Lindt Schokolade: Mineralöl- und Transparenz-Probleme bei Bitterschokoladen im Öko-Test

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat 21 Bitterschokoladen mit einem Kakaoanteil von 66 bis 75 Prozent untersucht und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Keine einzige getestete Zartbitterschokolade erhielt die Bestnote „sehr gut“; nur fünf Produkte wurden mit „gut“ bewertet. Besonders auffällig ist das schlechte Abschneiden der Premiummarke Lindt.

Überblick zum Testaufbau und den Prüfkriterien

Öko-Test ließ die Produkte in verschiedenen Laboren untersuchen. Unter anderem wurden deklarierte Zucker-, Fett- oder Kakao-Gehalte mit tatsächlich gemessenen Gesamtgehalten verglichen. Weiter ließ Öko-Test die Schokoladen auch auf verschiedene Schadstoffe untersuchen, darunter gesättigte und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoge, MOAH), Pestizide oder auch Schwermetalle. Zudem wurden die Produkte auch auf mikrobiologische Verunreinigungen (Schimmel, Keime) hin untersucht. Hinsichtlich Acrylamiden, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen oder Schimmelpilzgiften zeigten sich keine relevanten Negativbefunde.

Infografik: Prüfparameter Öko-Test (Inhaltsstoffe, Mineralöle, Pestizide, Transparenz)

Mineralölbestandteile (MOSH/MOAH): Hauptproblem in vielen Tafeln

In knapp der Hälfte aller getesteten Tafeln wurden Rückstände von Mineralöl-Bestandteilen gefunden. Diese können sich später im menschlichen Fettgewebe und Organen ansammeln. Und: Auch besonders bedenkliche aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) konnten nachgewiesen werden. Einige von ihnen sollen krebserregend sein.

Bei den sogenannten MOSH handelt es sich um Mineralölverunreinigungen durch gesättigte Kohlenwasserstoffe. Sie reichern sich durch die Nahrung in unserem Körper an und gelten als gesundheitlich bedenklich. Bisher gibt es keine gesetzliche Reglementierung zu MOSH in der Nahrung. Die Industrie hält sich lediglich an einen selbst verordneten Wert von 9 mg/kg für Schokolade und kakaobasierte Süßwaren.

Wie Mineralöl in Schokolade gelangt

Die Verunreinigungen entstehen bei den Produktionswegen. Überall, wo die Lebensmittel mit Maschinen zusammenkommen, die Schmieröle enthalten, lagern sich diese meist ab. Kakaobohnen können z. B. durch Schmieröl an Erntemaschinen oder beim Transport in den Sisal- und Jutesäcken verunreinigt werden. Mineralöl ist aber auch in Verpackungen enthalten, bei einem Weihnachtsmann betraf das tatsächlich das Plastikpapier. Eine häufige Quelle sind zudem Altpapier-Verpackungen.

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Konkrete Testergebnisse: Lindt und Penny am Ende der Liste

Während das Gros der untersuchten Schokoladen die Bewertung „befriedigend“ oder „ausreichend“ erhielt, fielen zwei Produkte durch: Die „Best Moments Edelbitter-Schokolade, 74 %“ vom Discounter Penny (Stollwerck) und „Lindt Excellence Mild 70 % Cacao Edelbitter Mild“ wurden mit „ungenügend“ bewertet. Den letzten Platz des Tests belegt mit der Note „ungenügend“ die Schokolade „Excellence Mild 70% Cacao Edelbitter Mild“ von Lindt.

Die Tester bemängeln bei Lindt nicht nur den erhöhten Mineralöl-Bestandteil, sondern kritisieren auch fehlende Transparenz des Herstellers. Demnach wurden in einem Öko-Test-Fragebogen weder die Ursprungsländer der Kakaobohnen angegeben, noch Belege für faire und sichere Arbeitsbedingungen.

Lindt Tafel auf Testtisch: Lindt Excellence 70% (Symbolbild)

Reaktionen von Herstellern

Penny antwortet, dass vorgelegte Werte in einer umgehend veranlassten Gegenprobe derselben Charge nicht bestätigt werden konnten und ein unabhängiges Labor deutlich niedrigere Gehalte für MOSH sowie für MOAH ermittelt habe. „Die Schokolade ist neben MOSH/MOAH auch in allen weiteren analysierten Parametern ebenso unauffällig und verkehrsfähig“, lautet somit das Fazit des Discounters.

Lindt & Sprüngli teilte mit, dass die komplette Kakaobohnen-Beschaffungskette im kommenden Jahr rückverfolgbar und verifiziert sein soll. „Einige der Anforderungen von ‹Öko-Test› hinsichtlich Nachhaltigkeit und Konzernverantwortung werden auch zukünftig im Fokus unserer Bemühungen stehen“, heißt es aus der Medienabteilung. Dennoch legte Lindt laut Öko-Test die Lieferkette für die getestete Tafel nur teilweise offen.

Pestizide, Schwermetalle, Transparenz: Weitere Kritikpunkte

„In einigen Zartbitterschokoladen hat das Labor auch Rückstände von Pestiziden gemessen“, schreibt Öko-Test. Der Einsatz von Pestiziden im Kakao-Anbau steige derzeit. Das schlage bei hohen Kakao-Anteilen besonders durch. Öko-Test sieht Mehrfach-Belastungen mit Spritzmitteln kritisch: „Selbst wenn es sich - wie hier - nur um geringe Gehalte handelt, die wir als Spuren werten.“

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Auch ein erhöhter Cadmium-Gehalt sei problematisch. Das Schwermetall könne aus dem Boden von Kakaobohnen aufgenommen werden und sich im Körper anreichern. Das führe langfristig zu Nieren- und Knochenschäden.

Ein besonderer Schwerpunkt im Schokoladen-Test sind die Anbaubedingungen der Kakaobohnen, da es beim Kakaoanbau schon lange zahlreiche Probleme gibt. Um die Produktionsbedingungen zu verbessern, ist es zuerst einmal notwendig, dass Unternehmen ihre Lieferketten genau kennen. Dementsprechend bewertete Öko-Test zunächst die Transparenz. Hier fiel besonders die beliebte Schokoladenmarke Lindt & Sprüngli negativ auf.

Keine Sicherheit gegen Kinderarbeit

Öko-Test stellt fest, dass Kinderarbeit bei keiner getesteten Bitterschokolade mit Sicherheit ausgeschlossen werden konnte. Zwar sind viele andere Hersteller wesentlich transparenter in Sachen Lieferketten, doch eine vollständige Ausschlussgarantie existiert nicht.

Karte: Kakaoproduktion und Herkunftsländer (Symbolbild)

Welche Produkte schneiden gut ab?

Die Höchstnote „sehr gut“ konnte sich kein Produkt verdienen. Insgesamt schnitten sogar nur fünf Schokoladen mit der Bewertung „gut“ ab. Darunter sind zwei Bitterschokoladen mit Bio-Siegel von Rossmann und Lidl sowie die Zartbitterschokolade der Marke Tony’s. Unter anderem diese Produkte wurden mit „gut“ bewertet:

  • Ener Bio Feine Bitter Schokolade mit 70 % (Rossmann) - Preis: 1,99 Euro
  • Fairglobe Bio Schokolade Bitter, 70 % Kakao (Lidl) - Preis: 1,39 Euro
  • Tony’s Chocolonely 70 % Zartbitter - Preis: 1,93 Euro

Beim Blick auf die Testergebnisse zeigt sich eines deutlich: Ein hoher Preis oder klingender Markenname ist nicht gleichbedeutend mit einem guten Abschneiden bei Öko-Test.

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Hintergrund: Wiederholte Probleme mit Mineralölen in Schokolade

Das Problem Mineralöle in Schokolade ist kein neues Phänomen. Schon frühere Tests von Öko-Test, foodwatch und anderen Instituten haben bei bekannten Marken erhöhte MOSH- und MOAH-Werte nachgewiesen. So bestätigten amtliche Kontrollen in Nordrhein-Westfalen, dass in Pralinen von Lindt krebsverdächtige Mineralöle nachgewiesen wurden. MOAH stehen laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Verdacht, Krebs auszulösen und das menschliche Erbgut zu verändern. MOSH reichern sich in den Körperorganen an und können diese schädigen. Hiervon betroffen sind laut EFSA besonders Kinder.

foodwatch fordert ein europaweites Gesetz, das strikte Höchstwerte für gesättigte Mineralöle (MOSH) in Lebensmitteln und eine Null-Toleranz für die besonders kritischen aromatischen Mineralöle (MOAH) festlegt. Zudem müssten Lebensmittel durch schützende Barrieren vor dem Übergang von Mineralölen aus Altpapierverpackungen geschützt werden.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun?

Beim Kauf empfehlen Experten, auf Bio- und Fairtrade-Siegel zu achten. Diese sind nach wie vor der beste Hinweis auf die Einhaltung von ökologischen und sozialen Mindeststandards. Ein Lichtblick ist, dass einige Marken mehr Transparenz zeigen und Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Standards nachweisen können. Wer ganz auf das Risiko von Mineralölbestandteilen verzichten möchte, hat momentan kaum eine sichere Wahl: Öko-Test fand bei zahlreichen Produkten Spuren von Mineralölbestandteilen.

Letztlich kann man nur eines tun: Weihnachtsgebäck selber herstellen und insgesamt weniger Schokolade essen. Auch hilft es, Produkthinweise, Herkunftsangaben und Nachhaltigkeitsberichte der Hersteller zu lesen und auf Transparenz bei der Kakao-Beschaffung zu achten.

Erklärvideo: Wie Mineralöle in Schokolade gelangen und was sie bewirken

Tabelle: Kurzüberblick ausgewählter Testergebnisse (Auszug)

Produkt Kakaoanteil Testergebnis Öko-Test Hauptkritik
Lindt Excellence Mild 70 % ungenügend erhöhte MOSH/MOAH, fehlende Transparenz
Best Moments Edelbitter (Penny) 74 % ungenügend erhöhte Mineralölbestandteile, Pestizidspuren
Tony’s Chocolonely 70 % 70 % gut empfehlenswert, bessere Transparenz
Ener Bio Feine Bitter (Rossmann) 70 % gut Bio, geringer Mineralölbefund
Fairglobe Bio Bitter (Lidl) 70 % gut Bio, preiswert

Vollständige Testergebnisse können auf Öko-Test eingesehen werden.

tags: #Lindt #Schokolade #Erdöl #Mineralöl

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