Marzipan Speicher Flensburg: Geschichte und Besonderheiten

Marzipan gehört zur Weihnachtszeit wie der Christbaum zum Fest. Bereits seit dem 13., 14. Jahrhundert lassen sich Menschen in hiesigen Breiten die süße Mandelmasse genüsslich auf den Zungen zergehen, zunächst als nahezu unerschwinglicher Luxus aus der Apotheke. Schon einige Jahrhunderte früher versüßte in den arabischen Ländern das "Haremskonfekt" den Kalifen und Haremsdamen das Leben. Hier liegt der Ursprung des Marzipans, das über Venedig Europa erreichte.

Ursprung und Verbreitung des Marzipans

Wo Mandeln und Zucker ihre Heimat haben, da wurde unser Marzipan erfunden. Der Persische Arzt Rhazes, der von 850 bis 923 lebte, schrieb ein Buch in dem er das Gemisch aus Mandeln und Zucker als Heilmittel anpries. Schon um 900 erwähnte es der persische Arzt Rhazes in arabischen Medizinschriften. In mittelalterlichen Rezeptbüchern wurde seine wohltuende Wirkung erwähnt. Auf Magen, Darm und auch auf die Potenz sollte Marzipan eine positive Wirkung haben.

Als die Kreuzritter aus dem Orient zurückkehrten brachten sie vielerlei Gewürze und orientalische Geheimnisse mit. In Venedig, Neapel und auf Sizilien wurden im 13. Jahrhundert Gewürze und Konfekt vornehmlich in kleinen Schächtelchen gehandelt. Das verzauberte Wort „Mataban“ für Schachtel wurde im Laufe der Zeit auf den Inhalt übertragen: Mazapane (ital.), Massepain (franz.), Marzipan (deutsch). Vermutlich hatte das Marzipan bereits eine lange Reise hinter sich, bevor es in Lübeck so beliebt wurde.

Lübeck: Die Marzipanstadt und die Legende von 1407

Das Lübecker Marzipan hat eine ganz eigene Geschichte: 1407, so heißt es, herrschte in der Stadt eine Hungersnot. Die Bäcker hatten kein Mehl, um Brot zu backen, aber die Lager waren mit Zucker und Mandeln gefüllt. So wies der Senat der Stadt die Bäcker an, aus den Rohstoffen nahrhafte "Brote" herzustellen, um die Landsleute vor dem Hungertod zu retten. Glaubt man der lokalen Legende, wurde das Marzipan sogar in Lübeck erfunden. Als 1407 eine Hungersnot drohte, weil die Lübecker Kornspeicher leer standen, soll der Senat der Stadt die Bäcker beauftragt haben, ihr Brot aus Mandeln zu backen: Marci-panis (Mandelbrot) - die Entstehung des heute berühmten Marzipanbrotes?

Die Legende von der Erfindung der Süßware wird in Lübeck gern erzählt. Im 17. Jahrhundert, da die Stadt von den Schweden belagert wurde, begannen die Vorräte knapp zu werden. Dem Volk drohte der Hunger. Ein einfallsreicher Bäcker kam auf die Idee aus reichlich gestampften Mandeln und Zucker, denn dies waren die einzigen Lebensmittel, die noch in den Speichern der Stadt zu finden waren, Brote zu kreieren. Die Mandelbrote retteten den belagerten Lübeckern durch ihre Nahrhaftigkeit das Leben.

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Vom Apothekerprivileg zum Zuckerbäckerhandwerk

Im Orient erlangte die süße Mandelmasse als „Haremskonfekt“ Berühmtheit und der Sage nach wurde auf jedes Stück Naschwerk das Abbild eines Herrschers geprägt. „Mauthaban“, bedeutet im Arabischen so viel wie „sitzender König“ - der Ursprung des Wortes Marzipan? Wahrscheinlich reiste das Geheimnis der Marzipanherstellung tatsächlich im Gepäck der Kreuzritter nach Europa und gelangte schließlich in die Backstuben der Lübecker Zuckerbäcker.

Bevor sich der Beruf des Zuckerbäckers entwickelte, waren exquisite Substanzen wie Zucker nur Apothekern zugänglich, die damit handeln durften. Nachdem das Marzipan im Mittelalter Einzug in die Lübecker Apotheken gehalten hatte, entdeckte die neue Zunft der Zuckerbäcker es für sich. Zucker war zwar noch immer ein überaus teurer Rohstoff, durfte aber nun frei gehandelt werden. Jedoch kamen vorerst nur der Adel und wohlhabende Bürger:innen in den Genuss der süßen Nascherei. Mit echtem Blattgold überzogen wurde das Marzipan den höchsten Würdenträgern des Reiches überreicht.

Vom Luxusgut zur Volksnascherei

Marzipan durfte auf den königlichen und festlichen Tafeln der Renaissance als Dessert nicht fehlen. Damals war die Herstellung noch anstrengend und zeitraubend. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts konnte auch die restliche Bevölkerung feinstes Marzipan genießen, da die Herstellung der Süßigkeit mit Zucker aus der Zuckerrübe erschwinglicher wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten in den Kaffeehäusern nun auch die Bürger die feinen Mandelspeisen reichlich kosten. Mit der Gewinnung des Zuckers aus der Zuckerrübe wurden die kostbaren Süßigkeiten etwas erschwinglicher.

Lübecker Marzipanspeicher und das Marzipan-Museum

Seit 1995 laden die alten Lübecker Marzipanspeicher zu einem Besuch und zum Genießen ein. Das historische Gebäude aus dem Jahre 1871 versetzt Besucher in Zeit von Thomas Manns Buddenbrocks zurück. Bei Städtereisen nach Lübeck zeigt das Marzipan-Museum interessante und einzigartige Ausstellungsstücke. Spannende Einblicke in die Herstellung und die Geschichte von Marzipan faszinieren Besucher. Die einzige Marzipan-Show zeigt auf unterhaltsame Art und Weise die Unternehmensgeschichte und alles was mit Marzipan zu tun hat.

Marzipan-Speicher Lübeck Gebäudeansicht

Im Marzipan-Speicher Café werden Besucher mit Marzipan Leckereien und einem frisch gerösteten Kaffee verwöhnt. Bei Gruppenreisen in die Holsteinische Schweiz erleben die Besucher einen gemeinsamen Ausflug in die Welt des Marzipans. Eine Marzipanrose oder einen Marzipanhund mit eigenen Händen herstellen und jede Menge über Marzipan erfahren, bietet Unterhaltung und Spaß für die ganze Gruppe. Anschließend erhalten die Besucher für ihr Werk das Marzipan-Abitur.

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Das kostenlose Marzipan-Museum erstreckt sich über beide Speicher-Gebäude, wobei dem Marzipan-Speicher-Café eine besondere Bedeutung zukommt. Hier ist besonders, das aus dem 12. Jahrhundert bestehende Balkenwerk, zu beachten. Für Thomas Mann-Fans gibt es noch eine Fotoausstellung, auch über beide Speicher verstreut, über den Film „Buddenbrooks“ von Heinrich Breloer aus dem Jahre 2008 mit den großen deutschen Stars Armin Mueller-Stahl und Iris Berben. Die Lübecker Marzipan-Speicher waren hierbei die Kulisse bei allen Hafenszenen.

Herstellung, Rohstoffe und Produktvielfalt

Die Grundzutaten für die berühmte Köstlichkeit sind schnell aufgezählt: Mandeln, Zucker und Rosenwasser zur Aromatisierung. Die hauseigenen Rezepturen einer jeden Konditorei bleiben natürlich geheim. Die vielseitigen Nuancen der unterschiedlichen Marzipanerzeugnisse hängen von der Herstellung und Verarbeitung der Rohstoffe ab. Marzipan ist so variantenreich wie geschmackvoll, man kennt es als geformte Glücksschweine, Schornsteinfeger- oder Hufeisenfiguren zum Jahreswechsel, Kuchenfüllung oder Hochzeitstortendekoration und in der Adventszeit als mit einer feinen Zimtschicht bestaubte Kartöffelchen oder mit herber Schokolade überzogene Marzipanbrote.

Irgendwann begann man nämlich in Lübeck die feine hellgelbe Masse aus Mandeln und Zucker mit Schokolade zu überziehen. So wurde das Marzipan zur Praline. Verzehrt wurde Marzipan zunächst ausschließlich von der privilegierten Oberschicht, von Königen, Fürsten und Feldherren. Um auf den edlen Wert der Rohstoffe hinzuweisen, wurde es gebräuchlich, Marzipan an den Höfen sogar mit Blattgold zu überziehen.

Marzipan als Kultur- und Wirtschaftsgut

Lübeck, welches wegen seiner Handeslgeschichte einst auch als „Königin der Hanse“ bekannt war, ist reich an Baudenkmälern und die erhaltenen Teile der mittelalterlichen Altstadt sind heute UNESCO Weltkulturerbe. Lübeck ist zudem auch führend im europäischen Marzipanhandel und dessen Produktion. Ein offensichtliches Zeichen dafür sind auch heute noch die historischen Lübecker Marzipanspeicher. Hier findet sich heute das Marzipanland mit Museum, Café und Marzipan-Show.

Panorama Untertrave Lübeck mit Marzipanspeichern

Die gewaltigen Hansekoggen brachten Gewürze und andere gepriesene Zutaten in den hohen Norden. Mit Zucker und Gewürzen durften aber zunächst nur Apotheker handeln. Erst später, als es den Beruf des Zuckerbäckers gab, durften die „Canditors“, wie man sie nannte, auch Marzipan herstellen. Lübecks Marzipanhersteller bezogen ihre Mandeln aus Venedig und benannten ihre Zuckerware nach dem Schutzheiligen der Stadt, Markus.

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Persönliche Geschichten und Unternehmen - Marzipanland und Bäckereitradition

Mein Name ist Johann Georg Niederegger. Dies ist die Geschichte des Marzipans. Ich will sie allen, die sie kennenlernen möchten, erzählen. Fortan konnte ich durch beste Qualität ständig den Ruf mehren. Mein Marzipanrezept aus soviel Mandeln wie möglich, so viel Zucker wie nötig, dazu noch ein Geheimnis, wird seit meinem Tode von Generation zu Generation weitergereicht. Lübeck und Marzipan gehören untrennbar zusammen, wie München und das Oktoberfest!

Nach Ende des 2. Weltkrieges konzentriert sich sein Wirkungskreis auf Südeuropa. Die Nachkriegswirren verschlagen ihn nach Lübeck. Hier konnte Günther Leu endlich seinem Wunsch nach selbst hergestelltem Lübecker und Königsberger Marzipan nachgehen. Nach vielen Versuchen wurde die erste eigene Bäckerei gepachtet. Diese befand sich am Langen Lohberg 49 in der Lübecker Innenstadt. Erwerb der ersten eigenen Bäckerei in der Lübecker Vorstadt in der Westhoffstr. Burkhard Leu ist zum Zeitpunkt seiner Prüfungen jüngster Bäcker- und Konditormeister (23 Jahre) der Bundesrepublik, außerdem absolvierte er die Meisterbriefe zeitgleich.

Die Söhne Burkhard und Norbert Leu übernehmen die Bäckerei. Bau einer Großbäckerei im Gewerbegebiet Roggenhorst und Aufnahme der 1. Die 3. Generation kommt ins Unternehmen. Burkhards Sohn Marc-Christian und Norberts Tochter Tatiana-Victoria. Geschäftsleitung und Marketing der Marzipanland GmbH v. l.

Familie Leu und Marzipanland Team

Erlebnisangebote und Bildung rund um Marzipan

Durch geschultes Fachpersonal wird während der Klassenreise gezeigt, wie und was man alles aus Marzipan formen kann, bevor gemeinsam „Hand und Mund“ angelegt wird. Jeder kann, unter Anleitung, seine eigene Marzipan-Rose oder Marzipan-Hund kreieren, natürlich auch das zur Verfügung gestellte Marzipan aufessen. Geschichtliches und Gewärtiges zu Lübecks Spezialität Nummer 1, in einem historischen Ambiente, den Lübecker Marzipan-Speichern.

Marzipan-Show und Workshop im Marzipan-Museum

Erlebe die spannende Geschichte des Marzipans im Niederegger Marzipan-Museum. Bei Städtereisen nach Lübeck zeigt das Marzipan-Museum interessante und einzigartige Ausstellungsstücke. Die einzige Marzipan-Show zeigt auf unterhaltsame Art und Weise die Unternehmensgeschichte und alles was mit Marzipan zu tun hat.

Marzipan in Kultur und Literatur

Wusstet ihr, dass schon im 13. Jahrhundert der bedeutende Denker und Gottesgelehrte Thomas von Aquin sich mit dem Genuss von Marzipan beschäftige? In seinen Lehren steht für fragende und verunsicherte Geistliche geschrieben: „Marzipan bricht das Fasten nicht.“ Als „Haremskonfekt" bezeichnete es Thomas Mann und fand, es liege schwer im Magen. Trotz der kritischen Distanz, die der Literaturnobelpreisträger zu der süßen Nascherei einnahm: Viele Menschen lieben es - und das nicht nur in der Marzipanstadt Lübeck.

Varianten und Begriffsherkunft

Während Marzipan von den einen heiß geliebt, von den anderen verschmäht wird, gibt die Herkunft des Namens der Süßigkeit nach wie vor Rätsel auf. Häufig findet sich die Ableitung aus dem Lateinischen Begriff marci panis als „Markusbrot". Bisweilen spricht man auch von aus dem Spanischen hergeleiteten massa de pan, was soviel wie Brotteig bedeutet und auf die teigartige Grundmasse verweist. Verwandt klingt allerdings auch das ebenfalls im Spanischen beheimatete mazapan, was mit Keulenbrot übersetzt werden kann und ein Hinweis auf die Verarbeitung zerstoßener Mandeln ist. Im arabischen Sprachraum existiert das Wort mauthaban, unter anderem eine Bezeichnung für eine byzantinische Münze, die einen sitzenden Christus abbildet. Wie aus der Münze die Leckerei, die wir heute Marzipan nennen, wurde, ist umstritten.

Marzipan heute

Marzipan ist hierzulande seit dem Mittelalter bekannt. Aus dem Orient kommend trat es im 12. Jahrhundert seinen Siegeszug im Abendland an. Heute ist es in Deutschland untrennbar mit der alten Hansestadt Lübeck verbunden. Ob nun in Spanien, Königsberg, der Provence oder Lübeck hergestellt, Marzipan hat neben seiner spannenden Historie auch geschmacklich viele Geister bewegt. Die Grundzutaten sind einfach, die Vielfalt und Tradition aber groß.

Aspekt Kurzbeschreibung
Ursprung Orient (Haremskonfekt), Verbreitung über Venedig und Kreuzritter
Lübecker Legende 1407: Mandelbrote retten Stadt vor Hunger
Rohstoffe Mandeln, Zucker, Rosenwasser
Produkte Marzipanbrote, Pralinen, Figuren, Kuchenfüllungen
Erlebnisangebote Museum, Show, Workshops, Marzipan-Abitur
Moderne Hersteller Familienbetriebe wie Niederegger, Marzipanland, Bäckereien mit Generationenfolge

Die Marzipan-Speicher und das Marzipanland stehen exemplarisch für die Verbindung von Handwerk, Genuss und Tourismus in Norddeutschland. Die historischen Speichergebäude, die Unternehmensgeschichten und die vielfältigen Erlebnisangebote machen die Region zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Liebhaber der süßen Mandelmasse.

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