Ursachen von Schwindel bei Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) enthält das Blut ungewöhnlich wenig Zucker (Glukose). Obwohl Diabetes mellitus durch hohen Blutzuckerspiegel charakterisiert ist, leiden viele Diabetiker hin und wieder an einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) aufgrund der Nebenwirkungen der Behandlung mit Insulin oder anderen Medikamenten, die den Blutzuckerspiegel senken. Unterzuckerung ist bei Nichtdiabetikern selten, kann dort aber ebenfalls auftreten und Schwindel verursachen.
Warum führt ein Abfall des Blutzuckerspiegels zu Schwindel?
Sehr niedrige Blutzuckerspiegel können die Funktion vieler Organsysteme beeinträchtigen. Vor allem das Gehirn reagiert empfindlich auf niedrige Blutzuckerspiegel, denn Zucker ist seine wichtigste Energiequelle. Wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist, erhält das Gehirn nicht ausreichend Nährstoffe, was zu Verwirrung, Krampfanfällen oder Bewusstseinsverlust führen kann. Bei schweren Unterzuckerungen wird die Glukoseversorgung des Gehirns verringert, was zu Schwindel, Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Verwirrung und einem Benehmen führen kann, das möglicherweise mit einer Trunkenheit verwechselt wird.
Häufige Ursachen der Hypoglykämie, die Schwindel auslösen
- Medikamenteninduzierte Hypoglykämie: Die meisten Fälle von Unterzuckerung treten bei Diabetikern auf und werden durch Insulin oder andere Medikamente verursacht (besonders Sulfonylharnstoffe, wie Glyburid, Glipizid und Glimepirid). Hypoglykämie tritt häufiger auf, wenn man besonders darum bemüht ist, den Blutzuckerspiegel auf einem so normalen Niveau wie möglich zu halten, oder wenn Betroffene, die Insulin nehmen, ihren Blutzuckerspiegel nicht oft genug kontrollieren.
- Überdosierung oder fehlende Anpassung von Insulin/Antidiabetika: Wenn ein Diabetiker nach der Einnahme eines Diabetesmedikaments weniger als gewöhnlich isst oder sich körperlich mehr anstrengt, kann das Medikament den Blutzuckerspiegel zu stark absenken.
- Sulfonylharnstoffe und ältere Erwachsene: Ältere Erwachsene sind anfälliger als jüngere für Unterzuckerungen als Reaktion auf Sulfonylharnstoffe.
- Andere Medikamente: Bestimmte Medikamente für andere Erkrankungen, vor allem Pentamidin und Chinin, verursachen gelegentlich eine Unterzuckerung.
- Alkoholmissbrauch während Nüchternheit: Bei schweren Trinkern, die kaum essen, kann Alkohol die Bildung von Glukose aus der Leber blockieren.
- Lebererkrankungen und Organversagen: Bei Personen mit Leberkrankheiten wie viraler Hepatitis, Zirrhose oder Krebs kann die Leber eventuell nicht ausreichend Glukose bilden und speichern.
- Chronische Nierenkrankheit, Herzinsuffizienz, Krebs, Sepsis: Diese Erkrankungen können vor allem bei schwerkranken Menschen Hypoglykämien verursachen.
- Insulin-produzierender Tumor (Insulinom): Eine seltene, aber wichtige Ursache ist ein Insulinom - ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse, der Insulin produziert. Bei Personen mit einem Insulinom treten die Symptome häufig nach nächtlichem Fasten früh am Morgen auf.
- Reaktive (postprandiale) Hypoglykämie: Eine Unterzuckerung kann auftreten, nachdem eine Person eine sehr kohlenhydratreiche Mahlzeit zu sich genommen hat, wenn der Körper aus irgendeinem Grund mehr Insulin als erforderlich produziert. Nach bestimmten bariatrischen Operationen, z. B. Magenbypass, werden Zucker sehr schnell verwertet, was zu übermäßiger Insulinproduktion und damit zu Unterzuckerung führen kann.
- Fastenbedingte Hypoglykämie (Nüchternhypoglykämie): Es gibt Erkrankungen, bei denen der Körper nach einer Zeit ohne Nahrung den erforderlichen Blutzuckerspiegel nicht aufrechterhalten kann, zum Beispiel bei Glykogen-Speicherkrankheiten bei Kindern.
Warum manche Gruppen besonders Schwindel bei Unterzuckerung erleben
- Diabetiker (Typ 1 und langjähriger Typ 2): Menschen mit Typ-1-Diabetes oder Menschen mit lange bestehendem Typ-2-Diabetes (über mindestens 10 Jahre) sind für eine Unterzuckerung anfälliger, da sie eventuell nicht genug Glukagon oder Adrenalin bilden können.
- Schlanke Frauen: Weibliche Geschlechtshormone machen den Körper besonders insulinempfindlich, weshalb der Zucker bei sehr schlanken Frauen besonders schnell aus dem Blut aufgenommen werden kann.
- Leistungssportler: Ehrgeizige Sportler verbrauchen während intensiver körperlicher Anstrengung große Mengen Glukose; wird nicht ausreichend nachgetankt, können Muskeln besonders insulinempfindlich werden und die Glukose aus dem Blut „aufsaugen“.
- Personen nach bariatrischen Operationen: Nach Magenverkleinerung oder Bypass kann die Zuckerverwertung beschleunigt sein, was zu reaktiven Hypoglykämien führt.
Symptome der Hypoglykämie, bei denen Schwindel auftreten kann
Die Symptome einer Unterzuckerung entwickeln sich zumeist erst, wenn der Blutzuckerspiegel unter 60 mg/dl (3,3 mmol/l) abgesunken ist. Manche Menschen entwickeln Symptome bei etwas höheren Spiegeln, vor allem, wenn der Blutzuckerspiegel rapide abfällt. Leichte Hypoglykämie: Schwitzen, Nervosität, Zittern, Ohnmacht, Herzklopfen und Hunger. Schwere Hypoglykämie: Schwindel, Ermüdung, Schwäche, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Verwirrung, undeutliche Sprache, verschwommenes Sehen, Krampfanfälle und Koma.
Adrenalin regt die Ausschüttung von Glukose aus den Körperspeichern an, verursacht jedoch auch Symptome, die einer Angstattacke ähneln: Schwitzen, Nervosität, Zittern, Ohnmachtsanfälle, Palpitationen und Hunger. Bei schweren Unterzuckerungen wird die Glukoseversorgung des Gehirns verringert, was zu Schwindel und Benommenheit führt - Formen von Schwindel, die häufig mit einer Unterzuckerung in Verbindung stehen, sind Benommenheitsschwindel und diffuse Taumeligkeit.
Diagnostik: Wie erkennt man, dass Schwindel von Unterzuckerung herrührt?
- Die Diagnose basiert auf dem Vorfinden von niedrigen Blutzuckerspiegeln, während Symptome auftreten. Bei bekannten Diabetikern kann ein Arzt eine Unterzuckerung vermuten, wenn die Symptome beschrieben werden.
- Bei ansonsten gesunden Personen, die nicht an Diabetes leiden, werden Krankengeschichte, Zeitpunkt der Symptome (z. B. nach dem Essen, während des Sports, morgens nach dem Fasten) und Messungen des Blutzuckerspiegels herangezogen.
- Der orale Glukosetoleranztest (OGTT) kann eingesetzt werden, um zu überprüfen, wie der Körper auf Glukose reagiert; dabei werden über mehrere Stunden Blutzucker- und Insulinspiegel gemessen.
- Bei Verdacht auf Insulinom können längere Fastenprotokolle mit Messung von Insulin- und C-Peptid-Spiegeln erforderlich sein.
- Manchmal sind auch bildgebende Verfahren nötig, um Tumoren zu lokalisieren.
Behandlung und Maßnahmen zur Verhinderung von Schwindel durch Unterzuckerung
Die Symptome einer Unterzuckerung werden durch den Verzehr oder die Verabreichung von Zucker in jeglicher Form behandelt. Die Symptome lassen innerhalb von Minuten nach der Aufnahme von Zucker, z. B. Süßigkeiten, Glukosetabletten oder einem süßen Getränk, nach. Menschen mit wiederkehrenden Unterzuckerungen tragen gerne Glukosetabletten mit sich, da die Tabletten schnell wirken und eine konstante Zuckermenge liefern.
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- Sofortmaßnahmen bei leichter Hypoglykämie: Traubenzucker, Würfelzucker, zuckerhaltige Limonade oder Fruchtsaft. In der Regel 10-20 g Glukose (z. B. ein Glas Fruchtsaft oder 2-4 Plättchen Traubenzucker); nach 15 Minuten erneut messen und ggf. wiederholen. Danach einen Snack mit langsam verwertbaren Kohlenhydraten (z. B. Vollkornbrot) essen.
- Bei schwerer Hypoglykämie: Wenn die orale Aufnahme nicht möglich ist, verabreichen Ärzte rasch Glukose intravenös. Personen mit bekanntem Risiko können Glukagon-Notfallsets mit sich führen; Glukagon normalisiert die Blutglukose innerhalb von 5-15 Minuten.
- Langfristig: Anpassung der Medikamentendosen oder Wechsel von Medikamenten, Ernährungsumstellung (kleinere, häufigere Mahlzeiten; Verringerung von Einfachzuckern), bei reaktiver Hypoglykämie evtl. Alpha-Glukosidase-Hemmer (z. B. Acarbose). Bei Insulinom ist meist eine operative Entfernung erforderlich.
- Prävention: Blutzucker regelmäßig messen, Diabetes-Tagebuch führen, vor Sport aktivieren (Energie nachfüllen), kein übermäßiger Alkoholkonsum, medizinischen Ausweis tragen.
Praktische Tipps bei Schwindel durch Unterzuckerung
- Bei den ersten Anzeichen sofort schnelle Kohlenhydrate zu sich nehmen (Traubenzucker, Fruchtsaft, Cola). Ruhe bewahren und sich hinsetzen, um Stürze zu vermeiden.
- Blutzucker messen, wenn möglich; nach 15 Minuten erneut prüfen und bei weiter niedrigem Wert wiederholen.
- Nach Stabilisierung einen Snack mit langsamen Kohlenhydraten essen, um erneute Unterzuckerung zu verhindern.
- Ist die Person bewusstlos: stabile Seitenlage, keinen Mundinhalt einflößen, Rettungsdienst rufen; bei vorhandenem Glukagon-Set dieses anwenden.
- Bei wiederkehrenden Episoden ärztliche Abklärung durchführen lassen, um die Ursache zu finden (Medikamente, Insulinom, Stoffwechselstörungen, postoperative Zustände).
Tabelle: Ursachen von Hypoglykämie mit Risiko für Schwindel - Übersicht
| Ursache | Mechanismus | Typische Situation |
|---|---|---|
| Insulin / Sulfonylharnstoffe | Übermäßige Senkung des Blutzuckers | Fehlende Mahlzeit, zu hohe Dosis, Sport |
| Pentamidin, Chinin | Medikamenteninduzierte Hypoglykämie | Behandlung weiterer Erkrankungen (z. B. Pneumonie) |
| Alkoholmissbrauch | Blockierte Glukoneogenese in der Leber | Langes Fasten + Alkoholkonsum |
| Leber- / Nierenversagen, Sepsis | Verminderte Glukosespeicher oder Produktion | Schwerkranke Patienten |
| Insulinom | Autonome Insulinproduktion | Nüchternhypoglykämie, morgens |
| Bariatrische Operation | Beschleunigte Glukoseaufnahme → Überproduktion Insulin | Postprandiale Symptome einige Stunden nach Essen |
Wann ist Schwindel durch Unterzuckerung lebensbedrohlich?
Eine schwere Unterzuckerung kann zur Bewusstlosigkeit, zu Krampfanfällen und Koma führen und ist damit potenziell lebensbedrohlich. Besonders gefährlich: Menschen, die die Frühsymptome einer Unterzuckerung nicht mehr wahrnehmen (bei langjähriger Diabetesgeschichte), können plötzlich ohnmächtig werden, ohne Vorwarnung. Daher ist die rasche Erkennung und Behandlung essenziell.
Wichtige Hinweise
- Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf niedrige Blutzuckerwerte; deshalb variieren auch Schwellenwerte und Symptome.
- Bei wiederkehrenden oder unklaren Schwindelanfällen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen, um die zugrunde liegende Ursache zu finden.
- Betroffene sollten einen Diabetes-Notfallausweis bzw. medizinischen Ausweis tragen und Angehörige schulen, wie Glukagon angewendet wird.
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