Android Nougat — Neuerungen und Funktionen
Android Nougat (Android 7.0) brachte zahlreiche sichtbare und tief unter der Haube wirkende Änderungen, die die Nutzererfahrung verbessern, die Leistung steigern und die Sicherheit erhöhen sollten. Viele Neuerungen richteten sich sowohl an Endnutzer (sichtbare Features wie Multi‑Window oder überarbeitete Benachrichtigungen) als auch an Entwickler (API- und Systemverhaltensänderungen) und Systemintegratoren (Seamless Updates, Vulkan, JIT-Compiler).
Übersicht der wichtigsten Neuerungen
- Multi‑Window / Splitscreen: Der neue Multi‑Window‑Modus stellt auf Smartphones und Tablets zwei Apps nebeneinander dar; auf Android TV kommt stattdessen Picture‑in‑Picture zum Einsatz.
- Benachrichtigungen und Quick Settings: Benachrichtigungen wurden überarbeitet, sind schlanker und unterstützen gruppierte Konversationen und direkte Antworten aus der Benachrichtigungsleiste. Quick Settings sind direkter erreichbar und zeigen zentrale Schalter in einer Zeile an.
- Seamless (nahtlose) System‑Updates: Updates können im Hintergrund auf einer zweiten Systempartition installiert werden, sodass der Nutzer nur noch einmal neu starten muss, ohne lange Update‑Bildschirme.
- Grafik‑API Vulkan und JIT‑Compiler: Vulkan bringt eine moderne Grafik‑API für bessere Grafikqualität und Performance in Spielen; der neue JIT‑Compiler beschleunigt App‑Installationen und reduziert das Caching beim Neustart.
- Verbesserte Verschlüsselung und Sicherheit: Einführung dateibasierter Verschlüsselung, Direct Boot, verstärkte Verified‑Boot‑Prüfungen und Änderungen am Umgang mit Zertifikaten erhöhen die Systemsicherheit.
- Instant Apps: Entwickler können künftig funktionale App‑Teile bereitstellen, die ohne Installation gestartet werden können - per Tap auf einen Link.
- VR‑Plattform Daydream: Android Nougat unterstützt Googles VR‑Plattform Daydream auf kompatiblen Geräten.
Multi‑Window, Bild‑in‑Bild und Produktivität
Multi‑Window ist eines der sichtbarsten Features von Nougat: Der Multi‑Window‑Modus stellt auf Smartphones und Tablets zwei Apps nebeneinander dar. Den Multi‑Windows‑Modus kann man auf zwei Arten aktivieren: Langes Drücken auf den Übersichts‑Knopf schiebt die aktuelle App in die eine Bildschirmhälfte und öffnet die Task‑Liste in der anderen; alternativ öffnet man zuerst die Task‑Liste und tippt lange auf die Titelzeile einer App, um sie im zweiten Fenster zu öffnen. Die Fenstergröße lässt sich am verschiebbaren Trennbalken verändern, und Daten können per Drag & Drop zwischen den Fenstern verschoben werden.
Benachrichtigungen und Schnelleinstellungen (Quick Settings)
Die Benachrichtigungen sehen schlanker aus, erhalten Avatar‑Icons und können zusammengehörige Nachrichten als Gruppe darstellen. Nutzer können außerdem direkt aus der Notification‑Leiste auf Meldungen wie SMS oder Chat‑Nachrichten antworten. Die Schnellstartleiste für Systemeinstellungen wurde verbessert: Die wichtigsten Icons (z. B. WLAN, Taschenlampe) erscheinen in einer Zeile über den Benachrichtigungen; ein erneutes Herunterziehen öffnet das vollständige Quick Settings‑Menü mit allen Verknüpfungen.
Performance, Grafik und Energieeinsparung
Unter der Haube brachte Nougat mehrere Änderungen, die die Performance erhöhen und den Energieverbrauch senken sollen. Der neue JIT‑Compiler für Apps beschleunigt App‑Installationen und reduziert die sonst bei Neustarts erforderlichen Caches. Die Vulkan‑API (eine plattformübergreifende Rendering‑API der Khronos‑Gruppe) ermöglicht eine deutlich bessere Grafikqualität und -performance in Spielen. Zudem wurden Verbesserungen für Doze und App‑Standby eingeführt, um die Akkulaufzeit zu optimieren; das System wendet gestaffelte Einschränkungen an, wenn ein Gerät längere Zeit nicht bewegt wird.
Doze‑Optimierungen
Android 7.0 erweitert den in Marshmallow eingeführten Ruhemodus (Doze): Wenn ein Gerät mit Akku betrieben wird und das Display eine bestimmte Zeit aus war, wechselt es in den Ruhemodus und deaktiviert Netzwerkzugriff sowie verschiebt Jobs und Synchronisierungen. Werden Bewegungsfreiheit oder längere Ruhe festgestellt, kommen zusätzliche Einschränkungen für WakeLocks, AlarmManager‑Wecker, GPS und WLAN‑Scans hinzu. Beim Wiederanschalten des Bildschirms oder beim Laden werden die Einschränkungen aufgehoben.
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Sicherheit, Verschlüsselung und Verified Boot
Android N führte dateibasierte Verschlüsselung ein: Dateien verschiedener Nutzer sind damit selbst auf gerooteten Geräten nicht einfach lesbar. Verified Boot wurde verschärft: Bei Geräten, die mit Android 7 ausgeliefert wurden, ist es möglich, den Bootvorgang bei Integritätsproblemen abzubrechen oder das System in einem stark eingeschränkten Modus zu starten. Außerdem wurden Änderungen im Umgang mit Zertifikaten vorgenommen: Das System nutzt nur vorinstallierte CA‑Zertifikate für verschlüsselte Verbindungen, um zu verhindern, dass böswillige Apps eigene Zertifikate einspielen und Datenverkehr abhören.
Seamless Updates: Aktualisierungen im Hintergrund
Seamless Updates ermöglichen das automatische Herunterladen und die Installation von System‑Updates im Hintergrund auf eine zweite Systempartition. Nach dem Update startet das Gerät von der aktualisierten Partition - diese Methode reduziert Ausfallzeiten beim Einspielen von Sicherheitsupdates. Voraussetzung sind jedoch Geräte mit partitioniertem internen Speicher und entsprechende Unterstützung durch den jeweiligen Hersteller.
Instant Apps: Apps ohne Installation
Instant Apps erlauben es, bestimmte App‑Funktionen ohne vollständige Installation zu nutzen. Tippt ein Nutzer z. B. auf einen Link, lädt Android nur den Teil der App, der gerade benötigt wird. Instant Apps sind kein Nougat‑exklusives Feature: Sie wurden so konzipiert, dass sie auch auf älteren Geräten ab Android 4.1 funktionieren.
Entwickler‑ und Systemänderungen
Neben Nutzerfunktionen brachte Nougat umfangreiche Änderungen für Entwickler:
- Entfernung bestimmter impliziter Broadcasts (z. B. CONNECTIVITY_ACTION, ACTION_NEW_PICTURE, ACTION_NEW_VIDEO) zur Reduktion von RAM‑Nutzung und Energieverbrauch; Entwickler sollen stattdessen JobScheduler oder explizite, kontextbezogene Mechanismen nutzen.
- Einschränkungen beim Teilen von file://‑URIs: Das Framework erzwingt die Verwendung von content://‑URIs (z. B. mittels FileProvider), um FileUriExposedException zu vermeiden.
- Änderungen beim Laden nativer Bibliotheken: Dynamisches Verlinken gegen private Plattform‑Bibliotheken ist nicht mehr erlaubt; Entwickler sollten nur öffentliche NDK‑APIs verwenden oder Bibliotheken ins APK bündeln. Logcat warnt bei Nutzung temporär verfügbarer privaten libs.
- Verbessertes Verhalten bei Konfigurationsänderungen (z. B. Display‑Größe) und Hinweise zur Handhabung von gecachten, dichteabhängigen Ressourcen.
- Neue bzw. angepasste DevicePolicyManager‑APIs und Änderungen für Android for Work: Installation delegierter Zertifikats‑Installer, Einschränkungen beim Zurücksetzen von Passwörtern und per Nutzer verwaltete Fingerabdrücke.
Kompatibilität und Targeting
Viele Verhaltensänderungen betreffen Apps, die auf API‑Level 24 (Android 7.0) ausgerichtet sind. Entwickler sollten ihre Apps auf Geräten mit Nougat testen, um Abstürze zu vermeiden (z. B. durch unzulässige native Bibliotheken oder Serialisierung ohne explizite serialVersionUID). Das Framework kann Laufzeitfehler melden und Log‑Ausgaben erzeugen, die Hinweise auf notwendige Anpassungen geben.
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Barrierefreiheit und Anzeigegrößen
Nougat verbesserte Einstellungen für Nutzer mit eingeschränktem Sehvermögen: Nutzer können Anzeigegröße und Schriftgröße global einstellen, Vergrößerungsbewegung und TalkBack einrichten. Auf dem Begrüßungsbildschirm von Android‑Geräten finden sich nun Optionen, um diese Bedienungshilfen direkt beim ersten Start zu konfigurieren. Entwickler sollten ihre Apps mit unterschiedlichen Display‑Einstellungen testen, insbesondere wenn sie dichteabhängige Daten im Cache speichern.
Geräte‑ und Herstellerausrollungen
Als Google die Developer‑Preview von Android N startete, waren die ersten unterstützten Geräte Google‑Modelle wie Nexus 5X, Nexus 6, Nexus 6P, Nexus 9, Pixel C und später auch Pixel‑Geräte. Wie bei früheren Android‑Versionen erhielten Googles eigene Geräte das Update zuerst. Viele Hersteller kündigten Nougat‑Updates für Topmodelle an (z. B. Samsung Galaxy S7/S7 edge, HTC 10, LG G5, Moto G4/G4 Plus, Sony Xperia‑Reihe), doch die Verfügbarkeit variierte stark: Einige Funktionen wie Seamless Updates oder Daydream sind auf neueren Geräten vorbehalten, da ältere Hardware oft die nötigen Partitionen oder Sensoren nicht bietet.
Daydream und Android TV
Neben Smartphones brachte Nougat auch Neuerungen für Android TV: Google Assistant kommt auf Android TV, und Plattformen wie Nvidia Shield Android TV erhielten spezielle Verbesserungen (z. B. DVR‑Unterstützung, Multi‑Screen‑Viewing und Netflix‑HDR‑Support). Für VR‑Interessierte brachte Nougat mit Daydream eine Plattform, die auf kompatiblen High‑End‑Geräten funktioniert; Hersteller wie ZTE (Axon 7) kündigten Daydream‑kompatible Geräte an.
Fazit zur Bedeutung von Nougat
Android Nougat bündelte zahlreiche Optimierungen: sichtbare Features (Splitscreen, überarbeitete Benachrichtigungen, Quick Settings), grundlegende Performance‑Verbesserungen (Vulkan, JIT), strengere Sicherheitsmechanismen (dateibasierte Verschlüsselung, Verified Boot, Zertifikatshandling) sowie Entwickler‑orientierte Änderungen (Broadcast‑Reduktion, NDK‑Einschränkungen, API‑Anpassungen). Während viele Neuerungen deutlich spürbar wurden, blieben einige, etwa Seamless Updates oder Daydream, auf neueres Gerätedesign beschränkt.
Tabelle: Auswahl zentraler Nougat‑Features und ihre Zielgruppe
| Feature | Für wen | Nutzen |
|---|---|---|
| Multi‑Window / Splitscreen | Nutzer | Gleichzeitige Anzeige und Interaktion mit zwei Apps |
| Seamless Updates | Alle (auf unterstützter Hardware) | Nahtlose automatische Systemupdates im Hintergrund |
| Vulkan API | Spielentwickler | Höhere Grafikqualität und bessere Performance |
| JIT‑Compiler | System & Entwickler | Schnellere App‑Installationen, reduziert Caching |
| Dateibasierte Verschlüsselung | Sicherheit | Bessere Isolation von Nutzerdaten |
| Instant Apps | Nutzer & Entwickler | Starten von App‑Funktionen ohne Installation |
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