Größte Kakaoproduzenten der Welt: Wer liefert unser Schokoladenrohmaterial?

Kakao ist eine der wichtigsten Agrarrohstoffe weltweit und Ausgangspunkt für die Schokolade, die viele von uns täglich genießen. Rund 4,4 Millionen Tonnen Kakaobohnen wurden laut Prognose der International Cocoa Organisation zuletzt produziert - das entspricht einem Rückgang von 13,1 Prozent gegenüber der vorangegangenen Ernteperiode. Wesentlich verantwortlich für die Entwicklung ist die Situation in den westafrikanischen Hauptanbauländern.

Weltweite Produktionsverteilung: Westafrika dominiert

Etwa 65 Prozent der globalen Ernte stammen aus Westafrika, insbesondere aus der Elfenbeinküste und Ghana. Rund 75 Prozent der gesamten Welternte der Kakaosamen stammen aus westafrikanischen Ländern. Die Côte d’Ivoire allein erzeugt rund 43 Prozent. Zusammen mit Ghana machen die Ernteanteile dieser beiden Länder jährlich rund 70 % des gesamten Weltmarktes aus. So liegen derzeit die Côte d’Ivoire und Ghana als Hauptanbauländer klar an der Spitze.

Kakaopflege und Ernte in Westafrika

Elfenbeinküste und Ghana

  • Die Elfenbeinküste ist das mit Abstand größte Produktionsland: Nirgends wird so viel Kakao angebaut wie an der Elfenbeinküste. Rund zwei Drittel der gesamten Welternte der Kakaosamen stammen alleine von der Côte d’Ivoire.
  • Ghana gehört traditionell zu den größten Exporteuren und zusammen mit der Elfenbeinküste produzieren diese beiden Länder mehr als die Hälfte der weltweiten Kakaomenge.
  • In der letzten Ernteperiode ist die Erntemenge der Elfenbeinküste um rund 23 Prozent zurückgegangen.

Weitere wichtige Produzenten: Amerika, Asien und Ozeanien

Nur knapp 18 Prozent der weltweiten Kakaoernte stammen aus Mittel- und Südamerika, der Ursprungsregion des Kakaos. Ecuador ist heute der mit Abstand größte Kakaoproduzent Südamerikas und die Herkunftsländer Mittel- und Südamerikas sind besonders für Edelkakao bekannt.

  • Ecuador, Kamerun und Indonesien sind weitere wichtige Anbauländer.
  • Ecuador erzeugt rund 328.000 Tonnen (Beispieljahr 2019/2020) und ist ein bedeutender Lieferant für Edelkakao (z. B. Arriba).
  • Indonesien produziert heute die drittgrößte Kakaotonnenmenge weltweit; Asien und Ozeanien lieferten 2022 rund 5,4 Prozent der weltweiten Ernte.
  • Papua-Neuguinea produziert konstante Erträge in Höhe von rund 40.000 Tonnen pro Jahr und gilt als Herkunft besonders aromatischer Bohnen.
Kakaopflanzung in Ecuador: Edelkakao

Anbauformen, Produzentenstruktur und Arbeitsweise

Kakao wird überwiegend von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut; weltweit sind es mehr als 5 Millionen Erntende. Etwa 90 Prozent des Kakaoanbaus findet auf kleineren Parzellen von 2 bis 5 Hektar statt. In Westafrika sind die Familienbetriebe oft nur zwei bis sieben Hektar groß. Der Kakaoanbau ist harte Handarbeit: die reifen Schoten werden mit Macheten geerntet, jede Schote enthält circa 20-50 Samen und es braucht eine Jahresernte eines Baumes, um ein halbes Kilo Kakao zu produzieren.

Nach der Ernte werden die Kakaobohnen aus dem Fruchtfleisch gelöst, fermentiert und anschließend getrocknet. In Afrika wird häufig die Haufen-Methode (Mulde mit Bananenblättern) zur Fermentation verwendet, in Amerika fermentiert und trocknet man oft in Holzboxen und auf Tischen mit Dächern zum Schutz vor Regen.

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Sorten und Anbaueigenschaften

  • Forastero: Weit verbreitet, robust, macht fast 85 % der Produktion aus und ist Hauptsorte in Westafrika.
  • Criollo: Selten, stark aromatisch, macht weniger als 10 % der Produktion aus und ist besonders wertvoll.
  • Trinitario: Hybride aus Criollo und Forastero mit unterschiedlicher Aromatik.
Kakaosorten: Criollo, Forastero, Trinitario

Wirtschaftliche Bedeutung und Marktstruktur

Rund 75 Prozent der gesamten Welternte stammen aus westafrikanischen Ländern. So liegt der Jahresumsatz von Kakao im Jahr 2023 bei etwa 20 Milliarden Euro. Global produzieren Kakaobauern rund fünf bis 5,6 Millionen Tonnen Kakaobohnen pro Jahr (FAO 2023: 5.600.100 Tonnen). Die zehn weltweit größten Produzenten von Kakaobohnen ernteten 2023 zusammen 93,0 % der Gesamtmenge.

Der Kakaohandel ist stark konzentriert: Einige wenige große Unternehmen kontrollieren einen großen Teil des weltweiten Kakaohandels. Der Weltmarktführer Barry Callebaut hat einen Marktanteil von fast 30 %. Vier große Unternehmen (darunter Barry Callebaut, Cargill und Olam) dominieren den Handel mit und die Vermahlung von Kakao; zusammen kontrollieren sie etwa zwei Drittel der weltweiten Kakaoverarbeitung. Die acht größten Kakaoverarbeiter kontrollieren gemeinsam fast 90 % des weltweiten Kakaomarktes.

Weiterverarbeitung und Wertschöpfung

  • Die meisten großen Kakaoverarbeiter verkaufen Halbfabrikate wie Kakaomasse, Kakaopulver oder Kakaobutter, statt fertige Schokolade herzustellen.
  • Nur ein kleiner Teil der Bohnen wird in den Anbauländern weiterverarbeitet; ein Drittel der jährlichen Ernte wird in Europa vermahlen. Die Niederlande mahlen allein rund 600.000 Tonnen (12 % der Bohnen).
  • Etwa 95 % der Gesamternte werden auf dem Weltmarkt gehandelt und sind damit Preisvolatilitäten und Währungsschwankungen ausgesetzt.
Verarbeitungskette: Bohne → Nibs → Kakaomasse → Kakaobutter / -pulver

Auswirkungen: Umwelt, Soziales und Klimawandel

Die globale Nachfrage nach Kakao hat negative Folgen für Mensch und Umwelt. Kakao gehört weltweit zu den größten landwirtschaftlichen Entwaldungstreibern. Die Elfenbeinküste und Ghana haben bereits bis zu 90 Prozent des Waldes unter anderem durch den Kakaoanbau verloren. Schuld daran ist ein Teufelskreis: oft sind Plantagen sehr alt und die Erträge gering, viele bauen in Monokultur an, Landrechte sind unsicher, und Bäuerinnen und Bauern erhalten oft existenzunsichere Preise. Wenn die Bäume kaum noch Früchte tragen, erschließen Kleinbauern neue Flächen durch Brandrodung.

Soziale Probleme wie niedrige Einkommen, Kinderarbeit und mangelhafte Arbeitsbedingungen befeuern die Naturzerstörung. Vom Preis einer Schokolade erhalten die Bauern nur wenige Cent: durchschnittlich landen gerade einmal ca. 6 % des Geldes beim Bauern, während Schokoladenhersteller 35 % und Supermärkte 44 % des Gewinns erhalten.

Klimakrise als Risiko für die Produktion

Seit Jahren warnen Forscher:innen, dass die Produktion von Kakao durch den Klimawandel bedroht ist. Klimaextreme wie Dürren, Starkregen und Überflutungen vernichten Ernten, neue Pflanzenkrankheiten treten auf und Temperaturanstieg schädigt das empfindliche Gleichgewicht der Pflanze. Die CIAT prognostiziert, dass 90 Prozent der Anbauflächen in Ghana und der Elfenbeinküste im Jahr 2050 deutlich weniger geeignet sein werden. In der Folge sinkt die Verfügbarkeit des Schokoladen-Rohstoffs und die Preise steigen.

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Klimarisiken für Kakao: Dürren, Starkregen, Schädlingsdruck

Nachhaltigkeit und Lösungsansätze

Um die Zukunft des Kakaoanbaus zu sichern, werden vielfältige Maßnahmen diskutiert und erprobt. Entscheidend ist die Förderung naturnaher Agroforstsysteme statt Monokultur: Hier wächst Kakao im Schatten von Bananen, Edelhölzern oder Palmen, Bodenbepflanzung ergänzt das System und erhöht Biodiversität, reduziert Pestizideinsatz und macht Systeme widerstandsfähiger gegen Klimaschocks. Für Bäuerinnen und Bauern ermöglicht Diversifizierung ein stabileres Einkommen.

  • Nachhaltigkeitssiegel können Orientierung bieten, sollten aber kritisch bewertet werden; eine Kombination von Bio, Fairtrade und Rainforest Alliance wird empfohlen.
  • Fairtrade zahlt einen Mindestpreis pro Tonne Kakao; Rainforest Alliance hat zusätzlich Kriterien zum Schutz der Wälder.
  • Wertschöpfung vor Ort fördern: Schokolade in den Anbauländern herstellen (z. B. Fairafric in Ghana) sichert Einkommen in den Ursprungsländern.
Agroforstsystem: Mischkultur mit Kakao

Politik, Unternehmen und Initiativen

Politische Maßnahmen wie das EU-Gesetz zum Schutz des Regenwaldes (seit 2023 in Teilen wirksam) sollen verhindern, dass Produkte aus Entwaldungsgebieten in die EU gelangen. Unternehmen werden künftig Herkunftsnachweise erbringen müssen; bei Verstößen drohen Strafen bis zu vier Prozent des EU-Jahresumsatzes.

Unternehmen, NGOs und Multi-Akteurs-Plattformen wie das Forum Nachhaltiger Kakao arbeiten an Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Verbesserungen in der Lieferkette, um Entwaldung zu verhindern und Lebensbedingungen zu verbessern. Viele Hersteller setzen auf einen Mix aus Zertifizierungen, eigenen Initiativen und Hilfsprojekten vor Ort.

Interview mit WWF-Expertin zu nachhaltigem Kakaoanbau

Kurzdaten und Zahlen (Auswahl)

Aspekt Wert / Information
Weltproduktion (aktuelle Prognose) Rund 4,4-5,6 Mio. Tonnen (je nach Quelle und Jahr)
Anteil Westafrika Ca. 65-75 % der Welternte
Hauptproduzenten Côte d’Ivoire, Ghana, Indonesien, Ecuador, Kamerun
Jahresumsatz Kakao (2023) Etwa 20 Milliarden Euro
Produzentenfamilien Rund 5,5 Millionen Kakaobäuerinnen und -bauern; 14 Mio. Arbeitende plus Familien
Marktkonzentration 8 größte Verarbeiter kontrollieren fast 90 %; Barry Callebaut ~30 %

Historischer Kontext und Herkunft

Die Kakaopflanze hat ihren Ursprung im Amazonasgebiet; bereits die Maya kultivierten Kakao. Afrika trat erst Ende des 19. Jahrhunderts als große Anbauregion hinzu. Portugiesen führten Kakao im 19. Jahrhundert nach São Tomé ein; Ende des 19. Jahrhunderts begannen Pflanzungen in Ghana und der Côte d’Ivoire. Seitdem hat sich der globale Produktionsschwerpunkt nach Westafrika verschoben.

Historische Kakaoplantage und moderne Kleinbauern

Was bedeutet das für Konsument:innen?

Die Verfügbarkeit und der Preis von Schokolade sind eng mit den Erträgen der größten Produzenten und den Auswirkungen des Klimawandels verbunden. Schokolade wird bereits teurer; ohne Anpassungsmaßnahmen und nachhaltigere Anbauformen droht künftig ein noch engeres Angebot und höhere Preise. Beim Kauf können Verbraucherinnen und Verbraucher auf Zertifizierungen, lokale Wertschöpfung in Anbauländern und verantwortungsvolle Hersteller achten sowie Schokolade bewusst genießen.

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