Lindt Dubai Schokolade Umbenennung Hintergründe

Der Hype um die beliebte Dubai-Schokolade bricht nicht ab. Immer mehr Marken, darunter auch bereits seit einigen Wochen Lindt & Sprüngli, setzen auf eigene Varianten des Trendprodukts. Nun vermarktet der Schokoladenhersteller die Dubai-Schokolade überraschend unter einem neuen Namen.

Was ist passiert: Umbenennung und Markteinführung

Kunden können sie seit Freitag, 13. Dezember, unter dem Namen „Dubai Style Chocolade“ in deutschen Lindt-Shops kaufen. Lindt reagiert - und was sagt Lidl vor Verkaufsstart in Neckarsulm dazu? Kurz darauf kündigte Lindt in einer Mitteilung an seine Kunden an, die Produktlinie um eine neue Variante zu erweitern. Die „Lindt Dubai Style Chocolade“ solle mit neuer Rezeptur „noch mehr Kundinnen und Kunden glücklich machen.“ So will das Unternehmen wohl den bisherigen Erfolg fortsetzen, jedoch unter neuem Namen.

Lindt Dubai Style Chocolade Verpackung

Offizielle Begründung von Lindt

Wie das Unternehmen unserer Redaktion mitteilte, handle es sich bei der neuen Variante allerdings um ein neues, nun maschinell hergestelltes Produkt, das daher auch einen anderen Namen trage. Es können im Gegensatz zur zuvor verkauften, handgefertigten Dubai-Schokolade in großer Stückzahl produziert werden. Lindt führt den neuen Namen aber auf eine veränderte Rezeptur zurück. Ein Zusammenhang mit der Abmahnung bestehe nicht, betont eine Sprecherin gegenüber der „Lebensmittelzeitung“.

Hintergrund: Abmahnung wegen Herkunftsbehauptung

Wie die „Lebensmittelzeitung“ vor wenigen Tagen berichtete, hatte ein Importeur, der echte Schokolade aus Dubai vertreibt, zuvor rechtliche Schritte gegen Lindt eingeleitet. Der Vorwurf: Die als „Dubai-Schokolade“ vermarkteten Produkte von Lindt stammen nicht aus Dubai und könnten Verbraucherinnen und Verbraucher täuschen. Eine Abmahnung mit einer Aufforderung zur Unterlassung sei Anfang Dezember an Lindt übermittelt worden. Sollte das Unternehmen nicht reagieren, drohte der Importeur mit einem gerichtlichen Verkaufsstopp.

Der deutsche Importeur Andreas Wilmers will in Kürze erste Abmahnungen nach Kilchberg schicken. Der Hintergrund: Lindt stellt seine Dubai-Schoggi eben nicht im Emirat her - sondern in Deutschland. Wilmers hingegen importiert echte Dubai-Schokolade mit seinem Berliner Unternehmen direkt von der Marke „Fix Dessert“ der britisch-ägyptischen Unternehmerin Sarah Hamouda (38), die die Hype-Süssigkeit in Dubai erfunden haben soll.

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Die rechtliche Argumentation des Importeurs

In der „strafbewährten Unterlassungserklärung“ heißt es wortwörtlich: „Indem Sie die sogenannte ‚Dubai Chocolade‘ anbieten, erwecken Sie bei den angesprochenen Verkehrskreisen den Eindruck, die von Ihnen angebotene Schokolade sei in Dubai hergestellt worden.“ Und weiter: „Dies ist tatsächlich jedoch unzutreffend, da Sie Ihre Schokolade selbst produzieren, und diese gerade nicht aus Dubai stammt.“

Der Schokoladenhersteller Wilmers vertritt die Ansicht, es gebe nur drei legitime Hersteller der Dubai-Schoggi im Ursprungsland. Darum sei es irreführend, dass Lindt sein Produkt mit „Dubai“ vermarkte. Der Dreh- und Angelpunkt der rechtlichen Auseinandersetzung ist § 127 Markengesetz (MarkenG). Danach dürfen geografische Herkunftsangaben nicht für Waren benutzt werden, die nicht diese geografische Herkunft aufweisen. So argumentiert auch Wilmers, vertreten von Rechtsanwalt Andreas Ernst Forsthoff, LL.M aus Heidelberg. Sollte Käufer beim Kauf der in Frage stehenden Schokolade wirklich denken, er kaufe ein Produkt aus Dubai, läge nach dieser Sichtweise eine irreführende Herkunftsangabe vor.

Gegenargumente: Ist „Dubai“ eine Herkunftsangabe oder eine Gattungsbezeichnung?

Lindts Kreation habe mit «Dubai-Schokolade, die von Hand hergestellt wird, nichts zu tun», sagte Wilmers zum Branchenmagazin. Ob Wilmers mit dieser Ansicht im Falle eines Gerichtsverfahren Erfolg haben wird, bleibt fraglich. Es könnte sich bei dem Wort ‚Dubai‘ gar nicht um eine Herkunftsangabe handeln. Eher könne es auch ein Hinweis auf die spezielle Herstellung sein. Die Bestimmung dessen richtet sich nach der Verkehrsanschauung. Es müsse sich gefragt werden, ob ein Käufer bei Kauf der in Frage stehenden Schokolade wirklich denkt, er kaufe ein Produkt aus Dubai.

Die angesprochenen Verkehrskreise könnten bei dem Begriff 'Dubai Schokolade' nicht an Dubai als Herkunftsland der konkreten Schokolade selbst denken. In der Rechtsprechung und Kommentarliteratur ist anerkannt, dass Bezeichnungen wie Italienischer Salat, Wiener Schnitzel und Kölnisch Wasser vom Durchschnittsverbraucher ohne weiteres als Gattungsbezeichnungen erkannt werden. Vielmehr sei entscheidend, sich bei der Rezeptur und den verwendeten Zutaten an der Original-Schoggi zu orientieren.

Markenrecht und Markenanmeldungen rund um den Trend

Denn Medienberichten zufolge haben mehrere Firmen beim Deutschen Patent- und Markenamt (dpma) Markenrechte für die Dubai-Schokolade in verschiedenen Varianten angemeldet. Die erste Markenanmeldung sei von Lukas Nonnenmacher, Inhaber der Firma AnalyticOne, eingereicht worden. Dem folgte nur zwei Tage später die Foodbloggerin Kiki Awemeier, die mit „Kikis Dubai-Schokolade“ an den Start geht. Für die Eintragung einer Marke bedarf es nämlich einer Unterscheidungskraft, wie § 3 Abs. 1 MarkenG vorschreibt. So wird gewährleistet, dass bestimmte Begriffe für alle frei bleiben. Die Eintragung des Begriffs Dubai-Schokolade sorgt nicht automatisch dafür, dass sich das Produkt von dem anderer Hersteller unterscheiden lässt.

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Marktreaktionen: Discounter, Detailhändler und Lindt

Discounter legen jetzt mit günstigen Eigenkreationen nach: Bei Lidl gibt es die Dubai-Schokolade ab dem 13. Dezember in der Neckarsulmer Filiale zu kaufen. Auch Aldi Süd bringt seine Version heraus. Ungeachtet dessen sind in der Schweiz auch die grossen Detailhändler auf den Hype aufgesprungen. Bei Coop gibt es niederländische Dubai-Schoggi seit dem 22. November. Die Konkurrentin Migros zieht nächste Woche nach. Ab dem 10. Dezember verkauft der orange Riese 100'000 limitierte Schachteln der Luzerner Confiserie Bachmann in seinen Filialen.

Lindt machte ein Riesen-Geschäft. Mit streng limitiertem Angebot befeuert Lindt & Sprüngli den Hype um die Dubai-Schokolade. Bei Lindt bildeten sich lange Schlangen vor den Geschäften, um eine der begehrten 150-Gramm-Tafeln zum Preis von 14,99 Euro zu ergattern. Stundenlang harrten Fans in der Kälte aus, als Lindt die ersten 500 Tafeln hierzulande unter die Leute brachte - trotz stattlichem Preis.

Menschen stehen vor Lindt-Shop Schlange

Faktische Kritik an Lindts Werbung: Pistazienanteil und Verpackung

Die Werbung der „Dubai Style Chocolade“ von Lindt vermittelt extrem viele Pistazien - 45 Prozent. Lindt wirbt im Handel für „Dubai Style Chocolade“ mit der Angabe „extra hoher Pistazienanteil von 45%*“. Die Abbildung zeigt die Produkte als Riegel und Praline. Laut den Angaben auf der Verpackung enthält die gefüllte Vollmilch-Schokolade 26 Prozent Pistazien-Engelhaar-Füllung. Im Zutatenverzeichnis steht in Klammern 45 Prozent Pistazien.

Informationen über Lebensmittel müssen zutreffen. Der Hinweis auf den hohen Pistazienanteil zusammen mit der Angabe „45 %“ lassen einen hohen Pistazienanteil im Produkt erwarten. Da der Riegel jedoch nur 26 Prozent Füllung enthält, fällt der Pistazienanteil entsprechend niedriger aus. Zusätzlich kritisiert die Fachredaktion von Lebensmittelklarheit, dass der Gehalt für Pistazie sich auf die Füllung bezieht und nicht auf das Endprodukt. Im Vergleich zu ähnlichen Produkten in Deutschland haben Lindt Dubai-Produkte einen sehr hohen Anteil an Pistazien in der Füllung. Lindt kommuniziert sämtliche Zutaten und insbesondere den Pistazienanteil deutlich und transparent.

Stand der Dinge und mögliche Folgen

Bisher fehlt es jedenfalls an einer Markeneintragung des Schokoladennamens, damit wird voraussichtlich ein Gericht allein darüber entscheiden, ob die Lebensmittelbezeichnung tatsächlich täuschend wirkt. Die Frist zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung lief für Lindt am Donnerstag ab. Sollte das Unternehmen nicht reagieren, drohte der Importeur mit einem gerichtlichen Verkaufsstopp. Ob Wilmers mit den Abmahnungen Erfolg haben wird, bleibt also abzuwarten. Auch, ob es am Ende zu einem Gerichtsverfahren kommt.

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Der deutsche Importeur Andreas Wilmers sieht seine Rechtsauffassung durch die Namensänderung bestätigt. Der Importeur hat nicht nur Lindt im Visier. Er plant, auch gegen andere Händler vorzugehen, die Dubai-Schokolade anbieten, die nicht im Emirat produziert wird. Das könnte möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen für deutsche Discounter haben. Andernfalls will Wilmers sonst im Eilverfahren einen Verkaufsstopp erwirken.

Interview zur Abmahnung gegen Lindt

Was bleibt offen

  • Ob „Dubai“ als Herkunftsangabe oder als Gattungsbezeichnung gilt, entscheidet letztlich ein Gericht oder die Verkehrsauffassung.
  • Ob Lindt die neue, maschinell produzierte Variante unter dem Namen „Dubai Style Chocolade“ langfristig beibehält oder weitere Anpassungen vornimmt, ist unklar.
  • Ob weitere Hersteller und Händler rechtlich belangt werden, hängt von künftigen Abmahnungen und Gerichtsentscheidungen ab.

Kurze Bewertung aus dem Material

Die Umbenennung erklärt Lindt mit einer Rezepturänderung und industrieller Fertigung, während der Importeur die Namensnutzung als irreführend betrachtet und auf § 127 MarkenG verweist. Parallel sorgt die konkrete Vermarktung auch wegen Angaben zum Pistazienanteil für Kritik an der Kennzeichnung.

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