Keramikglasur: Farben, Arten und Anwendung
Keramikglasuren sind das Herzstück der kreativen Keramikgestaltung und verleihen Tonobjekten ihr charakteristisches Aussehen und ihre Funktionalität. Glasuren bestehen hauptsächlich aus Quarzsand, der beim Glasurbrand zu einem glasartigen Überzug verschmilzt, und weiteren Mineralien und Oxiden, die die Vielfalt in Farbe und Effekten maßgeblich bestimmen. Sie dienen nicht nur dekorativen Zwecken, sondern machen die poröse Keramik wasserundurchlässig, widerstandsfähiger und bruchsicherer.
Faktoren, die die Farbe und den Effekt von Glasuren beeinflussen
Die Farben und Effekte der Glasuren hängen von vielen Faktoren ab, darunter:
- Die Farbe des rohen Schrubbens (Keramikgrundmasse)
- Die Brenntemperatur und die Brennführung im Ofen
- Die Stärke und Art des Auftrages der Glasur
- Die Zusammensetzung der Glasur und der verwendeten Farbkörper
Durch Mischen verschiedener Glasuren kann die Farbpalette nahezu unbegrenzt erweitert werden. Dabei ist zu beachten, dass einige Glasuren nicht säurebeständig sind und daher nicht für Ess- und Trinkgeschirr geeignet sind. Außerdem können Glasuren mit Cadmium- oder Selenfarbkörpern besondere Handhabung erfordern, da sie in speziellen Einschlusspigmenten gebunden sind und nicht in Kugel- oder Trommelmühlen gemahlen werden sollten.
Arten von Keramikglasuren
Pulverglasuren
Diese Glasuren werden mit Wasser angerührt und sollten idealerweise über Nacht quellen. Vor der Verwendung ist das Sieben wichtig, um Klümpchen zu vermeiden. Einige spezielle Effektglasuren dürfen jedoch nicht gesiebt werden, um ihre Effekte nicht zu zerstören.
Streichglasuren (Flüssigglasuren)
Streichglasuren sind bereits fertig angemischt und gebrauchsfertig. Ein großer Vorteil ist, dass sie keinen Staub erzeugen, was insbesondere die Gesundheit beim Arbeiten schont. Diese Glasuren zeichnen sich durch ein sehr gutes Streich- und Brennverhalten aus und sind meist mit Engoben, Glimmer oder Unidekor mischbar.
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Salzglasur
Eine Sonderform, bei der keine Glasierflüssigkeit auf das Werkstück aufgetragen wird, sondern der Brennstoff während des Brandes Salz enthält, das sich chemisch mit der Oberfläche verbindet.
Reaktive Glasuren
Diese enthalten Metalloxide (z.B. Eisenoxid, Kupferoxid, Titanoxid) und erzeugen beim Brennen bei Temperaturen über 1.200 °C chemische Reaktionen mit dem Ton. Dabei entstehen einzigartige Farb- und Oberflächeneffekte, die von Faktoren wie Ofenposition, Atmosphäre und Abkühlgeschwindigkeit beeinflusst werden. Reaktive Glasuren sind besonders bei hochgebranntem Steinzeug verbreitet, da sie nicht nur optisch ansprechend, sondern auch dauerhaft und lebensmittelecht sind.
Oberflächenarten von Glasuren
- Glanzglasuren: spiegelartige, glänzende Oberflächen
- Mattglasuren: samtige, matte Optik
- Satinglasuren: subtiler Schimmer zwischen matt und glänzend
Auftragen und Brennen von Glasuren
Vor dem Glasieren sollte das Werkstück staubfrei gereinigt werden, um eine optimale Haftung der Glasur zu gewährleisten. Andernfalls kann die Glasur beim Brennen ablaufen oder ungleichmäßig trocknen.
Beim Arbeiten mit Pulverglasuren wird das Stück entweder eingetaucht, übergossen oder mit einem Pinsel bestrichen. Flüssigglasuren hingegen werden mit einem weichen Pinsel in dünnen Schichten aufgetragen, wobei jede Schicht vor dem nächsten Auftrag gut trocknen sollte. Dabei sollte die Pinselstrichrichtung bei jeder Schicht gewechselt werden, um eine gleichmäßige Deckung zu erzielen.
Unsaubere Stellen und Tropfen an Boden oder Rändern werden vor dem Brand sorgfältig entfernt, beispielsweise mit einem scharfen Messer. Die Glasur muss anschließend bei geeigneter Brenntemperatur eingebrannt werden - meist zwischen 1.000 °C und über 1.200 °C, je nach Glasurtyp und Ton.
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In der Regel werden die Tonobjekte nach dem ersten Brand (Schrühbrand) glasiert und dann ein zweites Mal gebrannt. Es gibt jedoch spezielle Streichglasuren, die bereits auf den ungebrannten, getrockneten Ton aufgetragen werden können.
Tipps und Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Glasuren
- Staubbildung vermeiden - Pulverglasuren immer nur nass absieben
- Beim Glasieren nicht essen, trinken oder rauchen
- Nach dem Glasieren gründlich die Hände waschen
- Glasuren nicht verschlucken oder mit Lebensmitteln in Berührung bringen
- Keine blei- oder cadmiumhaltigen Glasuren für den Standardgebrauch - Ausnahmen mit Mindestmengen und spezieller Kennzeichnung
- „Technisch bleifreie“ Glasuren können trotzdem Spuren von Blei enthalten und unter bestimmten Bedingungen Blei abgeben
Die Marke BOTZ bietet beispielsweise ein vielfältiges Sortiment an flüssigen Glasuren, die alle kennzeichnungsfrei und gebrauchsfertig sind. Diese Glasuren sind gesundheitlich unbedenklich und ideal für kreative Keramikprojekte, auch mit Kindern.
Glasuren in der Praxis - Beispielanwendung
Ein Beispiel für die Gestaltung einer Schale mit Glasuren:
- Formen einer Schale und Brennen des Schrühbrands bei mindestens 950 °C.
- Auftragen von drei Schichten einer glasigen Basis-Glasur (z.B. Cognac) mit Zwischentrocknung.
- Darüber Auftragen von zwei Schichten einer farbigen Glasur (z.B. Himmelblau), ebenfalls mit Zwischentrocknung.
- Glätten von Bläschen mit dem Finger und vollständiges Trocknen über Nacht.
- Brand der glasierten Schale bei 1050 °C.
Eine kreative Idee ist auch das Prägen von Spitzendeckenstrukturen in Tonplatten, die nach dem Schrühbrand mit Unidekorfarben koloriert und anschließend glasiert werden. Dabei wird bewusst der Rand oft unglasiert oder nur einfarbig gestaltet, um den Kontrast zu erhöhen und die Dekore wirkungsvoll hervorzuheben.
Unterschiede bei Tonarten und Brenntemperaturen
Die Auswahl der Glasur hängt auch wesentlich vom Tonmaterial ab. Steingut benötigt niedrigere Brenntemperaturen (~950-1050 °C) als Steinzeug, das bei über 1.200 °C gebrannt wird. Die Schmelzpunkte der Glasuren müssen auf die Brenntemperaturen des Tons abgestimmt werden, um das beste Ergebnis zu erzielen. Ein falsches Zusammenspiel kann zu Fehlstellen oder Rissen in der Glasur führen.
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Qualitätsmerkmale einer guten Glasur
- Homogene Farbverteilung ohne Flecken
- Farbbrillanz und gewünschte Oberflächenstruktur (glänzend, matt, seidig)
- Gute Haftung auf dem Tonkörper ohne Ablösen
- Lebensmittelechtheit und Spülmaschinenfestigkeit bei Gebrauchsgeschirr
- Sicherheitskennzeichnungen beachten (bleifrei, cadmiumfrei)
Fazit
Glasuren sind essenziell für die Wirkung und Funktion von Keramik. Mit der richtigen Auswahl und Anwendung eröffnen sie ein unendliches Spektrum an Farb- und Effektmöglichkeiten, das von schlicht bis sehr künstlerisch reicht. Dabei sind technische Details wie Brenntemperatur, Auftragstechnik und Zusammensetzung der Glasur ebenso wichtig wie Sicherheitsaspekte und Umweltaspekte bei der Wahl der Materialien.
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