde: Der Begriff Teller zeigt etwa, wie sich unsere Esskultur verändert hat, erklärt Ilka Peschet. Früher wurde nämlich eher von Platten oder Brettern gegessen, auf denen auch geschnitten wurde. "Teller" hat seinen Ursprung in dem lateinischen Begriff "taliare", was so viel heißt, wie teilen oder schneiden. "Da kann man gut erkennen, dass es früher eine Platte gab, zum Zerhacken von Fleisch", sagt sie.
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Käse und Wein sind Produkte, die über die Römer zu den Germanen kamen - und somit auch ihre Bezeichnungen. Umgekehrt gibt es auch Wörter, die zuerst im germanischen Sprachraum verwendet wurden und sich dann später auch in anderen Sprachen eingenistet haben. "Glas" zum Beispiel: Die Methode der Glasherstellung kam von den Römern. Glasa war damals ein germanischer Begriff für Bernstein. Und weil dieses neue durchscheinende Material an Bernstein erinnerte wurde der Begriff dann auch für Glas verwendet. Heute findet man diese Bezeichnung auch im Englischen, im Niederländischen oder im Schwedischen.
Belege und Beispiele für die Redewendung in Medien
- »Aus Zucker darf man hier [auf dem Recyclinghof] nicht sein, und mit Menschen sollte man auch umgehen können.« [Hamburger Abendblatt, 29.04.2023]
- »Ich bin ja nicht aus Zucker, ich habe schon viel erlebt.« [Frankfurter Rundschau, 20.01.2023]
- Die NLA‑Spielerinnen des LC Brühl sind nicht aus Zucker. [St. Galler Tagblatt, 20.09.2018]
- »Das ist für mich okay, wir sind alle nicht aus Zucker«, sagte Thomas Müller. [Fränkischer Tag, 02.11.2021]
Zusammenfassende Hinweise zur Verwendung
Die Wendung eignet sich in Alltagssituationen, um Robustheit, Belastbarkeit oder die Bereitschaft, ungünstige Bedingungen zu akzeptieren, auszudrücken. Gleichzeitig kann sie ironisch oder ermahnend verwendet werden, etwa wenn jemand bei leichtem Regen beschwert, dass das Wetter „zu schlimm“ sei.
| Aspekt | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Bedeutung | Unempfindlichkeit, Widerstandsfähigkeit |
| Metapher | Zucker als Symbol für Milde und Schonung |
| Ursprung des Wortes | Altindisch śárkarā → Griechisch sakcharon → Latein saccharum → Arabisch sukkar → Ital. zucchero → Deutsch |
| Historischer Kontext | Verbreitung durch arabische Eroberungen, Kreuzzüge, koloniale Zuckerproduktion, Rübenzucker-Entwicklung in Europa |
Wenn ihr noch mehr über die Herkunft von Begriffen aus unserer Alltagssprache erfahren möchtet, dann klickt auf den Play-Button und hört euch das gesamte Gespräch an.
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