Lindt Schokolade: Zerstörung, Mineralölbelastung und Qualitätsprobleme
Weihnachtszeit ist Schokozeit. In unserem Test fällt allerdings jede dritte Milchschokolade durch. Hauptgrund: In fast allen Tafeln im Test steckt Mineralöl. Auch in einer Lindt-Schokolade ist der Gehalt aus unserer Sicht stark erhöht.
Testergebnis und Bewertung der Lindt Vollmilch
Wir bewerten die Lindt Vollmilch aus Alpenvollmilch, wie fünf weitere Schokoladen im Test, insgesamt nur mit "mangelhaft". Nur die Hachez Dunkle Vollmilch schneidet mit "ungenügend" noch schlechter ab. Die Lindt-Schokolade ist wie 14 weitere im Test aus unserer Sicht stark mit Mineralölbestandteilen belastet. In den getesteten Tafeln stecken MOSH-Verbindungen. Weil der Gehalt an Mineralölbestandteilen in der Lindt-Schokolade aus unserer Sicht "stark" erhöht und Aroma zugesetzt ist, lautet das Teilergebnis Inhaltsstoffe "ausreichend". "Ungenügend" fällt das Teilergebnis Kakaoproduktion und Transparenz aus.
Am Inhalt der Lindt-Schokolade bemängeln wir auch das zugesetzte Vanillin-Aroma. Am Geschmack hatten wir hingegen nichts auszusetzen. Die Lindt Vollmilch aus Alpenvollmilch erreichte in der Sensorikprüfung die volle Punktzahl.
Kakaoproduktion, Transparenz und CSR-Bewertung
Im Test kritisieren wir auch die intransparente Kakaoproduktion. Denn Lindt & Sprüngli legte uns die Lieferkette für die getestete Lindt-Vollmilch nur teilweise offen. Auch andere Aspekte blieben unklar. So machte Lindt keine konkreten Angaben zum gezahlten Kakaopreis und konnte nicht belegen, dass hochgiftige Pestizide auf den Plantagen der Lindt-Lieferanten verboten sind. Verbotene Kinderarbeit und Rodungen von geschütztem Wald sind in der Kakaoproduktion für die getestete Lindt Vollmilch nicht auszuschließen. Lindt & Sprüngli legte uns auf Anfrage keine gegenteiligen Belege vor.
Das Gesamturteil beruht auf den Teilergebnissen Inhaltsstoffe sowie Kakaoproduktion und Transparenz. Aus den Teilergebnissen Inhaltsstoffe sowie Kakaoproduktion und Transparenz ergibt sich das Gesamturteil "mangelhaft". Das zeigt der Test: Nur zwei Schokoladen im Test können wir mit dem Testurteil "gut" empfehlen. Sieben fallen mit "mangelhaften" oder "ungenügenden" Noten durch. Die Hauptprobleme: Belastungen mit Mineralölbestandteilen und fehlende Transparenz in der Kakaoproduktion. Viele Hersteller legen ihre Lieferkette nicht bis zum Kakao-Bauern offen.
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Reaktion von Lindt & Sprüngli auf das Testergebnis
So reagierte Lindt & Sprüngli auf das Testergebnis: Der Schokoladenhersteller teilte uns mit, dass die komplette Kakaobohnen-Beschaffungskette im kommenden Jahr rückverfolgbar und verifiziert sein soll. Lindt & Sprüngli legte uns auf Anfrage keine gegenteiligen Belege vor.
Vorwürfe zur Zerstörung eigener Waren im Einzelhandel
Ihre Schoko-Nikoläuse sind beliebt. Doch der Umgang einiger Lindt-Vertreter mit den Waren wirft nun ein zweifelhaftes Licht auf das Unternehmen. Es dürften Einzelfälle sein, doch was im Namen des Schokoladenherstellers Lindt in einigen Supermärkten geschieht, verwundert selbst Brancheninsider: Nach Recherchen von t-online kommt es immer wieder vor, dass Angestellte von Lindt im Einzelhandel ihre eigenen Waren zerstören - vermutlich, um Rabattaktionen mit Schokolade kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu vermeiden und den Absatz zum vollen Preis hochzuhalten.
Ehrenfried Schorn. Er ist Geschäftsleiter von sechzehn Edeka-Filialen in Nordhessen und einige Tage nach dem jüngsten Besuch des Außendienstes von Lindt & Sprüngli noch immer wütend: "Die haben mit einem Kartonmesser oder einem Kuli sämtliche Schokoladen und Pralinen so aufgeschlitzt, dass nicht nur die Verpackung, sondern auch die Ware zerstört wurde. Alles kaputt", sagt er am Telefon. Ein Foto, das seine Mitarbeiter gemacht haben, zeigt eine Schokoladentafel, in die ein tiefes Kreuz eingeritzt ist.
"Wie kann man das machen? Lebensmittel einfach so vernichten", sagt Schorn. Mehr als 25 Produkte seien allein in einem seiner Läden so beschädigt worden, aus anderen Filialen hätten Angestellte von ähnlichen Attacken der Lindt-Vertreter berichtet. Eine Pralinenschachtel nach dem zweiten Filialbesuch des Außendienstes von Lindt: Auch die Schokoladen im Innern sind in Mitleidenschaft gezogen.
Motivannahmen und rechtliche Bewertung
Schorn vermutet Umsatzinteressen hinter dieser Praxis: Ein Kunde, der bei reduzierten Schokoladentafeln mit leicht überschrittenem MHD zugreife, gehe danach sicher nicht ans Regal, um weitere Tafeln zum Vollpreis zu kaufen. Außerdem, so der Geschäftsleiter, könne Lindt mehr frische Ware nachliefern, "je früher man die Sachen aus dem Verkehr zieht." Juristisch gesehen hat er recht: Im Zweifelsfall haftet in Deutschland derjenige, der ein Lebensmittel nach Verstreichen des MHD noch in Umlauf bringt - nicht, wer es hergestellt hat. "Das ist bei denen aber auf taube Ohren gestoßen", sagt Schorn.
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"Im Endeffekt ist das Sachbeschädigung" So sieht es auch Ina Gerstberger. Sie ist Anwältin und auf Produktrecht spezialisiert und sagt: "Natürlich ist das seine Ware, er hat sie erworben." Auf dem Gelände des Supermarktes seien die Lindt-Produkte außerdem auch in der "Besitzsphäre der Geschäftsleitung". Das heißt: Schorn als Chef des Ladens habe dort "die Verfügungsgewalt über die Produkte". "Da kann niemand kommen und einfach sagen: Die Ware mache ich jetzt kaputt."
Gerstberger kennt sich aus in der Lebensmittelbranche, sie hat bereits viele Klienten aus dem Bereich vertreten. Ein Fall wie dieser ist allerdings auch ihr noch nicht untergekommen. "Im Endeffekt ist das Sachbeschädigung", sagt sie - außer es gäbe Verträge mit Lindt, die explizit ausschlössen, dass Schokoladen oder Pralinen ab dem Mindesthaltbarkeitsdatum günstiger verkauft oder gespendet werden. Ehrenfried Schorn verneint dies. Er habe mit seinem Chefeinkäufer noch einmal die Verträge gewälzt, dort finde sich nichts, das die Zerstörungswut der Lindt-Außendienstler legiti miere, sagt er. Stattdessen werde "nach Gutsherrenart" verfahren.
Lindts Stellungnahme zu den Vorfällen
Lindt will zu den Fällen in den hessischen Supermärkten keine Stellung nehmen. Eine Anfrage von t-online beantwortet das Schweizer Unternehmen nur sehr allgemein. Weder gibt Lindt eine Antwort auf die Frage, wieso genießbare Produkte zerstört werden, noch darauf, ob die Firma diese Praxis ihres Außendienstes überprüfen will. In der schriftlichen Antwort an t-online heißt es schlicht: "Lindt & Sprüngli bietet seinen Konsumenten ausschließlich Waren an, die den Qualitätsansprüchen entsprechen. Aus diesem Grund werden Produkte, die nicht mehr verzehr- oder verkaufsfähig sind, im Handel durch den Außendienst als verkaufsunfähig gekennzeichnet und aus dem Markt entfernt." Diese Kennzeichnung trete durch die stetige Kontrolle der Ware nur in seltenen Fällen ein.
Die implizierte Erklärung, es habe sich auch in seinem Fall um Schokolade handeln können, die "nicht mehr verzehr- oder verkaufsfähig" gewesen sei, weist Schorn zurück: "Alles, was bei uns zerstört wurde, war sogar noch mindestens eine knappe Woche vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Das Argument zieht also nicht." Und selbst bei Ware, die das MHD erreicht oder überschritten hat, gebe es noch keinen Grund, diese gleich zu entsorgen. Das sieht auch Ina Gerstberger so.
Lebensmittelverschwendung, MHD und Alternativen
Das Bundesernährungsministerium: "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum." Bei richtiger Lagerung sind die Lebensmittel demnach meist weiterhin uneingeschränkt genießbar. Das Datum beschreibt einzig, bis wann das Produkt garantiert Farbe, Konsistenz und Geschmack behält. Man müsse sich als Händler eben selbst davon überzeugen, ob die Qualität noch stimme, so Einzelhändler Schorn: eine Tafel derselben Charge probieren, einen Joghurt kosten, eine Dose öffnen. Schmeckt alles noch, wie es soll? Dann könne man die Lebensmittel getrost weitergeben. Das sei auch wichtige Aufklärungsarbeit, sagt er. Viele seiner Kundinnen und Kunden sähen das MHD immer noch als Todesstoß für ein Produkt. So wie anscheinend auch Lindt & Sprüngli.
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Auf der einen Seite sitzen vor unseren Läden Leute mit einer Dose in der Hand, weil sie sich kein Brot kaufen können. Oder wir haben Kunden mit geringen Budgets, die sich freuen, wenn sie mal für kleines Geld etwas Schönes mitnehmen können. Und auf der anderen Seite diktiert uns die Industrie, dass wir einwandfreie Lebensmittel zu entsorgen haben. Das ist Unsinn", fasst Schorn die Situation zusammen.
Im Handel ließen sich Alternativen zur Vernichtung leicht organisieren: "Wenn die Außendienstler von Lindt & Sprüngli bei uns Produkte kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum aussortiert haben, haben wir sie bislang danach stark reduziert verkauft oder an die Tafel gespendet", sagt Schorn. Denn die Firma übernimmt das Regalmanagement in den Filialen selbst: Regelmäßig kontrolliert der Außendienst die Ware, mustert aus, füllt auf, schreibt die aussortierte Schokolade gut, aber lässt sie zurück - bis vor Kurzem intakt. Das habe sich geändert.
Weitere Kritikpunkte an Lindt
Irreführende Werbung: Die Verbraucherzentrale hat Lindt wegen irreführender Werbung für die Sorte Excellence "100 % Cacao mit Orange" kritisiert. Obwohl die Bezeichnung den Eindruck erweckt, dass die Schokolade ausschließlich Kakao enthält, sind tatsächlich auch Zucker und Orangensaft-Konzentrat enthalten. Die Verbraucherzentrale argumentiert, dass die prominente Angabe "100 % Cacao" einen falschen Eindruck vermittelt, da die Schokolade nur etwa 90 Prozent Kakao und zehn Prozent zuckerreiche Orangenzubereitung enthält. Lindt & Sprüngli weist die Vorwürfe zurück und betont, dass die Zusammensetzung des Produktes durch Abbildung und Nennung der Orangenstückchen auf der Vorderseite eindeutig gekennzeichnet sei. Die Verbraucherzentrale fordert jedoch eine klare Deklaration des tatsächlichen Kakaoanteils auf der Verpackung.
Mineralölrückstände: In der Vergangenheit geriet Lindt auch wegen Mineralölrückständen in einigen seiner Produkte in die Kritik. Die Organisation foodwatch fand 2021 bei Tests in verschiedenen europäischen Ländern aromatische Mineralöle (MOAH) in Lindt Lindor Milch und Ildefonso Weihnachtsbehang. Diese Substanzen gelten als möglicherweise krebserregend und erbgutschädigend. Lindt & Sprüngli nahm das Thema ernst und leitete interne Untersuchungen ein, konnte die Ergebnisse von Foodwatch jedoch nicht bewerten.
Rückrufe und Produktionssicherheit
Bei Rückrufen geht es oft um Fremdkörper oder mikrobielle Gefahren: Produktrückrufe in der Lebensmittelindustrie sind nicht ungewöhnlich. Oft sind Verunreinigungen wie Kunststoffteile, Salmonellen oder Listerien die Ursache. So musste beispielsweise die "Confiserie Heilemann GmbH" einige Chargen der "Heilemann Geschenkpackung „Weihnachtsfiguren“" wegen möglicher Kunststoffteile zurückrufen. Aktuell werden Pralinén mit Schokolade zurückgerufen, die aus Österreich stammen; der Pralinenhersteller Hofbauer begründete den Produktrückruf damit, dass eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher bestehe.
Wie Verbraucherinnen und Verbraucher fair und nachhaltig Schokolade wählen können
So kaufen Sie faire Weihnachtsschokolade: Wer gerne Schokolade isst, hat in der Vorweihnachtszeit noch mehr die Qual der Wahl als ohnehin schon. Soll die süße Versuchung dann auch noch möglichst nachhaltig sein, wird die Sache zudem kompliziert. Denn Nachhaltigkeit bei Schokolade schließt nicht nur den Umweltschutzaspekt ein. Es geht auch um gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen, etwa auf den Kakaoplantagen. Begriffe wie „fair“ oder „nachhaltig“ sind allerdings gesetzlich nicht geschützt. Ihre Bedeutung kann also je nach Hersteller variieren.
Ein Tipp der Expertin: Sowohl auf das Fairtrade-Siegel als auch auf das EU-Bio-Siegel achten. Mit dieser Kombination habe „man eine gute Sicherheit, dass das Produkt fair und umweltfreundlich hergestellt wurde“. Doch auch kleinere Hersteller, die vielleicht ohne Siegel arbeiten, könnten eine gute Wahl sein. Einige von ihnen setzen auf fairen Handel direkt mit den Kakaoplantagen, ganz ohne Zwischenhändler - ein Modell, das ihr zufolge als „Direct Trade“ bekannt sei.
Fazit zu Lindt im Kontext von Qualität, Transparenz und Verantwortung
In letzter Zeit ist der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli in die Schlagzeilen geraten, und zwar aus Gründen, die sowohl Verbraucher als auch Einzelhändler beunruhigen. Berichte über die Zerstörung von Lindt-Produkten in Supermärkten durch eigene Mitarbeiter haben Fragen nach den Motiven und Praktiken des Unternehmens aufgeworfen. Dieser Artikel beleuchtet die Vorwürfe, die Reaktionen und die breiteren Auswirkungen auf die Lebensmittelverschwendung und die Verbrauchererwartungen.
| Aspekt | Feststellung |
|---|---|
| Sensorik / Geschmack | Lindt Vollmilch: volle Punktzahl |
| Inhaltsstoffe | Stark erhöhte Mineralölbestandteile (MOSH), zugesetztes Vanillin |
| Kakaoproduktion / Transparenz | Lieferkette nur teilweise offen, keine Belege zu Kakaopreis oder Pestizidverbot |
| Test-Gesamturteil | "mangelhaft" (auf Basis Inhaltsstoffe + Kakaoproduktion/Transparenz) |
| Handelspraxis | Vorwürfe der absichtlichen Zerstörung von Waren durch Außendienstmitarbeiter |
Das Thema betrifft Konsumentinnen und Konsumenten, Händler und Hersteller gleichermaßen: Qualitätskontrollen, transparente Lieferketten und verantwortliches Handeln im Einzelhandel sind wichtige Kriterien, an denen sich Vertrauen bemisst.
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