Was bedeutet die Redewendung „aus Zucker sein“? Herkunft, Bedeutung und Anwendung im Deutschen

Die deutsche Sprache ist reich an Redewendungen, die farbige Bilder malen und nicht selten für Verwirrung sorgen, wenn man sie wörtlich nimmt. Besonders für Deutschlernende sind solche sprachlichen Bilder oft eine Herausforderung. Eine der bekanntesten und im Alltag häufig gebrauchten Redewendungen ist „aus Zucker sein“. Doch was bedeutet diese Redensart eigentlich, woher kommt sie und wie wird sie verwendet?

Symbolisches Bild: Eine Silhouette im Regen mit Regenschirm aus Würfelzucker

Die Bedeutung von „aus Zucker sein“

Umgangssprachlich steht die Redewendung „jmd. ist nicht aus Zucker“ dafür, dass jemand nicht empfindlich ist, besonders gegenüber äußeren Einflüssen wie Regen oder schwierigen Situationen. Sie beschreibt jemanden, der zäh und ausdauernd ist und sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Speziell bedeutet es, dass jemand nichts dagegen hat, sich im Regen aufzuhalten; er ist also unempfindlich gegen Niederschlag.

  • »Aus Zucker darf man hier nicht sein, und mit Menschen sollte man auch umgehen können.« (Hamburger Abendblatt, 29.04.2023)
  • »Ich bin ja nicht aus Zucker, ich habe schon viel erlebt.« (Frankfurter Rundschau, 20.01.2023)
  • »Das ist für mich okay, wir sind alle nicht aus Zucker«, sagte Thomas Müller zu dem »ein[en] oder anderen Spruch unter der Gürtellinie«. (Fränkischer Tag, 02.11.2021)
  • Die Schüler der Gräfelfinger Grundschulen sind nicht aus Zucker. Sie trotzen dem Regen, das haben sie bewiesen. (Münchner Merkur, 25.10.2022)
Illustration: Kinder spielen lachend im Regen ohne Schirme

Typische Anwendungsfälle

Die Redewendung wird meistens eingesetzt, wenn es um Durchhaltevermögen und Standhaftigkeit geht, besonders in alltäglichen Situationen mit unangenehmen Umständen:

  • Wer in diesen Tagen ein Freilichttheater besucht, darf nicht aus Zucker sein.
  • Aus Zucker durften sie nicht sein, die Feuerwehrfrauen und ‑männer, die trotz widrigen Wetters zeigten, was sie alles »drauf« haben.
  • »Wir Hamburger wissen, schlechtes Wetter geht wieder vorbei. Wir sind ja nicht aus Zucker«, sagte Scholz am Dienstagabend zum Auftakt der Party.

Wörtliche und bildliche Bedeutung

Redewendungen sind auch deshalb so schön, weil sie Bilder malen. Und die sind natürlich auch nicht wörtlich zu nehmen, sondern eher sinnbildlich. Das muss besonders verwirrend sein für alle, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Trotzdem oder gerade deshalb macht es aber besonders viel Spaß, sich Redewendungen mal vorzustellen, wenn man sie wörtlich nimmt.

Wendet man die Redewendung „aus Zucker sein“ wortwörtlich an, so müsste man befürchten, im Regen einfach zu zerschmelzen - schließlich löst sich Zucker bekanntlich im Wasser auf! Daher rührt auch die humorvolle Aussage, dass man „nicht aus Zucker“ ist, wenn man sich dem Regen stellt oder schlechtes Wetter grundsätzlich ignoriert.

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Kurze Erklärung: Deutsche Redewendung „nicht aus Zucker sein“ im Alltag

Vergleich zu anderen Redewendungen mit „Zucker“

Redewendungen mit dem Wort „Zucker“ sind fester Bestandteil der deutschen Alltagssprache und beschreiben häufig Gegensätze zwischen Härte und Milde. Wendungen wie „Zuckerbrot und Peitsche“ oder „nicht aus Zucker sein“ zeigen, wie Zucker sprachlich für Schonung, Nachsicht oder bewusste Freundlichkeit steht. Gleichzeitig wird der Begriff oft genutzt, um verdeckte Strategien, Übertreibungen oder bewusste Beschwichtigungen zu benennen. Zucker steht damit sinnbildlich für angenehme Worte, milde Behandlung oder das bewusste Abfedern unangenehmer Wahrheiten.

Redewendung Bedeutung Typischer Kontext
„Nicht aus Zucker sein“ Unempfindlich, nicht verwöhnt, wetterfest sein Im Regen, bei unerwarteten Schwierigkeiten
„Zuckerbrot und Peitsche“ Abwechselnd Härte und Nachsicht Erziehung, Arbeitswelt
„Jemandem Zucker ums Maul schmieren“ Übertrieben schmeicheln Komplimente, Lobhudelei

Woher kommt die Redewendung?

Der Ursprung der Redewendung liegt in der Alltagssprache bei Regenwetter. Da Zucker wasserlöslich und empfindlich ist, meint der Spruch, dass nur jemand, der „aus Zucker“ besteht, vom Regen Schaden nehmen würde. Die Wendung hat sich als Bild für Standhaftigkeit etabliert und wird gern genutzt, um zu signalisieren: „Mir machen ein bisschen Regen und Widrigkeiten nichts aus.“

Interessant ist, dass viele deutsche Redewendungen sehr alt sind und teilweise sogar aus dem Mittelalter stammen. Tatsächlich sind aber an Kampf oder blutige Bestrafung erinnernde Bilder ein durchaus beliebtes Bild in deutschen Redewendungen. Das könnte daran liegen, dass viele eben sehr alt sind und teilweise sogar aus dem Mittelalter stammen. Die Sprache wandelt sich ständig, doch einige Ausdrücke und insbesondere Redewendungen bleiben bis heute erhalten.

Alte Illustration: Menschen mit Zuckerhüten, Regenwolken und Sonnenschein

Missverständnisse und witzige Übersetzungen

Viele deutsche Redewendungen führen im Ausland oder bei Übersetzungen zu amüsanten Missverständnissen. Das kennt jeder, der schon mal im Internet unterwegs war: Deutsche Redewendungen, die wörtlich übersetzt für einen Lacher sorgen. SWR3 Übersetzungslacher: Weil ihr uns immer mehr schlecht auf Englisch übersetzte Redewendungen schickt ...

Natürlich gibt’s nicht nur in der deutschen Sprache zauberhafte Redewendungen. Auch in anderen Sprachen finden wir Sprachbilder, die sehr viel Spaß machen. Non tutte le ciambelle escono col buco ist ein Beispiel aus dem Italienischen. Wörtlich übersetzt heißt das: Nicht alle Donuts haben ein Loch. Was damit gemeint ist? Diese Redewendung wird in Italien verwendet, um auszudrücken, dass etwas nicht ganz so verläuft, wie man es sich wünscht oder vorgestellt hat.

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Noch mehr deutsche Redewendungen, die man nicht wörtlich nehmen sollte

Ganz sicher gibt es noch weitere schöne deutsche Redewendungen, bei denen etwas ordentlich schiefgehen würde, wenn wir sie wörtlich nehmen. So gibt es Ausdrücke wie „mit dem Kopf durch die Wand“, „einen Bären aufbinden“, „Blut und Wasser schwitzen“ oder „sich die Hand abhacken lassen“. Macht man es zu oft, bleibt einem nur noch ein Bein, das man sich ausreißen kann ... wer jetzt lacht, ist hier genau richtig. Tatsächlich sind aber an Kampf oder blutige Bestrafung erinnernde Bilder ein durchaus beliebtes Bild in deutschen Redewendungen.

Comic: Figuren versuchen wortwörtlich durch Wände zu gehen, im Regen zu stehen und Bären festzubinden

Kurativer Überblick: Redewendung „aus Zucker sein“ und ihre Fakten

Aspekt Erklärung
Bedeutung Jemand ist widerstandsfähig und nicht zimperlich bei Regen oder widrigen Umständen
Ursprung Alltagssprache, Metapher aus dem Verhalten von Zucker bei Wasser
Bezug zu „Zucker“ Zucker steht für Empfindlichkeit und Milde - im Gegensatz zur Robustheit der Person
Typische Kontexte Wetter, Arbeit, alltägliche Hürden

Falls du weitere Beispiele für uns im Kopf hast, dann schreib sie uns gern in die Kommentare. Wir freuen uns, die Sammlung mit der Community zu erweitern. Hau rein!

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