Wirkung und Anwendung: Meerrettich mit Honig als Hausmittel
Wenn Honig und Meerrettich zusammenkommen, entsteht eine Mischung, die mehr ist als ein Küchenrezept. Wer Du ihn das nächste Mal erntest, spür die Kraft, die in der Erde ruht: pure Lebendigkeit, gebündelt in einer Wurzel.
Was steckt chemisch und pharmakologisch dahinter?
Die Schärfe des Meerrettichs geht auf Senfölglykoside zurück. Besonders bekannt sind seine Senfölglykoside (z. B. Sinigrin und Gluconasturtiin), die beim Reiben in flüchtige Senföle umgewandelt werden. Senfölglykoside gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und machen den Meerrettich so gesund, dass er zur Heilpflanze 2021 gekürt wurde. Senföle verhindern, dass sich Bakterien vermehren und wirken sogar gegen Viren.
Honig bringt zusätzlich Enzyme und natürliche Antibiotika mit, die Schleimhäute beruhigen und die Heilung unterstützen. Der anti-mikrobielle Effekt bezieht sich hier auf das sogenannte „Quorum Sensing“ (QS). Es handelt sich hier um die Fähigkeit von Einzellern, Prozesse, Zelldichte, Aufbau von Biofilmen und so weiter untereinander durch eine Kommunikation auf chemischer Basis zu koordinieren.
In der vorliegenden Arbeit fanden die Forscher eine Substanz im Meerrettich, die Iberin heißt und genau dies macht. Die Autoren untersuchten die Wirkung dieser Substanz gegen Pseudomonas aeruginosa, einem „Krankenhauskeim“, der zu den antibiotikaresistenten Keimen zählt und rund 10 Prozent aller im Krankenhaus erworbenen Infektionen ausmacht.
Es gibt mehr als nur eine oder einige wenige Substanzen in ein und derselben Heilpflanze, die einen bestimmten Effekt ausüben. In dieser Arbeit wurden die verschiedenen Isothiocyanate aus dem Meerrettich bestimmt, isoliert und dann auf ihre antibiotische Wirksamkeit geprüft. Es zeigte sich, dass eine Reihe von „alten Bekannten“ unter den Krankheitskeimen höchst empfindlich auf die Biochemie des Meerrettich reagierten, unter anderem auch Candida, der Verursacher einer Pilzinfektion.
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Studien zu entzündungshemmenden und immunmodulierenden Effekten
Die Autoren dieser Arbeit zeigen an Mäusen, dass die Gabe von Meerrettich bei den Tieren die Konzentrationen von Stickstoffmonoxid, Tumor-Nekrose-Faktor alpha, Interleukin-6 und Cyclooxygenase-2 Aktivität in deren Makrophagen herabsetzte. Gleichzeitig nahmen die Aktivitäten von freien Radikalen signifikant ab und erhöhte sich die Aktivität der Häm-Oxygenase-1. Das zuletzt genannte Enzym ist maßgeblich an der Gefäßneubildung beteiligt, durch eine sogenannte „proangiogenetische Wirkung“.
Es hemmt zudem Entzündungsprozesse, oxidativen Stress und kann Apoptosen auslösen. Indol-3-essigsäure ist ein in Pflanzen vorkommendes Hormon. Die Autoren dieser Arbeit berichten, dass die Aktivierung der Indol-3-essigsäure durch die Peroxidase des Meerrettichs auf einer Oxidation beruht. Der dabei entstehende oxidative Stress führt zu einer Apoptose der betroffenen Zellen und damit zu ihrem Untergang. Eine Peroxidase in Meerrettich ist in der Lage, diese Essigsäure zu aktivieren.
Praktische Wirksamkeit als Hausmittel
Meerrettich gilt als entzündungshemmend und wirksam gegen Viren und Bakterien. Er enthält Senföle, die Erkältungen vorbeugen sowie Husten, Blasenentzündungen und Schmerzen lindern können. Aus Meerrettich und Honig lässt sich ein Erkältungssirup auch einfach selber herstellen. Dafür ein etwa fünf Zentimeter langes Stück Meerrettich reiben und mit vier Esslöffeln Honig in ein Schraubglas geben.
Meerrettich fein reiben (Achtung, die ätherischen Öle reizen die Augen!) und sofort mit dem Honig verrühren. In ein Schraubglas füllen und im Kühlschrank ziehen lassen. Alles gut vermischen. Den Meerrettich so klein wie möglich schneiden oder raspeln und in den Honig geben. Der Meerrettich sollte immer gut bedeckt sein. Das Ganze muss mindestens 2 Stunden stehen, ehe man es mehrmals täglich, am besten in einen Kräuteraufguss/Tee, zu sich nehmen kann.
Die Mischung hält im Kühlschrank etwa eine Woche. Hinweis: Den Saft sollte man innerhalb einer Woche aufbrauchen. Für dieses Rezept liegen uns keine Nährwertangaben vor.
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Dosierung und Anwendung
- Dosierung: 3 bis 5 mal täglich 1 Teelöffel davon einnehmen.
- Bei akuter Erkältung: von diesem Sirup bis zu vier Teelöffel pro Tag einnehmen, zur Vorbeugung genügt ein Teelöffel pro Tag.
- Morgens und abends je ½ TL einnehmen (alternative Empfehlung).
Dagegen hilft's: Husten, Schnupfen, Stirnhöhlen- und Nebenhöhlenkatarrh, Asthma (löst festsitzenden Schleim). Dieses Haus- und Heilmittel kann am Anfang einer Grippe genommen werden.
Äußere Anwendungen: Wickel, Einreibungen und Auflagen
Dass die Schärfe der Senföle den Stoffwechsel und die Durchblutung anregt, lässt sich auch für heiße Wickel oder Auflagen nutzen: Dafür dünn geschnittene Meerrettich-Scheiben in einem Stofftäschchen oder in ein dünnes Baumwolltuch gewickelt auf die schmerzende Körperstelle legen. Auch frisch geriebener Meerrettich auf einer Kompresse oder in einem Wickel regt die Durchblutung an und lindert Muskelverspannungen und Gelenkbeschwerden.
Für eine "Meerrettich-Einreibung" reibt oder schneidet man ein etwa fünf Zentimeter langes Stück von der Wurzel und gibt den so zerkleinerten Meerrettich in 300 ml Weinessig. Meerrettich auf das Tuch geben, auf Brust oder Rücken legen (nicht direkt auf die Haut), 10-15 Minuten einwirken lassen. Sahne erwärmen (nicht kochen), Meerrettich einrühren, würzen (kulinarische Anwendung).
Sicherheit, Nebenwirkungen und Hinweise
Die Augen tränen, die Nase läuft, die Wangen erröten: Das sind typische Reaktionen, die beim Raspeln und Schneiden von Meerrettich auftreten. Ursache sind die scharfen Senföle. Mehr sollte es allerdings nicht sein, denn zu viel Meerrettich kann Schleimhäute, Rachen und die Speiseröhre reizen. Das gilt insbesondere für Menschen, die Probleme mit Sodbrennen, eine Magenschleimhautentzündung oder eine Nierenerkrankung haben.
Wer den Meerrettich-Geschmack nicht mag: Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich sind für die innerliche Einnahme in konzentrierter Form rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Wer keinen frischen Meerrettich mag, kann auch zu freiverkäuflichen Kapseln aus der Apotheke, Tabletten, Tropfen oder Pulvern greifen. Auch sie enthalten Senföle, die Erkältungen vorbeugen und Schmerzen lindern können.
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Anbau, Ernte und Traditionswissen
Wenn Du ihn im Garten anbaust, wähle einen sonnigen bis halbschattigen, tiefgründigen Boden. Er liebt Sonne und Feuchtigkeit. Er ist eine kleine phytochemische Schatztruhe. Ursprünglich stammt er aus Südosteuropa, hat sich aber schon vor Jahrhunderten in Mitteleuropa angesiedelt. Im Volksmund heißt der Meerrettich auch „Kren“ - ein Name, der bis heute in Süddeutschland und Österreich üblich ist.
Er ist eine unserer ältesten Heil- und Würzpflanzen. Früher sprach man auch von der „Beißwurzel“ - und wer ihn frisch reibt, weiß sofort, warum! Er stärkt, reinigt und belebt - innen wie außen. Er ist ein echtes Naturtalent, wenn’s um Abwehr und Reinigung geht.
Rezepte kurz zusammengefasst
| Zubereitung | Verhältnis / Hinweise |
|---|---|
| Erkältungssirup | 5 cm Meerrettich reiben + 4 EL Honig, 2-4 TL pro Tag bei Bedarf |
| Honig-Meerrettich im Glas | Meerrettich reiben, mit Honig bedecken, 2 Stunden ziehen lassen, im Kühlschrank ~1 Woche haltbar |
| Meerrettich-Wickel | Meerrettich in Tuch, auflegen (nicht direkt auf Haut), 10-15 Minuten |
| Meerrettich-Einreibung | 5 cm Wurzel in 300 ml Weinessig ziehen lassen |
Wissenschaftlicher Kontext und Grenzen
So wirksam das Hausmittel in der Praxis ist - spannend wird es, wenn man einen Blick auf die Forschung wirft. Es gibt hier spezifische Signalmoleküle für die Kommunikation innerhalb der eigenen Art und solche für eine Kommunikation mit anderen Arten. In der vorliegenden Arbeit fanden die Forscher eine Substanz im Meerrettich, die Iberin heißt und genau dies macht.
Für eine klinische Anwendung ist das Konzept der Aktivierung der Indol-3-essigsäure durch Meerrettich-Peroxidase jedoch noch zu unausgereift. Die bei der Aktivierung entstehenden freien Radikale zerstören dann Tumorzellen. Dabei markiert die Meerrettich-Peroxidase die malignen und keine gesunden Zellen.
Rechtliche Hinweise und Transparenz
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