Böhme Schokoladen GmbH: Geschichte, Entwicklung und Produkte
Die Geschichte der Delitzscher Schokoladenfabrik, die heute unter dem Namen Böhme Schokoladen GmbH firmiert, spannt sich von der Gründerzeit des späten 19. Jahrhunderts über Enteignung und VEB-Phase in der DDR bis hin zur Reprivatisierung und zu heutigen Produktionserfolgen. Hier werden die wichtigsten Stationen, Produkte und Besonderheiten des Unternehmens sowie das besondere Phänomen der Böhme Fruchtkaramellen (Frukas) ausführlich dargestellt.
Gründerzeit und Aufstieg (1894-1945)
Begonnen hat alles 1894: Albert Böhme und sein Schwager Karl Hommel gründen unter dem Namen "Gebrüder Böhme" ein Unternehmen zur Herstellung von Süßwaren. Zunächst verkaufen sie ihre Produkte auf Jahrmärkten und Volksfesten. Die Nachfrage steigt schnell, und das Unternehmen wächst. Neben Schokolade und Pralinen wurden Süßigkeiten aller Art hergestellt. Am 17. Dezember 1906 erfolgt die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, die am 15. Januar 1907 unter dem Namen "Delitzscher Schokoladen-Fabrik AG vormals Gebrüder Böhme" ins Handelsregister eingetragen wird. Ab 1922 firmiert das Unternehmen in Delitzsch unter dem Namen Böhme AG.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion 1943 auf die Herstellung von Nahrungsmitteln für die Wehrmacht umgestellt. 1944 erfolgte eine Umstellung auf die Fertigung von Flugzeugteilen für die Erla-Werke. Albert Böhme, der Gründer des Unternehmens, verstarb 1947.
Enteignung und VEB-Periode (1945-1990)
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen viele deutsche Schokoladenfabriken vor großen Herausforderungen. Mit dem "Volksentscheid in Sachsen" vom 30. Juni 1946 begann in der DDR die Enteignung von Betrieben, die in Volkseigentum umgewandelt wurden. 1950 wurde die Böhme AG unter Treuhandverwaltung gestellt. Die Verstaatlichung erfolgte am 1. Juni 1951 unter der Bezeichnung VEB Mitteldeutsche Süßwarenfabrik Delitzsch. Entsprechend der Tradition reichte die Produktpalette von Schokolade, Pralinen und Weinbrandbohnen bis zu Bonbons.
1953 wurde der Sitz der Firma nach Hamburg-Altona verlegt. Das Werk in Delitzsch wurde enteignet und bis 1990 als VEB Süßwarenkombinat Delitzsch weitergeführt. In den folgenden Jahren gab es mehrere Namensänderungen und Betriebsangliederungen, unter anderem zu VEB Sachar-, Kakao- und Schokoladenwerken Delitzsch und später VEB Vereinigte Süßwarenwerke Delitzsch/Eilenburg. Das 1980 gegründete VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch war dem Ministerium für Bezirksgeleitete Industrie und Lebensmittelindustrie, Berlin, des Ministerrates der DDR unterstellt. Dem VEB Süßwarenkombinat waren 1980 insgesamt 21 volkseigene Betriebe mit Sitz im gesamten Territorium der DDR unterstellt, darunter bekannte Namen wie VEB Berliner Schokoladenwerk "Elfe", VEB Dresdner Süßwarenfabriken "Elbflorenz" Dresden und VEB Schokoladenfabrik "Halloren" Halle.
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Wende, Privatisierung und Neuanfang (1990-heute)
Mit dem Ende der DDR 1989/1990 wurden zahlreiche Betriebe der Schokoladenindustrie geschlossen, von Firmen aus dem Westen aufgekauft oder privatisiert. Die Delitzscher Schokoladen GmbH i. G. wurde am 7. Mai 1991 an das Wilhelm Schmitz-Scholl Unternehmen (WISSOLL) in Mühlheim verkauft. Der Firmenname lautet seitdem wieder Böhme Schokoladen GmbH, Delitzsch. Wissoll besaß bereits die Markenrechte an Böhme.
Wissoll verlagerte nach der Wende die Produktion verschiedener Süßwarenmarken nach Delitzsch und gestaltete den Firmenstandort zu einer der modernsten Pralinenfabriken Europas. 2003 wurde Wissoll von van Netten übernommen. Seit 2005 ist die Delitzscher Schokoladen GmbH wieder ein unabhängiges Familienunternehmen. 2008 übernimmt die Halloren Schokoladenfabrik AG die insolvente Firma. Heute ist die Schokoladenfabrik in Delitzsch ein selbständiges Unternehmen und vor allem auf die Produktion von Süßwaren-Handelsmarken spezialisiert.
Produkte: Sortiment, Exporte und Handelsmarken
Als Spezialist für Schokoladen und Süßwarenspezialitäten verfügt die Delitzscher Schokoladenfabrik über eine lange Firmentradition und ist in den drei Geschäftsfeldern Private Label, Co-Manufacturing und Unternehmensmarken tätig. Neben Schokolade und Pralinen wurden im Laufe der Jahrzehnte Süßigkeiten aller Art hergestellt. Heute produziert das Unternehmen unter anderem Royal Mints, Schokoladencreme-Tafeln und die bekannten Böhme Fruchtkaramellen. Darüber hinaus ist für die Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH der wachsende Geschäftszweig der Handelsmarken von Bedeutung. Stolz ist das mittelständische Unternehmen auch auf seine umsatzstarken Exporttätigkeiten nach Ost- und Westeuropa, Nordamerika und Asien.
Die Böhme Fruchtkaramellen (Frukas): Phänomen, Produktion und Rezeptur
Ob beim ersten Besuch bei der Bank, beim Arzt oder als Kamelle beim Karneval - die bunten Fruchtkaramellen verbinden viele Menschen mit ihrer Kindheit. Die kleinen, quadratischen Kaubonbons haben Kultstatus, doch wer sie produziert, wissen die wenigsten. „Böhme Fruchtkaramellen“ sollen sie heißen und werden im sächsischen Delitzsch hergestellt. Die quadratischen Kaubonbons sind ein Klassiker im Supermarkt - und beliebtes Wurfmaterial im Karneval.
Die Frukas wurden ursprünglich in den späten 1950er Jahren im karnevalfiebernden Nordrhein-Westfalen erfunden. Seit den 1990er Jahren werden sie jedoch in Sachsen produziert - in der Delitzscher Schokoladenfabrik, wo etwa 20 Mitarbeiter an ihrer Herstellung beteiligt sind. Ein Markenzeichen der Frukas ist ihre nostalgische Verpackung, die sich über die Jahrzehnte kaum verändert hat. Man habe vor einigen Jahren versucht, das Design zu ändern: „Wir wurden abgestraft“, erzählt Gerrit Sachs, Geschäftsführer des Halloren-Vertriebs.
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Die Fruchtkaramellen sind quadratisch, flach und klein, kosten nicht viel, schmecken vor allem süß und gehören in vielen Supermärkten zum festen Regal-Repertoire. Sie sind quadratisch, flach und klein, kosten nicht viel, schmecken vor allem süß und gehören in vielen Supermärkten zum festen Regal-Repertoire. Die klassischen Sorten wecken bei den Kunden Kindheitserinnerungen: Es sind die Sorten Kirsche, Himbeere, Zitrone und Apfelsine. Die beliebteste Geschmacksrichtung ist laut Gerrit Sachs mit Abstand Kirsche, gefolgt von Himbeere. Verrückte Geschmacksrichtungen seien nicht geplant, auch wenn es gelegentlich saure Varianten wie Cola gibt.
Etwa im Dezember starten die Bestellungen von Frukas, damit sie pünktlich zur Karnevalszeit geliefert werden können. Das Unternehmen produziert jährlich etwa 1.000 Tonnen Frukas - das entspricht über 300 Millionen Bonbons. Ein Fruka wiegt nur 2,8 Gramm - zusammen ergibt das das Produktionsgewicht von etwa 200 erwachsenen Elefanten.
Warum sich am Design wenig ändert
Alle Änderungen des Designs floppten. „Klar, ab und an haben wir versucht, die Fruchtkaramellen zu modernisieren, sie höherwertig zu positionieren und neue Geschmacksrichtungen auszuprobieren“, sagt Darren Ehlert, Geschäftsführer der Delitzscher Schokoladenfabrik. „Aber ehrlich gesagt: Bislang ist jeder unserer Versuche grandios gescheitert.“ „Sobald wir etwas geändert haben, lagen die Fruchtkaramellen wie Blei in den Regalen“ und verkauften sich nicht mehr. „Das habe ich bei noch keinem anderen Konsumprodukt so erlebt“, sagt Ehlert. Jeder Marketingprofessor werde jetzt die Stirn runzeln, vermutet der Süßwarenexperte und „es ist uns auch selbst ein Rätsel, aber Böhmes Fruchtkaramellen sind schon ein sehr besonderes Produkt.“
Einzig das Material des Bonbonpapiers habe man angepasst: Vor etwa zwei Jahren wurde die Verpackung nachhaltiger gestaltet. Statt Aluminium kommt nun Papier zum Einsatz, was zu einer Einsparung von 20 Tonnen Aluminium pro Jahr geführt hat. „Das habe ich bei noch keinem anderen Konsumprodukt so erlebt“, sagt Ehlert.
Rezepturfragen: vegetarische Varianten
Doch bei der Rezeptur gibt es Überlegungen zu Veränderungen. Immer mehr Konsumenten wünschen sich eine vegetarische Variante - andere Mitbewerber haben diese bereits im Sortiment. „Es wird fast gefordert“, sagt Gerrit Sachs. Das Thema steht offenbar auf der Agenda, weil die Konsumentenwünsche sich ändern, auch wenn die klassische Rezeptur bislang Teil des nostalgischen Produktbildes ist.
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Regionalität, Traditionspflege und Delitzsch als Produktionsstandort
Die Schokoladenfabrik in Delitzsch kann auf eine lange Historie zurückblicken. Seit der Gründung 1894 ist es stets gelungen, trotz zweier Weltkriege und Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen, die Produktion aufrecht zu erhalten. In der Dübener Straße in Delitzsch, wo auch heute noch der Firmensitz der Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH zu finden ist, begannen Albert Böhme und Karl Hommel mit der Produktion von Süßwaren. Die Beliebtheit der Schokoladenprodukte verbreitete sich über die Delitzscher Grenzen hinaus nach Leipzig und Halle und aus den kleinen Anfängen entwickelte sich bald ein großes Unternehmen.
Traditionell vertraut die Unternehmensführung auf die Qualifikationen der Mitarbeiter, die im eigenen Betrieb angelernt werden. So erhielt die Delitzscher Schokoladenfabrik 1909 von der Stadt Delitzsch die offizielle Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen. Mit der Wiedereinführung der Marke Delitzscher in den Regionen, wo Delitzscher auch heute noch ein Begriff ist, knüpft das Unternehmen an seine regionalen Wurzeln an.
Produktpalette und Besonderheiten im Überblick
| Produktgruppe | Beispiele / Besonderheiten |
|---|---|
| Fruchtkaramellen | Böhme Fruchtkaramellen (Frukas): Kirsche, Himbeere, Zitrone, Apfelsine; Retro-Verpackung; Jahresproduktion ≈1.000 t |
| Schokolade & Pralinen | Pralinenfertigung, Schokoladencreme-Tafeln, traditionelle Schokoladenwaren |
| Mints & andere Süßwaren | Royal Mints, Handelsmarkenproduktion, Co-Manufacturing |
| Geschäftsfelder | Private Label, Co-Manufacturing, Unternehmensmarken; Export nach Europa, Nordamerika, Asien |
Delitzsch: Stadt, Kultur und kulinarische Traditionen
Delitzsch ist eine Stadt mit einer reichen Geschichte und Kultur. Die Stadt bietet eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten, darunter das Barockschloss, die Stadtkirche St. Peter und Paul und die historische Altstadt. Ein besonderes Schauspiel ereignet sich jeden Mittag um 12 Uhr an der Stadtkirche: Zwei kleine Figuren, Adam und Eva, versuchen sich gegenseitig zum Biss in den Apfel zu verleiten.
Delitzsch ist auch bekannt für seine kulinarischen Spezialitäten, wie die Delitzscher Hefeplinsen, die seit dem 19. Jahrhundert zubereitet werden. Nach altem Delitzscher Rezept wird seit einigen Jahren wieder die Kräuterspezialität "Naumann-Bitter" hergestellt. Die regionale Kultur und die Lebensmitteltradition bilden den Rahmen, in dem die Schokoladenfabrik historisch verwurzelt ist.
Warum Böhme heute noch relevant ist
- Langjährige Produktionstradition seit 1894 mit durchgehender Fertigung trotz historischer Einschnitte.
- Starke regionale Verwurzelung in Delitzsch und Anknüpfen an historische Marken wie "Delitzscher".
- Breites Produktportfolio: von Schokolade über Pralinen bis zu Fruchtkaramellen und Handelsmarkenfertigung.
- Stabile Nachfrage nach Kultprodukten wie den Fruchtkaramellen, trotz fehlender „Modernisierung“.
- Aktive Exporttätigkeit und Positionierung als Auftragsfertiger (Private Label, Co-Manufacturing).
Die Böhme Schokoladen GmbH in Delitzsch ist ein Beispiel dafür, wie tradiertes Handwerk, regionale Identität und moderne Fertigung zusammenwirken können, um sowohl nostalgische Produkte wie die Fruchtkaramellen als auch ein zeitgemäßes Sortiment für internationale Märkte zu produzieren.
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