Aktueller Honig-Rückruf in Deutschland: Warnung vor nicht deklarierten Arzneistoffen in Online‑verkauftem Honig

In Deutschland laufen derzeit mehrere Rückrufaktionen für Honig‑ bzw. Honig‑Pasten, die online über Marktplätze wie Amazon vertrieben wurden. Bei Laboruntersuchungen wurden in verschiedenen Produkten nicht deklarierte Arzneistoffe festgestellt, darunter der Wirkstoff Sildenafil (bekannt aus Viagra) sowie weitere Substanzen wie Tadalafil, Paracetamol, Theobromin und Koffein. Diese Funde machen deutlich, dass vermeintlich „natürliche“ Nahrungsergänzungsmittel erhebliche Gesundheitsrisiken bergen können, wenn verschreibungspflichtige Medikamente unkenntlich beigemischt werden.

Welche Produkte sind betroffen?

Mehrere Fälle wurden von Behörden und Verbraucherschutzorganisationen veröffentlicht. Zu den namentlich genannten Produkten gehören:

  • Lotus Mixed Herbal Paste with Honey - MHD: 07/2030; vertrieben online über Amazon; hergestellt für Ersan Cimen, Sindelfingerstr. 53, 72070 Tübingen; Hersteller: Atabey Gida Sanayi ve Tic., Sultanbeyli, Türkei.
  • Plus Natural Herbal - Honig Herbal Paste - deutschlandweit vertrieben über Amazon und naturellplus.de; Inverkehrbringer: Plus Natural Herbal Products (Neckarsulm); Hersteller: Naturals Bitkisel Ürünler (Kocaeli, Türkei).
  • Royal Honey - The Ultimate Power Source - Hersteller: Kingdom Honey SDN BHD (Kuala Lumpur, Malaysia); Haltbarkeit: 30.06.2030; EAN: 955575580036.

In allen genannten Fällen ließen die Kennzeichnungen nicht auf das Vorhandensein verschreibungspflichtiger Arzneistoffe schließen. Die betroffenen Produkte wurden als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel vermarktet, teilweise mit Werbeversprechen wie „Energy Booster“, „Performance“ oder „Ultimate Power“.

Welche Wirkstoffe wurden nachgewiesen und welche Risiken bestehen?

Laboranalysen ergaben unter anderem die folgenden Wirkstoffe:

  • Sildenafil - ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von Erektionsstörungen; in Lebensmitteln verboten.
  • Tadalafil - ebenfalls ein Wirkstoff zur Behandlung erektiler Dysfunktion.
  • Paracetamol - ein Schmerz‑ und Fiebermittel, das bei Überdosierung schwere Leberschäden verursachen kann.
  • Theobromin und Koffein - stimulierende Substanzen, die in Kombination mit anderen Wirkstoffen unerwünschte Effekte verstärken können.

Die unkontrollierte Aufnahme dieser Substanzen kann zu ernsthaften Nebenwirkungen führen. Mögliche akute Effekte von Sildenafil und verwandten Substanzen sind unter anderem:

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  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)
  • Tachykardie (Herzrasen)
  • Angina pectoris (Brustschmerzen durch Verengung der Herzkranzgefäße)
  • Gesichtsrötung, Kopfschmerzen, nasale Obstruktion, Rhinitis, Magenbeschwerden
  • Wahrnehmungsstörungen, Herabsetzung des Reaktionsvermögens
  • Dauererektion (Priapismus), Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen, Photophobie, Chromopsie)
  • Atembeschwerden und Herzprobleme - insbesondere gefährlich bei gleichzeitiger Einnahme von Nitraten oder bei bestehenden Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen

Paracetamol kann bei zu hoher Dosis die Leber schwer schädigen; das Risiko steigt bei Alkoholgenuss oder vorbestehender Lebererkrankung. Kombinationen der oben genannten Wirkstoffe machen die Wirkung unberechenbar und erhöhen das Risiko für lebensbedrohliche Zustände.

Was haben die Behörden unternommen?

Das Landratsamt Tübingen hat den Inverkehrbringer zur Rückrufaktion aufgefordert und einen Verkaufsstopp über Amazon veranlasst. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlichte Warnungen auf der offiziellen Seite lebensmittelwarnung.de. Amazon hat in mehreren Fällen den Verkauf eingestellt. Betroffene Inverkehrbringer wurden aufgefordert, die Produkte zurückzurufen und Verbraucher zu informieren.

Warnhinweis Schild Rückruf Produktwarnung

Was sollten Verbraucher tun?

  1. Prüfen: Haben Sie eines der genannten Produkte zu Hause? Achten Sie auf Produktname, MHD und Herstellerangaben.
  2. Nicht verzehren: Bereits gekaufte betroffene Produkte nicht weiter essen, nicht „aufbrauchen“, sondern entsorgen oder beim Händler reklamieren, um eine Erstattung zu erhalten.
  3. Bei Beschwerden: Wer nach Verzehr Symptome wie Schwindel, Herzrasen, Brustschmerzen, Atembeschwerden, starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder Sehstörungen bemerkt, sollte sofort ärztliche Hilfe suchen und auf den konsumierten Honig hinweisen.
  4. Bei Medikationen oder Vorerkrankungen: Personen, die regelmäßig Medikamente (insbesondere Nitrate, Herz‑/Blutdruckmittel) einnehmen oder Lebererkrankungen haben, sollten auch ohne Symptome ärztlichen Rat einholen, wenn sie größere Mengen solcher Produkte konsumiert haben.
Erklärvideo: Risiken durch nicht deklarierte Arzneistoffe in Lebensmitteln

Wie erkennt man riskante „Wunder‑Honige“ im Onlinehandel?

Warnsignale für potenziell gefährliche Produkte sind unter anderem:

  • Werbeaussagen wie „natürliche Potenz“, „Energy Booster“, „Ultimate Power“ oder „Secret Miracle“ ohne transparente Inhaltsstoffliste.
  • Fehlende EU‑Kontaktadresse, fehlende deutsch/englische Pflichtangaben oder Produkte aus Drittstaaten ohne verantwortliche Person in der EU.
  • Vertrieb ausschließlich über Online‑Marktplätze, Foren oder soziale Netzwerke, hohe Preise und Wunderversprechen.

Hintergrund: Warum solche Fälle wiederholt auftreten

Immer wieder kommt es zu Produktrückrufen wegen nicht deklarierter Inhaltsstoffe oder Gesundheitsgefahren. Der Onlinehandel und die Globalisierung der Lieferketten erleichtern den Vertrieb von gepanschten oder falsch deklarierten Produkten. Zollbehörden und Landeslabore berichten von einer wachsenden Zahl solcher Produkte, die bei Kontrollen auffallen.

Die Idee eines zentralen Informationsportals zur Bekanntmachung von Produktsicherheits‑Rückrufen und Sicherheitswarnungen entstand bereits 2007. Heute unterstützen spezialisierte Dienstleister und Vorgaben wie die EU‑Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR) sowie Leitfäden zur Information der Öffentlichkeit bei gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln die Kommunikation und Rückrufabwicklung.

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Qualitätssicherung bei Honig: Authentizität und Lagerung

Neben akuten Arzneimittel‑Beimischungen ist der Honigmarkt in Europa auch wegen Panschungen und Importhonigen in der Kritik. In Stichproben wurden in Deutschland bis zu 80 % der ersten Proben als „nicht-authentisch“ eingestuft; oft werden schwer nachweisbare Zuckersirupe zugesetzt. Verbraucher, die auf Qualität setzen, sollten bevorzugt Honig direkt beim Imker vor Ort oder namentlich ausgewiesenen Imkerhonig im Handel kaufen.

Empfehlung Begründung
Honig vom lokalen Imker kaufen Höhere Wahrscheinlichkeit für Authentizität und transparente Produktion
Auf vollständige Etikettangaben achten Produktsicherheit, Hersteller‑ und MHD‑Angaben sind Pflicht
Vorsicht bei Online‑Angeboten mit Wunderversprechen Höheres Risiko für unklare Inhaltsstoffe und nicht deklarierte Zusätze
Im Zweifel Produkte reklamieren und Behörden informieren Schützt andere Verbraucher und ermöglicht Amtshandeln

Lagerung und Haltbarkeit von Honig

Honig hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), das vom Imker festgelegt werden kann; empfohlen werden zwei Jahre ab Abfüllung, bei bestimmten Honigen kann das MHD kürzer sein. Richtig gelagert bleibt Honig lange genießbar; kühl und dunkel gelagert (unter 15 °C, ideal 4 °C) verändert er sich kaum. Nicht luftdicht gelagerter oder zu nass geernteter Honig kann gären und darf in Deutschland nicht mehr als Honig verkauft werden.

Wie werden Rückrufe kommuniziert und was ist die Rolle der Behörden?

Behörden wie das Landratsamt, Landesverbraucherschutzministerien und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlichen Warnungen und Rückrufinformationen auf offiziellen Portalen (z. B. lebensmittelwarnung.de). Inverkehrbringer sind gesetzlich verpflichtet, Rückrufe durchzuführen und Verbraucher zu informieren. Händler wie Amazon reagieren häufig mit Verkaufsstopps, bis die Sachlage geklärt ist.

Für Unternehmen ohne rückruferprobte PR-Agentur gibt es spezialisierte Dienstleister, die bei der gesetzlich geforderten Verbraucherinformation unterstützen und die Erstellung regelkonformer Rückrufanzeigen übernehmen. Grundlagen sind internationale Standards (z. B. ISO 10393:2013) sowie EU‑Verordnungen und Leitfäden zur Information der Öffentlichkeit bei gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln.

Grafik: So erkennen Sie gefährliche Honigprodukte im Netz

Bei Unsicherheit gilt immer: Lieber die Finger davon lassen, statt unkontrolliert verschreibungspflichtige Arzneimittel zu sich zu nehmen. Verbraucher können durch ihr Kaufverhalten Druck auf Handel und Politik ausüben und die Nachfrage nach transparenter, lokal erzeugter Qualität stärken.

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