Lindt & Sprüngli: Unternehmensgeschichte und Fakten des Schweizer Schokoladenherstellers
Mit einem Umsatz von mehr als 5,4 Milliarden Schweizer Franken und über 14.900 Beschäftigten zählt Lindt & Sprüngli zu den größten und bekanntesten Herstellern von Premium-Schokolade weltweit sowie zu den etabliertesten Marken in Deutschland. Die Geschichte des Unternehmens ist eine beeindruckende Reise von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur heutigen globalen Präsenz.
Die Ursprünge: Sprüngli und Lindt im 19. Jahrhundert
Die Wurzeln von Lindt & Sprüngli liegen in zwei Schweizer Unternehmen: der Confiserie Sprüngli & Sohn, die 1836 in Zürich gegründet wurde, und der von Rodolphe Lindt 1879 in Bern eröffneten kleinen Konditorei. Bereits ab 1845 begann Sprüngli mit der Herstellung von Schokoladenwaren und etablierte sich rasch als renommierter Hersteller.
1847 eröffnete Sprüngli die erste Schokoladenfabrik in Schleifetobel, Horgen, deren Produktion schon bald die frische Schokolade in der Luft erkennbar machte. Der Name Sprüngli wurde bald in Zürich durch die Eröffnung der Confiserie am Paradeplatz, einem der prestigeträchtigsten Standorte der Stadt, weiter bekannt. Dieser Laden avancierte schnell zum beliebten Treffpunkt und zur besten Adresse für feine Confiserie- und Konditoreiwaren.
Rodolphe Lindt revolutionierte 1879 die Schokoladenherstellung mit seiner Erfindung des Conchierverfahrens, das eine cremige Textur erzeugt und damit die bislang übliche brüchige Schokolade ersetzte. Durch das laufende Rühren der Schokomasse über mehrere Tage entstand eine besonders fein schmelzende Schokolade, die den Geschmack und die Qualität deutlich verbesserte. Dieses Verfahren wird bis heute verwendet.
Die Fusion: Lindt & Sprüngli entsteht 1899
1892 trennten sich die Wege der Brüder Rudolf Sprüngli-Schifferli und David Robert Sprüngli-Baud, nachdem der Vater zurücktrat. Rudolf übernahm die Schokoladenfabrik, David die Confiserien in Zürich. 1899 markierte ein entscheidendes Jahr: Rudolf Sprüngli kaufte für 1,5 Millionen Goldfranken die Schokoladenfabrik von Rodolphe Lindt in Bern, inklusive dem exklusiven Patent des Conchierverfahrens sowie der Marke Lindt. Zugleich wurde die Fabrik in Kilchberg am Zürichsee neu gebaut und das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt - die Geburtsstunde der Aktiengesellschaft Vereinigte Berner und Zürcher Chocoladenfabriken Lindt & Sprüngli.
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Rudolphe Lindt blieb in der Firma bis 1905, zog sich dann aber nach internen Streitigkeiten zurück. Die Firma entwickelte sich unter Sprüngli weiter zu einem führenden Anbieter edler Schokolade.
Wachstum und Internationalisierung im 20. Jahrhundert
Die ersten Auslandsexpansionen erfolgten in den 1920er Jahren mit Generalvertretungen in Deutschland und den USA sowie der Gründung einer Tochtergesellschaft in Berlin 1928. Lindt & Sprüngli überstand die Weltkriege mit anhaltender Qualitätsorientierung und konnte nach dem Zweiten Weltkrieg schnell wieder wachsen. 1949 wurde mit LINDOR eine der bekanntesten Pralinenlinien eingeführt - zunächst als Tafel, später auch als Trüffel - die heute zum Markenkern zählt.
1952 kam der ikonische Goldhase in den Handel, der sich mittels goldfarbener Folie, rotem Band und Glöckchen zu einem Osterklassiker entwickelte.
Die 1960er und 1970er Jahre brachten mit den Lindt Connaisseur Pralinés und den Lindt EXCELLENCE-Schokoladentafeln weitere Klassiker hervor, die heute als Premiumprodukte angesehen sind.
Moderne Entwicklung und Expansion
Der Börsengang 1986 war ein Meilenstein für die internationale Expansion: Im selben Jahr wurde ein Produktions- und Verwaltungsgebäude in den USA eröffnet, weitere Beteiligungen und Firmengründungen folgten unter anderem in Frankreich, Italien, Österreich und Australien.
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Besonders wichtig war die Übernahme von Russell Stover (USA) und Caffarel (Italien), die Lindt & Sprüngli zur drittgrößten Schokoladenfirma in Nordamerika machte und die Produktpalette erheblich erweiterte.
Die deutsche Tochtergesellschaft, mit Sitz in Aachen, betreibt die Fertigung und den Vertrieb der international vertriebenen Artikel in Deutschland.
Aktuelle Umsatzzahlen und Beschäftigung
| Jahr | Umsatz (in Mrd. CHF) | Beschäftigte |
|---|---|---|
| 2021 | 4,6 | ca. 14.900 |
| 2022 | 5,4 | mehr als 14.900 |
2021 konnte Lindt & Sprüngli einen Umsatzanstieg von 14,2 % erzielen und befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs - trotz einiger Herausforderungen durch Frankenstärke und globale Krisen.
Produktvielfalt und Innovationen
Lindt & Sprüngli bietet ein breites Sortiment von Tafelschokoladen mit verschiedenen Kakaogehalten, Pralinen und saisonalen Produkten wie Osterhasen und Weihnachtsmännern an. Besonders an Bedeutung gewinnen Schokoladen mit hohem Kakaoanteil und innovativen Zutaten wie Pfeffer, Chili oder Hafermilch.
Die Produktlinie der LINDOR-Trüffel gilt als der „Gipfel des Genusses“ und wird weltweit sehr geschätzt.
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In verschiedenen europäischen Ländern hat Lindt & Sprüngli auch Brotaufstriche mit Schokolade oder Haselnuss im Sortiment, was die Markenpräsenz über die Schokolade hinaus erweitert.
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung
Seit 2008 verfolgt Lindt & Sprüngli das Farming Program, das die Lebensgrundlagen von kleinbäuerlichen Kakaoproduzenten verbessern soll. Dabei wird die Lieferkette der Kakaobohnen rückverfolgbar gestaltet, und Bauern erhalten Schulungen für eine nachhaltige Anbauweise. Bis 2021 sollen etwa 54.000 Kleinbauern von solchen Maßnahmen profitiert haben, außerdem wurden in Ghana unter anderem 30 neue Schulgebäude gebaut. Insgesamt hat Lindt & Sprüngli bis 2021 rund 82 Millionen Euro in solche Initiativen investiert.
Allerdings gibt es auch Kritik an der Umsetzung und Wirksamkeit dieser Programme, da beispielsweise viele Bauern die Kosten für nachhaltige Maßnahmen nur schwer tragen können.
Markenschutz und Rechtliche Auseinandersetzungen
Der Lindt Goldhase ist seit 2000 als Marke in der EU und seit 2001 in Deutschland eingetragen. Trotzdem musste Lindt & Sprüngli in verschiedenen Rechtsstreitigkeiten gegen andere Hersteller, die ebenfalls Schokoladenhasen in Sitzposition anbieten, Einbußen hinnehmen. So wies der Europäische Gerichtshof 2012 einen Versuch Lindts, den Goldhasen europaweit schützen zu lassen, ab. Auch diverse Verfahren gegen Wettbewerber wie Riegelein und Heilemann führten zu Niederlagen vor Gericht.
Auch internationale Verfahren, wie die Auseinandersetzung vor einem US-Gericht 2024 um Schwermetallwerte in Schokolade, belasteten die Marke zeitweise. Dort musste Lindt & Sprüngli Werbeaussagen anpassen.
Bedeutung der Aktien und Unternehmensführung
Die Aktie der Chocoladefabrik Lindt & Sprüngli AG gehört zu den teuersten der Welt. Am 3. Juni 2016 wurde eine Namensaktie an der SIX Swiss Exchange für 72.945 CHF notiert, und 2022 erreichte der Preis zeitweise bis zu 97.000 CHF.
Seit 1994 werden alle Gruppenfirmen unter der Holding-Gesellschaft geführt. Die Unternehmensleitung hat in den letzten Jahrzehnten mehrere Wechsel erfahren, Marktplätze in Deutschland, USA, Frankreich und Asien werden kontinuierlich ausgebaut.
Besondere Highlights und kulturelle Bedeutung
Mit über 150 Millionen verkauften Goldhasen pro Jahr ist dieser Osterklassiker ein Symbol für die Marke weltweit. Der Lindt-Teddy, eingeführt 2011, soll eine ähnliche Ikone für Weihnachten werden.
Zum 175-jährigen Jubiläum 2020 eröffnete Lindt das „Lindt Home of Chocolate“ in Kilchberg - ein interaktives Schokoladenmuseum, Forschungszentrum und gleichzeitig der größte Schokoladenladen der Welt mit einem der größten Schokoladenbrunnen.
Kritik und Herausforderungen
Trotz großer Erfolge hat Lindt & Sprüngli auch Kritik erfahren, insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit, Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in Ghana und Lebensmittelverschwendung. 2024 tauchten Berichte über Kinderarbeit auf Plantagen für Lindt-Kakao auf.
Darüber hinaus wurde die Firma im Januar 2024 von Schweizer Medien bezüglich dieser Themen kritisch beleuchtet. Im Juli 2023 kündigte das Unternehmen zudem an, künftig keine Werbung mehr an unter 16-Jährige zu richten, um verantwortungsvoller aufzutreten.
Zusammenfassung
Lindt & Sprüngli steht heute für luxuriöse, qualitativ hochwertige Schokolade, die Geschichte, Qualität und Innovation vereint. Von der kleinen Zürcher Confiserie über die bahnbrechende Erfindung des Conchierverfahrens bis hin zur internationalen Premium-Marke mit nachhaltigem Engagement - die Geschichte des Unternehmens ist eine Schweizer Erfolgsgeschichte mit weltweiter Ausstrahlung.
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