Aachener Schokoladenprinten: Geschichte, Herstellung und Besonderheiten

Aachener Printen sind eine der bekanntesten und beliebtesten Lebkuchenspezialitäten Deutschlands und besitzen einen festen Platz in der Genusswelt zur Advents- und Weihnachtszeit. Ihr herber, würzig-süßer Geschmack, die unverwechselbare Konsistenz und ihre lange Geschichte machen sie unverwechselbar - nicht nur in der Kaiserstadt Aachen, sondern weit über die Grenzen hinaus.

Aachener Printen und Aachener Dom, festliche Präsentation

Ursprung und Geschichte der Aachener Printen

Der Ursprung der Aachener Printen liegt wahrscheinlich in der belgischen Stadt Dinant. Bereits um das Jahr 1000 wurde dort das sogenannte „Gebildbrot“ zu religiösen Anlässen gebacken und in aufwendig geschnitzte Holzformen gedrückt. So erhielt das Gebäck auch seinen Namen: Das niederländische „prent“ und das englische „print“ bedeuten „drucken“ bzw. „Bild“. Der Teig wurde in Modeln gepresst, wobei das Relief auf dem Gebäck sichtbar blieb - ähnlich wie heute bei Spekulatius oder den Aachener Bildprinten.

Kupferschläger und Bronzegießer aus Dinant brachten diese Tradition ab dem 15. Jahrhundert in das Rheinland, insbesondere nach Aachen, wo erste Rezepturen ab dem 17. Jahrhundert traditionell aus Mehl, Honig und Gewürzen bestanden. Printen avancierten im Laufe der Zeit zum typischen Weihnachtsgebäck im Rheinland.

Die Weiterentwicklung im 19. Jahrhundert

Napoleons Kontinentalsperre (1806-1814) sorgte dafür, dass Aachener Bäcker keinen amerikanischen Honig oder Rohrzucker mehr beziehen konnten. So nutzte man erstmals Rübenzucker und Zuckerrübensirup, was den Teig zäher und schwerer formbar machte. Diese Notlösung wurde zur Tradition: Statt das Gebäck in Formen zu pressen, wurde es zu flachen Platten gewalzt und mundgerecht geschnitten.

Die Technik, den Teig zu schneiden, ermöglichte die industrielle Produktion und die Versorgung neuer Märkte, da die Printen aufgrund ihrer Härte besser transportiert werden konnten. Zu dieser Zeit entstand die bekannte Kräuterprinte: eine Aachener Spezialität mit zahlreichen Gewürzen, die sich durch ihren herb-süßen Geschmack auszeichnet.

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Historische Printen-Backformen und Modeln, Museumsansicht

Printen als geschützte Spezialität

Seit 1997 sind die Aachener Printen als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) innerhalb der EU eingetragen. Nur Printen, die nach traditionellem Rezept in Aachen und den umliegenden Orten (Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Stolberg und Würselen) hergestellt werden, dürfen sich „Aachener Printen“ nennen. Printen aus anderen Regionen dürfen diesen Namen nicht führen, auch wenn sie nach traditionellen Rezepturen gefertigt werden.

Herstellung der Aachener (Schokoladen-)Printen

Eine gute Aachener Printe soll glasig hart brechen und fast durchsichtig sein. Für Printen werden Mehl, verschiedene Zuckersorten (Kandis, Farinzucker, Zuckerrübensirup), Wasser und eine spezielle Gewürzmischung verwendet. Zu den typischen Gewürzen gehören Anis, Koriander, Nelken, Piment, Zimt und Kardamom. Das Mengenverhältnis der Gewürze wird von den Bäckereien streng gehütet und ist oftmals ein Familiengeheimnis.

  • Kein Fett, keine Eier: Der Printenteig enthält weder Butter noch Eier, wodurch die typische fest-knusprige Struktur entsteht.
  • Vegan und laktosefrei: Bis auf Varianten mit Schokoladenüberzug sind die meisten Printen vegan und laktosefrei.
Herstellungsschritte: Teig, Walzmaschine und Bleche

Vom Teig zur klassischen Hartprinte

  1. Der Printensirup wird mit Wasser erhitzt, dazu kommen Farin- und Kandiszucker, Mehl und die restlichen Zutaten.
  2. Der Anis wird fein gerieben und mit den weiteren Gewürzen vermengt.
  3. Nach dem Kneten ruht der feste Teig meist zwei Tage, damit sich die Aromen voll entfalten.
  4. Der Teig wird dünn ausgerollt, mit einer Walze geschnitten, auf gefettete und mit Wasser bespritzte Bleche gelegt und mit Milch bepinselt.
  5. Je nach Stückgröße werden die Printen rund 20 Minuten bei ca. 200 °C gebacken.

Abgekühlt werden sie mit einem geschmacksneutralen Glanz aus Kartoffelmehl und Wasser überzogen. Diese Hartprinten sind für viele das Original - kräuterstark und knackig.

Weichprinten und Schokoladenprinten

Um die Zähne der Genießer zu schonen, entstand die Variante der Weichprinte. Nach dem Backen kommen die Printen in Klimakammern mit hoher Luftfeuchtigkeit, wobei der Zucker Feuchtigkeit aufnimmt und das Gebäck weich wird. Oft werden diese dann noch mit Zartbitter-, Vollmilch- oder weißer Schokolade überzogen, um die Feuchtigkeit zu halten und einen besonders aromatischen Geschmack zu erzielen.

Die Schokoladenprinte wurde erstmals 1872 von Henry Lambertz kreiert als erste mit Schokolade überzogene Gebäckspezialität Deutschlands. Zahlreiche Variationen (Nuss-, Mandel-, Zuckergussprinte) ergänzen heute das Sortiment.

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Herstellung und Veredelung von Aachener Schokoladenprinten

Formen, Motive und Innovationen

Früher wurden Printen als sogenannte Bilder- oder Gebildbrote in kunstvoll geschnitzte Holzformen gepresst und deren Motive variierten mit der Zeit. Ursprünglich dominierten religiöse Motive, im 19. Jahrhundert dann Kriegerfiguren als ironischer Seitenhieb auf die Besatzung durch französische und preußische Truppen.

Moderne Formen sind rechteckige Schnittprinten, kleine Moppe-Printen, Konfektstücke und spezielle Editionen wie den „Printillo“ oder Dessert-Kreationen wie Printen-Tiramisu. In Aachen gibt es zudem einen eigenen Printenmann auf dem Weihnachtsmarkt, was den Kultstatus des Gebäcks unterstreicht.

Printen auf dem Aachener Weihnachtsmarkt, Printenmann

Die Rolle der Aachener Printen im Stadtleben und Export

Die Aachener Printen gehören zur städtischen Identität: Zahlreiche Vereine, Veranstaltungen und sogar Preise tragen ihren Namen, wie die Karnevalsgesellschaft „Oecher Prente“ oder der Kleinkunstpreis „Aachener Prenteschang“. In der Weihnachtszeit werden sie in Aachen auf Weihnachtsmärkten und in Traditionsbäckereien verkauft - Printenstände sind dort so häufig wie die berühmten Bratwurstbuden. In Geschäften wie Klein, Nobis oder Lambertz geben sich Touristen aus aller Welt die Klinke in die Hand.

Bäcker wie Andreas Klein backen Printen seit Generationen nach streng gehütetem Familienrezept. „Das Mengenverhältnis der Gewürzmischung hüten wir wie ein Geheimnis. Unsere Printen sind, bis auf die mit Schokoladenüberzug, vegan und laktosefrei.“ Die Bäckerei Klein beispielsweise versendet Printen rund um die Welt, kunstvoll verpackt in Holzkisten oder Metalldosen. Die Printen von Klein gehen in alle Welt.

Printen in der modernen Küche und weitere Besonderheiten

Aachener Printen werden nicht nur als Gebäck genossen, sondern auch gemahlen zur Verfeinerung von Herzhaftem, wie etwa der Sauce zum klassischen Aachener Sauerbraten. In moderner Confiserie gibt es Varianten als Gebäckkonfekt, Printeneis und kreative Desserts wie Printen-Tiramisu (Printen, Quark, Mascarpone, Äpfel, Kaffee, Amaretto, Kakao, Zimt, Printengewürzmehl).

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Das charakteristische Aroma verdankt die Printe der einzigartigen Gewürzkombination, der karamellisierten Zucker, welcher beim Kauen knuspert, und der Auswahl an Überzügen und Glasuren. Traditionell wird der Glanz mit Kartoffelmehl erzeugt, während viele Printen auch mit Haselnüssen, Mandeln, weißer oder dunkler Schokolade überzogen werden.

Kreative Printenvariationen und Printengewürze

Praktische Tipps für Lagerung und Verzehr

  • Printen sollten kühl, lichtgeschützt und trocken aufbewahrt werden, dann sind sie bis zu neun Monate haltbar.
  • Wer Weichprinten bevorzugt, kann Hartprinten zu Hause mit einem Stück Apfel oder Brot in einer Blechdose lagern, damit die Feuchtigkeit aufgenommen wird.
  • Komplett mit Schokolade überzogene Printen bleiben besonders lange weich, da die Feuchtigkeit nicht so schnell entweichen kann.

Bedeutende Printenbäcker und Aachener Printen als Kulturgut

Namen wie Klein, Nobis, van den Daele und allen voran Henry Lambertz sind mit der Geschichte und dem Export der Aachener Printen fest verbunden. 1870 wurde Henry Lambertz offizieller Hoflieferant für das belgische, niederländische und preußische Königshaus. Lambertz entwickelte zudem die industrielle Printenherstellung und schuf 1872 die erste Schokoladenprinte Deutschlands.

Bis heute ist die Leidenschaft für Printen in Aachen lebendig. Besucher und Aachener genießen das Gebäck das ganze Jahr über - besonders jedoch ab Herbst, wenn der Duft nach Zimt, Nelken, Anis und Koriander aus den Backstuben die Straßen erfüllt.

Traditionsgeschäfte (Klein, Nobis, Lambertz) in Aachen

Tabelle: Sorten und Merkmale der Aachener Printen

Printensorte Merkmale Überzug/Besonderheit
Kräuterprinte Herb, würzig, hart Glasur aus Kartoffelmehl
Weichprinte Weich, aromatisch Findet Feuchtigkeit in Kammern oder Dose
Schokoladenprinte Weich oder hart Zartbitter-, Vollmilch- oder weiße Schokolade
Nuss- und Mandelprinte Oft etwas fester Mit ganzen oder gehackten Nüssen
Prinzessprinte Weich oder hart Zuckergussdecke
Vielfalt der Printensorten auf einem Tablett

Die Printe: Ein Aachener Symbol und Exportschlager

In Aachen ist die Printe fest mit der Stadtgeschichte verbunden und symbolisiert kulinarische Tradition, Handwerkskunst und Innovationsfreude zugleich. Die Printenbäckereien der Stadt stehen für beständiges Qualitätsbewusstsein und Pflege alter Rezepte. Wer die Franzstraße während der Adventszeit entlangschlendert, verfällt dem Duft nach Zimt, Nelken und karamellisiertem Zucker und taucht ein in eine Welt mit über 350 Jahren Genussgeschichte.

Stimmungsvolles Backstubenfoto, Printenherstellung in Aachen

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