Herstellung von Schokoladenhasen grob erklärt
Zu Ostern ist es ein liebgewonnenes Ritual in vielen Familien: Ostereier suchen und ein Osternest finden, in dessen Mitte ein freundlich dreinblickender Osterhase aus Schokolade auf uns wartet. Doch wie entsteht eigentlich ein solcher Schokoladenhase? Die Herstellung kombiniert traditionelle Handwerkskunst mit moderner Technik und jahrhundertealte Osterbräuche prägen sein Erscheinungsbild. Im Folgenden wird der Prozess der Herstellung von Schokoladenhasen einfach und anschaulich erklärt.
Historischer Hintergrund und Entwicklung
Ostern wird im Frühling gefeiert, einer Zeit des Erwachens der Natur, weshalb viele Symbole des Festes - wie der Hase - für Fruchtbarkeit und neues Leben stehen. Die erste belegte Erwähnung des Osterhasen stammt aus dem Jahr 1682, wobei das genaue Warum unklar bleibt. Eine verbreitete Theorie besagt, dass Hasen im Frühling als Symbole für Fruchtbarkeit galten und daher zum Osterfest passten.
Im Mittelalter waren österliche Bräuche und Geschenke wie das Backen eines Osterlamms und das Schenken von Eiern unter Hausangestellten üblich. Erst im 17. Jahrhundert, mit der Reformation, entstanden Ostereier aus Zuckerwerk und Schokolade, die besonders beim Adel beliebt waren. Selbst der Sonnenkönig Ludwig XIV. soll seiner Freundin ein riesiges Schokoladenei geschenkt haben, das von mehreren Pferden gezogen werden musste.
Im 19. Jahrhundert begannen Konditoren, zur Osterzeit Hasen aus Zucker und Schokolade zu fertigen. Anfangs wurden eiserne Gussformen vollständig mit flüssiger Schokolade gefüllt, später dann auch gemalt und verziert. Die ersten Figuren waren oft sehr groß und schwer - teilweise mehrere Kilogramm und bis zu 80 cm hoch. Aus dieser Zeit stammen auch unterschiedliche verrückte Motive wie Hasen mit Pfeife oder mit Körben auf dem Rücken.
Der Durchbruch in der Serienfertigung gelang im 20. Jahrhundert. In den 1920er-Jahren entwickelte man kleinere, flache Gießformen für sogenannte Relief-Hasen, die erstmals eine industrielle Herstellung ermöglichten. Um 1950 begannen deutsche Unternehmen, Schokoladen-Osterhasen als hohle Figuren in großer Stückzahl herzustellen und per Hand in Stanniolfolie einzuwickeln. Ein dänisches Unternehmen hatte bereits 1926 den Herstellungsprozess vollautomatisiert, indem flüssige Schokolade in rotierende Formen gegossen wurde.
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Die Rohstoffe: Kakaobohnen, Schokolade und Zutaten
Für die Herstellung eines Schokoladenhasen sind rund 20 Kakaobohnen notwendig. Diese Samenkerne wachsen in tropischen Regionen rund um den Äquator. Die Grundzutaten der Schokolade sind Kakaomasse, Kakaobutter, Milchpulver (für Vollmilchschokolade) und Zucker. Dabei werden für Vollmilchhasen Milchpulver verwendet, die Menge entspricht etwa zwei kleinen Espressotassen Milch.
Neben der klassischen Vollmilchschokolade gibt es auch Varianten wie Zartbitterschokolade oder weiße Schokolade. Die Hersteller legen zunehmend Wert auf die nachhaltige Herkunft des Kakaos und fairen Handel, auch wenn Bio- und Fair-Trade-Siegel bei gängigen Supermarktprodukten noch nicht weit verbreitet sind.
Der Herstellungsprozess im Detail
Schokoladenveredelung
Die Kakaobohnen werden zunächst gereinigt, geröstet und anschließend zu Kakaomasse verarbeitet. Danach kommen alle Zutaten in den sogenannten Melangeur, eine Maschine, die Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter und Milchpulver mahlt und vermischt, bis eine feine, geschmeidige Masse entsteht. Anschließend wird die Schokolade in der Conchiermaschine weiterveredelt, die der Schokolade ihr unverwechselbares Aroma und eine samtige, cremige Textur verleiht.
Formgebung und Gießen
Für die Formgebung der Schokoladenhasen werden spezielle Gießformen verwendet. In traditionellen Schokoladenmanufakturen, wie der Confiserie Ruth in Bochum, gibt es heute über 3000 verschiedene Formen, davon meist mehr als 100 nur für Ostern.
Die Herstellung beginnt mit dem Aussuchen einer passenden Form. Anschließend wird die flüssige Schokolade in die Form gegossen oder an die Innenwände der rotierenden Formen verteilt (Schleuderguss). Dieser Vorgang sorgt für eine gleichmäßige, dünne Schokoladenschicht, aus der der hohle Hase entsteht.
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Nach dem Abkühlen zieht sich die Schokolade etwas zusammen, wodurch sich die Figur ganz von allein aus der Form löst, ohne beschädigt zu werden. In der Manufaktur werden die Schokoladenhasen anschließend per Hand bemalt und verziert. Dafür werden natürliche Lebensmittelfarben verwendet, beispielsweise aus Paprikaextrakt, um dekorative Details wie Augen oder bunte Punkte zu gestalten.
Verpackung und Versand
Nach der Bemalung werden die Schokoladenhasen in glänzende Stanniolfolie eingewickelt, die speziell von Folien- und Kartonagenherstellern geliefert wird. Die fertigen Produkte werden dann gekühlt an Handelspartner in verschiedenen europäischen Ländern ausgeliefert.
Moderne Fertigung und Markt
Die industrielle Serienproduktion von Schokoladenhasen ersetzt heute vielfach die manuelle Arbeit. Dabei arbeiten hochmoderne Maschinen, die vom Gießen der Schokolade bis zur Verpackung alles automatisieren. Dennoch bleibt Handarbeit beim Bemalen und Dekorieren ein wichtiges Element, um den Hasen einen liebevollen Charakter zu verleihen.
In Deutschland sind im Jahr 2019 etwa 220 Millionen Schokoladenhasen produziert worden, davon 114 Millionen für den heimischen Markt und der Rest für den Export. Neben dem klassischen Vollmilch-Osterhasen sind auch Schoko-Eier, Lämmer, Küken oder Möhren aus Schokolade als Ostersüßigkeiten beliebt. Die Hasen machen dabei mit einem Anteil von 57 Prozent den größten Anteil der süßen Saisonartikel aus.
Nachhaltigkeit und Fairness
Auf der Verpackung fair gehandelter oder biologisch produzierter Schokoladenprodukte kann man Siegel wie das Gepa-Siegel, Fair-Trade-Siegel oder UTZ-Siegel finden. Diese garantieren unter anderem die Ausschließung von Kinderarbeit und Zwangsarbeit sowie die Zahlung von Mindestlöhnen. Allerdings sind solche Siegel bei Supermarkt-Osternaschereien noch selten anzutreffen und eher in Bio- und Reformläden erhältlich.
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Ein weiteres Thema bei Schokolade ist der Einsatz von Palmöl, das früher unter dem Begriff „pflanzliches Fett“ versteckt wurde. Heute muss Palmöl klar auf der Zutatenliste deklariert werden, um Verbrauchern Transparenz zu bieten.
Praxisbeispiel: Herstellung bei Brandt in Landshut
Das Unternehmen Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH + Co. KG mit Sitz in Landshut stellt vor allem saisonale Schokoladenprodukte her, darunter auch Schoko-Osterhasen. Die Produktionsmenge liegt bei circa 20.000 Tonnen im Jahr. Brandt produziert sowohl unter eigenen Marken als auch als Co-Manufacturer für große Einzelhändler und Discounter.
Bei Brandt erfolgt die Herstellung von Schokoladenhasen teilautomatisiert. Die Verpackung wird von spezialisierten Partnerfirmen geliefert, besonders wenn Produkte für Kunden individuell gefertigt werden. Das Hauptabsatzgebiet umfasst Deutschland, Österreich und andere europäische Länder.
Berufsperspektive und Herstellungserlebnis
Juliane König, Produktentwicklerin bei Brandt, beschreibt ihre Tätigkeit: Nach einer Ausbildung zur Süßwarentechnologin und einer Weiterbildung zur Lebensmittelverarbeitungstechnikerin arbeitet sie heute an der Entwicklung neuer Produkte. Dies umfasst das Handwerk der ersten Musterherstellung sowie die Begleitung von Großproduktion und Markteinführung.
Auch Kinderreporterin Klara (9) durfte bei einem Besuch in der Confiserie Ruth in Bochum selbst einen Schoko-Hasen herstellen. Dabei verlief der Prozess so, dass die Schokolade aus sogenannten Schokoladentankstellen in die Formen floss, die später zusammengesteckt und aufgebaut wurden. Jedes Detail wurde mit natürlichen Farben bemalt. Die fertigen Figuren entstehen in Chargen von etwa 500 Hasen gleichzeitig.
| Herstellungsschritt | Beschreibung |
|---|---|
| Kakaoverarbeitung | Rösten, Mahlen und Mischen der Kakaobohnen mit Zutaten im Melangeur und Conchiermaschine |
| Schokoladengießen | Flüssige Schokolade wird in rotierende oder statische Formen gegossen |
| Abkühlung | Schokolade zieht sich zusammen und löst sich von der Form |
| Bemalung | Handbemalung mit natürlichen Lebensmittelfarben |
| Verpackung | Einschweißen in Stanniolfolie und Versand |
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